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Die Wahrheit · 1901-08-09 · Heft 31 (9.8.1901) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 31 (9.8.1901)
Date
1901-08-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit. Nr. 31. leisten, die einerseits aus persönlicher Freundschaft für den von der ganzen Gelehrtenwelt Geächteten dessen veerlorengegangene wissenschaftliche Reputation mit diesem Einwande zu halten glauben, oder denen es andererseits von beit gleichen Beweggründen wie Rohling geleitet,, auf eine Lüge mehr oder weniger nicht ankömmt. Sehr treffend äußerte sich Professor Dr. Delitzsch nach dieser Richtung über Rohling. In seiner Abhandlung „Schachmatt" heißt es: „Meinem Beweise, dass der Halikkutim Stelle im Judenspiegel ein ihr absolut fremder Sinn ausgezwungen ist, steht Rohling noch heute gegenüber wie eine taube Otter, die ihr Ohr verstopft (Pf. 58, 5) und zwar aus Gründen von empörender Nichtigkeit. Er ist starblind, er will es sein. Und nicht allein das — er stellt der gefälschten Stelle eine zweite an die Seite, bereit den Unsinn zu beschwören, den er hineinliest . . . Die Soharstelle enthält nichts von dem Allem. Ich bezeuge auf die Ehre meines Namens, dass alles hineingelogen ist. Die Wuth macht Rohling irrsinnig. Er ist geistig und moralisch krank." Schachm. 35 ff. Dr. Frank schließt diesen Theil seiner Abhandlungen mit folgenden Worten: Für die Antisemiten allerdings ist Dr. Rohling auch heute noch der größte Talmudgelehrte der ganze» Welt, weil er ihre Zwecke fördert, und sie jubeln ihm zu und verherrlichen ihn, weil er mit seinem Priesterkleide ihren Hass gegen die Juden deckt und ihrem schmählichen Vorgehen gegen sie mit seiner Professorenwürde den Schein der Berechtigung verleiht, doch der unparteiische Beobachter im Streite wird bereits zur klaren Erkenntnis gelangt sein, aus welcher Seite das Recht und die Wahrheit stehen, undwird mit mir übereinstimmen, wenn ich sage, dass insbesondere die wissenschaftlichen Beweise, die mau zur Unterstützung der Anklage gegen die Juden wegen Ritualmordes vorgebracht hat, ihre Kraft versagt haben und vor der Leuchte der Wahrheit in nichts zerflossen sind. In langer Reihe werden dann Päpste, weltliche Fürsten, kirchliche Würdenträger, katholische Ordeusleute, Hochschulen, wissenschaftliche Gesellschaften, Professoren und Couvertiten aus dem Judenthum angeführt, die alle als Vertheidiger der Juden in der Anklage wegen Ritualmordes auftraten, aber für diejenigen, die um jeden Preis das Blutmärchen aufrecht erhalten wollen, sind natürlich auch diese Zeugen nicht maßgebend. Im zweiten Theil der Broschüre bespricht Frank 172 angebliche Ritualmordfalle von 1235 bis in die neueste Zeit und weist an jedem einzelnen die Böswilligkeit und Unhaltbarkeit der Anklage nach. Eine glänzende Rechtfertigung, so sagt Dr. Frank, liegt in der Thatsache, dass bis auf den heutigen Tag nicht ein einziger, nach unseren geläuterten Begriffen von der Rechtspsiege zusammengesetzter Gerichtshof einen Juden wegen Ritualmordes verurtheilt hat. Gegenüber der an die christlichen Regierungen gerichteten Aufforderung, dass es ihre Pflicht sei, Untersuchungen vornehmen zu lassen, ob iu dem echten, koscheren Passamehl, in dem echten, koscheren Osterwein, die mit dem Certisikate eines Rabbiners versehen sind, nicht Christen- oder überhaupt Menschlenblut - entdeckt werden könnte, meint Pfarrer: Der Gedanke ist nicht so übel. Die Chemie hat iu der Gegenwart ja stauueuswerthe, fast wunderbare Fortschritte gemacht, und ist ganz gewiss imstande, auch die kleinsteu Atome aufznsiuden, die mit einem Körper vermischt sind. Das Christenblut darf darum so fein als nur immer möglich pnlverisirt sein, in der Retorte des Chemikers wird es, wenn es mit dem Mazzothmehl vermischt ist, unfehlbar zur Entdeckung kommen. Also frisch ans Werkl Das koschere Paffahmehl, der koschere Osterwein werden ja öffentlich angeboteu, unserer Polizei wird es ein leichtes sein, sich dieselben zu verschaffen und die Vorstände unserer Untersuchungsstationen oder hygienischen Institute, sowie die Vorstände der chemischen Laboratorien an de» Universitäten werden jederzeit gern bereit sein, die vorgelegteu Proben von Paffahmehl und Osterwein der exaktesten, gründlichsten