Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 36 (13.9.1901)
- Date
- 1901-09-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 36 Ute Dahrheu. Seile 7. Verschiedene Nachrichten. Wie«. Der Präsident der Cultusgemeinde, Herr kaiserlicher Rath Heinrich Klinger, ist von seinem Erholungsurlaube zurückgekehrt und hat die Führung der Präsidialgeschäfte wieder übernommen. Wien. Der Vicepräses der Türkischen Gemeinde, Herr Licco L. Adutt, wurde von Sr. Majestät dem Sultan mit dem Metschidje Orden III. Clafse (Commandeur) ausgezeichnet. Herr Adutt hat sich um die Gemeinde, namentlich aber als langjähriger Obmann des Armenvereines große Verdienste erworben und darum wurde die ihm zu Theil gewordene Auszeichnung allgemein freudig ausgenommen. Er entstamm teiner der ältesten und hervorragendsten Familien der Türkischen Gemeinde und sein sel. Vater, Jehuda Adutt, war in den weitesten Kreisen als wahrhaft frommer und überaus wohlthätiger Mann geehrt und geschätzt. Der verstorbene Rabbiner Horowitz hatte das Recht, jedem Gelehrten eine Anweisung aus eine Unterstützung auszufolgen, welche von Jehuda Adutt stets honorirt wurde. DaS echt fromme wohlthätige jüdische Herz des Vaters hat sich auch dessen Sohn bewahrt, der es bei jeder Gelegenheit bethätigt. Wie«. Am Samstag, den 5. October fSchemini-Azarethj wird im Gemeinde-Tempel des 15. Bez., Turnergafse 22, das fünfundzwanzigjährige Jubiläum der verdienstlichen Thätigkeit des Herrn Cultusvorstehers Gottlieb Taußig und des Herrn Obmannes, des Tempelvorstehers Samuel Steiner, in besonders feierlicher Weise begangen werden. Wien. Anlässlich des Amtsantrittes Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Moritz Rosenfeld hat Freitag, den 6. September, 6 Uhr abends im Bethause des Leopoldstädter Bethausvereines „Montesiore" ein feierlicher Gottesdienst stattgefunden. Waden. Die Liebe Gottes in der Natur und die Mildherzigkeit edler, wohlthätiger Menschen vereinigten sich, um in dem herzerquickenden Thale A l l a n d eine Anstalt erstehen zu lassen, welche so vielen Brust- und Lungenleidenden Heilung und Genesung bringen soll. An Leidensstätten hört der Unterschied der Menschenclassen auf und Gleichheit herrscht in allen ihren Räumen. Und so waren auch die loyalen und menschenfreundlichen Gründer dieser Heilanstalt schon bei dem Baue daraus bedacht, wie für die christliche so auch für die jüdische Confession ein Local für die Gottesandacht in einem kapellenartigen Raume zu reservieren, dessen Einweihung Montag, den 9. d., 4 Uhr Nachmittag erfolgte. Eine kleine, aber sehr würdige Gemeinde war bei derselben versammelt. Als Vertreter der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, kdie die Einrichtungskosten trägt, waren Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann und Herr Cultusvorsteher Dr. Alfred Berger, ersterer in Begleitung seiner Gemahlin Frau Jda Güdemann, die israelitische Cultusgemeinde Baden, unter deren Leitung diese Gottesstätte von nun ab stehen wird, war durch den Rabbiner Herrn Wilhelm Reich, den Präses. Herrn Moritz Leitner, den Vicepräses Herrn Anton Schneider, die Beiräthe Salomon Klauber und Dr. Emil Raab, die Cultusausschussmitglieder Dr. Josef Schwarz, Moriz Daniel und Hermann Flaschner vertreten. In der Anstalt wurden die Ankommenden von dem für die Anstalt sich aufopfernden Director, Regierungsrath Dr. v. Weißmayer, mit seinem ärztlich en Stabe in feierlicher Weise empfangen und nach einem kurzen Rundgange durch das prachtvolle und in großem Style angelegte Gebäude in die Andachtsstätte geführt. Dort waren nebst den jüdischen Patienten ein beträchtlicher Theil der christlichen Pfleglinge versammelt, um diesem Weiheacte beizuwohnen. Und wahrlich erhebend und bewegend wirkte er auf die Gemüther aller Anwesenden. Die Einweihung begann mit einem von Herrn Cantor Jakob Schäfer stimmungsvoll vorgetragenen„Ma-towu", Ivorauf Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann nach einer kurzen aber tiefsinnigen und formvollendeten Ansprache das „Ner Tomid" anzündete. Waren die Herzen der Anwesenden schon durch diesen Act gehoben und gestimmt, so wirkte die darauf folgende Rede des Herrn Rabbiners Wilhelm Reich auf alle Zuhörer belebend und ergreifend zugleich. Jedes Wort zündete, und Patienten wie Gäste trockneten sich die Thränen und Mussten an sich halten, um nicht in lautes Weinen auszubrechen. Nach dieser Ansprache wurde vom Cantor Schäfer das Minchagebet laut vorgetragen, womit der heilige Act beendigt war. Dr. von Weiß- «ayer führte dann die Gäste in den geräumigen Speisesaal, wo ein Thee servirt wurde. Der Präses, Herr Moritz