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Die Wahrheit · 1901-08-02 · Heft 30 (2.8.1901) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 30 (2.8.1901)
Date
1901-08-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr 30. Dte Wahrheit. Seite 6. nngerechtserligte Kündigung eines Anderen frei geworden ist, und dass endlich die übliche Bestimmung des Maximalalters mit Ausnahme jener Gemeinden, welche ihren Angestellten Pensionen gewähren, fallen gelassen werde. Schäfer-Baden hält den zu entrichtenden Mitgliederbeilrag für zu hoch und plaidirt sür eine Herabsetzung desselben. Allerdings müssten gegenüber den verminderten Pflichten verminderte Reckte platzgreifen. Redner ist der Ansicht, dass es Sache des Einzelnen sei, sich seine Zukunft durch Assekuranz u. dgl. zu zu sichern, nickt aber Sache des Vereines, welcher sich nur daraus beschränken sollte, die socialen und ethischen Interessen des Cantorenstandes zu heben. Durch Herabsetzung des Beitrages würde gewiss die Mitgliederzahl erhöht werden. Zivi-Elberfeld: Meine Herren! Gestatten Sie mir, der ich von weiter Ferne erschienen bin, an dem Zustandekommen eines Cultnrwerkes mitzuarbeiten, dass ich Ihnen im Namen meiner Collegen, die mit mir aus Deutschland gekommen sind, und nicht minder auch im eigenen Namen den verbindlichsten Dank ansspreche, dafür, dass Sie uns Gelegenheit gegeben haben, gerade nach Wien, nach der Stätte der einstigen Wirksamkeit eines Sulzer zu kommen, um uns hier mit Ihre» ] Vestrebuugeu solidarisch zu erklären. Und nun zur Sache. Die! in Debatte stehende Frage betreffend bin ich der Ansicht, dass i wir heute nicht von den Details eines Cantoren-Vereines. sondern von den unliebsamen Zuständen sprechen sollen, die dem Catorenstande so hart ans dem Nacken liegen, und dass wir berathen, in welcher Weise diese Zustände, an denen das Cantorenthum krankt, beseitigt werden könnten. Dabei kann ich die Bemerkung nicht unterdrücken, dass der so viel gepriesene Universalismus des Cantorenstandes insolange ein frommer Wunsch ist und bleiben muß, als nicht die particularistischen Bestrebungen des Einzelnen unmöglich gemacht werden. Als Basis für eine Reform des Cantorenstandes nach dieser Richtung hin betrachte ich einerseits eine planmäßig geordnete fachliche Erziehung des Einzeltten, anderseits die Aneignung jener Summe profanen Wissens, welche nothwendig erscheint, um den Cantor aus jene Stufe sccialer Höhe zu heben, die ihm kraft seines heiligen Berufes gebührt. Wenn ich nun dazu übergehe, Ihnen speciell deutsche Verhältnisse darzulegen, so thue ich es nur deshalb, um Ihnen zu zeigen, wie wir uns unsere Stellungen angebahnt und geschaffen haben, hauptsächlich aber, um Ihnen Gelegenheit zu geben, das, was Ihnen gut scheint, zu behalten und es hiesigen Verhältnissen anznpassen. Was die allgemeine Bildung betrifft, so werden Sie mich nicht mißverstehen, wenn ich sage, dass wir in Deutschland Ihnen diesbezüglich voraus sind. Die jungen Leute, die sich bei uns dem Cantorfache widmen, sind fast ausnahmslos noch vor Eintritt in die sachliche Ausbildung bereits im Besitze einer ziemlich ansehnlichen allgemeinen Bildung, die durch das Studium am Seminare, der Lehrerbildungsanstalt, eine Vertiefung uns Veredlung erfährt. In diesen Anstalten wird aber neben den profanen Wissenschaften auch noch so viel Hebräisch und Musik gelehrt, dass man den Abiturienten dieser Inftttute größtentheils das Zeugnis einer guten Elementar-Bildung ausstellen darf. Es wäre jedoch gefehlt, wenn man der Ansicht znneigte, dass mit der Abfolvirung des Seminars das Maß des zu erwerbenden Wissens voll ist. In Deutschland ist es der Staat, der darauf dringt, dass das im Seminare begonnene Studium privatim weiter fortgesetzt werde, um dadurch zu docnmentiren, dass das Streben nach Vorwärts ein unbegrenztes sein soll. Das Seminarstudium hat aber außerdem noch einen anderen großen Vorzug an sich: abgesehen davon, dass es zu einer staatlichen Anstellung als Lehrer berechtigt, wird im Seminare darauf Gewicht gelegt, dass die Zöglinge zu Charakteren herangebildet werden. Charaktere brauchen wir, Leute, die sich bewusst sind, was sie sich, der Allgemeinheit, besonders aber unserem heiligen Berufe schuldig sind. Im Anschlüße an diese Ausführungen