Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 27 (12.7.1901)
- Date
- 1901-07-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27. Die Wahrheit. Seite 7. Leiden und durch liebevolle Behandlung Trost und Hoffnung auf dem dornenvollen Pfade ihres Lebensweges finden sollen. Es bleibt nur noch zu wünschen übrig, dass diesen Heimstätten der hehren Menschenliebe und Barmherzigkeit die nöthige Unterstützung und Förderung seitens unserer Glaubensgenossen gesichert bleibe, jene Theilnahme, deren sie bedürfen, um auf der Höhe der geschaffenen Basis sich zu erhalten und den ihnen zugrunde liegenden erhabenen Gedanken zu immer weiterer Ausdehnung und Vervollkommung zu führen. nair» maan mtr; sson npns -pro Verschiedene Nachrichten. Wien. Sonntag, den 14. Juli d. I./ 2 Uhr Nachmittags, findet im Restaurant Kühn, II., Rembrandtstraße 19, die constituirende Versammlung des „Jüdischen Vereines jugendlicher Arbeiter" statt. Tagesordnung: 1. Situations- und Rechenschaftsbericht; 2. Verlesung der Statuten; 3. Wahlen in die Vereinsleitung; 4. Referat des Ges. Gen. Alfred Weißberger: „Die jüdischen Arbeiter und der Zionismus". 5. Aufnahme neuer Mitglieder; 6. Eventuelles. Mitglied kann jeder jüdische Arbeiter und Angestellte im Alter von 14—24 Jahren werden. Einschreibgebühr 10 kr., Monatsbeitrag 10 kr. An Spenden für die Bibliothek sind bisher eingelaufen: Geza Klinger 60 H., Bernhard Grünhut 1 Kr., R. Groß 60 H., X. 3). 30 H., I. P. 20 H., Egon Lederer 1 Kr., A. Weißberger 60 H., Paul Läufer 40 H.. Edmund Feiwel 50 H., Julius Eisenschreiber 1 Kr., N. Deutsch 50 H., Robert Schwab 60 H., Zusammen 7 Kr. 10 H. Um weitere Spenden wird bringend ersucht. Dieselben find an Herrn Leo Wurmann, II., Obere Augartenstreße 46, zu senden. Wie«. Der Bethaus-Vorstand des „Talmud Thora-Vereines" hat endlich nach längerer Vacanz die Cantorfrage glücklich gelöst, indem er für das in jeder Hinsicht würdige Gotteshaus einen tüchtigen, gutgeschulten Funktionär in der Person des jugendlichen Cantor Herrn Eduard Regner acceptirte. Herr Regner hat sowohl durch seinen Vortrag als auch mit seiner wohlklingenden Baritonstimme zwei Samstage hindurch bei säu mtlichcn Tempelbesuchern vielen Beifall gefunden. Wie». (Ga st Vortrag des berühmten polnischen C Hasen Boruch Schorr.) Samstag,' den 6. Juli, hielt Herr Boruch Echorr in der Vereins Synagoge, II., Kleine Schlffgaffe 8, einen Gastvortrag mit seinen Meschorerim. Boruch Schorr hat als polnischer Ehasen einen so bedeutenden Namen, dass er mit Recht die Neugierde der hiesigen Fachgenosscn und der übrigen Welt hervorrief. Dieser Neugierde folgend, besuchte ich Samstag diesen Gastvortrag und habe, dies sei gleich constatirt, den bedeutenden Ruf dieses Mannes theilweise berechtigt gesunden. Wenn ich sage theilweise, so will ich die Bedeutung Boruch Schorr's ,icht schmälern, doch damit begründen, dass er heute als alter Mann (ein Siebziger) nicht mehr, wie begreiflich, im Besitze seiner Ctimn mittel ist, ja sogar oft damit zu kämpfen hat. Nichtsdestoweniger ist Boruch Schorr noch heute eine sehr interesiante Erscheinung. Seine Kunst ist die Aufführung großer Piecen, die harmonisch wohlklingend, auf den Zuhörer begeisternd wirken, insbesondere da dieselben von tüchtig geschulten Meschorerim exact zu Gehör gebracht werden. Boruch Schorr hat zwei Knaben, Sopran und Alt, die allein schon hörenswert.h sind; ich muss auch 'unumwunden dem tüchtigen Chordirigenten, Herrn Klärmann, meine Anerkennung aussprechen. Aehnliches von Stimmen und verständnisvollem Singen hört man leider in keinem wohlgeschulten Chor bei uns. Das Interesiante an Boruch Schorr selbst ist, dass derselbe in seinen Recitationen die alte Form der polnischen Chasonim, die in seinen Compositionen streng vorherrschend ist, gar -nicht gebraucht, ja dass dieselben durchwegs nach.unserem Begriffe „modern" gehalten sind. Wenn ich auch die Art und Weise der Synagogen-Com- Positionen, wie sie Boruch Schorr pflegt, nicht goutire, haben mich dieselben trotzdem in