Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 33 (18.8.1901)
- Date
- 1901-08-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 Die Wahrheit. Seite 7. iLompofition dein Dichter zugeeiguet. Für dieselbe ist dieser Tage dem Komponisten vom Obersthofmristeramte folgendes Schreiben zugekommen: Petersburg. 6./I9. Juli 1901.G beehrter Herr! In Beantwortung ihres geehrten Schreibens vom 20. Juni d. I. beehre ich mich. Ihnen im hohen Aufträge des Herrn Großfürsten Constantin Constantinowitsch von Rußland den Dank Seiner kais. Hoheit für die Widmung Ihres „Wiegenliedes“ auszusprechen, welche Hochderselbe anzunehmen geruhte. Mit vorzüglicher Hochachtung P. Kappen. Kerruanmestec. Aus Anlass des Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers fand in der Synagoge der israel. Cultusgemeinde ein Fest» gottesdienst statt, welcher sich eines sehr zahlreichen Besuches erfreute. Die weihevollen Gesangsweisen, die Herr Obercantor Ignaz Rosner mit seiner schönen Stimme und seinem wohlgeschulten Herren- und Damenchor zum Vortrage brachte, wirkten erhebend auf die Zuhörer und veranlassten den Vorstand, sowohl dem Herrn Obercantor wie auch dem Chorpersonale in der Synagoge selbst seinen wärmsten Dank und' Anerkennung auszusprechen. Die Festpredigt hielt in glänzender Weise Herr Rabbiner Dr. Kronberger. Srag. Am 15. August fand in der Klaus-Synagoge die Trauung des Fräulein Flora Springer mit Herrn M. U. Dr. Ignaz Mukden, Districtsarzt in Sablat im Böhmerwalde, statt. Di« Braut ist eine Tochter des hiesigen geachteten Religionslehrers Herrn Sigmund Springer. Ein zahlreiches Publicum wähnte der Feier bei. Die Trauung vollzogen Herr Oberrabbiner Dr. M. E h r e n s e l d und Herr Obercantor Schwarz. Arag. Dieser Tage wurde hier Herr Samuel Welts ch 68 Jahre zu Grabe getragen, der in Amerika und auch in Prag lange Jahre als Eantor gewirkt hatte. Er hat zahlreiche Tempelgesänge componirt, die hier und In Amerika sehr beliebt sind. Der Verstorbene erfreute sich allgemeine Werthschätzung und gehörte zahlreichen Bildungs- und Wohlthätigkeitsvereinen als förderndes Mitglied an. Srag. Herr Ch. Lebo witz von der hiesigen großen Hofschule wurde als Obercantor nach Zwittau berufen. An seiner Stelle wurde Her T r a u b zum Obercantor der großen Hosschule gewählt. Hroppau. Unter Anwesenheit der Vertreter der hiesigen Staatsbehörden und einer Abordnung des Osficierscorps der Infanterie und Landwehr, sowie eines zahlreichen Pnblicums fand am 17. d. M. thn 8 Uhr Abends in unserem Tempel ein feierlicher Gottesdienst aus Anlass des Geburtstages unseres geliebten Kaisers statt, der einen sehr feierlichen Verlauf nahm und auf die zahlreichenden Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Eingeleitet wurde die schöne Feier mit einem durch unseren vortrefflichen Damen- und Herrenchor voegetragenen Matown, worauf die Festrede des Herr Rabbiners Dr. Blüh folgte. Darauf sang der Chor den K öni gspsal m mit einem von H. Obercantor Singeri m a nn vortrefflich vorgetragenen Bariton-Solo. Ein prächtiges Sopran-! Solo „Segne Allmächtiger" und die darauffolgende Volkshymne > -schloßen die würdige und schöne Feier. Hkeickeuverg. Anlässlich der 70. Geburtstagsfeier des Grafen Ottokar v. Wickenburg wurden demselben vielfache Ovationen seitens der Gemeinde und Curvorstehung zu Theil, unter Anderen erschien auch der dirigirende Arzt des Stein.er'schen Hospiz für unbemittelte Curgäste, Herr Dr. Paul Hoenigsberg, um als Senior der Curärzte im Namen derselben den herzlichsten und aufrichtigsten Wünschen sür das fernere Wohlergehen dieses Philanthropen und Fortschrittsmannes Ausdruck zu verleihen. —n. ZSudapelt. Am 10. d.