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Die Wahrheit · 1901-06-28 · Heft 25 (28.6.1901) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 25 (28.6.1901)
Date
1901-06-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheu. Nr. 25 Menschen unerhörte, die gesammte Menschheit tief beschämende Triumphe gefeiert. Auszüge aus diesem gräßliche nLeidensbuche wurden ja bereits vielfach veröffentlicht, sie können darum hier unterbleiben. Von Blatt zu Blatt eine Steigerung der Leiden des Unglücklichen, immer grausamer wird seine Behandlung, immer raffinirter werden seine Qualen, und je mehr in Paris und in der civilisierten Welt das verletzte Rechtsgefühl sich des Unglücklichen annimmt, um so elender wird seine Lebensweise. Zola veröffentlicht seine ersten flammenden Artikel, und Alfred Dreyfus wird sogar in Ketten gelegt, seine Felsengruft noch mit mehrfachen Reihen von Pallisaden umgeben, kurz was die französische Literatur bisher nicht hatte, schriftliche Denkmale von der unmenschlichen Grausamkeit der eigenen Justiz nach Art der italienischen Memoiren Casanovas oder der russischen Kennans, das hat ihr nun Dreyfus, oder richtiger gesagt, das hat ihr die lichtscheue Camarilla im Generalstabe gegeben. Es war die allerbescheidenste Sühne für das fluchwürdige Verbrechen, das an Dreyfus begangen wurde. Eine andere hat das Amnestiegesetz vorläufig unmöglich gemacht. Letzteres, das die Kette der an Dreyfus begangenen Grausamkeiten würdig abschließt, hat nun auch Zola, die glanzvollste Heldengestalt in dieser trüben Geschichte, veranlasst, all seine zu Gunsten der Revision und Rehabilitirung des Excapitäns im „Figaro" und der „Aurore" veröffentlichten Artikel in Buchform erscheinen zu lassen. Es reiht sich den besten Geisteskinderu Zola's würdig an, trotzdem hier nur der Mensch und nicht der Dichter zu Worte kommt. Gäbe es überhaupt noch ein Anerkennen einer Autorität, sobald der fanatische Judenhass zu wüthen beginnt, so wünschte ich all unfern verborgenen und offenen Feinden, sie läsen Zola's Ausführungen über den Antisemitismus. (S. 38—41). Dreyfus' Memoiren bilden eine schwere Anklage der französischen Justizpflege, aber Zola's flammende Artikel sind, trotzdem ja auch sie das gleiche Uebel geißeln, dennoch die Ehrenretter Frankreichs, das immerhin doch auch einen Zola erzeugt hat. Bei uns in Oesterreich hat es Dreyfusfälle ohne einen Zola. Die jüdische UatioualM. Eine Studie von Lector M. F r i e d m a n n. Aus dem Hebräischen bearbeitet von Dr. K a h a n, Znaim. (Schluss*.) Mit dem einen Erbe, der Thora, die uns Moses geboten, haben wir noch ein zweites Erbe von unseren Vätern überkommen : Das Land Canaan, das Gott unsern Vätern zugeschworen 'und gelobt hat, es ihren Nachkommen zum ewigen Besitz zu geben — das gelobte Land. Nun sind wir allerdings aus diesem Lande längst vertrieben worden, wie es uns schon Moses verkündet hatte. Aber eben derselbe Moses hat uns versichert, dass Gott uns auch im Exil nicht verlassen und seinen Bund mit uns nicht lösen wird. Wie es heißt, (3. M. 26, 44): Und auch dann noch, wenn sie im Lande ihrer Feinde sind, verwerfe ich sie nicht und verstoße sie nicht, dass ich sie vernichtete und meinen Bund mit ihnen bräche, denn ich der Ewige bin ihr Gott. Diese Worte enthalten zwei Dinge: 1. Die Ewigkeit der jüdischen Nation. Der Prophet Jeremia hat es wiederholt: Wenn diese (Natur-) Gesetze vor mir weichen, ist der Spruch des Ewigen, so soll auch der Same Israels aufhüren, eilt Volk vor mir zu sein alle Tage. Also spricht der Ewige: Wenn gemessen werden die Himmel droben und ergründet die Stützen der Erde hierunten, so werde auch ich verwerfen den ganzen Samen Israels um alles, was sie gethan (31, 35. 36). Ferner: Du aber fürchte nicht, mein Knecht Jakob, ist der Spruch des Ewigen, und zage nicht, Israel! denn siehe, ich helfe Dir aus der Ferne und deinem Samen aus dem Lande ihrer Gefangenschaft, und *) In voriger Nr. Spalte 3 muß es heißen: „Israel unter die Nationen", anstatt und. Spalte 4 oben: „Es heißt nicht: Ich sonderte die Völker von Euch ab, sondern: „Ich sonderte u. s. w." zurückkehren wird Jakob und wird ruhig bleiben und sorgenlos, und Niemand wird ihn aufschrecken. Denn mit Dir bin ich, ist der Spruch des Ewigen, Dich zu erretten. Wenn Vernichtung ich übe an allen Völkern, wohin ich Dich zerstreuet, Dich vernichteich nicht! Ich strafe Dich wohl nach Gebühr, aber vernichten werde ich Dich nicht (30, 10. 