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Die Wahrheit · 1901-07-26 · Heft 29 (26.7.1901) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 29 (26.7.1901)
Date
1901-07-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Aie WahvHsit Redaktion n. Administration Wien. II/1. Novaragaffe 27. n k. östrrr. Postsparcassa Theck-Conto Nr. 846.251. 20 Heller per Noupareillr-Zetle. Abonnements- und JnsertionSbeträge sind in Wien zahlbar. ^abhängige Keitfchrist für jvöifche Erscheint jeden Freitag. J!UH« : .Dar Siegel Gottes ist Wahrheit!" LezsgsprnL: \ Ganzjährig . . *. 12.— j Halbjährig . . . Ä. 6.— Für Lultusbeamtr: Ganzjährig . . . Ä. 10.— | Für Ausland: j Ganzjährig .... 12 Statt;{ 6 Rubel oder 16 Frei. i i I Nr. 29. Wien, 26. Juli 1901. Inhalt: Das Wesen des Antisemitismus. — Der Ritualmord vor den Gerichtshöfen der Wahrheit und Gerechtigkeit. — Simrock und Börne. — — Aufruf! — Das Kaddischgebet. — Zum Cantorentag. — Verschiedene Nachrichten. Das Wesen des Antisemitismus. l Unter diesem Titel ist vor Kurzem im Verlage von S. Ealvary & Comp, in Berlin ein in zweifacher Beziehung,! sowohl durch seinen Inhalt als durch die Persönlichkeit des Autors, höchst bemerkenswerthes Buch erschienen. Der Verfasser, Dr. Heinrich Gras von Condenhove, der Sprößlinq eines der angesehensten Adelsgeschlechter Oesterreichs, der mit hoher Bildung und gründlicher Wissenschaftlichkeit auch große, durch weitausgedehnte Reisen gewonnene Welterfahrung verknüpft und durch seine Abstammung und streng christlich-couservative Gesinnung über jedweden Verdacht etwaiger Liebedienerei erhaben scheint, versucht es, das Wesen des Antisemitismus darznlegen und die inannigfachen Vornrtheile, die namentlich in gebildeten Kreisen gegen das Judeuthum verbreitet sind, zu entkräften. »Mein Zweck bei der Herausgabe des Buches", so schreibt Graf Coudenhove im Vorworte, »ist ausschließlich, durch die Gerechtigkeit auch gegen Israel zur Friedfertigkeit — einem anderen Gebote der Bergpredigt — nach Maßgabe meiner schwachen Kräfte beizutragen. Ich weiß wohl, welche Schwierigkeiten sich einem derartigen Verbuche entgegenthürmen. Wer über die Juden nur das Geringste sagt und schreibt, das nicht ungünstig lautet, wird gleich als Jude und Freimaurer verschrieen. Doch bei mir wird dieses Mittel nichts nützen. In meinem Stammbaum findet sich nicht die geringste Spur jüdischen Blutes. Wäre dies aber der Fall, so würde ich dies nicht verschweigen, sondern es geradezu freudig bekennen, weil ich stolz wäre ans eine mögliche Verwandtschaft mit den heiligsten Männern und Frauen, die je auf diesem Planeten gewandert sind. Auch bin und war ich nie Freimaurer; als Offizier und Diplomat hätte ich es meines Eides wegen nie werden können." Den ersten Theil des Buches widmet er der Entkräftung der Racentheorie und schreibt darüber Folgendes: „Ich glaube bewiesen zu haben, dass das Wesen des Antisemitismus nichts weiter ist, als fanatischer Religionshass, welches auch immer die Masken sein mögen, die er sich auisetzt, oder die veiänderten Grsichtszüge, die er wirklich angenommen hat. Ich habe, wie ich überzeugt bin, zur Evidenz nachgewiesen, dass es kein Racenhass sein kann, weil es eine jüdische Race Nicht gibt, ebenso wenig wie eine semitische Race oder ein semitisches Wesen, was Alles Wahnvorstellungen sind. Ich habe gezeigt,. dass die Menschengruppe, die heute das Judenthum «usmacht, und welche vielfach von unserer Art zu denken, zu handeln, zu begehren, zu fühlen uird sich zu benehmen, abweicht, z das Product einer künstlichen Zuchtwahl ist, ein Resultat von! Behandlung und Erziehung, und dass die Grundsätze, welche j diese Differeucirung zu Wege gebracht haben, ausschließlich in | der Religion ihre Wurzeln haben. Sowohl Inden, als Christen, sind daran schuld; der Anlisemitisnuns ist nicht blos eine religiöse Erscheinung in dem Sinne, dass die Inden sich passiv verhalten und der Gegenstand des Hasses von jSene der Nichtjuden sind oder waren, an welchem diese ihre religiöse Auffassung bethätigteu, die Inden waren kein lebloser Teig, an welchem Religionsantipathie herummodellirt hat, nein, sie waren dabei sehr activ und thätig betheiligt, und zwar in den letzten Jahrhunderten vor und den ersten nach Christus mehr offensiv, jspäter im Mittelalter und in der Neuzeit mehr deffensiv. Von feinem politischen Blick zeigt folgende Stelle: „Wohl glauben manche, die schwarzen Zeiten des Fauai tismus seien vorüber für immer. Aber was erleben wir'? Ueberall flackern die Religionsgegensätze wieder auf uud aus erschreckende Art, mag auch dieselbe Bewegung theiliveise unp im höherem Grade als früher mit der Politik verquickt sein» ja, in ihrem Dienste stehen. Man blicke nur ans die antisemitische und auf die »Los von Rom"-Bewegnng, auf die Rührigkeit des Panslavismus uud den Pannlainismus und mau wird eingestehen müssen, dass der religiöse Fanatismus überall glimmt, stellenweise lodert. Man sagt, und zwar mit Recht, die „Los von Rom"-Beweguug sei eine rein politische Demonstration uud habe mit der Religion nicht das Geringste zu schaffen. Das> ist ganz wahr und nuzweiselhast richtig. Aber sie kann von. heute ans morgen eine religiöse Bewegung werden. Gläubige Katholiken werden selten protestantisch werden, aber es werden ganz ungläubige oder laue Katholiken, die Protestanten geworden sind, in Folge ihres Uebertrines anfangen, sich mit Religion überhaupt zu beschäftigen, zum ersten Male in ihrem ganzen Leben und dadurch das Christenthum, rejp. den ProtestautismuK kennen lernen und ihm Geschmack abgewinnen. Convertiten werden fast immer zelotisch. »Ich gestehe, dass ich unter meinen christlichen Freunden und Bekannten mich nur an drei erinnere, die philosemitisch angehaucht sind. Ich gestehe, dass ich selbst theoretischer Antisemit war. In noch jüngeren Jahren war ich sogar praktischer Antisemit und zwar aus vortrefflichen Gründen, da ich mit jüdischen Wucherern u. s. w. die denkbar unangenehmsten

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