Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 27 (12.7.1901)
- Date
- 1901-07-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Redartion u- Adminiftranon! lvien. II/1. Novaragaffe 27. j Ä. f. österr. Posisparcassa Eheck-Eonto Nr. 840.251. Unabhängige Heiischrift für jübische! Lezagspreis: Ganzjährig . . St. 12.— Halbjährig ... St. 6.— Interessen. Für Lultusbearnte: > n f»t a t e : Ganzjährig ... St. 10.— 20 Heller per Nonpareille-Zeile. Erscheint jeden Freitag. Für Ausland: Abonnementsnnd JnsertionS»! Ganzjährig .... 12 Mark betrage find in Wien zahlbar. i Mott« : .Das Sieael Gottes ist IVahrheit!" 6 Rubel oder 16 FrcS. Nr. 27. Wien, 12. Juli 1901. Inhalt r Der Ritualmord vor den Gerichtshöfen, der Wahrheit und Gerechtigkeit. — Mein Verbrechen. — Das Siechenhaus der Wiener Cultusgemeinde. — Verschiedene Nachrichten. — Präludium zum Cantorentag. — Zur Bekämpfung des Antisemitismus. — Feuilleton: Das Kaddischgebet. Der Nitmilmord vor den Gerichtrhöfe», der Wahrheit nnd Gerechtigkeit. Der katholische Pfarrer und ehem. deutsche Reichstags- und Hoher. Landtags-Abgeordnete Dr. Fr. F r a u f in Königshofen, hat vor kurzem unter diesem Titel ein umfangreiches und Aussehen erregendes Buch *) erscheinen lassen, das mit ebensoviel Gründlichkeit als Objectivität die so vielsach behandelte Frage des „Ritualmordes" nach den verschiedensten Richtungen beleuchtet. Das Erscheinen dieses 20 Druckbogen umfassenden Werkes begründet der Autor damit, „dass im Hinblicke ans die gerade in jüngster Zeit sich merkwürdig hausenden angeblichen Ritualmorl e ein actuellcs Interesse dafür vorliegen dürfte, diese Frage, welche fast so alt ist wie das Ehristenthum selbst, wieder einmal besonders zur Discussion zu stellen" nnd einer Anregung einer der ersten katholischen Zeitungen Deutschlands Folge leistend, die für eine möglichste Besprechung dieses Gegenstandes plaidirte, habe er die Fraget des jüdischen Ritualmordes nochmals einer gründlichen Untersuchung unterzogen. Ein Rückblick in die verflossenen Jahrhunderte der Weltgeschichte zeigt, dass in den ältesten Zeiten bei fast allen Völkern Ler Erde Menschenopfer in Gebrauch waren, nur bei den Juden waren sie verpönt. Bei den Heiden gehörte die Darbringung von Menschenopfern zu den gottesdienstlichen Gebräuchen, und die Tötung, eines Menschen, um ihn zu opfern, war darum eine rituelle Handlung, ein Ritualmord im vollsten Sinne dieses Wortes; bei den Juden war die Opferung eines Menschen keine rituelle Handlung, wie die Schlachtung der Opferthiere, sondern eine vom Gesetze verbotene Handlung, eine schwere Sünde. Die Götzen der Heiden hatten an den Menschenopfern das größte Wohlgefallen, sie waren ihnen die liebsten unterallen Opfern; der wahre Gott, den die Juden anbeteten, hasste and verabscheute die Menschenopfer, die ihm ein Greuel und vor seinen Augen ein Verbrechen, ein Mord waren, dem er die schwerste Strafe angedroht hatte. Das wussten die Juden, und rs waren ihnen auch die Gründe nicht unbekannt, warum Gott die Tötung eines Menschen auf das Strengste verboten hatte. So spricht die Geschichte der Vergangenheit, und was sagt *) »»Der Ritualmord vor den Gerichtshöfen, der Wahrheit und Gerechtigkeit" von Dr. Fr. Frank. Regensburg, 1901. Verlagsanstatt vorm. G. I' Manz.Hreis 2 Mk. die Gegenwart? In der Gegenwart will man uns glauben machen, dass ein gewaltiger, ganz unerhörter Umschwung in den religiösen Anschauungen nnd Gebräuchen der Juden eingetreten sei; während bei allen Völkern, unter denen die Juden gegenwärtig wohnen, die Menschenopfer längst abgeschasft sind, die Darbringung derselben als Mord, Verbrechen, Wahnsinn betrachtet wird, sollen die Inden die Abichlachtnng von Christen als eine religiöse, dem wahren Gott wohlgefällige Handlung betrachten und besonders zur Osterzeit darauf ansgehen, christliche Kinder zu fangen und rituell abzuschlachten. Welcher gewaltige Umsturz aller religiösen Begriffe und Anschauungen im jüdischen Volke muß da vorausgegangen sein, ehe ein solcher Gebrauch, wie Ritualmord, bei ihm Eingang finden und sich einbürgern konnte! Weiß die Geschichte uns einen Zeitraum anzugeben, in welchem diese geistige Revolution sich vollzogen hat? Rein! Mir wenigstens ist es nicht gelungen, eine solche Zeit in der Geschichte auszusinden. Sind die Juden vielleicht Götzendiener geworden, wie in den alten Zeiten, da sie den Götzen Menschenopfer darbrachlen? Nein! Seit der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft sind die Juden, wie die Geschichte bezeugt, nie mehr zum Götzendienste zurückgekehrt. Haben die Juden vielleicht ein anderes Gesetz angenommen, in welchem die zehn Gebote insbesondere das Gebot: Dn sollst nicht töten, nicht mehr enthalten sind? Rein! Zwar sind die steinernen Gesetzrafeln, auf welche die zehn Gebote geschrieben waren, nicht mehr vorhanden, aber die zehn Gebote selbst, wie sie aus dem Berge Sinai gegeben, wurden, gelten beu Juden auch heute noch als hochheiliges, göttliches Gesetz; oder baben die Juden vielleicht ihre Schriften abgeändert und vielleicht die Strafen daraus entfernt, die Gott für Menschenopfer angedrohl hat? Nein! mit peinlicher Sorgfalt hütet das Jndenvolk seine heiligen Schriften; alle Buchstaben in ihnen sind gezählt, dass keiner derselben verloren geht. Und trotzdem sollen die Juden, die Thora, das göttliche Gesetz und die heilige Schrift vor Augen, ihre Mitmenschen, die wie sie nach Gottes Ebenbild erschaffen sind, kaltblütig töte», rituell abschlachten, also Menschenopfer dardringen? Wie ist das möglich? Das weiß ich nicht. Und so lange mir nicht ein anderer eine befriedigende Antwort aus diese Frage geben und den Widerspruch lösen kann, der zwischen dem Ritualmord und den heiligen Schriften und dem göttlichen Gesetze liegt, bleibe