Untersuchung zu unterziehen. Und welcher Jubel würde in den antisemitischen Versammlungen ausbrechen, wenn ein Professor der Chemie ettdlich einmal ausrufen könnte: Heureka, Heureka! Ich habe es gefunden, ich habe es gefunden! Das Christen- oder Menschenblut ist in dem Ostermehl, im Osterwein vorhanden Doch allzubald werden wir das nicht erleben. Ich bin sogar der festen Ueberzeugung, dass, wenn solche Untersuchungen auch angestellt werden, ,die Ergebniße derselben nicht nach dem Wunsche der Antisemiten ansfallen werden. Auch kann ich mir schon im voraus denken, was die Antisemiten zu den zweifellos negativen Untersuchuugsergebnißen sagen werden. „Alles ist verjudet," wird man rufen, „Nicht nur unsere Richter, sondern auch unsere Chemieprofefforeu sind mit Judengeld erkauft." Für den apostolischen Stuhl aber würden die Ergebniße dieser Untersuchungen eine neue glänzende Rechtfertigung sein, denn auch sie würden eine Bestätigung der Anschauungen bilden, die er seit sechshundert Jahren schon über den Ritualmord festgehalteu hat, und würden seine Aussprüche bekräftigen, dass die Anklage der Juden wegen Ritualmordes eine falsche, böswillige verleumderische Beschuldigung derselben ist. Pfarrer Frank zweifelt nicht an dem endliche» Siege der Wahrheit. Die Wahrheit wird es sein, welche die Juden von der wahnwitzigen Blutbeschuldiguug befreien wird. Die Wahrheit ist auch heute noch das Stärkste in der Welt, und nichts vermag ihr zu widerstehen; das Unrecht, der Aberglaube, die Bosheit müssen vor ihr sich beugen und verschwinden. Die Wahrheit hat die Juden von der Beschuldigung befreit, dass Sie die Brunnen vergiften, getrocknetes Christenblut auf den Tau streuen und dadurch die Pest für Menschen und Vieh herbeiführen, sie wird die Juden auch von der falschen, boshaften, verleumderischen Anklage befreien, dass sie Christen schlachten nnd ihr Blut ^genießen. Die Zeit ist nicht mehr gar fern, in welcher die Wahrheit diesen Sieg über Aberglauben und Thorheit, Neid und Bosheit, Hass und Habsucht erringen wird. Sie wird um so eher kommen, je mehr die christlichen Lehrer und Geistlichen sich Mühe geben, der ihr anvertrauten Jugend folgende auf der Wahrheit beruhenden Sätze klar zu machen und einzupragen: Alle Völker des Alterthnms haben Menschenopfer dargebracht, nur den Juden waren sie durch göttliches Gesetz jaus das strengste untersagt; alle Völker des Altertums haben Blut genossen, nur den Inden war der Blutgenuß durch ihre heiligen Schriften unter Todesstrafe verboten; die ersten Christen wurden von den Heiden beschuldigt, dass sie Kinder schlachten und ihr Blut genießen; sie haben die falsche Anklage mit dem Hinweise zurückgewiesen, dass sie kein Blut genießen dürfen; seit dem 13. Jahrhundert wurde gegen die Juden die Beschuldigung erhoben, dass sie- Christenkinder schlachten und ihr Blut genießen; die Päpste haben die Juden gegen diese Beschuldigung mit der Behauptung verteidigt, dass ihr Gesetz den Juden den Blutgenuß auf das strengste untersagt. die namhaftesten christlichen Gelehrten bezeugen, dass in den heiligen Schriften der Juden ohne Ausnahme ein Anhaltspunkt für den jüdischen Ritualmord sich nicht finde. die achtbarsten, vertrauenswürdigsten Judenchristen beteuern, dass der Genuß von Christenblut, die Verschickung des Christen - blutes an die Gemeinden, die Verpackung desselben in die ungesäuerten Brode ein Märchen sei; die „Gestäudniße" einzelner Juden, dass die Juden Christen schlachten und ihr Blut genießen, sind wie ehedem die „Geständnisse" einzelner Christen, dass die Christen Kinder schlachten, durch die Folter erpresst worden und haben darum keinen Wert, zum Theil haben sich dieselben auch thatsächlich als falsch erwiesen; unter allen Fällen, in welchen Juden wegen Ritualmords verurtheilt wurden, ist nicht ein einziger, welcher die Prüfung vor einem nach den Anforderungen der strengen Gerechtigkeitspflege zusainmenzesetzteil Gerichtshöfe bestehen könnte. Wenn diese Sätze unserer Jugend vorgetragen und eingeprägt werden, dann wird man bald nichts mehr von der nach den Aussprüchen des apostolischen Stuhles falschen, boshaften, verleumderischen Anklage der Juden wegen Ritualmords hören. (Schluss folgt.)

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