Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 29 (26.7.1901)
- Date
- 1901-07-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Hesterr.-ungcrr. Acentoren-Ieitung. Nr. 29. ZLeitage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 21. Iahrg. Eollegen! ^erlanget in allen ßafvs und Restaurationen in Wien und der Urovinz „Aie Wahrheit". Zum Cantorentag. Die beim Vorstande des „Oesterr.-ungar. Camoi en-Vereiiies" und bei der Redaction der „Wahrheit" zahlreich einlanfenden Anmeldungen lassen eine überaus rege Theilnahme am Cantorentage erwarten. Als aus Deutschland erfreuliche Erscheinung muß die Thatsache constatirt werden, dass auch einige hervorragende Berussgenossen ihr Erscheinen zugesagt haben, um durch dasselbe ihre Solidarität mit der «Äesammtheit des Cantorenstalldes in Oesterreich-Ungarn zu documenliren. Hoffentlich wird die Einmüthigkeit der Bestrebungen auch in den Verhandlungen und ' Berathungeu des Cantoreniages zu Tage treten, daun ist zu erwarten, dass derselbe einen Umschwung der traurigen Standesverhaltniße anbabnen wird. Vor allem aber ist es nothwendig, persönliche Fragen außer Discusslou zu lassen und nur daraus Bedacht zu nehmen, was geeignet ist, die allgemeinen Interessen des Standes zu fördern. Der Vorstand des „Oesterr. ungar. Cantoren-Vereines" hat an alle ihm bekannten Canioren Einladungen ergehen lassen, trotzdem ist es möglich, dais der eine oder andere Berussgenosse ohne Absicht übersehen wurde, daher wäre es wünschen? werth, dass jeder Cantor die ihm bekannten Collegen, die eventuell keine Einladung erhalten haben, zum Besuche des Cantorentages auimirt. Dem Vorstande des „Oesterr. Ungar. Canloren- Vereines" und den Wiener Collegen werden alle herzlich will-! kommen sein. Die Besucher des Cantorentages werden nochmals darauf aufmerksam gemacht, dass Montag, den 29. d. M., in der Religionsschule der Wiener Cultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 2, II., Stock, eine zwanglose Zusammenkunft staltfindet, damit die einzelnen Collegen vor Beginn der officiellen Verhandluugkn einander persönlich kennen lernen. Außer den in voriger Nummer genannten Hotels und Koscher-Restauratiouen sind noch zu empfehlen: R e st a u r a t i o n Sohr (Hotel Kaiserkrone) II., Circusgasse 3. Restauration E d e l ho s e r (Hotel du Nord) v II., Kaiser Josesstraße. Restauration Deiches II., Circusgaffe 37. Auskünfte werden in der Redaction der „Wahrheit", JL, Novaragasse 27, von 8—9 Uhr Vormittags b ereitwilligst erlheilt. Verschiedene Nachrichten. Wie«. (Theodor G o m p e r z.) Wie die „Wiener Hochschul- Lorrefpondenz" meldet, hat der Professor der classischen Philologie an der Wiener Universität, Hofrath Dr. Theodor Gomperz, obwohl noch »icht an der akademischen Altersgrenze von 70 Jahren angelangt^ mit Rücksicht auf eine größere wissenschaftliche Arbeit beim Unterrichtsministerium sein Pensionirungsgesuch überreicht, dessen Erledigung unmittelbar bevorsteht. Den einstimmigen Wunsch des philosophischen Profefforencollegiums, von seinem Entschlüsse abzustehen, welchem Wunsche der Dekan Professor Dr. Müller in für den illustren Gelehrten ungemein ehrenden Worten Ausdruck gegeben hatte, lehnte dieser dankend ab. Theodor Gomperz wird demnach an der Universität nicht mehr lehren, er hat seine ruhmreiche akademische Laufbahn für immer abgeschlossen. Theodor Gomperz wurde am 20. März 1832 in Brünn in Mähren geboren habilitirte sich, nachdem er an der Königsberger Universität: honoris causa zum Doctor der Philosophie promovirt worden war, im Jahre 1867 für classische Philologie an der Wiener Universität, woselbst er 1869 zum außerordentlichen und am 16. August 1873 zum ordentlichen Professor dieser