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Die Wahrheit · 1901-06-21 · Heft 24 (21.6.1901) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 24 (21.6.1901)
Date
1901-06-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 24. Die Wahrheit. Seite 7. haben: zunächst soll derselbe die Centralstelle bilden, welche bei plötzlich hereinbrechenden großen Katastrophen den Gabeneiser aufruft und in wohlerwogener, zielbewusster Actiou das Elend lindern, den davon Betroffenen wirksam Helsen soll. Das wichtigste aber sei, unsere Glaubensgenossen gegen solche Katastrophen widerstandsfähiger zu machen, ihnen den harten Kampf ums Dasein durch geistige und wirthschaftliche Kräftigung zu erleichtern. Zu diesem Zwecke werde der Hilfsverein Elementar-, soweit möglich auch Mittel- und, wo erforderlich, Ackerbau- und Gewerbeschulen einrichten. Der in mehr als vierzigjähriger Segensarbeit bethätigte Wahlspruch der Alliance israelite nta N' D'any bxw' bs, dass ganz Israel durch ein Band der Solidarität verknüpft sei. werde auch das Motto des „Hilfsvereins" sein, denn in Wahrheit schließe alle Juden der Welt eine Solidarität zweitausendjähriger Leiden und Verfolgungen zusammen und lege den unter glücklicheren Verhältnissen Lebenden die Pflicht auf, den noch heute unter dem Drucke und den Nachwirkungen jener Verfolgungen Schmachtenden Erleichterung und Erlösung zu bringen. Der Segen gründlichen Unterrichtes belvähre sich speciell für die Inden des Orients, wie ja z. B. den die erforderlichen Keuntniße Besitzenden in der Türkei alle Beamtenstellungen offenstehen. Nun liege dem „Hilfsverein* nichts ferner, als deutschen Chauvinismus zu treiben; vielmehr will er nur denjenigen, für welche nach Lage der ökonomischen Verhältnisse die Beherrschung deutscher Sprache und Bildung den leichteren und geeigneteren Weg zu ihrem wirthschastlichen Gedeihen bildet, dieselbe vermitteln, was natürlich ein deutscher Verein ungleich wirksamer thun könne, als z. B. die Alliance. Dass sich aber während der letzten Jahrzehnte in den Ländern des Orients eine völlige Verschiebung der merkantilen Verhältniße insofern vollzogen habe, dass der deutsche Handel der prävalirende geworden ist und in wachsendem Maße zu werden verheißt, und dass deshalb die Vertrautheit mit deutscher Sprache und Bildung neben dem geistigen Gewinn auch einen eminent praktischen für unsere dortigen Glaubensgenossen bedeute, könne kein Einsichtiger bestreiten. Hinzukomme, dass die Juden Rußlands, Galiziens, Rumäniens und in großen Theilen des Orients sogenannte Aschkenasim sind und noch heute als Muttersprache sich des Jargons bedienen, der trotz aller Verstümmelungen ein deutsches Idiom ist. Hierdurch werde die Erlernung des Deutschen erleichtert und zudem den eigenen Neigungen der in Betracht kommenden Kreise entsprochen, welche ja durch das treue Festhalten an dem deutschen Dialekt ihre Vorliebe für die deutsche Sprache offenbart haben. Die Hauptsache sei, dass nach Lage der Dinge die Beherrschung deutscher Bildung die sicherste Gewähr biete, unseren Glaubensgenossen eine wirklich befriedigende äußere und innere Situtation zu bereiten und sie in den Stand zu setzen, im Laude selbst zu verbleiben und so das Gesammtniveau der jüdischen Bevölkerung zu heben. Selbstverständlich werde den religiösen Anschauungen auf das Allergewissenhafteste Rechnung getragen werden, zumal ja