Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1901-07-26 · Heft 29 (26.7.1901) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 29 (26.7.1901)
Date
1901-07-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063062-3063091--01464-3068056
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 2 9 Die Wahrheit. Seite 9. wann, 2. Schriftführer: Geza Klinger, Cassier: Richard Goldmann, Bibliothekar: Simon Melion. Ausschußmitglieder ohne Function: David Aberbach, Hermann Birnbaum, Siegfried Löwy und Moriz Rosenkranz. ..Zuschriften sind an die Adresse, II., Rembrandtstraße 18 (Restaurant Kühn) oder an College« Leo Wurmann, IL, Obere Augarteüstraße 46, zu richten. Wien, Der allgemeine jüdische Arbeiterverein in Wien, XX. Bz. veranstaltet Sonntag den 4. d. M. einen großen Ausflug nach Weidling ■cm Bach, verbunden mit ernsten und heiteren Vorträgen, unter Mitwirkung beliebter Kunstkräfte, sowie einer vorzüglichen Musikkapelle unter Leitung des Herrn Cancet, ferner Juxpost, Coriandoliwersen und anderen Belustigungen. Abfahrt vom Franz Josefs-Bahnhof um 2 Uhr Cachmittag. Bei ungünstiger Witterung findet der Ausflug am 11. ev. 18. August statt. Im Falle zweifelhafter Witterung Auskunft im Cafä Wasner XX., Klosterneuburgerstraße 16. Theilnahmskarten ä 30 Heller sind zu haben bei allen Comito- und Ausschußmitgliedern, in sämmtlichen jüdischen Cafös des XX. Bezirkes, ferner im Cafe Ignaz Weiß, II., Stefaniestraße 10, im Cafe Fischer II., Schreigasfe 11, Restaurant Ignaz Kühn II., Rembrandtstraße 18, Cafo zur Börse. I., Wipplingerstraße 35, Cafö Brammer, IX., Liechtensteinstraße 1, Cafö Jägerhos, IX., Porzellangasse 26, Restaurant Adolf Valentin, IX., Müllnergasse 1, Caf«,, Elektra", VI., Mariahilferstraße 79, sowie in der Administration der „Welt", IX., Türkenstraße 9 und beim Hausbesorger der „Tohnbee-Halle", XX., Webergasse 13. Gäste herzlich willkommen! Samvor. An der von der hohen k. t. Statthalterei conceffionirten zweiclassigen Handelsschule des S. Weinberg in Sambor (Galizien) fand Sonntag den 7. Juli a. c. die Abgangsprüfung der Zöglinge des zweiten Jahrganges dieser Schule statt. Zahlreiche Gäste den höchsten Kreisen angehörend, darunter auch die Herren: Obercommissär der Bezirkshauptmannschaft, Dr. Zygmund Leuczenski, Ghmnasial-Direktor, Dr. F. Tomaschewski, Direktor der Lehrerbildungs-Anstalt, Herr Kratochwila, die Herren Gvmnasialprofessoren Berger und Mandel, der Vice-Bürgermeister und Cultus-Präsident Landesadvocat Herr Dr. Josef Steuermann, ferner Landesadvocat Herr Dr. Josef Serwacki und noch viele andere Beamten und Kaufleute waren anwesend und nahmen regen Antheil an den exacten Antworten sämmtlicher geprüfter Schüler. Die Anwesenden waren voll des größten Lobes über die Leistungen der Schüler im Wechsel- und Handelsrecht, Buchhaltung, Correspondenz, Comptoirarbeiten, Geographie Warenkunde. Besonders gefielen die von den Schülern ausgestellten j kaligraphischen Arbeiten. Man sah es den sicheren und treffenden Antj Worten der Schüler an. dass der Direktor und die acht Lehrer der Anstalt sich redlich Mühe gegeben haben, die jungen Leute zu einem intelligenten und tüchtig ausgebildeten kaufmännischen Nachwuchs heranzubilden. Am Schlüsse der 3 Stunden dauernden Prüfung hielten die Schüler Chaim Bänder aus Drohobycz und Wilhelm Suffmann ans Laka, ersterer in polnischer, letzterer in deutscher Sprache formvollendete Abschiedsreden, durch die sie dem Direktor und Lehrkörper für deren