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Die Wahrheit · 1901-09-13 · Heft 36 (13.9.1901) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 36 (13.9.1901)
Date
1901-09-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Allgemeine Cantoren-Zeitung. Nr. 36. Mcitäge zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 21. Iahrg. Allgemeiner Cautorenvrrein. Im Anschluss an die auf dem Cantorenccngress in Wien ins Leben gerufene Organisation hat am Sonntag, den 1. d., im Hotel Central zu Elberfeld zwecks Gründung eines Provincialverbandes rheinisch-westfalischer Cantoren eine Sitzung von Vertrauensmännern beider Provinzen stattgefunden. Nach einem kurzen Referat des Herrn Zivi über die Wiener Verhandlungen war man einstimmig der Ansicht, dass auch hier nur vereinte Kräfte zum Ziele führen, und dass möglichst Hand in Hand mit den bestehenden Lehrervereinen etwas geschehen müsse, um das vielfach als Stiefkind betrachtete Cantorat in seine ihm von Natur aus zustehenden Rechte einzusetzen. Die zur Beralhung erschienenen Herren Blume nthal -Köln, Cohn -Köln, Ehrlich -Schwelm, G u m p e l -Dortmund, Jose f-Solingen, L i l i e n t h a l -Düsieldorf, S1 e i n b e r g -Barmen und Z i v i- Elberfeld haben unter Vorbehall einer officiellen Cantoren-Versammlung folgende Gesichtspunkte erörtert und als Thesen ausgestellt : 1. Der Verband bezweckt, den Cantorenstand auf ein höheres Niveau zu stellen, indem fortan nur noch derjenige als Cantor angestellt werden soll, welcher in seinem Privatleben einwandsfrei dasteht und in der Lage ist, seine cantoralen Fachkenntniße sowie seine allgemeine Bildung durch ein vomStaate anerkanntes Zeugnis nachzuweiseu. Zur Erreichung dieses Zweckes soll die Einrichtung von Cautorenschulen, entweder im Anschluss' an die bestehenden Lehrerseminare oder als selbstständige Institute, ins Auge gefasst werden. Zur Fortbildung sollen ferner regelmäßige Consereuzen stattfinden, auf welchen alle Gebiete des Cantorates eingehende Behandlung zu erfahren haben. 2. Der Verband erblickt eine Hauptaufgabe auch darin, die Anstellungs-, die Pensions- und Relictenversorgungs-Verhältniße einer Regelung eutgegenzuführen. Dieses Ziel soll möglichst im Anschluss an den Verein isr. Elementarlehrer für Rheinland und Westfalen erreicht werden. 3. Der Verband erstrebt ferner bei etwaigen Differenzen zwischen Gemeinde und Cantor versöhnend einzuwirken, eventuell ungerechtfertigten Maßnahmen wirksam entgegenzutreten. Behufs deffen föll ein ständiges Schiedsgericht errichtet werden, welches aus Vertretern von Gemeinden und des Cantorenstandes zu bestehen hat. 4. Zur Vertretung der Standesintereffeu wird die Nothwendigteir eines Fachblattes betont, als solches dürste in erster Linie die in Wien erscheinende „Allgemeine Cantoren-Zeitung" in Betracht kommen. j * * Die Arbeit, die auf dem allgemeinen Cantorentage in Wien geleistet wurde, beginnt, wie der vorstehende Bericht beweist, bereits Früchte zu tragen, und hoffentlich wird die allgemeine Organisation der cantoralen Berufsgenossenschaft, deren Mittelpunkt im »allgemeinen Cantorenvereine" gedacht ist, auch in deil übrigen Provinzen Deutschlands baldigst gedeihliche Fortschritte machen. Besonders aber in Oesterreich-Ungarn ist noch ein großes Stück Arbeit zu vollbringen. Das Werk der Einigung ist mit vielfachen Schwierigkeiten verbunden, die gestehenden Reibuugsflächen müssen geglättet und alle Hinderniße hinweggeräumt werden, die dem innigen Zusammenschluss der gesammten Berufsgenossenschaft im Rahmen des »allgemeinen Cantorenvereines" im Wege stehen. Alle persönlichen Rücksichten müssen wegfallen, nur das Interesse der Allgemeinheit darf das Zeitmotiv aller Handlungen sei»». Es ist eine hohe und bedeutsame Aufgabe, die dem Vor stände des „Oesterr.