Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 30 (2.8.1901)
- Date
- 1901-08-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Die Wahrheit Redaction u. Sidminiftralion Wien. II/l, Novaragaffe 27. ft. (. östcrr. Postsparcassa Ehrä»Conto Nr. 848.251. 1 » s, r a i l : 20 Heller per Noaparrillr-^eile. LBvnnemriitS- und Jnjertioiiibet^üge sind i» Wien zahlbar. Anakhängige Keilschrift für jüöifche Erscheint jeden Freitag. Mott, : .Da» Siegel Gottes ist Wahrheit Hqtgspms: «»»»jährig . . ft. 12— i Halbjährig ... ft. 6—! Für Lnltnsbeamte: ji Ganzjährig ... ft. 10— Für Ausland: ' |! Ganzjährig .... 12 Mark 6 Rubel oder 18 Frc«. '■ Ar. 30. Wien, 8. August IM. Anhalt r Allgemeiner Canlorentag in Wien. Das Kaddischgebet nach seiner ethischen Bedeutung. Verschiedene Nachrichten. Das Kaddischgebet. ÄUgemeiner Cantorentag in Vien. j Der am 29. linb 30. Juli im großen Sitznngssaale der! Wiener isreael. Cultnsgemeinde abgehallene allgemeine Cantorenl lag ist durch die an. demselben ins Leben gerufene Organisation! nicht nur für die cantorale Bernfsgenossenschaft von eminenter! Wichtigkeit, sondern es wohnt ihm auch eine große allgemeine Bedeutung inne, indem er durch die zum Beschlüsse erhobenen Resolutionen geeignet erscheiitt, über die Bernsskreise hinaus aus mannigfache Verhälluiße des jüdischen Gemeindelebens bestimmend einzuwirken. Die Anerkennung dieser Thatsache fand einen erfreulichen Ausdruck in den begrüßenden Worten, die der Vicepräsident der Wiener Cultusgemeinde, Herr Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, an oie Theilnehmer des Cantorentages richtete, und man darf in dieser Begrüßung nicht nur einen Act liebenswürdiger Courtoisie erblicken, sondern auch einen autoritativen Beweis dafür, dass die ernsten Bestrebungen des Cantorenstanbes im Vorstande der ersten Gemeinde des Reiches verständnisvolle Würdigung finden. Wie könnte es auch übrigens anders sein in einer Gemeinde, lvo ein Sulzer gewirkt und durch seine Reformen der musikalischen Liturgie des Gottesdienstes den Schauplatz seiner Thäligkeit zu einem Musterbilde für den größten Theil des modernen Jndenthnms gemacht hat. Erfreulicher Weise steht das Beispiel der Wiener Cnltusgemeinde nicht vereinzelt da, und namentlich die Gemeinden Deutschlands sind es, die den Berathungen der Cantorentage anerkennende Beachtung schenken, die auch dadurch zum Ausdrucke gelaugt, dass die meisten derselben ihren Functionären durch Reisebei.träge den Besuch der Corporatioons-Versammluugen, und so auch des Wiener Cantorentages möglich machten. Die Stätte, an welcher sich die zahlreichen Vertreter Oesterreich-Ungarns, Deutschlands und des weiteren Auslandes auf dem Wiener Cantorentage zu ernster, gemeinnütziger Arbeit vereinigten, ist eine durch Geschichte und Tradition glanzvolle. An den Wänden des vornehmen Beralhutigssaales hängen die Bildniße jener Zierden und Lcnchten des Judenlhums, die an der Wiege des größten jüdischen Gemeinwesens standen und zur Zeit, als noch überall nächtliches Dunkel herrschte, Licht und Aufklärung in die Reihen ihrer schwergeprüften Glaubensgenossen trugen. Diesen allehrwürdigen Gestalten reihen sich als ebenbürtige Epigonen ihrer großen Ahnen die Männer der Neuzeit an, die mit zielbewusster und kräftiger Hand den begonnenen Bau zur Vollendung brachten und deren Wirken und Schaffen unserem Gedächtniße noch lebensfrisch anhaftet. Jedes Bild erinnert an ein hervorragendes geschichtliches Moment, an eine hochherzige That, jeder Name bedeutet ein Programm. Schon die Oertlichkeit an und für sich konnte somit als ein günstiges Omen für die bevorstehenden Berathuugeu angenommen werden, und fürwahr, wenn man das Ergebnis derselben prüft, so kann man behaupten, dass die Theilnehmer des Caulorentages sich ihrer vornehmen Umgebung vollauf bewusst waren und oie Hoffnungen, die aus ihr Erscheinen gesetzt wurden, nicht unerfüllt gelassen haben. In allen Schattirungeu war das Cantorat vertreten, aus allen Ländern waren sie zusammengeströmt; doch Alle, ob sie ans dem einen oder andern Theile der Monarchie oder des Auslandes kamen, reichten sich brüderlich die Hand und tauschten in gehobener Stimmung collegialen Gruß und Gegengruß. Und lvenu auch in heißer Debatte die Klingen scharf gekreuzt wurden und mancher sachliche Gegensatz zum Ausdruck kam, das Gefühl der Zusammengehörigkeit der gesammteli Collegenschaar und das einmüthige Streben, miteinander und für einander die Interessen der Berussgenossenschst zu heben nnd zu fördern, behielten dennoch immer die Oberhand nnd führten die entstandenen Differenzen zu harmonischer Lösung. Diese harmonische Lösung fand Ausdruck in der einstimmigen Annahme der bedeutungsvollen Resolutionen, die wir au der betreffenden Stelle des nachfolgenden Berichtes veröffentlichen, welcher der hohen Wichtigkeit des Tages entsprechend, fast den ganzen Runn der oieswöchentlichen Nummer unseres Blattes einnimmt und gewiss allgemeinem Interesse begegnen lvird. theilnehmer des tzantarentages. S ch l e f i n g e r-Wien; Sega l-Straßuitz, Mähren; Weißm a n n-Wien; B a u e r-Wien; 21. Rotte r-Wieu; Schleifer- Wien; T i g e r-Wien; G o l d st e i u-Steinamanger, Ungarn; Freud es Wien; B a l o g H-Wien; D n ke s-Wien; Gol dsteiu- Jassy, Rumänien; Holze r-Mislitz, Mähren; Füruberg- Neuhaus. Böhmen; N e u s eld-Nikolsburg, Mähren; Koh n- M. Budwitz, Mähren; R egn er-Mistelbach, Nieder.Österreich; Friedman n-Lerlin; D. L. R o t r e r-Wien; Bass l-Wien; Seifer t-Wien; G r o ß-Floridsdorf, Nieder-Osterreich; Geiring e r - Gablonz, . Böhmen; Klager- Wien; Davids o h n-Gleiwitz, Preuß.-Schlesien; G r z y b-Freistadt, Schlesien; L ö w i t-Wien; Schwär z-Linz, Ober-Österreich; W i t t m a n n- Wien; Treu Haft -Bösing, Ungarn; Serebrenik- Wien; Singer- Wien; e y m a n n - Wien: Zi v i- Elberseld, Deutschland; B l a u-Kostel, Mähren; Silber» man »-Krems, Nieder-Österreich; S ch ä s e r-Baden, Nieder- Oesterreich; Z e l n i k-W'.en; R o t h w e i n Wie»; Menkes-