uneigennützige und gewissenhafte Arbeit dankten und versprachen, als Pionniere des Handels nicht allein dieser Schule, sondern besonders der jüdischen Kaufmannschaft Ehre zu machen. Gymnasial-Director Herr Dr. F. Tomaschewski anerkannte in einer gediegenen Rede die Leistungen der Schule und zu den Absolvirten gewendet, forderte er dieselben auf ■als Jünger des Handels und Schüler einer galizischen Handelsschule zu zeigen, dass Bildung und commerzielles Wissen auch in Galizien zu erlangen sei, wobei er die Absolventen aufforderte, nach jeder Richtung hin den ihnen ertheilten Lehren und die künftige Kaufleute dem jüdischen Handelsstande Galiziens Ehre zu machen. Nach Vertheilung der Zeugniße verließen die Gäste vom Gesehenen und Gehörten höchst zufrieden die Schule. Z AerNn, Im Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sprach jüngst der Vorsitzende des Vereines zur Förderung der Bodencultur unter den Juden, Herr Dr. Oppenheimer, über „Jüdische Colonien". Die Roth und das Elend in Osteuropa, führte er aus, gebe schon seit Jahren Veranlassungen zur Auswanderung derselben; Vereine und Gesellschaften seien ins Leben gerufen worden, diese Auswanderung zu fördern. Es genüge aber nicht, die verarmten und verfolgten Glaubensgenossen hinauszubefördern, sondern man müsse ernstlich darauf bedacht sein, für dieselben eine der Menschen und Juden würdige Existenz zu schaffen. Was soll man aber mit diesen durch Roth, Kummer und Verfolgung moralisch und körperlich geschwächten Menschen anfangen? In die Städte werfen, hieße nur das ohnehin schon darbende Proletariat vermehren,, und eS! sei auch nicht angebracht, den Handelsgeist, den sie unleugbar besitzen. I noch weiter zu pflegen. Männer wie Baron Hirsch, Rothschild und zahli reiche Vereine haben die Landcolonisation gewählt, um den Juden damit i eine Existenz zu schaffen. Doch leider hat man damit nicht immer den j gewünschten Erfolg gehabt. Dieses liege weniger an den Colonisten als an den Berathern derjenigen, welche die Colonien gegründet haben. ' Allerdings sei der Jude von Ursprung Landwirth, es sei daher berechtigt, ihn wieder zur Landwirtschaft zurückzuführen. Noch heute finde man in Russland und in Süddeutschland jüdische Bauernfamilen. Was man außer Auge gelassen habe, fei. dass die Landwirthschaft eine productive Bethätigung erfordert, zu welcher Kraft und Energie gehört. Die meisten aus Osteuropa kommenden Juden gehörten aber dem Handelsproletariat an und seien unter dem Drucke der Gesetze und der Noth an Körper und Geist geschwächt, sie besäßen nicht die Kraft, die Schwierigkeiten, welche z die Landwirthschaft in sich birgt, zu überwinden. Dazu kommt noch, dass 1 die große materielle Unterstützung, die sie von den Begründern bekamen! jedes Streben schwächte. Man solle dafür sorgen, dass sich die Colonisten l vor allen Dingen körperlich kräftigen und sich die dazu nöthige manuelle j Geschicklichkeit aneignen können. Es sei keine Wohlthat, jemand ein Haus i und ein Stück Land zu geben und zu sagen: nun bebaue es, man müsse! ihm auch Anleitung dazu geben und Absatzgebiete schaffen. Redner schlägt; die genossenschaftliche Ansiedlung vor. Man könne einer Genossenschaft j ein größeres Capital zu niedrigem Zinsfuß geben, als einem Einzelnen, I es werde auch ein ganz anderes Streben unter den Genofson sein, das j Land zu bebauen. Dass sich landwirthschaftliche Genossenschaften 1 bewähren, versucht der Redner durch Beispiele nachzuweisen, die -r in j