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Die Wahrheit · 1901-07-05 · Heft 26 (5.7.1901) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 26 (5.7.1901)
Date
1901-07-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 26. liolhek, die durch die Schenkung des Dr. A. Berliner'schen und den Hinzutriu der Brüll'schen Bibliothek ihren ersten systematischen Ausbau und nun durch den werthvollen Zuwachs der Rothschild'schen Stiftung eine nahezu vollständige Abrundung erhielt; sodann werden die interessanten Stücke dieser Stiftung auigezählt, welche wir angesichts ihrer Seltenheit und bibliographischen Wichtigkeit mir einigen Nebenbemerkungen begleiten wollen: „Z u n ä ch st i st die st a t t l i ch e Reihe von 23 hebräischen Inkunabeln gu nennen, u n d unter diesen au erster Stelle der bibliographisch nicht verzeichnete Tur Oracli Chajim, ein 1495 i it Leiria in Portugal gedrucktes Werk, ein wahres P r a ch t st ü ck a n Ausstattung u nd Titelo r n a m entirun g." In Ersch und Gruber, zwei Section, 28. Theil, Seite 37, sind aus Leiria zwei Drucke verzeichnet: die Sprüche Salomos nül Targum, Meiri und Levi ben Gerson vom Jahre 1492, «nd erste Propheten mit Targum, Gersönides und Kimchi vom Jahre 1494; der beregte Tur Orach Chajim wird nicht erwähnt, ein Beweis seiner Seltenheit. De Rossi erwähnt jedoch frühere Ausgaben vom Jahre 1475 und 1476 und scheint im Besitze derselben gewesen zu sein, indem er (Historisches Wörterbuch unter Jacob ben Ascher, Verfasser der Turim) sagt: „Diese beiden höchst seltenen Ausgaben, nebst allen folgenden aus dem 15. und dem Anfänge des 16. Jahrhunderts befinden sich in meinem Besitze." „Nach Portugal gehören a u ch v o n I n k u nabeln das Pitualwerkvou Abudrahiin, Lissabon 1489 und d i e Sprüche Salomouismit dem Co inm e u t <i r des David J b n I a ch j a, L i s s a b o n 1491." Abuvrahim, in Ersch und Gruber daselbst, ist eine Aus- Habe in Folio, der Druck wurde an einem Mittwoch im Monate December 1489 vollendet. David Jbn Jachja scheint der in De Rossi erwähnte David ben Jachja, gestorben in Lissabon 1465, zu sein. »N ach Spanien der Tur Orach Chajim I x a r (H i j a r) 1485 und der Tur Jora Dea ebenda 1487." Der Tur Orach Chajim Ixar, sehr richtig in Ersch nnd Gruber daselbst, ebenfalls Ixar, hebräifch in Aragonien, Ausgabe in Folio, beendet im August 1485. Tur Jore Dea ebendaselbst, in Folio, 1487, von einem Elieser ben welch' letzterem vom Worte der Unverständlichkeit halber ein Fragezeichen (?) folgt. Das Drnckerzeichen ist ein aufrecht stehender Löwe. „Ein gut erhaltener Pergamentdruck des Pentateuch, Lissabon 1491, und die gleichfalls auf Pergament gedruckten F e st g e b e t e (M a ch - s o r) nach de m Ritus der r ö m i f ch e u Gemeinde S o n c i n o nnd C a i a l in a g g i o r e." Der Pergameni-Penlatench, ebenfalls in Ersch und Gruber erwähnt, ist eine Ausgabe in Klein-Folio, mit Onkelos und Naschi; das Kronostich — siehe Fußnote daselbst — ist up, entspricht dem Jahre 1473 und wird von Jacob Nunez in 2pr “ö? angeführt. Das Pergament-Machsor erwähnt De Rossi (Histor. Wörterb.) mit der Bemerkung: die erste nnd seltenste Ausgabe ist die von Soncino und Casalmaggiore, 1486, von dem berühmten Souciui besorgt. Weiters erwähnt Herr Dr. Ebrard Bibelausgaben, Ritualien, Gebetciclnsse, Synagogal - Gesänge, jüdisch-deutsche Schriften', Anonyme Werke, Curiosa, und unter Anderem auch zwei Unika: das erste, die Klagelieder mit dem Commentar des Joel Jbn Schoheib, findet sich auch in De Rossi's Histor. Wörterbuch vor, der Verfasser ist aus Aragonien. Diese Klagelieder mit dem erwähnten Commentar und dem von Galante, wurden auch in Venedig 1588 aufgelegt. Das zweite, als Unikum bezeichnete Abkath Rochel ist fraglich, nachdem zwei gleichen Namens, eristiren. (Siehe Seder Hadoroth, Warschau, 1878, III. Abtheilnng.) Das eine anonym enthält Heilmittel rc., das zweite