11. dasselbe 46, 27. 28)! 2. Die ewige Dauer des Bundes zwischen Gott und Israel, selbst wenn es in Feindesland ist. Der Prophet Ezechiel hat diesem Gedanken folgenden Ausdruck verliehen: Was Euch in den Sinn kommt, soll nie geschehen! Da Ihr sprechet: Wir wollen sein wie die Völker, wie die Geschlechter der Länder, Holz und Stein anzubeten. So wahr ich lebe, spricht Gott der Herr, dass ich mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm und mit überströmendem Grimm über Euch herrschen will (20, 32. 33)! — Unsere Schicksale seitdem bezeugen, dass diese Prophezeiungen in Erfüllung gegangen sind. Die furchtbarsten und blutigsten Verfolgungen und Bedrückungen haben wir glücklich überstanden und sind als Nation noch heute am Leben, trotzdem es, wie der Haggadist sagt, nicht nur einen Tyrannen gab, der uns vernichten wollte, sondern überall und immer man gegen uns den Vernichtungskrieg führte — aber Gott hat uns noch immer gerettet. . Ist aber diese Prophezeiung in Erfüllung gegangen, so dürfen und sollen wir auch auf die Erfüllung folgender Worte Mosis hoffen: Es wird geschehen, wenn über Dich kommen all diese Dinge, der Segen und der Fluch, den ich Dir vorgelegt, so wirst Du es Dir zu Herzen führen unter allen Völkern, wohin Dich der Ewige dein Gott verstoßen hat. Und wirst umkehren zum Ewigen deinem Gott und auf seine Stimme hören.... So wird der Ewige dein Gott deine Gefangenen heimführen und sich Deiner erbarmen. Er wird Dich wiederum sammeln von allen Völkern, wohin Dich der Ewige dein Gott Dich zerstreut hat. Wenn deine Verstoßenen sein werden am Ende des Himmels — selbst von dort wird der Ewige dein Gott Dich sammeln und von dort Dich holen. Und bringen wird Dich der Ewige dein Gott in das Land, das deine Väter besessen, und Du wirst es besitzen, und er wird Dir wohlthun und Dich vermehren, mehr noch als deine Väter (Y. 30, 1—5). Am Schlüße seines Schwanenliedes ruft Moses den Völkern zu: Lasset jauchzen, Ihr Nationen, sein Volk! Denn das Blut seiner Knechte rächet er, und Rache erstattet er seinen Feinden, u n d es versöhnt seinen Boden — sein Volk! Es ist nunmehr klar, dass wer an Moses und seine Thora glaubt, auch glauben und hoffen muss, dass ein st, am Ende der Tage, Israel er l ö st wird und i n da s Land seiner Väter zu rück kehrt — das ist die Hoffnung Israels nach der Thora Mosis. Nachdem im Laufe der Zeit das Volk Israel unter David den Gipfel seines Glanzes und seiner Macht erreicht hatte, und nachdem es seinen Glanz verloren und es mit seiner Macht immer bergab ging, erblickten die Propheten in der Wiederherstellung des Davidischen Thrones die schönste Hoffnung Israels. Jeremia sagt: Sie werden dienen dem Ewigen, ihrem Gotte, und David, ihrem Könige, den ich ihnen aufstellen werde (30, 9). In jenen Tagen und in jener Zeit lasse ich sprossen dem David einen Sprößling der Gerechtigkeit .... Denn also spricht der Ewige: Es soll dem David nicht an einem Manne fehlen, der aus dem Throne des Hauses Israels sitzet .... Wenn Ihr brechen könnet meinen Bund mit dem Tage und meinen Bund mit der Nacht, so dass nicht Tag und Nacht sei zu ihrer Zeit — so wird auch mein Bund gebrochen sein mit David meinem Knechte, dass von ihm kein Sohn als Herrscher sei auf seinem Throne (33, 15—21). Ezechiel sagt: Also spricht Gott der Herr : Siehe, ich hole die Kinder Israels von den Völkern, wohin sie gegangen, und sammle sie von allen Seiten und bringe sie auf ihren Boden. Und mache sie zu eine m Volke im Lande auf den Bergen Israels, und e i n König wird über sie alle König sein .... Und mein Knecht David wird König über sie sein und ein Hirt für alle und in meinen Rechten werden sie wandeln und meine Satzungen beobachten und üben. Und werden wohnen im ' a«r.- E. .. - «re»..'

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