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Die Wahrheit · 1901-09-06 · Heft 35 (6.9.1901) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 35 (6.9.1901)
Date
1901-09-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 35 Die Wahrheit. Seile 7. sich vereinigen, speisen und sich vergnügen in besonderen Räumen. Die Prostitution kommt mcht vor, versicherte man mich, zwischen Israeliten und Muselmännern; sie kommt unter den Israeliten wohl vor, doch aus eine sehr geheime Weise aus Furcht vor den Rabbinern, die gegen solche Sachen sehr streng versahren. Unsere Glaubensgenossen von Meqninez sürchten den bösen Blick; sie suchen den Zorn der Dämonen zu besänstigen, indem sie ihnen Opser bringen; ihnen zu Ehren tödtet man Hühner! und Hähne. Der Glaube an die Macht der Vermittlung gewisser verstorbener Rabbiner bei der Gottheit um wunderbare Heiluu- > gen ist ihrem Geiste ties eingeprägt. Man hat einen Vater das i Grab eines Heiligen, den er angerufen hatte, angreisen sehen, weil die Tochter jenes Vaters nicht schnell genug geheilt wurde. i Ihre Vergnügungen bestehen in der Sinnlichkeit und in Tafelfrenden; sie trinken und essen oft mebr als vernünftig. i Sie wissen nicht immer Maß zu halten bei Tische, in der; Kleidung und Ausschmückung des Hauses. Das ließ mich eines Tages einem Mann, der sich über die unsichere Lage der Gemeinde beklagte sagen: „Ich gebe zu, dass ihre Geschäfte nicht sehr glänzend sind; aber ich bin überzeugt, wenn sie mäßiger , speisen und Ihre Frauen weniger echte ober falsche Edelsteine; tragen, wird Ihr Elend weniger groß sein." War es Höflich-; keil oder Ueberzeugung: der Mann gab mir Recht. > verschiedene Nachrichten. Wien. Am 31. August ist in Baden bei Wien der Director der! Hermann Freiherr v. Königswarter'schen Centralkanzlei, kaiserlicher Rath j Benno Schefftel, im 56. Lebensjahre verschieden. Der Verblichene! stand im Mittelpunkte des reichverzweigten Wiener Humanitätswejens und mit besonderer Vorliebe und Fürsorglichkeit wandte er den jüdisch! humanitären Institutionen in der Wiener Cultusgemeinde seine große j Arbeitskraft und sein hervorragendes Organisationstalent zu. Unter i Anderem hat er an der Gründung und dem Ausschwnng des „Ferien-; heim" bedeutenden Antheil genommen. Das frühzeitige Hinscheiden dieses seltenen Mannes wird in allen Kreisen der Wiener Gesellschaft aufrichtig betrauert. Das Leichenbegängnis fand Dienstag, den 3. d., unter überaus großer Theilnahme statt. Zahlreiche Trauergäste sowie die tieftrauernde Witwe mit den übrigen Familienmitgliedern hatten sich in der Ceremonienhalle des Friedhofes eingefunden, in welcher auf der Estrade der mit schönen Blumenkränzen reich geschmückte Sarg stand. , Unter den Trauergästen bemerkte man Commercialrath Gerhardus, Landtagsabgeordneten Blacht, kaiserlichen Rath Reuber, Stadtbaumeiner; Krones, Cultusvorstand Dr. Alfred Berger, Bezirksschulrath Heit, Ver-! treter der Schriftsteller- und Künstlerwelt, ferner Dr. Josef Vogel mit den Beamten der Königswarter'schen Centralkanzlei rc. Nach Vortrag! der üblichen Trauergesänge durch Obercantor .Singer widmete Oberrabbiner Dr. Güdemann dem humanen Wirken des Verstorbenen Worte , warmer Anerkennung. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen nahm; kaiserlicher Rath Dr. Carl Groß und im Namen des Freiherrn von; Königswarter und des Beamtenkörpers des Hauses Dr. Josef Vogel i Abschied von dem Todten.! Wien. In Kaltenleutgeben ist Montag, den 2. d., Herr Philipp! Bondi, Gesellschafter der Baumwollspinnerei- und Weberei Firma; N. Hellmann und Vicepräsident des Schiedsgerichtes der Waarenbörse > im 71. Lebensjahre gestorben. Ein tragischer Zufall wollte es, dass die beiden Chefs der genannten Firma, Herr Bernhard Hellmann, General- -rath der österr.-ungar. Bank, und Herr Philipp Bondi, die auch mit! einander verschwägert waren, fast gleichzeitig erkrankten und auch j unmittelbar nacheinander gestorben sind. Gleich Herrn Hellmann, der! vorige Woche zu Grabe getragen wurde, erfreute sich auch Herr Bondi allgemeiner Hochachtung. Das'Leichenbegängnis fand Freitag,) den 6. d. am Centralfriedhofe in Wien statt. Wien. Herr Josef. A. Fried mann, Kaufmann, Sohn des J Rabbiners V. Friedmann-Wien, hat sich mit Fräulein Julie Link aus Nagy Tapolcsany verlobt. Wien. Der fünfte Zionistencongreß ist für den 26.