mehr allgemeiner Natur möchte ich nun zur speciellen Cantorenfrage übergehen. - Ich stehe auf dem Standpunkte, den zu meiner großen Freude anlässlich des Blumenthal-Jubilaums der Kölner Rabbi ~ Dr. Frank in seiner meisterhaften Festrede eingenommen Ha Darnach besteht der jüdische Gottesdienst aus zwei Theilen aus Religion und Kunst. Der Vertreter der ersteren ist natur gemäß der Rabbiner, der letzteren der Cantor. Ein Cantorist demnach nur derjenige, der es zu einer künstlerischen Reife^ gebracht hat, und es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass der künstlerische Theil in gleicher Weise studiert sein will und musswie der religiöse. Run ist die Frage: Wie kann das Studium des Cantorates ans die rationellste Art betrieben werden? Vergleichen wir das Cantorat mit einer anderen Kunst, mit der Malerei oder Bildhauerei. Hier lernt der Anfänger die groben Umrisie seiner Kunst in der Werkstätte eines Meisters, um sich später erst zu einem wirklichen Meister und Künstler heranzubilden. Der von einem Einzelnen ertheilte Unterricht ist niemals ausreichend, denn er ist immer individuell und einseitig, weil die Licht- und Schattenseiten des Lehrenden regelmäßig wiederkehren. Der Cantor ist also noch nicht ausgebildet, wenn er eine Schule verlassen hat, sondern er kann erst dann als vollwerthig gelten, wenn er sich und seine Kunst an großen Vorbildern ausgestaltet und veredelt hat. Unser weiteres Streben muss darauf gerichtet sein, dass, der Lehrlnnfang des Cautorates erweitert, dass die Art ,»& Methode des Unterrichtes anders werde. Was früher gut war. ist jetzt nicht mehr gut, hat sich jetzt überlebt. Ich betone es ausdrücklich, dass sich diese Bemerkung nur auf das Studium und auf nichts anderes bezieht. Wenn ich betrachte, auf welcher Basis das Cantorat gegründet wurde, dann kann ich mit stolzer Genngthnung auf die derzeitigen Verhältniße in Deutschland verweisen. In Deutschland werden dem aufstrebenden Talente die Wege geebnet, die Zeiten der Einengung in ein selbsterrichtetes Ghetto sind vorüber. Es ist mein heiligster Ernst, mitzuarbeiten an der Verbesserung unhaltbarer- Zustände. Unserem Stande kann nur durch eine radicale Cur aufgeholfen werden, beginnen wir an uns selbst. (Lebhafter Beifall.) Vorsitzender Singe r-Wien dankt dem Redner für feine werthvollen Auseinandersetzungen und versichert ihn der ungelheilten Zustimmung aller Besserdeukenden, bittet jedoch die folgenden Redner sich in ihren Ausführungen mehr an das Programm des heutigen Tages, Mittel und Wege zur Erhöhung der Mitglieder-Anzahl, zu halten. D ä v i d s o h n-Gleiwitz schließt sich den Ausführungen seines Collegen Zivi vollinhaltlich an und gibt feinem herzlichsten. Danke für den ihm und seinen Collegen aus Deutschland bereiteten warmen Empfang Ausdruck. Redner ist der Ansicht, dass durch Streichung des Eintrittsbeitrages, sowie durch eine Herabsetzung des Jahresbetrages für minder gut gestellte Collegen Abhilfe geschaffen werden könnte. Angesichts der minimalen Bezüge eines großen Theiles der Cantoren ei scheint ein Beitrag von 12 Kronen zu hoch. Der Ausfall in den Finanzen des Vereines, welcher durch eine Herabsetzung des Beitrages eventuell eintreten könnte, würde einerseits durch die größere Mitglieder - anzahl, anderseits auch dadurch hereingebracht werden können, dass sich die besser situirten Collegen gewiss zur Leistung höherer Beiträge herbeilassen werden. Redner beantragt sohin unter Ausrechthaltung des jetzigen Beitrages per 12 Kronen für gewisse- Categorien von Cantoren diesen Beitrag herabzusetzen. Friedman n-Berli» verweist auf Vereine in Deutschland und Oesterreich, welche durch Festsetzung eines leicht erschwinglichen Mitgliederbeitrages eine sehr große Anzahl von. Mitgliedern besitzen. So z. B. ist in Deutschland ein Verein, der einen Beitrag von 1 Mart jährlich festgesetzt hat. Zu einem Beitrage von 12 Kronen entschließt man sich schwer, einen geringelt Betrag würde Jeder leisten. Vorsitzender Singe r-Wien glaubt, dass eine rein organisatorische Thätigkeit des Vereines auch mit einem kleineren Beitrage erreicht werden könne; aber ein so kleiner Beitrag, wie er hier angedeutet wurde, würde die Thätigkeit des Vereines

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