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Die Wahrheit · 1901-08-16 · Heft 32 (16.8.1901) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 32 (16.8.1901)
Date
1901-08-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Erite 6. Die Wahrheit., Nr. 32. regen Geist zur Freude und Belehrung seiner Mitmenschen bekunden konnte. Mit dem 6. Zahre trat Lorm in die Schule zu St. Anna in Wien ein und nach Absolvierung derselben besuchte er die polytechnische Schule, beide Lehranstalten mit Vorzug. Schon während der Studien benutzte er die freien Stunden zur Niederschreibung der herrlichen Gedanken, die namentlich in Gedichten zum Ausdrucke gelangteu, uub welche später in einem Sammel- > werke erschienen. Im Zahre 1836 verlor Lorm auch das Gehör, was ihn aber nicht hinderte, auf literarischem Gebiete weiter thätig zu sein, ja der Jubilar zählt zu den hervorragendsten Epikern, Lyrikern, Kritikern und philosophischen Schriftstellern der Jetztzeit. Von seinen zahlreichen Novellen und Erzählungen seien erwähnt: Ein dreibändiger Roman: „Ein Zögling des Jahres 1849'', „Am Kamin", „Erzäh^jMgen eines Heimgekehrten", „Außerhalb der Gesellschaft'' rc. Diese Werke gelangen aus Anlass des Festes als Jubiläums-Augebiude in verbesserter Auflage zur Ausgabe. Besonders zu bemerken wäre noch die großangelegte mohamedanische Faustsage „Abdul", welche den Ruf Lorm'S eigentlich begründete. Anfangs 1846 erschienen die sensationellen „Wiener politische Schwingen und Federn", die den Unmuth des damaligen Staatsministers Metternich in höchstem Maße erregten. Da wurde Lorm der Wiener Boden zu schtvül.! Lorm, der seit diesen Tagen seinen Familienname» vollständig ablcgtc und nach Berlin stüchten musste, Mrte erst nach Beendigung der Revolution nach Wien zurück, "woselbst er 1856 die Schwester Berthold Auerbach's ^cimführt; und mit seinem Schwager in Baden durch längere Zeit Aufenthalt nahm. Im Jahre 1873 übersiedelte Lorm behufs Ausbildung seiner Söhne nach Dresden und seit 1893 ist sein Domicil Brünn. Hier lebt nun der Manu, der sich nur durch ein selbsterdachtes tastendes Fingersprachen-System verständlich machen kann, der aber aus Arilass seines Jubelfestes von allen Seiten herzlichst beglückwünscht wurde. Die „Gesellschafk^sür Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthnms" ehrte den Dichter durch Uebermittelung einer Adresse und veranstaltet zu Beginn der nächsten Vortragssaison einen Hironymus Lorm-Abend, und das Zabrhuch 1902 der Stadt Wien wird ein Essay über Lorm schmücken. Verschiedene Nachrichten. Wie«. Anlässlich des Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers, das in sämmtlichen jüdischen Gotteshäusern festlich begangen wird, findet auch im Türkischen Tempel Samstag, den 17. d., 8 Uhr Früh anschließend an den Morgengottesdienst die übliche Feier statt. Nie«. Anlässlich des Geburtstages Sr. Mayestät findet Sonntag den 18. August l. I. um 9 Uhr vormittags, in der Synagoge des Vereines „Beth Israel" 2. Bez., Leopoldsgasie 29, ein feierlicher Gottesdienst statt. Wie«. Der Vicepräsident der Wiener Cultusgemeinde, Herr Dr. Alfred Stern, feiert am 29. d. M. seinen 70. Geburtstag. Bei der hervorragenden Stellung, die Dr. Stern seit Jahrzehnten in der Wiener Cultusgemeinde und im öffentlichen Leben einnimmt, wird es an nrannigsachen Ovationen zu seinem Geburtstage nicht fehlen. Ikie«. (Am Grabe Goldfiei n's.) Obercantor Zivi- Elberfeld hat anlässlich des korporativen Besuches der Theilnehmer des Cantorentages am Grabe Golbstein's folgende Rede gehalten: „Andächtige Versammlung! Wenn ein Mensch daruiederliegt, an dem die rettende Kunst des Arztes und die heilende Kraft der Natur spurlos vorübergegangen ist, dann machen wir uns mit dem Gedanken an den Eintritt des Schlimmsten vertraut und empfinden die grausame Härte des Todes in ihrer natürlichen Erscheinung. Wie anders aber, meine Verehrten, werden wir erfasst, wenn ein ahnungsloses Menschenleben plötzlich von einem Unfall bettoffen wird, der wie ein Blitzstrahl aus wolkenloser Höhe herniederfährt und einem sorgenfreien Dasein das Ende bereitet! — Dieser Gedanke muß uns unwillkürlich befallen, wenn wir am Grabe Josef Golbstein's stehen; denn als sich die israelitische Cultusgemeinde Wien vor nunmehr zwei Jahren anschickte, einem ihrer hervorragendsten Functionäre ein Ehrengrab zu bereiten, da fühlte man nicht zum Geringsten in unseren Reihen den entsetzlichen Schlag, der ein gottbegnadetes Künstlerleben jählings zum Abschluss gebracht hat. Ja, Josef Godlstein, der langjährige und verdienstvolle Obercantor am Tempel in der Leopoldstadt, war ein Künstler - in des Wortes umfangreichster Bedeutung, er war ein