üst in Budapest zum schmerzlichen Bedauern der ungarischen Nation und der jüdischen Confession Herr Emil Makai im Alter von 30 Jahren verschieden. Er war der Sohn des seligen Rabbiner Fischer zu Mako. In seinem 14. Jahre kam er nach Budapest, um das Rabbiner-Seminar zu besuchen, an dem er mit bestem Erfolge maturirte. Aber er entsagte diesem Berufe und widmete sich der Journalistik. Seine Aufsätze erfreuten sich allgemeinen Beifalles und er wurde ständiger Mitarbeiter und Kritiker der hervorragendsten vaterländischen Blätter. Ueberaus großer Beliebtheit erfreuten sich seine poetischen Publikationen in ungarischer Sprache, die auf die Leser bezaubernd wirkten. Seine Gedichte sind zum Theile Uebersetzungen, zumeist eigene Schöpfungen. In welch hohem' Ansehen er bei den ungarischen Journalisten stand, ist! genügend dadurch documentirt, dass der Minister für Cultus und Unterricht? der trauernden Familie telegraphisch condolirte. Während seiner Aufbahrung waren an allen Redactionslocalen, wie auch an allen Theatern, Trauerfahnen ausgesteckt. Aber-auch die ungarischen Juden betrauern in dem so früh Verblichenen einen fast unersetzlichen Verlust. Mit seinen Eebersetzungen der Gedichte des Rabbi Jehuda Halevy, Sal. b. Gabirol, Üben Esra, Alcharisi brachte er die alten jüdischen Dichter zu großen Lhren. Makai verbat sich letztwillig jede pomphafte Bestattung, Grabreden und Kränze. Dem tiefgefühlten Schmerze wurde in Form von Abschiedsreden des Herrn Rabbiners Dr. Weißbura. der Vertreter der vaterländischen Journalistik und des Direktors des NationaltheatevS Ausdruck gegeben. Seinem letzten Wunsche gemäß, wurden die sterblichen Ueberreste Makais in einem einfachen Sarge von seinem Bruder, Herrn Dr. N. Fischer, Primararzt am städtischen Krankenhause in Preßburg, in Begleitung vieler Freunde und Verehrer nach Mako per Eisenbahn überführt und neben seinen Eltern zur ewigen Ruhe beigesetzt. Wohl ist er der ungarische» Nation, wie der jüdischen Conseffion viel zu früh entrissen worden, aber man kann auf ihn anwenden die Worte des Midr. Rad. zu Pred. (5. II): „Süß ist der Schlaf des Arbeiters, ob er viel oder wenig genießt". Als Rabbi Bun. der Sohn Chijas starb, da sprach R. Seira in der Leichenrrde: „Rabbi Bun hat in 28 Jahren seines Lebens sich mit der Gotteslehre mehr abgemüht, als ein Anderer in 100 Jahren." Emil Makai hat in seinen wenigen Lebensjahren für die vaterländische und jüdische Litteratu mehr geleistet, als Andere in vielen Jahren. Möge ihm hiesür reicher Lohn zu Theil werden! n'2'3Wi S . . r. Audapest. Herr S. Rosenbaum aus Tarnow wurde zum Obercantor der Cultusgemeinde Alt-Ofen einstimmig gewählt und hat seine Stelle bereits am 15. d. angetreten. Obercantor Rosenbaum hat beim Festgottesdienste am 18. August mit großem Erfolge fungirt. Hüus. Herr Benö Ehrenthal, bisher Obercantor in Güns, ist in gleicher Eigenschaft mit Acclamation in Steinbruch (Budapest) acceptirt worden. Aekovar. Unser allgemein geachteter Obercantor. Herr M. Faust, wird sich am 28. d. üu hiesigen Tempel mit Frl. Sara Altmann aus Wien vermälen. London. Rev. A. Perlzweig, Schüler des Obercantor Bauer-Wien, ist neuerdings einstimmig zum Obercantor gewählt Worten. Bei dieser Gelegenheit hielten der Präsident, Herr Engländer, der Bicepräses Silbermann und Cassier Stern Ansprachen an den wiedergewählten Functionär. in welchen sie