Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 26 (5.7.1901)
- Date
- 1901-07-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063062-3063088--01429-3068018- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 26. Die Wahrheit. Seite 7. gmd auch in Wien leben und manche interessante Reminiszenzen wohl noch aufbewahren. Wir theilen hiermit den Lesern dieses Blattes die Inschrift der interessanten „Mazewah", der auch eine Lyra eingemeißelt ist, mit. Dieselbe lautet: 1X12 IN 112 re T2Ji 'i IN p2» p22i ,222 '11 11i22^ 2'12» 112X' 1712212 yi12 122» 121 jm "|2 '71'21 '2 Vx »2122» 111^ 27122 17112222 122 1V12111 '2 17112X 2Z? IN 222»'1 ' © o © c©oc © © © © ps’ tn nap’ •1211X^ 2»T2* 12» \X12>' 1X2 1112 121122 1' 122^> kx 1221 J2222 Ruf der Rückseite des Steines steht: „David Strelitzky, Vorbeter und! tKirchensänger. Er hat es verstanden, die ganze Leidensgeschichte des; 'Judenthums in einem Ton zu erzählen-" M. A-l. Wien. (Jüdischer Verein jugendlicher Arbeiter in Wien.)! Unter diesem Namen hat sich in der jüngsten Zeit eine neue Organij sation gebildet, welche bereits eine stattliche Anzahl von Mitgliedern - Besitzt. Die am 17. Juni d. I. überreichten Statuten wurden mittelst i Decretes der k. k. niederösterreichischen Statthalterei vom 26. Juni d. I.; Z. 54910 genehmigt. Laut § 2 bezweckt der Verein: a) die Hebung des j Bewusstseins der Zusammengehörigkeit unter der arbeitenden jüdischen! Jugend; b) die Pflege der jüdischen Geschichte und Litteratur; o) die! Propagirung und Förderung der zionistischen Idee; d) die Bildung der! Mitglieder durch Unterrichtscnrse in Sprachen, kaufmännischen Wissen-! schäften, Stenographie, Gesang, Tanz, Turnen, Naturlehre und Veran-! staltung von die genannten Unterrichtsgegenstände behandelnden freien! -wissenschaftlichen Vorträgen oder Vorlesungen; v) die Erörterung und : .. Besprechung von gewerblichen Angelegenheiten mit Ausschluss der 'Politik; f) die Anlage einer Bibliothek und Anschaffung einschlägiger! .Zeitschriften; g) die Veranstaltung von internen und öffentlichen Vereins- ' abenden zum Zwecke der Geselligkeit; I>) die Errichtung von Ortsgruppen; i) die Gewährung von Rechtsschutz. Ordentliches Mitglied kann jeder jüdische Arbeiter und Angestellte im Alter von 14—24 Jahren werden. Die constituirende Versammlung findet am 14. Juli, 2 Uhr Nachmittags, in Kühn's Nestaurant, II., Rembrandtstraße 18, statt. Vcreinsnachrichten werden regelmäßig in der „Wahrbeit", „Welt" (Wien) und der „Jüd. Volksstimme" (Brünn) veröffentlicht. Die verehrten Leser dieses Blattes werden gebeten, überflüssige Bücher oder Geldspenden für die Bibliothek * des jungen Vereines an Herrn Leo Wurmann, Wien, II.. Obere Augartenstraße 46 cinzusenden. Auch kleine Beiträge sind willkommen.! Das Gründiings-Eomitä. - Hb. Hollabrunn. Samstag, den 29. Juni fand im hiesigen Gotteschause die Confirmation des Ernst Ritter, Secundaner am k. k. Staatsgymnasium zu Ob. Hollabrunn, Sohn des praktischen 'Arztes, Regiments-! Arztes i. P. und Besitzers des goldenen Verdienstkreuzes, Herrn Doctor Emanuel Ritter, und dessen Gemalin Hermine, geb. Skutetzky statt, ans > -welchem Anlasse nahezu die ganze Gemeinde dem Gottesdiene beiwohnte. Der Confirmand, Schüler unseres allseits beliebten Cantors und Religionslehrers, Herrn Sigm. Jellinek, las selbst die Haftorah in sehr correcter und melodiöser Weise, und nachher richtete Religionslehrer Jellinek vor den versainmelten Gemeinde-Mitgliedern an denselben eine der Feier entsprechende Ansprache. Nach dem Minchah-Gottesdienste fanden sich die Theilnehmer und Familienangehörigen ans Wien und Znaim im Hause des Herrn Dr. Em. Ritter zum Dejeuner ein wobei der Eorfirmand einen formvollendeten Vortrag hielt. Einen besonders feierlichen Anblick bot der prachtvolle Speise-Saal, in welchem sämmtliche Cellegen des Confirmanden bis zur Octava gastlich bewirthet wurden; auch sei erwähnt, dass aus diesem Anlasse namhafte Spenden den hiesigen Wohlthätigkeits-Vereinen .zugewendet wurden. Vorn». Arag. Der jüdische Volksverein in Prag veranstaltete am 22. Juni im Hotel Bristol einen Vortragsabend, der sehr anregend verlief. Herr Dr. Philipp Menzel aus Czernowitz hielt einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag, betitelt: „Die gegenwärtige Lage des Zionismus". Zkrag. (Ein Schächtverbot in Sicht.) In einer der letzten Stadtrathssitzungen in Prag stellte Stadtrath