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Die Wahrheit · 1901-08-09 · Heft 31 (9.8.1901) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 31 (9.8.1901)
Date
1901-08-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 31. Und die Zionisten? Auch die sind vorhanden, aber was beweist das? In einem Grenzbeziike zwischen Galizien und Oesterr.-Schlesien gab es unlängst zwei Brüder mit einem altadeligen polnischen Namen. Beide waren durch einige Zeit Reichsrathsabgeordnete. Einer war Mitglied des Polenclubs, der zweite Mitglied der dentschen, polenfeindlichen Linken. Dieses typische Beispiel wird vielleicht als Antwort aus die Frage: „Und die Zionisten?" genügen Zimrock und Börne. (Schluss.) Nunmehr war aber auch die Langmutb und Geduld des Dichters erschöpft. In nicht weniger als fünf Sonetten zugleich wurde zum Neujahr 1832 der Versuch gemacht, den Autor der „Briese aus Paris" frei nach Herlosssohn — todtzuschlagen. An Ludwig Warne. S o n n e t e von K. S i in r o cf. I. Du hassest alles, was romantisch ist Und weil ich Dir auch serner gern mießfiele Und sür romantisch gelten Klingreimspiele So werd ich Dir zu Liebe Sonettist. Du. der ein Seher und Prophet bist Du freilich stellst, man sieht's an deinem Style Hochklastische Vollendung Dir zum Ziele Die nie Gestalt und weises Maß vergisst Rhapsodisch, ja homerisch find die Briefe Die Du an Israel aus Babel schreibst Vom Völkerfrühling als deines Volkes Messias. Die plastisch edle Form und jene Tiefe Die Du dem Seherblick zu paaren liebst Bewundern muss Europa diese Trias. II. Wohl thust Du, dem Romanr'schen abzusagen Doch kannst Du der Romantik nicht entflieh'n Sie wird Dir nach zu den Franzosen ziehn. Dort in der Heimat frische Wurzeln schlagen. Romantischer auch schon seit alten Tagen Ist Dein Paris, als Petersburg und Wien. Nur seinen Dichtern war's noch nicht verliehn Den Wald zu seh'n vor Bäumen, die da ragen. Schau her, dies ist die Stadt der Paladine Hier sang sein zärtlich Lied der Troubadour Johanna d'Arc schwang hier die Siegersahne. Du selber, trotz der oriental'schen Miene. Bist eine halbromantische Figur Mit Deinem Frechheitsschwindel Deinem Wahne. HI. „Was man verbietet, wird erst recht gelesen" Schon wähnst Du Deines Buches Glück gemacht Doch juble nicht zu früh aus Unbedacht Wohl nie ist weiser ein Verbot gewesen. Denn wer Dich liest, der zahlt noch keine Spesen. Und hat er je wie Du gefühlt und gedacht Sich je gesehnt nach Frankreichs Uebermacht. So heilst Du ihn an dem verkehrten Wesen. Es thut Roth ein Nieswurz zu verschreiben Der Honig dieser Zeit hat auch sein Gift Wie sich zum Weizen immer Spreu gesellet. Den bösen Geist den Köpfen auszutreiben Lockt uns ein klug Verbot zu deiner Schrift Wir lesen niesen und sind hergestellet. Allein damit war die Rache des gereizten Dichters nicht befriedigt. Wie Kennern der Biographie L. Börne's bekannt sein dürfte, verführten die durch die „Briefe aus Paris" hervorgerufenen bitteren Empfindungen den Frankfurrer Senot, rin kleine Verfolgung gegen feinen Pensionär zu beginnen. Man rief Börne. durch ein barbarisch stylisirtes Protokoll nach Franfurt zurück, damit er seine Stelle aus dem Polizei-Amte wieder einnehme, sonst sollte er seine Reunion von vierhundert Gulden verlieren, um nach einigen Winkelzügen unter dem vielleicht gewünschten Drucke der öffentlicheu Meinung den sitaturn quo in optima forma freiwillig wieder herzustellen. Wenigstens war Börne selbst dieser Meinung: „Der feige Senat hatte keine andere Absicht als der Diplomatik seinen guten Willen zu zeigen; jetzt da diese erreicht, wird er sich durch die öffentliche Meinung gern zwingen lassen von seinen Vorhaben zurückznkommen. Aber