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Die Wahrheit · 1901-07-26 · Heft 29 (26.7.1901) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 29 (26.7.1901)
Date
1901-07-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr 29. Die Wahrheit. Seite &. willig den Juden zur Last legen. Sie berauben aber die Juden nicht blos ungerechterweise ihrer Habe, sondern quälen sie auch mit Hunger, Gefängnis und so vielen Martern und Schmerzen, unterwerfen sie den verschiedenartigsten Strafen, verurtheilen möglichst viele zu dem schimpflichsten Tode, so dass die Inden unter der Herrschaft der genannten Fürsten, Machthaber und Adeligen vielleicht ein noch schlechteres Los haben als ihre Väter unter Pharo in Aegypten. Nach dem Beispiele der Vorgesetzten richten sich die Untergebenen, und darum sehen wir, wie auch viele ans dem Volke als Ankläger gegen die Juden wegen Ritualmords auftreten. Auch sie thun es nicht so fast ans Hass und Neid, als vielmehr zn dem Zwecke, um ihre Habgier zu befriedigen. Wie Papst Gregor X. in seiner Bulle vom 7. Octvber 1272 behauptet, kommt es bisweilen vor, dass Christen ihre Kinder verlieren, worauf die Juden durch.ihre Feinde bezichtigt werden, sie raubten und töteten heimlich Christenkinder, um mit dem Herzen und Blute derselben zu opfern, ja, es kommt vor, dass die Väter eben dieser Kinder oder andere Ch-isteu, Gegner der Juden, heimlich die Kiitder verbergen, um den Juden etwas anhaben und als Preis des Loskauses von den Quälereien eine gewisse Summe Geldes von den Juden erpressen zu können. Sie machen dann die völlig fälscht: Angabe, dass die Juden heimlich und verstohlen die Kinder geraubt und getötet hätten. Cin solcher Fall, in welchem ein Vater seine eigene Tochter verwundet und aussetzt, um die Inden eines Ritualmords beschuldigen zn können, wird auch aus dem Jahre 1753 indem genannten Gutachten des Kardinals Gangauelli aufgesühn. In der Bulle des Papstes Paul III. vom 12. Mai 1540, welche an die Bischöse von Ungarn, Böhmen und Polen gerichtet ist, werden vor den Herren und Machthabern die Magistrate genannt, und von ihnen gesagt, dass sie eifrig? und wie man sagt, Todfeinde der Juden seien. Von Hass und Neid oder, was mehr wahrscheinlich erscheint, von Habsucht verblendet, damit sie die Habe selbiger Hebräer mit gewissen Anstande sich anzneignen imstande seien, dich en diese den Juden fälschlich au, dass sie kleine Kinder umbringen, deren Blut trinken, und verschiedene andere ungeheuerliche Verbrechen begehen, welche sich namentlich gegen unseren Glauben richten; in dieser Weise sind sie bemüht, die Gemnther der einsältigen, schlichten Christen gegen die Inden allsznhetzen, und dadurch geschieht es, dass die Inden häufig nicht blos ihrer Habe, sondern sogar des LebellS in ungerechlerweise beraubt werden. Unter den geistlichen und weltlichen Fürsten der Gegenwart wird mair iir allen christlichen Ländern nicht einen einzigen finden, der eine Altklage wegen Ritualmords gegen die Jitden erheben möchte; diese Wendung zum Bessern ist, Gott sei Dank, in dieser leidigen Frage eingetreten. Aber die unlauteren, verwerflichen Beweggründe, ans welchen die Anklagen wegen Rrtualmords gegen die Juden hervorgehen, sind auch heute noch ganz dieselben: Hass und Neid und mehr noch Habsucht, wie sie die römischen Päpste in ihreir bezüglichen Bullen schon in früheren Jahrhunderten sestgeslellr haben. Darin hat sich Gott sei es geklagt, eine Aeuderuug zum Besseren noch nicht gezeigt. Vor dem 18. Jahrhundert ist kein Versuch gemacht worden, für die Anklagen wegen Ritualmords gegen die Juden auch Beweise aus dem Talmud zu erbringen. Erst die Frankisteu oder Sohariten haben dies versucht. Sie waren Gegner des Talmud, von dem sie sagten, dass er abscheulichsten Dinge, insbesondere auch die Vorschrift enthalte, Christen abzuschlachten und das Blut derselben zu religiösen Zivecken zu g brauchen. In der Kathedrale zu Lemberg wurde un Jahre 1759. ein Religionsgespräch abgehalten, bei welchem die Sohariten vergebliche Beweise für den religiösen Gebrauch des Christenblutes seitens der Judeil vorbrachten, die von den unwissenden Verteidigern des Talmud augellblicklich nicht widerlegt werden konnten. Hierauf ließen sich etwa tausend Sohariten mit Frank taufen, als dessen