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Die Wahrheit · 1901-08-09 · Heft 31 (9.8.1901) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 31 (9.8.1901)
Date
1901-08-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 31 Die Wahrheit. Seite 7. Die Rede des Obercantor Zivi am Grabe Goldstein's wird in nächster Nr. veröffentlicht. Wien. Samstag, am 3. d. M. beging der älteste Sohn des in der Leopoldstadt bestbekannten Papierhändlers und Vorstandmitgliedes -es Montefiore Vereines, Herrn Moritz Mund, im Vereinsbethause seine „Bar Mizwoh" Feier. Der Confirmand zur Thora gerufen, recitirte mit wohlklingender Stimme und guter Betonung die „Haftora"- Nach dem Gottesdienste versammelten sich die engern Verwandten und Freunde zu einem Festmahle, bei welchem Anlässe der Mitarbeiter unseres Blattes Herr N. Chameides an den Confirmanden eine Ansprache richtete.jsHierauf hielt der Confirmand eiue tradit-onelle „Drösche". Wien. Am 4. d. M. fand im Sommeraufenthaltsorte Neustift am Walde, im Hause des allgemein hochgeachteten Herrn Bernhard Hofbauer die Verlobung seiner Tochter Frl. Hermine mit Herrn Isidor Felsenburg statt.Z Zahlreiche Freunde des Hauses waren zur Theilnahme dieses schönen Familienfestes erschiene». Ueber Einladung ist auch Herr Bezirksrabbiner Marmorstein aus Szenicz gekommen. Herr Bernhard Hofbauer begrüßte die Anwesenden mit einer innigen Ansprache, welche einen mächtigen Eindruck machte. Die Stimmung wurde besonders gehoben durch die geistreichen Reden der Herren Rabbiner S. Fürst Wien und Marmorstein ans Szenicz. Unter den Gratulationstelelegrammen befand sich eine Depesche vom Reichsrathsabgeordneten Noske und vom Vorstande des Fortschrittsvereines. Wien. (Jüdische Kunst im „Bairischen Hofe".) „Judith", das Meisterwerk Goldfaden's, dem historisch tiefernste Motive zugrunde liegen, vom Dichter des Libretto jedoch in heitere Gewandung voll komischer Apercus gekleidet, gelangte am 3. d. R. durch das jüdische Theater-Ensemble im „Bairischen Hofe", als Premiere zur Aufführung. Stefanie Steif, die Perle des Ensembles, als „Judith" haben wir diesmal ebenso sehr bewundert als bedauert, da die junge Künstlerin mit gesanglichen und dramatischen Partien, nach Ausspruch von Autoritäten, geradezu überbürdet ist. Ihr Partner Herr Liebgold, als Holofernes, ist uns wegen seines abgeklärten Spiels überhaupt äußerst sympatisch. Die Damen Frl. Karlik und Mahler haben das Publicum durch ihre Leistungen wahrhaft entzückt, und die beiden Komiker, Silber und Streng als Chagai und Bagai ernteten' reichen, stürmischen Beifall. Wenn wir noch, und nicht ist letzter Linie, der Herren Gasling als „Choglu" und Eskreis als Dirigent und Regisseur anerkennend gedenken und hervorheben, dass sich zur Premiere ein ebenso zahlreiches wie distinguirtes kunstsinniges Publicum eingefunden, so haben wir unserer Recensentenpslicht Genüge gethan. N. CH. Kattowitz. Die Einführung des Obercantors Simon Singer bei der hiesigen Synagogengemeinde fand in der gestrigen Vorstandssitzung statt. Zu dieser waren auch die beiden bisherigen Cantoren erschienen. Nachdem der stellvertreiende Vorsitzende, Herr Mar Fröhlich, in warmen Worten Herrn Singer begrüßt und ihn mit seinen Pflichten bekannt gemacht hatte, dankte dieser und gelobte, treulich zu erfüllen, was man ihm aufgetragen. Seine erste amtliche Thätigkeit hat Obercantor Singer Freitag den 2. August, beim Abcndgottesdienst ausgeübt. ZS. Hyarmat. Herr D. Schlomm wurde neuerdings für die hiesige Gemeinde als Obercantor gewählt und freut sich die hiesige Gemeinde eine solche tüchtige Kraft wieder erhalten zu können. Aürth (Baiern). Die im Jahre 1862 von einer anerkannten Genossenschaft gesttzes treuer Israeliten gegründete „Israelitische Bürgerschule" in Fürth, seit 1899 mit hoher behördlicher Genehmigung „Israelitische genannt, veröffentlicht den Jahresbericht über das abgelaufene Schuljahr, zu dessen Beginn der als tüchtiger Pädagoge in den weitesten Kreisen bekannte Dr. A Feilchenfeld aus Hamburg die Leitung der Anstalt übernahm. Die „Israelitische Realschule" verfolgt gleich den staatlichen Realschulen das Ziel, eine höhere bürgerliche Bildung auf sprachlich-historischer und auf mathematisch-naturwissenschaftlicher Grundlage zu gewähren und zu religiös-sittlicher Tüchtigkeit zu erziehen. Die zu ihr gehörige Vorschule mit dem Lehrziel der vier unteren Volksschulklassen bereitet in 3 Jahren für die 1. Klasse des Gymnasiums, in 4 Jahren für die 1. Klasse der Realschule