-29. Deeember nach Basel einberusen. Das Hauptreferat hält Max N o r d a u über „Körperliche, geistige und wirtschaftliche Hebung der Juden." Köslau. Der Vertreter der Firma Clayton und Schuttleworth Herr Isidor Schwarz, feierte am 1. d. fein 25jähriges Dienstjubiläum, Diese Gelegenheit benutzte die Tischgesellschaft zur Bekleidung armer, alter Leute isr. Confession in Sohr's Restauration um ihren Obmann, Herrn Schwarz, besonders zu ehren. Zu diesem Zwecke haben Ich zahlreiche Freunde, darunter die Herren Sohr, Austerlitz, Löwit, Beckmann, Gerstl, Hoffmann, Lichtschein u. v. AI unter Führung ihres Ehrenmitgliedes, Herrn Anton Schneider aus Baden, beim Jubilar in Vöslau eingefunden und ihm zum Andenken einen prachtvollen silbernen Pokal überreicht. Die wohlgelungene und herzlichst zum Ausdrucke gebrachte Ansprache an den Jubilar hielt Herr Schneider, welche vom Herrn Schwarz erwiedert wurde Hderöerg. Baron Nathaniel v. R o t h s ch i h.d hat dem israel. „Bethausverein Bahnhof Oderberg" 1000 Kronen zur Erbauung eines Bethauses und 2000 Kronen zur Erwerbung eines Friedhofes gespendet- KraKau, 3. September. Die hiesige conservative Partei hat ein Wahlcompromiß mit der Cultusgemeinde geschlossen und nominirt als Candidaten die Professoren Leo Jaworski und Jan Federowicz. sowie den Cultuspräsidenten Horowitz, während die Demokraten außer Doctor Rotter und Dr. Doboszynski den jüdischen Advocaten Dr. Adolph Groß als Candidaten ausstellen und still den Ageordneten Daszynski unterstützen werden. Krakau. Herr Dr. Arnold Rapoport Edler von Porada hat dem Vorstand unserer Cultusgemeinde. zum Zwecke der Erbauung eines Kinderspitals 66.000 Kronen zur Verfügung gestellt. Merlin. Die Statistik der Betheiligung der Inden am höheren Schulwesen in Preußen weist, wie die „Jüd. Presse" in Berlin berichtet, nach dem Kalender für das höhere Schulwesen Preußens von 1901 und nach dem Stande vom 1. November 1900 und des Ergünzungsheftes des Centralblattes für die gesammte Unterrichtsverwaltung Preußens 73 Oberlehrer jüdischer Confession auf. Da die Gesammtzahl aller an den höheren Lehranstalten Preußens gezählten etatsmäßigen Oberlehrerstellen sich auf 6624 beläuft, von denen 118 vacant waren, so entspricht die Zahl von 73 jüdischen Oberlehrern einen Procentsatz von 1-102. Rechnet man die 18 Oberlehrer ab, welche an den jüdischen Realschulen in Frankfurt a. M. thätig sind, so entspricht die dann noch verbleibende Zahl einem Procentsatz von etwa 0 83. Unter den 2307 Oberlehrern der staatlichen und der vom Staate verwalteten Anstalten sind nur 8 Juden, das ist ein Procentsatz von 0 319. Die 73 Oberlehrerstellen vertheilen sich auf die einzelnen Provinzen wie folgt: Westpreußen 3, Posen 5, Schlesien 8, Brandenburg 1, Berlin 32, Sachsen 1 und Hessen- Nassau 23. Aranßfnrt a. M. Dem schwedischen Generalconsul Herrn I. Baer ist das Ritterkreuz erster Claffe des oldenburgischen Haus- und Verdienstordens verliehen worden. Kombnrg v. d. K. Herr Oberrabbiner Dr. Adler-London hielt sich einige Tage zum Besuch seiner Schwester hier auf. Als König Eduard ihn am Brunnen bemerkte, kam er auf dem Herrn Rabbiner zu und begrüßte ihn mit den Worten: „Howr do youdo, Chief Rabbi? J am very glad to see you*. s„Wie geht es Ihnen, Herr Oberrabbiner? Ich bin sehr erfreut. Sie zu sehen.s Washington. sE i n Chinese über die Jude n.j In einem interessanten Vortrage, den er vor einer Versammlung in Ältlantic City gehalten hat, zog der chinesische Getandte in Washington eine Parallele zwischen Juden und Chinesen. Das 4. Gebot im Decalog: .Du sollst Vater und Mutter ehre,»" :c. ent,preche ganz und gar dem chinesischen Grundgeietze des Ahnencultus. Chinesen wie Juden würden verfolgt und wo nicht verfolgt, verachtet, nicht wegen ihrer Fehler, sondern wegen ihrer Vorzüge. Weil sie geschickt, fleißig, sparsam, zä§e und geschäftstüchtig feien, feien andere Völker am Chinesen wie aus Inden neidisch. „Wo ich gehe — sagte der Gesandte — höre ich, oass man gegen Juden etwas hat. Wenn ich trage, warum man die Juden verdächtigt, dann ist die einzig vernünftige Antwort, die ich bekomme, die: dass die Juden zu klug seien. Das beweist, dass sie tüchtige Geschäftsleute sind. Für das Vorurtheil, das gegen Zudem wie gegen uns eristirt, sollten wir dankbar sein. Es spornt an, macht tüchtig, und bewirkt, dass man gedeiht." — In der Einleitung seines Vortrages sagte der Gesandte, dass die Juden bereits im dritten Jahrhundert nach China gekommen sind, um dort Handel zu treiben. Im zwölften Jahrhundert hatten sie eine Synagoge in Kiungtschau, die im Jahre 1849 durch eine Ueberschwemmung zerstört wnrde. In China, fuhr er fort, sind die Juden nicht verfolgt worden, auch in keiner Weise belästigt. Sie gingen ihren Geschäften nach. Einige wurden Regierungs beamte und Osficiere. Sie waren ein Theil des Volkes und befolgten die Gesetze des Landes. Der Redner verglich Moses mit Confucius. Beide haben den Charakter ihrer retp. der Völker gestaltet und ihnen ihren eigenen Stempel aufgedrückt. — Wir machen unsere geehrten Leser auf das Inserat Karl Tie sei besonders aufmerksam.

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