Tanfpathe der König von Polen eingetragen wurde. - Um den schlimmen Eindruck zu verwischen, den das Religionsgespräch zu Lemberg gegen den Talmud und das an ihm festhaltende Judenvolk gemacht hatte, wandten sich die polnischen Juden an den damals in hohem Ansehen stehenden Rabbiner Eibeschütz in Hamburg mit der flehentlichen Bitte, der Beschuldigung des religiösen Gebrauches von Christenblut seitens der Juden entgegenzutreteu. Derselbe verfasste auch ein aus-' sührliches Gutachten hierüber, weil er jedoch glaubte, dass die Urtheile christlicher Gelehrter, da dieselben nicht selbst Partei seien, zu Gunsten der Juden gewichtvoller in die Wagschale fielen, wandte er sich an die damaligen Professoren der Theologie in Halle, Michaelis und Semler, die eines großen Rufes sich erfreuten, mit der Bitte, die Lügen der Frankisteu zu widerlegen, und diese erfüllten auch seinen Wunsch. Ihre Auschauungen und ihr Urtheil in der Sache finden wir in den Worten zusammengefasst, womit Semler seine Darlegungen schließt „Aus alldem," sagt er, „ergibt sich ganz unleugbar, dass die Leute, welche es den Juden Schuld geben und auS ihren gesetzlichen Büchern beweisen wollen, sie gebrauchten Christenblut, entweder sehr ungelehrte, einfältige Menschen, oder boshafte, feindselige Gemüther sein müssen." Rabbiner Elbeschütz sagte in seinem Gutachten: „Diese Beschuldigung ist so gottlos dass man sich billig zu verwundern hat, wie der Erdboden solche Lenie tragen kann." (Strack 107.) In überaus erschöpfender Weise behandelt hieraus Pfarrer- Frank das Lügengewebe Rohlings und seiner Helfershelfer, der in unseren Tagen den Gebrauch des Christenblutes zu rituellen Zwecken aus dem Talmud selbst nachzuweisen suchte. Die Hohlheit, Nichtigkeit und Erbärmlichkeit der von ihm geführten Anklage wurde von den hervorragendsten christlichen Gelehrten, wie Professor Delitzsch, Professor Nöldecke und Professor- Strack erwiesen und die von ihm arlS dem Talmud citirten Stellen erscheinen als Producre crassesler Unwissenheit undgröbster Fälschung. Damit die Wahrheit nicht länger mehr in Ungerechtigkeit niedergehalteu werde, hat in dem Monat September des Jahres 1892 Professor Dr. Strack in Berlin in seinem Buche ,.Der Blutaberglaube" eine Herausforderung an Dr. Rohling, ergehen lassen mit den Worten: „Oeffentlich klage ich hierdurch den k. k. österreichischen Professor und Kanonikus August! Rohling des Meineides und grober Fälschungen an. Oeffentlich l frage ich ferner diejenigen, welche, nachdem sie dieses Buch i gelesen, besagten August Rohling schützen, ob sie sich nicht der j Beihilfe zur Fortsetzung des genannten Verbrechens, beziehungs-! weise Vergehens schuldig machen. Endlich erkläre ich, dass August Rohling in seinen Urtheile» über jüdische Lineratur undjüdische Religion zahlreiche Beweise seiner schimpflichen Unwissenheit gegeben und dass er die den Laien blendende Fülle von Citaten aus der talmudischen und rabbinischeu Litteratnr theils aus Eisenmengers „Eutdeckies Jndenlhum" abgeschrieben, theils von anderen, besonder) von Aron Brunann nachgewiesen! erhallen hat. — Ich bin bereit, diese schwere Anklage vor jedem.! Gerichtshöfe zu begrü iden." Am 18. Februar I960 hat Dr. Strack seine Heraus- - sorderung erneuert, aber bis jetzt hat Dr. Rohling auch die j wiederholte Herausforderung nicht angenommen. Er zieht es j vor, mit dem Makel des Meineides, grober Fälschung uns! schimpflicher Unwissenheit vehairet umherzugeheu. Es hat mir j weh gelhan, sagt Dr. Frank, diese Zeilen niederzusch reiben, j aber wenn in einer Zeitschsist von dem Ansehen der „historisch--! politischen Blätter" und in einem katholischen Blatte, wie die j Augsburger Postzeitung, ein Artikel über den jüdischen Ritual» mord erscheint, der im Jahre I960 sich noch auf Dr. Rohling als einzigen und Kronzeugen beruft, dann ist es höchste Zeit, diesen katholischen Lesern der genannten Blätter in seinen» wahren Bilde vor die Augen zu führen, und wenn dasselbe auch nur ein Trauerbild sein kann, beim in der Gelehrtenwelt, soweit es sich um Talmudwissenschast handelt, liegt Rohling der den Todten. Sehr richtig bemerkt Dr. Frank, dass der Antisemitismus, der feinen Ausführungen gemäß vom Apostolischen Stuhl nie

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