Leitner, meldete bentj Director, Hass die Badener Israel. Cultusgemeinde der Heilanstalt mit einem jährlichen Beitrage von 50 Kronen beitrete, was dieser dankend zur Kenntnis nahm. Nachdem'die Gäste sich in das aufliegende Gedenkbuch eingeschrieben! und vom Director und den Aerzten verabschiedet hatten, erfolgte die Abfahrt mit dem beseeligenden Eindrücke, dass hier ein gutes Werk geschaffen wurde. I. Mähr. Hstra«. Im engsten Familienkreise feierte jüngst der bekannte Wechselstuben- und Mühlenbesitzer, Herr Albert Wechsberg, in vollster geistiger und körperlicher Frische seinen siebzigsten Geburtstag. Dem I ubilar, welcher in rastloser Thätigkeit aus ganz kleinen Anfängen seine heutigen Unternehmungen geschaffen hat, kamen im Laute des Tag. s zahlreiche Beglückwünschungen zu. Auch verschiedene sinnige Gaben wurden ihm überreicht: als erste eine große künstlerisch ausgestattete und mit prachtvollen Bronceornamenten verzierte Caffette, welche in sieben geschmackvoll ausgestatteten Tableaus die Porträs der neun Kinder und 15 Enkel des Herrn Wechsberg enthält. Die Caffete, ein in secssionistischem Stile gehaltene- Kunstwerk, wurde in dem Fabriksetabliffement des Herrn Julius Kitt! angefertigt. Slraßuitz. Der in der israelitischen Cultusgemeinde Straßnitz frei gewordene Posten eines Obercantors wurde mit Herrn Jsak Klinkovstein, einem Schüler des Obercantor Birnbaum in Czenstochau fRusslandj besetzt. Herr Klinkovstein, der bisher als Tenorist in Mähr.-Ostra» thätig war, hat durch seinen gediegenen Vortrag und durch seine klangvolle Tenorstimme bei seiner Probe großen Beifall gefunden, so das» er einstimmig acceptiert wurde. — o — Auugöuuzkau. Bei den am 1. August hier stattgefundenen Vorstandswahlen der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde wurden gewählt: Herr Jur.-Dr. Dr. Steinreich zum Cultusvorsteher, der Großkaufmann Herr Berthold Kornfeld zu dessen Stellvertreter, die Herren Ferdinand Kraus und Isidor Seidner zu Tempelvorstehern, ferner Herr Friedrich Eisler zum Cajsier und Herr Eduard Fuchs zum Schriftführer, endlich die Herren Kobler und Hugo Heller zu Beisitzern. Miskokcz. Sonntag den 1. September ist die neue Synagoge und die Elementarschule der hiesigen jüdischen Gemeinde eingeweiht worden. Zu der Schulfeier hatte sich auch der reformirte Bischof Bartholomäus Kun eingefunden. Zlngvar. Zwei Polizisten, welche einen Bauer ausgeplündert und erschlagen hatten, versuchten, dessen Leichnam unter dem Schutze der Nacht auf den jüdischen Friedhof zu schleppen. Zum Glück wurden sie von einem Kutscher bemerkt und auf deffen Allarmrufe festgenommen. Zweifellos beabsichtigten die beiden „Hüter des Gesetzes", durch Construirung eines „Ritualmordes" die Spuren von sich abzulenken. Aogaras. Der hiesige Photograph )B. I, ein Christ, der ein „jüdisches Aussehen" hat, kam dieser Tage nach dem romantisch gelegenen Zernest, um daselbst Aufnahmen für Ansichtskarten zu machen. Kaum war die Bevölkerung des „Juden" mit seinem schwarzen Kasten ansichtig geworden, als es sofort hieß, dass derselbe christliche Kinder einfangen und abschlachten wolle. Einige dieser Tapferen fielen über den Unglücklichen her und schlugen so unmenschlich auf ihn ein, dass er die Spuren der Mißhandlungen noch lange tragen wird. Hierher zurückgekehrt, schleppte er sich zu dem jüdischen Arzt Dr. L. und ließ sich ein Befunds-Attest ausstellen. Als er dafür die Taxe von vier Kronen zahlen sollte, meinte er: „Das ist zuviel, zumal ich doch eigentlich ein Opfer für Ihre Glaubensgenossen bin." „O nein", antwortete der Arzt schlagfertig, „Sie sind ein Oper der Dummheit Ihrer Glaubensgenoffen." Amsterdam. In voriger) Woche ward der Synagoge der portug. israel. Gemeinde in Amsterdam eine besondere Ehre zu theil, und zwar der Besuch des Prinzen Heinrich von Niederlande, der von seinem Adjutanten und dem Bürgermeister der Stadt begleitet war. Beim Eintritt wurde der hohe Gast vom Gemeindevorstande empfangen, welcher ihm vom Bürgermeister vorgestellt wurde. Nachdem der Vorsitzende, Herr Vita Israel, den Fürsten in kurzen, herzlichen Worten willkommen geheißen, wurden die vielen kostbaren Sehenswürdigkeiten in Augenschein genommen und für das königliche Haus uud die Obrigkeit ein Gebet in hebräischer Sprache abgehalten. Der Prinz, welcher der« Ganze» mit dem größten Jnterefie gefolgt war. trug zuletzt seinen Namen in das Gedenkbuch ein und verabschiedete sich unter verbindlichstem Danke an den Herrn Vorsitzenden. Waris. Der Kriegsminister hat angeordnet, dass die jüdischen Soldaten vom 13.—16. und vom 22.-24. September (Rösch Haschan» und Jom Kipur) dienstfrei find.