hohem Maaße interessirt. Nicht allein der melodiöse Inhalt, sondern die ganze Form ist für den Fachmann von hervorragendem Interesse. Auf die Details derselben werde ich eingehend zurückkommen, bis mir dieselben vorliegen. Nachdem Herr Boruch Schorr «och diesen Samstag in derselben Synagoge vortragen wird, werde ich * «och Gelegenheit haben, ihn ausführlicher zu hören. Bei dieser Gelegenheit kann ich es nicht genug verurtheilen, dass sich die Connationalen in ihrer Begeisterung Hinreißen ließen, die wohl ausgezeichneten Leistungen durch Applaussalven zu quittiren. I. L ö w i t. Karlsbad. Unser bisheriger Obercantor Tiger, der hier 15 Jahre sein Amt zur vollsten Zufriedenheit versehen hat, verließ vorige Woche seine Stelle und wurde ihm anlässlich seiner Uebersiedlung nach Wien seitens der hiesigen Cultusgemeinde ein beträchtliches Ehrengeschenk gewidmet. Wndapelk. Das Wahlleitungs-Comito der Pester isr. Religionsgemeinde verständigt die Gemeindemitglieder, dass der Vorstand, der Ausschuß und Repräsentanz der Gemeinde im Herbste dieses Jahres durch Urwahl ergänzt, beziehungsweise neu gwählt werden. Im Sinne des Gemeindestatues besitzen nur jene Wähler das Wahlrecht, welche mit ihrer vorjährigen Cultussteuer nicht im Rückstände sind. Aus diesem Anlasse richtet der Gemeindevorstand an jene Pester Mitbürger israelitischer Conseffion, welche bisher nicht Mitglieder der Gemeinde waren, das Ansuchen, sich bis 15. August l. I. in den Verband der Religionsgemeinde aufnehmen zu lassen. Die bereits incorporirten Mitglieder werden gebeten, ihre Cultussteuer-Rückstände bis 15. August in der Gemeindekanzlei zu begleichen. Hfen. Die Ofner Rabbinerwahl ist heute resultatlos verlaufen. Im Sinne des israelitischen Landes-Congreß-Statuts ist nämlich zur Wahl des Rabbiners die Zweidrittel-Majorität der abstimmenden Gemeindewähler erforderlich. Bei der heutigen Wahl, bei welcher der Veßprimer Oberrabbiner Dr. Arnold Kis der einzige Candidat war, hatten, von 669 stimmberechtigten Wählern 451 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Die Abstimmung ergab nun folgendes Resultat: mit „Ja", das heißt für den Candidaten, wurden 273, mit „Nein" 178 Stimmen abgegeben. Da derart die qualificirte Majorität nicht erreicht war, musste der Wahlakt als resultatlos deklarirt werden. Die Gemeinderepräsentanz, deren Candidat Dr. Kis ist, gedenkt bei dem neuerlichen Wahlgange abermals Dr. Kis zu candidiren. Aagy-Atad. Der seit einem Jahre hier fungirende Ohercantor, Herr Moritz Dlugats, welcher sich durch seine vortreffliche Amts- und Lebens führung die vollsten Sympathien der hiesigen Einwohnerschaft erworben hat, leistete am 2. Juli in Kaposvar (Hauptstadt des Comitäts Somogy) in der Kanzlei des Vicezespans den Eid als ungarischer Staatsbürger. Hkberfetd, 6. Juli. Herr Cantor und Lehrer Zivi hier hat zu der am 29. und 30. d. M. in Wien stattfindenden östererreich-ungarischen Cantoren-Conferenz eine Einladung erhalten uud wird derselben Folge leisten. Die Kosten hiefür sind Herrn Zivi, wie sie s. Z. auch unserem Rabbiner, Herrn Dr. Auerbach, zum Besuch der letzten drei Rabbiner- Conferenzen bereitwilligst von der Gemeinde zur Verfügung gestellt worden. Wie sehr die hiesige Gemeinde alle das Judenthum intereffirenden Bestrebungen unterstützt und wie nobel sie den Beamten der. Gemeinde entgegenkommt, erhellt auch schon daraus, dass sie für ihre beiden Lehrer den Betrag der Kosten zum Besuch der alljährlich 3 bis 4 mal stattfindenden Lehrer-, resp. Bezirks^-Conferenzen schon seit mehreren Jahren im Etat der Gemeinde vorgesehen hat, ein Entgegenkommen, welches den Herren Vertreternunserer Gemeinde zur Ehre gereicht und i allen irgendwie leistungsfähigen Gemeinden zur Nachahmung empfohlen werden kann. LW Wir ersuchen um rechtzeitige Srneuerung des Sthonnements fiir das am 1. Suli begonnene 3. Quartal und um Begleichung der Stückstände. Zur Sinsendung der Beträge wolle man sich der vorletzten STummer beigelegten Postanweisungen bedienen. 3)ie Stdministration.