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Die Wahrheit · 1901-08-02 · Heft 30 (2.8.1901) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 30 (2.8.1901)
Date
1901-08-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Serie 4. Die Wahrheit. Nr. 30. Wien; S ch l e s i n g e r-Arauyos Maroth, Ungarn; Guttmann-Wien; Regner-Wien; Deutsch-Odenburg, Ungarn; Dün m ann-Wien; Schwarz-Wien; P ekar nik-Wien; Deuts ch-Tarnowitz; Werdishei m-Stockerau, Nieder Österreich; L öw yMödling, Nieder-Österreich; Zlocsenk o-Holics, Ungarn; K r a u s-Neusohl, Ungarn; S ch i l l e r-Wien; Schorr« Wien; Weiß-Jglau, Mähren; Fuchs-Wien; Smotritzki- Wien; A l l enbe r g-Liesing; L ö w e n s o h n-Prag; P ort- Wien; Deuts ch-Wien; K r a u s-Johanuy; S ch r e i b st e i n - Wien. Begrüßungen, Telegramme, Entschuldigungen und Zustimmungserklarungen liefen ein von: Birnbaum-Königsberg, Jacobsohn-Leipzig, Kürschner-München, Kohn-Arad, Lösegeld- Proßnitz, Goldman» - Bielitz, Blümel - Jamnitz, Goldbaum - Smichow, Rendi-Agram, Jellinek-Hollabrunn, Kischitzky Esseg, Blatt-Wien (derzeit in Ischl), Ernster-Fünfkirchen, Minkowsky und Nowakowkh-Odessa, Neiser-Neuern, Rosner-Ledec, Kläger- Wien, Jurberger-Wien, Tauber-Wien, Rosenfeld-Pisek. Um die persönliche Bekanntschaft der Besucher des Cantorentages zu vermitteln, fand Montag, den 29., Vormittags 10 Uhr, eine zwanglose Zusammenkunft in der Religionsschnle der Wiener Eultusgemeinde statt, woselbst der Vice-Präses des „Canwrcn-Vereiues", Obercantor I. Bauer, die »rschienenen Gäste namens der Wiener Collegen herzlich willkommen hieß und das Programm der beiden Tage mittheilte. Eröffnung des ßantorentages. Die officielle Eröffnung des „Allgemeinen Cautorentages" fand um 3 Uhr Nachmittags durch den Präsidenten des „Cautoren-Vereines", Obercantor Josef Singer, statt. Vor Beginn der Berathungen erschien der Vice-Präsident der israel. Wiener Eultusgemeinde, Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, in Begleitung des Bethausvorstehers Wasservogel und des I. Sccretärs der Eultusgemeinde, kais. Rath Dr. Lieben, im Berathuugssaale, um die Versammlung namens der Wiener Eultusgemeinde zu begrüßen. In überaus herzlichen Worten gab er der Hoffnung Ausdruck, dass die Berathungen nicht nur für die anwesenden Cantoreu, sondern für den gesammten Cantorenstand und nicht in Letzter Linie auch für die Cultusgemeindeu günstige Ergebniße zeitigen werden. Die Cantoren, die Schliche Zibbur, mit den Rabbiuern die Hauptträger des jüdischen Gottesdienstes, haben -eine hehre Aufgabe zu erfüllen. Hiezu genüge nicht allein die Lloße Kunst, auch das Herz, die Kewonoh muss dabei sein; Lann ist der Erfolg gesichert. Bei Hochhaltung dieses Grundsatzes wird es auch gelingen, den Cantorenstand auf jener Höhe zu erhalten, auf der er sich befindet, und in den Kreisen, die dafür Interesse haben, ein gerechte Würdigung der Leistungen zu erzielen. (Lebhafter Beifall.) Obercantor Singer dankt, von der Bedeutung des Momentes durchdrungen, dem Vice-Präsidenteu der Wiener Eultusgemeinde für die freundliche und ehrende Begrüßung und richtet hieraus folgende Worte an die Versammlung: Bevor wir zur Erledigung unserer Arbeiten schreiten, «rsuche ich Sie, sich von den Sitzen zu erheben und den Gefühlen der Liebe und Verehrung für unseren allgeliebten Monarchen, den Beschützer des Rechtes und der Freiheit, Ausdruck zu geben. Seine Majestät, der Kaiser Franz Josef I., er lebe hoch! (Dreimalige begeisterte Hochrufe.) Sohin begrüßt der Vorsitzende die Anwesenden und dankt insbesondere den Herren aus Deutschland, die mit seltener Opsersreudigkeit aus weiter Ferner hergekommcn sind, um die Berathungen zu fördern und an den Arbeiten des Cantorentages Antheil zu nehmen. Es dürste auffallend erscheinen, dass der heutigen Versammlung nicht, wie es üblich ist, eine Tagesordnung vorliegt. Ich glaube jedoch, eine Tagesordnung im vorliegenden Falle würde nichts weiter sein, als eine Aufzählung jener Ziele, die wir seit 