Irland und Amerika gefunden haben will. Bor allen Dingen sei es! uothwendig, Jnstructeure zu engagieren, die entweder durch hohen Gehalt j oder durch Interesse an der Sache dafür gewonnen würden; die Gartenbauschule des Commercienrathes Simon in Aachen, in welcher nur Juden beschäftigt sind, würde wohl geeignete Kräfte bieten. Ein Vortheil der Genossenschaften sei es, dass das Land nicht verkäuflich sei, es herrsche also kein speculativer Verkehr mit Grund und Boden, wenn man auch seinen Antheil als Genossenschaftler veräußern könne, auch könne der Grund und Boden durch Dritte nicht beliehen werden. Er wird daher vor dem Uebelstande, unter dem unsere Landwirthschaft mehr leidet als unter den Zöllen, geschützt. Die Hauptsache aber sei die Schaffung gemeinsamer Bezugsquellen und Absatzgebiete. Zweierlei Arten von Genossenschaften seien zu wählen; in der einen werde das Land unter den Colonisten vertheilt und zur Bebauung übergeben, die andere aber sei in der Gründung von landwirthschaftlichen Productivgenoffenschaften zu finden, in der alle Genossen unter Leitung eines Berathers im Lohne für die Genossenschaft thätig seien. Der Verein zur Förderung der Bodencultur unter den Juden werde demnächst eine derartige Colonie gründen, erbittet die Anwesenden, dieses Unternehmen zu unterstützen. London. Capitän G. King .Hall, Generalstabschef der englischen Mittelmeerflotte, hat an den Chronide“ nachstehendes Schreiben gerichtet: „Als Einer, der sich stets eifrig mit der Judenfrage befasst und weder die Vergangenheit des jüdischen Volkes vergessen, noch dessen ihm noch bevorstehende glänzende Zukunft jemals außer Acht gelassen hat, hatte ich kürzlich mit einigen Officieren ein Gespräch über die Juden als Soldaten. Als ich behauptete, dass die englischen Juden ihren reichlichen Antheil an dem Kriege in Südafrika genommen haben, wurde ich * von meinen Gegnern aufgefordert, nur einen einzigen jüdischen Officier namhaft zu machen, der in Südafrika activen Dienst mit der Waffe in der Hand geleistet hat. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir einige darauf bezügliche Informationen geben würden." Dieser Brief wurde dem jüdischen Feldprediger, Rev. F. L. Cohen, zugestellt welcher Capitän King Hall ein Verzeichnis von nicht weniger als 80 jüdischen Officieren übersandte, die in der regulären Armee, in der Miliz, in der Peomanry unter den Freiwilligen sowie unter den Hilfstruppen der Colonien in Südafrika für England die Waffen ergriffen, haben. Rev. Cohen fügte noch ergänzend hinzu: „Bereits im October 1899 zählte die englische Armee in Südafrika 70 jüdische Soldaten in ihrer Mitte. Diese Ziffer, welche nur auf privatem Wege ermiltelwerden konnte, war bei weiten nicht erschöpfend, denn fortwährend wurden neue Namen als die von jüdischen Soldaten eruirt, und mit Verlaufe von vier Monaten wies die Liste bereits nicht weniger als 600 jüdische Namen auf. Jetzt sind in der englischen Armee in Süd afrika 1200 Juden identificirt, und es ist außer Zweifel, dass nicht weniger als 1500 daselbst auf Seiten der Engländer fechten. Da die Zahl der Juden in allen Theilen des britischen Reiches. Indien, Kanada und Australien eingeschloffen, 220.000 nicht übersteigt und in England selbst höchstens 140.000 beträgt, so werden selbst Ihre wenig judenfreundlichen Kameraden zugeben müssen, dass der Antheil der Juden am südafrikanischen Kriege unverhältnismäßig groß ist."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.