Sänger von seltenem Talente und ein Cantor, dessen Ruf sich über beide Hemisphären erstreckte. Am Grabe eines solchen Mannes können wir nur mit dem Schriftwort sprechen: 2'2o 2N m r>^y rntyyi Es ist eine heilige' Pflicht, hier niederzulegen den goldenen Kranz dankbarer Anerkennung, auf dass der Flügelschlag seines mächtigen Genius uns umrausche und wir -verstehen, was es heißt nsw pm Das Andenken des Großen und Gewaltigen gereicht zum Segen!" Ikien. (Israelitisch-theologische Lehranstalt.) Der heurige Jahresbericht constatirt eine weitere Fundirung der materiellen Verhältniße der Anstalt, indem durch Activirung der Schorr- Stiftung 16 Hörern Stipendien von je 600 fl. zugewendet werden konnten. Der Religionslehrercurs war von II Frequentanten besucht, von denen 10 Stipendien in der Höhe von 200 fl. durch die Cultusgemeinde und einer den gleichen Betrag aus den Mitteln der Anstalt erhielt. In dem heurigen Schuljahre wurden 7 Hörer zur Tentamen zugelassen. Zwei im Vorjahre abgegangene Hörer haben bereits Rabbinatsstellungen angetreten. Dem Jahresberichte geht eine Abhandlung 'des Rectors Dr' Schwarz: „Der hermeneutische Syllogismus der talmudischen Litteratur" voran, aus die wir demnächst ausführlicher zu sprechen kommen. Nie«. Frau Gisela Grünwald, geb. Berger, die zweite Gattin des langjährigen Mitarbeiters unseres Blattes des sel. Herrn Dr. Moritz Grünwald, Groß-Rabbiners von Bulgarien, ist am verwichenen „Sabbath Nachamu" im Hause ihrer Eltern in Boschatz bei Vagujhely in Ungarn zum großen Schmerze derselben und trotz der sorgfältigsten und liebevollsten Pflege verschieden; ein tückisches Herzleiden raffte die junge Witwe in ihrem 90. Lebensjahre dahin. Segen ihrem Andenken und Trost den 6 unmündigen Weisenkindern und den tiefgebeugten Eltern und Geschwistern der Dahingeschiedenen. M. A. Wien. Vergangenen Freitag Abends hat der neugewählte Obercantor im XX. Bezirke. Herr Ignaz Oe st erreichet, sein Amt angetreten und erzielte durch seinen ausgezeichneten Vortrag allgemeinen Beifall und Anerkennung von Seite der Vorstands- und Tempeliuitglieder. Waden. Die von dem Vorstandsmitglieds der Wiener Cultusgemeinde, Herrn Dr. Alfred Berger, bei der hiesigen Cultusgemeinde gegebenen Anregung zur Errichtung eines jüdischen Gotteshauses in der Heilanstalt Alland wurde im Cultusausschuße auf das freudigste begrüßt. Am 7. August hatten sich nun der Präses der israelitischen Cultusgemeinde Baden, Herr Moritz Leitner, und der Vicepräses Herr- Anton Schneider, die beide stets die Ersten am Platze sind, wenn es gilt, eine jüdische Institution zu^ fördern, im Begleitung des Herrn Dr. Alfred Berger in der Heilanstalt Alland eingesunden. Dort wnrden die genannten Herren vor dem Herrn Verwalter und den leitenden Aerzten auf das freundlichste empfangen und ihnen in der entgegenkommensten Weise das für diesen Zweck schon von Anfang her im Plane vorgesehene Lokal zugewiesen. Nachdem die nöthigen Bethaus-Einrichtungen bereits bestellt sind, dürfte schon gegen Ende d. M. die feierliche Einweihung dieser Gottesstätte durch das hiesige Rabbinat vorgenommen und den Gottesdienst an den kommenden hohen Feiertagen abgehalten werden. Das Bethaus wird unter der Leitung der Badener israel. Cultusgemeinde stehen; und es wäre sehr zu wünschen, dass dieses religiöse und humane Werk bei den bekannten jüvichen Wohlthätern thatkräftige Unterstützung finden möge. Aungöunzta«. (Eine Rabbiner-Jnstall^atio n.) In der hiesigen Gemeinde war seit 26. Februar d. I. der Posten des Rabbiners unbesetzt, und wenn auch die Gemeinde nicht so sehr das Bedürfnis fühlte, nach Abgang des früheren Seelsorgers eine sofortige Besetzung vorzunehmen, da die Agenden des Rabbiners zum Theile vom Cantor und Lehrer versehen wurden, so fehlte es doch an der maßgebenden Autorität, ohne welche e.ine Religionsgenossenschaft nicht leicht gedacht werden kann. Die vielen Fragen ritueller Natur und die Repräsentation nach Außen erheischen den Rabbiner, und namentlich eine alte Gemeinde sieht in ihm gewissermaßen den Zeiger, nach dem sich alles richtet. Schließlich will man auch nicht gern des geistigen Genusses entbehren, den eine gehaltvolle Predigt bietet, und wenn auch Herz.und Gemüth durch den gesanglichen Theil des Gottesdienstes erbaut werden, so muß doch dem Ton das Gotteswort folgen, um die volle erbauliche Wirkung zu erzielen. Auch vom politischen Standpunkte war die baldige Besetzung des Rabbinerpostens wünschenswerth, weil gerade in Böhmen wo die Wogen des nationalen Lebens höher ge hen, wo die Jungen'mit den Alten um das Recht der Sprache, in welcher das Gotteswort ver-

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