Dr. Kühn den Antrag, die rituelle Viehschlachtung zu verbieten. Der Antrag wird in Erwägung gezogen werden, I»rag. In Prag verschieden in den letzten Tagen: Herr Gustav Schlosser, Inhaber der Firma D. L. Schlosser, 38 Jahre alt. Er gehörte zahlreichen Wohlthätigkeitsanstalten an. Das Begräbnis fand unter zahlreicher Betheiligung statt. Ferner Frau Ernestine Karpeles, Tochter der Frau Caroline Heller, Besitzerin der Zuckerfabrik in Zakolan, die sich durch gute Charaktereigenschaften und wohlthätiges Wirken auszeichnete. Jm 50. Lebensjahre starb Frau Emilie Winternitz, die bei Bereitung der Mahlzeit mit Spiritus hantirte und schreckliche Brandwunden erlitt. Sie hatte aus ihren im Nebenzimmer befindlichen kranken Gatten Rücksicht genommen und keinen Laut ausgestoßen. Der Fall erregt allgemeine Theilnahme. R. M-T. Audapest. (Das Akademie-LegatDr. Kunewalder's —;urückgewiesen.) Der vor Kurzem verstorbene Dr. Philipp Kunewalder vermachte unter Anderem ein Legat für die ungarische Akademie und Wifienschaften, mit der Bestimmung, aus derselben jedes zweite Jahr abwechselnd auf ein Lustspiel und ein Volksslück einen Preis auszuschreiben. An das Legat — welches 16.600 Kronen beträgt — ist die bemerkenswerthe Bedingung geknüpft, dass in den „Concurrenzarbeiten der Jude als festen Charakters und edeldenkend gezeichnet werden soll". Das Urtheil obliegt der Akademie, doch hat sie die Ansichten einzelner auf schöngeistigem- und literarischem Gebiete thätiger Glaubensgenossen zu berücksichtigen. Als solche Vertrauensmänner hatte Kunewalder die Herren Adolf Agai, Bernhard Alexander, Josef Keßler. Anton Rado, Heinrich Marczali und Josef Br'uwezi, ferner Philipp Weinmann und Franz Chorin designirt. Die Akademie hat nun in ihrer letzten Sitzung die Annahme dieses Legats zurückgewiesen. lieber den diesfälligen Beschluß heißt es im Protokoll der Akademie wörtlich: „Das testamentarisch unter besonderen Bedingnißen der ungarischen Akadein:e der Wissenschaften hinterlafsene ^egat weil. Dr. Philvp Kunewalders wird mit Rücksicht darauf, dass die Akademie sich zur speciellen Förderung der Interessen einzelner Klaffen oder Konfessionen nicht erbötig machen kann, nicht angenommen." Der Erblasser hat übrigens auch für diesen Fall testamentarisch verfügt. Demnach werden 16.000 Kronen zu gleichen Theilen der Budapester evangelischen Schule, der Knabenschule der Pester iir. Gemeinde und dem israelitischen Lanves-Stipendienfonds zu Stipendienzwecken zufallen. Aew-'Dork. Eine jüdisch-historische Ausstellung soll im nächsten Winter in New-Pork veranstaltet werden. Ter Plan geht von der American Jewish hi.storieal Society aus. die jetzt ein Eomilv aus den hervorragendsten jüdischen Persönlichkeiten in den vereinigten Staaten zusammengebracht hat, das bereits Vorbereitungen für die Ausstellung zu treffen beginnt. Es sollen alle geschichtlichen Erinnerungen, die mit der Geschichte der Inden in Amerika verknüpft sind, von der Entdeckung durch Colnmbns an, ausgestellt werden. Dazu werden Urkunden, Porträts. Karten und Stiche, Manuskripte, Autographen und Anderes geboren. Hochinteressant dürfte die Sammlung aller von Juden in Amertka geschriebenen Bücher sein. Wahrscheinlich werden zu den ausgeuellten Gegenständen auch solche gehören, die sich aus die jüoi'ch-rel:g'.ö'e Kunst beziehen. Litteratur. tzatmudische Horrelpouden; Es dürfte unsere Leier intere'siren dass der langjährige Secretär des „Vereines zur rituellen Verköüignng der israelitischen Kranken in den öffentlichen Svitälern", Herr M a r e u s Ad l e c, der vermöge seines leidenden Zustandes fast ausschließlich dem Talmud-Studium sich widmet, demnächst die originelle Frucht seines Fleißes zu veröffentlichen beabsichtigt, es ist das hochinteressante Werk: „Talmudische Correspondenz". Der 1. Theil enthält etwa 6000 Sentenzen, alphabetisch nach dem Schlussworte des Satzes geordnet, und im 2. Theile folgen jene Stellen, die nur einmal im Talmud Vorkommen, ebenfalls in solcher Reihenfolge. Dieser ns?.-..-, irm ist ein wahrer Schatz und unentbehrliches Vademecum für jeden Talmudbeflissenen und wisienschaftlichen Forscher. Mögen die Gemeinden und Vereine, d:e Rabbiner und Gelehrten dieses großartige Buch, das mit wirklichem Bienenfleiße zusammengestellt ist, geziemend fördern zur Ehre des Juden» thums, für desien Literatur sich ja sogar andersgläubige Theologen lebhaft intereffiren.