vor. Ziel und Lehrplan entsprechen im allgemeinen demjenigen der kgl. 6klassigen Realschulen mit Handelsabtheilung. Die Schule, an welcher der Direktor und außerdem noch 16 tüchtige Lehrkäste wirken, war heuer von 112 Zöglingen besucht. __ Eingesendet. Wenn etwas Nennenswerthes sich ereignet, ist es üblich, es hervorzuheben. Dies veranlasst mich zum Schreiben nachstehender Zeilen: Der von dem Obercantor M. Schorr in Wien geleitete feierliche Gottesdienst, der am 19. Abend und am 20. im Bermann'schen Etablissement vor sich ging, vereinte ein sehr zahlreiches, intelligentes uud kunstsinniges Auditorium. Es herrschte in den großen Räumen eine solche feierliche Stille, dass man hätte das Summen einer Fliege hören können. Vom Gesangsvortrage selbst zu sprechen, wäre vergebene Mühe, und der Rezensent weiß nicht, was er früher loben soll; aber vor allem Anderen verdient Herr Obercantor Schorr für sein uneigennütziges Vorgehen zu Gunsten der hiesigen Nothleidenden volles Lob. Herzlichen Dank gebührt auch jenen Damen und Herren, welche zur Linderung der Bedürftigen ihr Schärflein beitrugen. Nicht minder gebührt Dank Herrn Bermann. den Anregern und allen Jenen, die dazu beitrugen, dass einige 100 Mark verschiedenen Wohlthätigkeies-Jnstitutionen zugeführt werden. Fm Namen des Comitos zeichnet Ihr ergeber Aenö Keikper«, Oberlehrer, Duna Szerdahely, Ungarn. Das Kaddischgebet. Von Bernhard Soewenthat. (4. Fortsetzung.) Hätten sie weinen können, die tobten Steine, sie hätten getrauert und geklagt mit dem alternden Manne, der sein Kleid zerriss,'weil nach seiner Ansicht und nach der Auffassung seiner Religion sein Kind ihm gestorben war. Welche Hoffnungen hatte diese Tochter ihm genommen, welche Pläne ihm zerstört! Vom Glück seines Kindes hatte er geträumt und in jubelnden Enkeln wollte er den Sonnenschein seiner eigenen Kindheit noch einmal sehen, noch einmal jung werden in der Jugend seiner Nachkommen. Diese Träume lagen nun begraben. Nachdem der alte Gutkind den Bitten Nahels, in eine Verbindung mit ihr und Max zu willigen, sich schroff entgegengestellt hakte, war seine Tochter plötzlich aus dem Elkernhause verschwunden. Zur selber Zeit hatte der Maler Max Wild die Residenz verlassen. Jeden wusste, was das zu bedeuten hatte, und Samuel Gutkind war im ersten Augenblick starr vor Schreck. Er konnte es nicht fassen dass Rahel, seine Tochter, sein liebstes Kind, von ihm gegangen sein sollte, ohne eine Bitte, ohne Lebewohl. Einen thränenseuchten Brief hatte Sie zurückgelaffen, doch als Jacob denselben dem Vater vorlesen wollte, packte es diesen wie ein tiefgefühlter Groll : "Ich will nichts hören", schrie er auf, „sie soll begraben sein". In diesem Angenblick eben war es, als er mit zitternder Hand seinen Rockkragen fasste und mit hastigem Ruck denselben zerriss. „Lass mich allein, mein Sohn", bat er, ich will ihr Kaddisch nachsagen!" Jacob war todtenbleich geworden: „Sie ist doch nicht todt, Vater, was willst du thun, lies doch den Brief!" Da richtete sichder Alte noch diesmal hoch auf. wie ein Wetterleuchten ging es über seine harten Züge; einen Angenbiick standen sich Sohn und Vater gegenüber, dann sagte Salamon dumpf und mit erhobener Stimme: „Sie ist todt, hörst Du, sie soll todt sein, geh!" Dann hatte er sich in sein Zimmer eiugeschlossen. Als er nach vielen Stunden gegen Abend wieder zum Vorscheine kam, schien er um Jahrzehnte gealtert. In seinen Augen aber und auf den tiefgefurchten Wangen sah man die Spur reichlich vergossener. bitter geweinter Thräneu. Im Kreise der Bekannten war das Verschwinden Rahels mit dem Maler Wild das Tagesgespräch geworden. „Er ist doch Jude geworden!" — meinten die einen entschuldigend. „Auch sein Vater will von ihm nichts mehr wissen, jetzt wird „die schöne Rahel" auch einmal Nolh kennen lernen, sie wird schon bereuen, was sie gethan hat!" wussten die anderen halb mitleidig halb schadenfroh zu bemerken!- Bis zu dem Gram des alten Gutkind jedoch drang nichts von diesen Reden und Niemand wagte es, in seiner Gegenwart auch uur den Namen Rahels zu nennen. (Fortsetzung folgt.) »M- Ich ersuche die geehrten Mitarbeiter unseres Atattes in der Zeit vom I des 30. August Manuskripte und redaktionelle Zuschriften nicht an die Redaktion in Men, sondern an die Adresse: Dr. M. Löwy in Schönwald bei Znaim zu senden. Administrative Anschriften und Anfragen stnd Weiterhin an die Administration in Wien z« richte», Dr. Moriz Löwy, Chefredakteur.

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