20 Jahren — leider muss ich es sagen — vergebens verfolgen. Das Wörtchen „vergebens" bedarf wohl einer Motiviruug, und dazu ist es nothwendig, dass ich etwas in die Geschichte des Vereines zurückgreife. Dank der Begeisterung, welche vor ungefähr >0 Jahren die Absicht der Gründung einer Centralstelle für das Can^cnenthum in Oesterreich-Ungarn erweckte, ist es gelungen, diese ' Absicht zu verwirklichen. Jedoch schon ganz kurze Zeit nach der Gründung machten sich partikularistische Strömungen geltend, Neugründungen fanden statt, die naturgemäß den alten Verein in seiner Entwicklung hemmten, ohne selbst in der Lage zu sein, Etwas zu schaffen. Einer dieser Vereine — und v ielleicht der beste unter ihnen— ging mit seinem Gründer unter. Andere wieder gewöhnten sich eine Art und Weise des Kampfes an, auf die wir ohne uns unserer Würde zu begeben, nicht eingehen können. Zweigniederlassungen, die vom Cantoren-Vereine gegründet und gefördert wurden, sagten sich vom Stammverein los — aus welchen Gründen, wissen wir nicht. Es erscheint fast als ein Wunder, dass ein Verein unter solchen Umständen sich erhalten konnte. Dass dies aber möglich war, beweist ebensosehr seine Nothwendigkeit, als die ernsten Absichten seiner Leitung. Das, meine Herren, sind kurz gesagt, die Gründe des von uns selbst zugestandenen Rückganges. Es ist nicht unsere Schuld. Die Leitung war unter Aufwand von Zeit, Mühe und Geld unentwegt und mit Hintansetzung persönlicher Interessen bemüht, den Verein zu heben und zu fördern. Wenn das auch nicht gelungen ist, so können wir doch mit ruhigem Gewissen sagen, dass wir jederzeit bemüht waren, das Möglichste zu leisten. Ich muss gestehen, ich war anfangs gegen die Einberufung eines Cantorentages, weil ich fürchtete, dass wir nicht in jener Stärke erscheinen werden, die zur Berathung von Standesfragen nothwendig ist. Ich bin jedoch besserer Einsicht gefolgt und freue mich constatiren LU können, dass meine Befürchtungen unbegründet waren. Mögen die heutigen Berathungen welches Resultat immer zeitigen, ein nachhaltiger Erfolg wird nur dann möglich sein, wenn sie das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das uns heute beseelt, mittragen in die Stätte Ihres Wirkens und sich bemühen werden, es auch auf jene Collegen, die heute nicht erschienen sind, oder erscheinen konnten, zu übertragen. (Lebhafter Beifall.) Ich bitte jetzt zur Wahl des Bureaus zu schreiten und unterbreche diesem Behufe die Sitzung. Nach Wiederaufnahme der Sitzung werden xer acclamationen gewählt: Zum Vorsitzenden: Singer -Wien; Zum Stellvertreter: Bauer -Wien; Zu Beiräthen: Schäfer -Baden; Schwarz -Linz; T r e u h a f t -Bösing; F r i e d m a n n -Berlin; Zivi -Elberfeld; D a v i d s o h n -Gleiwitz. Vorsitzender Singer -Wien dankt für die Wahl und bittet, sich bei den Ausführungen der möglichsten Kürze zu befleißen. Zweck der heutigen Versammlung ist es, in erster Linie Anregungen zu geben, auf welche Weise die Zahl der Mitglieder des Vereines vermehrt und sein Wirkungskreis erweitert werden könnte. L ö w i t -Wien sieht in der Hoheit Aufnahmsgebühr von 40 Kronen, in dem Jahresbeiträge von 12 Kronen und in der für die Aufnahmswerber festgesetzten Altersgrenze von 40 Jahren das größte Hindernis für einen Massenbeitritt der Cantoren. Redner verspricht sich von einer Statutenänderung nach der angegebenen Richtung die besten Erfolge. Schwarz-Linz wendet sich gegen die Art der Einhebung der Witwenbeiträge durch Sammlung bei den Mitgliedern und beanständet die Art und Weise der Wahl des Vereiusvorstandes; darin erblickt Redner den Grund für die geringe Mitgliederanzahl. Nach einer Schilderung der misslichen Verhältuiße der Cantoren befasst er sich mit den Aufgaben des Vereines. Dieser möge nicht nur Philantropisch wirken, sondern als Hauptzweck das anstreben, dass kein Cantor ohne Spesenvergütung einen Probevortrag halte, dass Niemand eine Stelle annehme, die durch

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