ist es nicht um so erbärmlicher, ohne Macht eine Ungerechtigkeit dnrchzusetzen, ja selbst ohne Vorsatz es zu thun, blos den Schein der Tyrannei anzunehmen, um beti Tyrannen Frankfurts zu schmeicheln?" Und Simrock? Ein beleidigter Mensch ist ein Mensch und ein beleidigter Poet ist es doppelt. Simrock verschmähte es nicht, gleichsam zum Abschlüsse seines Kampfes gegen Börne dieses Kapital einer wahren chronique scandaleuse im „Conversationsblatt" vom 14. Juni 1832 poetisch zu verherrlichen. An Kerrrr Wokizei-Aktnar Ar. Ludwig Wörne. Ewig verhöhnst Du uud schiltst uns titelbegierige Deutsche, Lasset dich Doktor doch schelten und bist es sogar. Bist noch mehr, doch verschweigst du es klug als Gegner der Titel, Weißt mit der Rente vergnügt Titel und Amt zu verschmähen, Endlich verräth Frankfurt das Verborgene, ruft dich und drohet. Ach mit der Rente Verlust wieder zu thätigem Dienst, Als Polizei-Aktuar! Du hattest im heiligen Eifer Wohl nicht Titel allein, auch Sinekuren geschmäht Sieh' nun erklärt sich derfass und der Freundschaft Urprung: wie war ein Also Betitelter nicht aller Betitelung gram? So endete der Kampf des großen Goliath mit dem kleinen David. Thomas M a c n a m a r a. Verschiedene Nachrichten. Wie«. (Am Grabe Sulzers.) Wie bereits in voriger Nummer gemeldet wurde, besuchten die Theilnehmer des „allgemeinen Cantorentages" corporativ das Grab Sulzer's, wobei Obercantor Singer-Wien folgende Ansprache hielt: „Meine geehrten Herren Collegen! Ein tiefernster und bedeutungsvoller Moment ist es, der uns hier an der Ruhestätte eines Mannes versammelt, dessen für uns jüdische Cantoren geradezu weltbewegende Bedeutung ich Ihnen nicht zu schildern brauche. Allüberall, wo in der großen Welt ein jüdisches Gotteshaus mit moderngesanglicher Einrichtung sich erhebt, ist der Name Sulzer's ruhmvoll bekannt, der selbst eine Lichtgestalt modern-künstlerischen Synagogen« gesanges, in den finsteren Zeiten des Stürmens und der Verwirrung mit der hellstrahlenden Fackel seiner Kunst und seines Geistes das Dunkel erhellte und als Pfadfinder einer Richtung für jetzt.'und kommende Geschlechter allgemeine Verehrung und Hochschätzung sich eroberte. Ich will es nicht versuchen, das erhabene Bild des von uns Allen hochver» ehrten Meisters und Lehrers darzustellen; denn so tief ich auch den Pinsel in Helle Farben tauchen möchte, der Glanz der Farben verblasst vor der Bedeutung des Namens, der hier in den harten Stein eingegraben erscheint. — Nur auf einen Punkt möchte ich in dieser Stunde Hinweisen, der so voll und ganz zu den Geschehnißen I dieser Tage passt und es vollauf verdient, für alle Zeiten festgehalten zu werden. Als wir vor mehr als zwanzig Jahren daran gingen, eine cantorale Vereinigung zu gründen, da warst Du es, hochverehrter, unsterblicher Meister, der uns mit Rath und That zur Seite standest und uns die denkwürdigen Worte zuriefst: „8vtiolom, scholom lorochok welakorow", und diese Worte ruft Ihnen, verehrte Herren, der verklärte Geist Salamon Sulzer's auch in diesem Momente entgegen, da Unerfahrenheit und Strrberthum die Brandfackel des Zwistes in unsere kaum an» gebahnte Vereinigung werfen möchte. Höret, verehrte Collegen, nicht auf die falsche Stimme falscher Propheten, sondern neiget Euer Ohr der Wahrheit und Rechtmäßigkeit zu. Der verklärte Geist Salamon Sulzer's weilt noch heute in unserer Mitte und wird uns Kraft und Muth verleihen, in seinem Sinne für unsere leidenden Collegen nach wie vor zu kämpfen und mit Gottes HilfeIzum Siege zu gelangen. Ich neige in Verehrung und Demuth mein Haupt und ersuche Hern Collegen Friedmann, das Seelengedet vorzutragen."

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