Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 31 (9.8.1901)
- Date
- 1901-08-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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is Wayrchsit «Rfkaction u. Administralion Wien. II/1. Novaragaffe 27. ß. k österr. Posijparcasia Sheck-Eonto Nr. 840.251. , I n f i r a l e: ||! Abonnementsnnd Insertion«. beträse sind in Wien zahlbar. j| Unabhängige Heitfchrifi für inöifche Hniere^en. Erscheint jeden Freitag. Motto: .Das lieget Gottes ist Wahrheit!" Lezugsprei»: Ganzjährig . . g. 12— Halbjährig ... St. 6— Für Lultusbeamte: Ganzjährig ... St. 10— Für Ausland: Ganzjährig .... 12 Mark ü Rubel oder 16 FrcS. _ . . II Nr. 31. Wien, 9. Äugnst 1901. Inhalt: Der Ritualmord vor den Gerichtshöfen der Wahrheit und Gerechtigkeit. — Bankerott der Assimilation. — Simrock und Börne. — Verschiedene Rachrichten. — Feuilleton: Das Kaddischgebet. — H. Weintraub und seine Tempelgesänge. — Zum Cantorentag in Wien. Der Nitnalmord vor den Gerichtrhöfe» der; Wahrheit und Gerechtigkeit*).! IV.! Warum, — so hört man öfters fragen, — kommen die j Inden janunt und sonders in die größte Ausregnng, sobald die erste Kunde davon vernommen wird, dass irgendwo ein Leichnam gesunden wurde? Ist das nicht ein sicheres Zeichen, dass an dem Nitualmorde etwas Wahres ist? — Geben die Inden dadurch uicht zu erkennen, dass sie sich selbst für schnldig halten? — Nein! die Inden kommen nicht gleich in Ansregnng, wenn irgendwo ein Leiche gesunden wird, sondern erst dann, wenn der Verdacht geäußert wird, dass ein Nitnalmord vorliegt. Und nach den Gesetzen der Seeleulehre ist es auch ganz begründet und erklärlich, dass sie in Aufregung kommen, wenn ein solcher Verdacht ansgeiprochen wird. Giebt es denn ein größeres Verbrechen als Mord, und die Juden sollen nicht ansgeregt werden, wenn dieses Verbrechen nicht einem Einzelnen von ihnen, sondern ihnen allen, dem ganzen Volke ausgebürdet wild? Giebt es ein schauerlicheres Verbrechen als .Kannibalismus. Menschenfresserei, uild die Inden sollen nicht aufgeregt werden, wenn das ganze Jndenvolk des Kannibalismus beschuldigt wird? Denn sobald von einem Nitnalmord die Nede ist, wird damit die Anklage gegeuJas Jndenvolk erhoben, dass es nach religiösem Gebrauche Christen ermordet, um das Blut derselben zu genießen. Und da will man es ihm verargen, tvenn es durch seine Ausregnng gleichsam einen thalsächlichen feierlichen Protest gegen eine solche Beschuldigung erhebt? Oder sollen die Juden vielleicht still uiib ruhig die Beschuldigung hinnehmen? Da wurden sofort die Antisemiten und noch andere bei der Hand sein und sagen, man sehe es den Juden an, wie das Bewusstsein der Schuld sie niederdrnckt. Aber warum wenden die Juden soviel Geld aus, tvenn einer oder mehrere ihrer Glaubensgenossen eines Mordes angeklagt sind? Das thun sie doch nur deswegen, um die Freisprechung der Angeschuldigten dnrchznsetzen, damit nur kein Jude wegen Mords verurtheilt wird? — Nein! Die Juden thun es, wenn es geschieht, deswegen, damit sie, wie auch der Staat selbst oder christliche Staatsbürger es manchmal thun, eine Be- ' *) „Der Ritualmord vor den Gerichtshöfen, der Wahrheit und Gerechtigkeit" von Dr. Fr. Frank. Regensburg, 1901. Verlagsanstalt vorm. G. I. Manz. Preis 2 Mk. lohuung öffentlich ansschreiben können für denjenigen, der es ermöglicht, daß die Schuldigen entdeckt und gestraft, Unschuldige nicht verurtheilt werden. Sie unterstützen den Staat in seiner Ausgabe, die Verbrecher zu entdecken und die Verbrechen zu sühnen, wie der preußische Minister des Innern in der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 19. März 1892 des 'Nähereu auseiuaudergesetzt hat. Aber warum bleibt trotzdem eine so große Anzahl gerade solcher Todesfälle, die als Ritualmorde verdächtig sind, unaufgeklärt und nngesühnt? Ich lasse es vorerst dahingestellt, ob die Anzahl solcher Todesfälle wirklich größer ift, als die Anzahj der anderen Todesfälle und Verbrechen, die ebenfalls unaufgeklärt und nngesühnt geblieben sind. Ich für meine Person glaube, dass die Anzahl dieser Todesfälle nicht größer ist, wie die der anderen, bis die Statistik mich vom Gegeutheile überzeugt. Von acht Lustmorden, die in der Gegend von Bochum in den Jahren 1848—1888 vorgekommen sind, blieben fünf unaufgeklärt. Sollte der Unterschied, wie man ihn annimmt, aber wirklich vorhanden sein, dann sind es gerade die Antisemiten, welche diesen Unterschied verschuldet haben. Sie haben durch ihre Verdächtigungen der Jaden die Gerichte auf eine falsche Fährte geführt, und während die Untersuchungsrichter mit Unschuldigen Zeit und Mühe verschwendeten, sind die Schuldigen entkommen. Was die Antisemiten den Juden vorwerfen, dass sie Geld sammeln, um damit die Anklageri abzuwehreu, die wegen Rilualmords gegen Sie erhoben werden, thun sie selbst auch nach Kräften, um Menschen zu gewinnen, welche die Anklagen gegen die Inden zu gebrauchen, welche sich bei ihren nenen Christeubrüdern einznschmeicheln gedenken, oder sülche Juden, welche mit ihren Glaubensgenossen zerfallen sind und sich an ihnen rächen wollen. An solchen Menschen Hut es auch niemals gefehlt, und man findet sie auch in der Gegenwart. Sehr eingehend behandelt Pfarrer Frank die sogenannten wissenschaftlichen Beweise, die Rohling mit Hilfe der beiden Soldlüguer Aron Brimanu und Paulus Mäher aus dem Sepher Halikkutim, aus dem Sohar und anderen Talmudstellen für die Ritualmoroauktage yi erbringen versuchte. Die hervorragendsten christlichen Gelehrten haben diese Beweise als offenkundige, böswillige Textfälschnngen gekeltuzeichnek nnd trotzdem sah sich Rohling nicht veranlasst, seinen Jrrthum loyal zu beke««nen, oder einzugesteheu, dass er von seinen Helfershelfern dupirt wurde. Angesichts dieser Thatsache bei Rohling noch die bona fides vorauszusetzen, das können sich nnr Jene