Disciplin ernannt wurde. Im Vereine mit dem derzeitigen Unterri chtsminister Dr. Ritter v. Härtel und dem im Vorjahreverstorbenen Hofrath Karl Schenkt wirkte er viele Jahre als Lehrer¬ und Forscher zum Ruhme der Wiener philosophischen Facultät. Gomperz ist Mitglied des österreichischen Herrenhauses, wirkliches Mitglied der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, Besitzer des Ehrenzeichens für Kunst und Wissenschaft, Mitglieddes kaiserlich österreichischen archäologischen Institutes, korrespondirendes Mitglied der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Petersburg, derköniglichen Akademie der Wissenschften in Berlin und des Institut de France in Paris, ferner Ehrendoktor der Universitäten Dublin und- Königsberg. Im Studienjahre 1884/85 war er Dekan der Wiener philosophischen Fakultät. Wien. Nach langem Leiden ist in Nachod der bekannte Grvßindustrielle Jsaac Mautner im 78. Lebensjahre gestorben. Der Verblichenewar Gründer und Chef der Firma Jsaac Mautner & Sohn, einer der bedeutendsten in der Textilbranche der Monarchie. Jsaac Mautner war der erste, der in Nachod die Baumwollweberei einführte, die seither iw dieser Gegend eine so bedutende Ausdehnung erlangt hat. Das im Jahre 1848 begründete Haus, an dessen Spitze seit Langem der Sohn des Verstorbenen, Commercialrath Isidor Mautner steht, betreibt außer der Baumwoll-, Leinen-, Seiden-, Halbwoll- und Schaswollweberei auch die- Färberei, Bleiche und Appretur in Nachod, Schumburg bei Tannwald„ Böhmen, und Trattenbach in Niederösterreich. Jnsgesammt arbeitet bie- Firma mit circa 3(00 mechanischen Webstühlen Auch in Ungarn in. Rosenthal (Comitat Lipto), hat sie ein großes Unternebmen in's Lebew gcrufen, die Ungarische Textilindustriegesellschaft. Seit jeher waren die Chefs der Firma durch ihre Humanität gegenüber den Tausenden von Arbeitern, die sie beschäftigen, bekannt. Anlässlich des 70. Geburtstages des Gründers wurde ein sehr bedeutender Arbeiterunterstützungsfond aus eigenen Mitteln desselben in's Leben gerufen, und lange vor der staatlichen Wohlfahrtsgesetzgebung gab es aus den Mautner'schen Fabriken Kindergärten, Krankenkassen und Unfallversicherung. Die Gemeinde Schumburg ernannte Jsaac Mautner, der schon früher vvm Kaiser ausgezeichnet war, denn auch zu ihrem Ehrenbürger. Non Allen, die ihm in seinem langen, arbeitsreichen Leben nähertraten, wird diesem würdigen Vertreter der österreichischen Großindustrie ein ehrendes Andenken bewahrt werden, Wien. Herr Simon Singer, Sohn des Obercantor Josef Singer in Wien, ist zum Obercantor in Kattowitz (Preuß. Schlesien)- gewählt worden und wird am 1. August seine mir bedeutsamem Wirkungskreis ausgestattete und reich dotirte Stellung antreten. Die Berufung, nach Kattowitz ist für den jugendlichen Collegen um so ehrenvoller, alsdieselbe nach fünfvierteljähriger Vacanz des Postens und nachdem 25- Probevorträge daselbst stattgefunden haben, erfolgte. Obercantor Simon Singer hat bereits am letzten Wochenseste in Kattowitz unter allgemeinem Beifalle vorgebetet und war schon damals seine Acceptation gesichert^ jedoch nur von der Erwerbung des deutschen Staatsbürgerrechtes abhängig. Nachdem nun das letztere Herrn Obercantor S. Singer ertheilt, wurde, erfolgte am vorletzten Samstag dessen einstimmige Wahl, zu derwir ihm herzlch gratuliren. Wie«. (Jüdischer Verein jugendlicher Arbeiter i n Wien.) Bei der Sonntag den 14. d. M., im Restaurant Kühn unter zahlreicher Betheiligung stattgehabten constituirenden General« versa mmlung wurden unter Anderem die Wahlen in die Vereinsleitung. vorgenommeu. Dieselben ergaben folgendes Resultat: Obmann: Bernhard- Grünhut, Stellvertreter: Samuel Jnslicht. 1. Schriftführer: Leo Wur^ )