von R. Machir, Schüler des Jehuda ben Ascher, ganz aandern Inhaltes, in drei Abtheilungen. (Siehe De Rossi, Histor. Wörterbuch ) Sehr erfreulich erscheint uns die Veröffentlichung des Herrn Dr. Ebrard, schon der erwähnten Spender wegen. Jüdische Gelehrte, wie Dr. A. Berliner und Brüll, testiren ihre Bibltotheken (obzwar, wie wir wissen, eine derselben angekauft ist) der Stadtblibliothek in Frankfurt, sodann das letzte Vermächtnis des Hauses Rothschild. Es scheint, dass die schroffen Gegensätze der verschiedenen Religionsanhänger, Racenhass, arische Unduldsamkeit und antisemitische Hetze in der alten Stadt am Main keinen fruchtbaren Boden gefunden haben. — O, dass es überall so wäre! N a g y K a n i z s a, im Juni 1901. S. Goldman ii. öerichtigung. Das zweite, vom Vorstände der Wiener Cultusgemeinde über Vorschlag des Curatoriums der Dr. Moriz Nappaport- Stiftung zur Preisausschreibnng beschlossene Preisthema lautet: „Zur Geschichte des jüdischen Volksschulwesens in Oesterreich". In unserem Berichte über die letzte Vorstandssitzung hieß es an betreffender Stelle irthümlich: „Zur Geschichte des jüdischen Volksweseus rc." Verschiedene Nachrichten. Wieu. Die am letzten Samstag, Nachmittags im Stadttempel und Leopoldstädter Tempel abgehaltenen feierlichen Jahresschluß-Gottesdienste für die Schüler der Mittelschulen zeichneten sich diesmal durch zahlreiche Betheiligung Erwachsener, die dadurch ihr Lebhaftes Interesse an dieser modernen Institution bekundeten, besonders aus. „Für die Jugend ist das Beste gut genug". Diesem Grundsätze schienen auch Obercantor Singer und Obercantor Gutmann zu huldigen, in den: sie bie Gottesdienste in besonders feierlicher und erhebender Weise durchführten. Die Ansprachen an die Schuljugend hielten Religionsschulinspektor Dr.Kanitz und Professor Dr. Pollak. Mit der Absingung der Volkshymne nach Verlesung des Thoraabschnittes durch I. Cantor Schiller im Stadttempel, und Cantor Rothwein im Leopoldstädter Tempel und dem darauf folgenden Abendgebete schloß die schöne Feier. ZSien. (Befähigungsprüfung für Kindergärtnerinnen.) Der 33. Jahrescurs der mit der isr. Kinderbewahranstalt verbundenen und mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen ersten Privat-Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen in Wien, II., Schiffamtsgasse 15, wurde durch die am 22. Juni unter dem Vositze des Herrn k. k. Landesschulinspectors Dr. Karl Rieger abgehaltene Prüfung abgeschlossen, bei welcher 18 Candidatinnen befähigt wurden, während einer Candidatin die Wiederholung der Prüfung nach den Ferien gestattet wurde. Anmeldungen in den 34. Jahrescurs der Anstalt, aus welcher bis nun 836 Kindergärtnerinnen hervorgingen, werden bei der Direction entgegengenommen, bei welcher auch Prospecte erhältlich sind. Wien. Zur Richtigstellung eines in vorletzter Nummer veröffentlichten Berichtes über die Thätigkeit des Vereines für rituelle Verköstigung der armen Israeliten in dey Wiener Krankenhäusern wird uns mitgetheilt, dass der genannte Verein von der Cultusgemeinde eine Subvention von 4000 Kronen — und nicht, wie es irrthümlich hieß, 1000 Kronen — bezieht. Wien. (Grabschrift des berühmten Pest erCantors D. Brod.j Auf dem alten Pester jüdischen Friedhofe, an der äußern Waizner-Straße, der leider schon bald neuen Bauten wird weichen müssen, finden sich viele berühmte Gräber, deren Denkste.ne für die Geschichte des Judenthums und der Pester Gemeinde insbesondere, von hoher Wichtigkeit sind. Schreiber dieses copierte vor. Kurzem die nachfolgende Inschrift des Grabsteines des großen Chasen David (genannt Dovidl) Brod, der am 2. Tage Chol-hamoed-Pessach im Jahre 1848 in Pest verschied. Von großem Interesse wäre es, eine Geschichte dieses berühmten Cantors der vormärzlichen Zeit zu schreiben, von dem Nachkommen in Budapest ä2SB*T9'. i li 1 I

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