-ungar. Cantoren-Vereines" vom „allge meinen Cantorentage" übertragen wurde; wie dieser aber durch mehr als zwei Jahrzehnte im Vereine mit der Redaction der „Cantoren-Zeitung" unbekümmert um mannigfache Anfeindungen und Gegenströmungen die Fahne der Berufsgenossenschaft hochgehalten und gegen alle Angriffe vertheidigt hat, so wird er auch diesmal das Vertrauen, das in ihn gesetzt wurde, vollauf zu rechtfertigen wissen. Man möge nicht mit dem Vorwurfe kommen, dass seit dem Cantorentage bisher wenig oder gar nichts geschehen ist. Die Abwesenheit eines großen Theiles der Collegen von Wien und andere Umstände haben in den letzten Wochen 'einen entscheidenden Schritt unmöglich gemacht, sobald aber die beruflichen Lasten nach Ablauf der hohen Feiertage geringer werden, wird der Vorstand des Cantoren-Vereines sicherlich an die ernste Arbeit schreiten. Dass die Redaction der „Cantoren-Zeitung", die sich stets als Einigungspunkt der bisher leider getrennt marschirenden Berufsgenossenschaft bewährt und — wir können dies heute mi t stolzer Genugthuung constatiren — die erste Anregung zu dem allgemeinen Cantorentage gegeben hat, alle ihre Kräfte der Förderung der Berufsorganisation widmen wird, bedarf wohl keiner besonderen Versicherung. Unsere bisherige Thätigkeit kann als Maßstab dienen für unser ferneres Verhalten. Aber alles Streben und Wirken des „Cantoren-Vereines" und der „Cantoren-Zeitung" wäre zwecklos und nichtig, wenn sie nicht bei jedem einzelnen Berufsgenossen verständnisvolle und opferwillige Unterstützung fänden. Nur durch die Masse können wir imponireu. und Erfolge erringen. Darum ist es eine heilige Pflicht eines jeden Cantors. sich um unsere Fahne zu schaaren und durch Anschluss an den „Cantoren-Berein", sowie durch Unterstützung der „Cantoren-Zeitung" ein kleines Steinchen zuzufügen zu dem großen Baue, den wir mit Gottes Hilfe zum Wohle der gesummten Berufsgenossenschaft aufzuführen gedenken. Wenn Jedermann seine Pflicht erfüllen wird, dann ist das Gelingen des Werkes gesichert; mit frohem Muthe können wir dann dem netten Jahre entgegensehen und hoffnungsfreudig ausrufen : nitD-Qi rut? ^rrn D i e Redaction. H. Weintraud »nd seine „Tempelgesänge". Von Ed. Birn b aum, Königsberg. sSchluss.^ Dem Urheber der zweiten Auflage seiner „Tempelgesänge" gebührt der Dank, das Andenken Weintraub's der Mit- und Nachwelt wieder in Erinnerung gebracht zu haben; Weintraub gebührt aber der Ruhm, einen historisch wichtigen Zweig.des alten Synagogengesanges veredelt und das Charakteristische an ihm der Vergessenheit entrissen zu haben. Ueber den künstlerischen Werth seiner in's Bibliographische schlagenden musikalischen Nachlassenschaft (darunter die IssAinötll zum Pent., den Propheten und den fünf Rollen nach litthauischem Ritus, sowie eine Musiktheorie) werde ich mich an einer anderen Stelle äußern, da es hier zu weit führen würde; hier sei nur noch erwähnt, dass er auch eine Anzahl deutscher Gesänge hinterlassen hat, die hier angeführt werden. 1. Allbarmherziger Gott (Gebet für die Verstorbenen, nach der alten Liturgie yok für gemischten Chor mit Orgel — Weintraub-Handschristen Nr. 120). 2. Am Pregelstrom (weltliches Lied für Männerchor — Nr. 118).

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