die Tüchtigkeit desselben hervorhoben. Perlzweig hat sich auch als Componist eingeführr und drei Compositionen „Degel Jehuda“, gewidmet dem Präsidenten Engländer, ferner „Naehnu Edim“ und den „Herzl-Marsch" herausgegeben. Litteratur. predigten. Im Verlage von M. Zuelzer u. Co. Berlin, SW. Leipzigerstraße 59, ist soeben erschienen eine Sammlung von Predigten. Betrachtungen und Gebeten des verstorbenen Rabbiners Dr. Benjamin R i p P n - r - G l o g a n. Dr. R i p p n e r ist einer der selbstständigsten jüdischen Theologen, einer der gedankenreichsten und wirkungsvollsten jüdischen Kanzelredner der letzten Jahrzehnte Ein Kenner und Schöpfer, verstand er es, das Gold der alten jüdischen Glaubensweisheit sinnreich umzuprägen nach den Anschauungen der Gegenwart und ihre Lehren dem Herzen und Verständnis seiner Zuhörer nahe zu bringe»; Meister der Rede und Dialektik, erörterte er die hohen Probleme der Religion, die ethischen und sozialen Forderungen, die Tagesfragen, die das Judenthum berühren, in tiefer und doch schlichter Weise; seine Predigten sind in seltener Weise zugleich durch Lebensweisheit und Jugendfrische gekennzeichnet, und hieraus erklärt sich der zauberhafte Eindruck, den sie auf seine Gemeinde ausgeübt haben. Sogleich als der Tod den Mund des begnadeten Predigers leider zu früh geschlossen, wurde von verschiedenen Seiten der Wunsch laut, es möchten die werthvollen Predigten des Dr. Rippner ausgewählt und durch den Druck der breiteren Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dieser Arbeit hat sich ein jüngerer Freund des Verstorbenen, Herr Rabbiner Dr. Jacob-Göttingen, in sehr dankenswerther Weife unterzogen. Er hat den ».achgelassenen Schatz von Predigten gesichtet, $130 Predigten und Betrachtungen ausgewählt, sie textlich geprüft, mit charakteristischen Ueberschriften versehen und nach ihrer Zugehörigkeit zu den Wochenabschnitten, bezw. Festen zusammengestellt, endlich ein Vorwort voraus geschickt, in dem er über seine Arbeit Rechenschaft ablegt und die Eigenart des Verfassers vortrefflich würdigt. Als einen besonders Werth - vollen Anhang hat der Herausgeber eine Anzahl mustergiltiger Gebete Rippner's für Wochentage, Sabbathe und Feiertage hinzugefügt. Doctor Rippner wusste in seltener Weise den mannigfachen Gefühlen und Bewegungen des jüdischen Herzens nachzuspüren und Worte zu geben. Seine Gebete sind durch die Lauterkeit des Gedankens, die Innigkeit des Gefühls und die Vollendung des Ausdrucks ausgezeichnet und verdienen die weiteste Einführung in die Familien und Gemeinden. Diese Sammlung von tiefen und dabei populären und formvollendeten Predigten. Betrachtungen und Gebeten ist zugleich geeignet und unter diesem Gesichtspunkte angelegt, Lehrern und anderen für das Predigtamt nicht vorgebildeten Männern, die namentlich in kleineren Gemeinden die Stelle des Predigers oft zu vertreten, haben, als Hilfsbuch zu dienen, ferner den in unserem Vaterland« so zahlreich verstreuten kleinen jüdischen Gemeinschaften, die der Belehrung und Erbauung durch daS Goktesivort gänzlich entbehren müffen, den Prediger zu ersetzen, schließlich ein Andachtsbuch der israelitischen Familie für geweihte Stlinven und Tage zu werden und so «ine schon lange empfundene und oi: bedauerte Lücke in der jüdischen Predigt- und Gebet-Litteratur anszurüllen. Das Buch ist mit dem Bilde des Verfaffers geschmückt und vornehm ausgestartet un^ gebunden. Um die Anschaffung des Werkrs de» weitesten Kreisen zu ermöglichen, ist der Preis auf nur 3 Mark bemessen.