die Juden jener Länder in ihrer Religion eine so feste Stütze sich bewahrt haben, dass eine Stärkung in ihrem Glauben zugleich eine Festigung des sittlichen Halts bedeute. In der an das vortreffliche Referat sich anschließenden Discussion schilderte zunächst Herr Dr. E. M i t t w o ch auf Grund eigener im Orient gesammelter Erfahrungen den Segen, Welche ein gründlicher Unterricht gerade dort bedeute, und die großen Aufgaben, welche nach dieser Richtung noch erfüllt werden müssen. Von lebhaftem Beifall begrüßt, gab hierauf Herr Charles « H a l l g a r t e n in herzlichen Worten der Genugthuung über di- Begründung der neuen Organisation Ausdruck, welche dem Rettungswerke an den Hilfebedürftigen unseres Stammes ttel erschließe und neue Mitarbeiter werbe. Rednechst hp it Fi ugung, dass der Verein eine gedeihliche Wirksamkeit t*3* e, und dass deshalb die Leiter der Alliance erfreut fein würden ler '^lmgswillige und leistungsfähige Bundesgenossen gefunden zu haben ^ch Hildesheimer betont unter Hinweis Herr Dr. Hir>. ’ auf die im Vorjahre angesichts der rumänischen Massen-Auswanderung gemachten Erfahrungen die schreiende Nothwendigkeit und segenverheißende Wirksamkeit einer ständigen Organisation, welche bei plötzlichen Kalamitäten, von denen wir bisher stets völlig ungerüstet getroffen wurden, über die erforderlichen materiellen Mittel verfügt und in den Zeiten der Ruhe die Voraussetzungen schafft, um der Noth wirksam steuern zu können. Nach angeregter Discussion, an welcher die Herren Dr. Paul Nathan, Lazarus, Dr. Heiurich L o e w e und Oberlehrer Dr. Schäfer theilnahmen, gab der Vorsitzende der Befriedigung, dass von keiner Seite ein Widerspruch gegen die Begründung des Vereins oder seine Ziele erhoben wurde, Ausdruck, und schloss mit der Bitte an die Anwesenden, dem Werke ihre Förderung angedeihen zu lassen und demselben Gönner zu werben, die bedeutsame Versammlung. Die große Zahl von Beitritts-Erklärungen, darunter zwei mit je 1000 Mk.. mehrere mit 300 Mk., legten wohlthuendes Zeugnis für das verständnisvolle Interesse ab, das der wackere „Hilfsverein" findet. Nöthen. Sie Subscription auf die vierpercentige Kroneureute. Der Finanzminister, hat an das Consortium 250 Millionen Kronen, zur Hälfte fix, zur Hälfte in Option, begeben. Von diesem Betrage wird der fix übernommene Theil, nämlich 125 Millionen Kronen, zur Subscription augeboten. Der Tag der Subscription ist Donnerstag, der 20. Juni. Dem Consortium, welches die Anleihe übernommen hat, gehören die Postsparkasse, das Bankhaus S. M. v. Rothschild, die Creditanftalt und die Bodencredit-Anstalt an, und es nehmen sämmtliche Mitglieder dieses Consortiums Zeichnungen entgegen.'.Der Subscriptionspreis beträgt 95 Percent. Demgemäß stellt sich der Preis, welcher für die zugetheilten Stücke zu bezahlen ist, auf 95 Percent Plus vier Percent Stückziusen vom 1. März bis zum Tage der Abnahme, da der erste halbjährige Coupon der Anleihe am 1. September 1901 zur Auszahlung gelangt. Es ist von Wichtigkeit, daß für die Kronenrente zum erstenmale Zahlstellen im Auslande errichtet werden, u. zw. in Berlin, Frankfurt, Hamburg, München, ferner in Amsterdam Zahlstellen errichtet worden. Die Einlösung erfolgt daselbst zum jeweiligen Cnrs der Wechsel auf Wien. Die Anleihe ist steuerfrei, die Auszahlung der Zinsen erfolgt ohne jeden Steuer-, Gebühren oder sonstigen Abzug. Dagegen hat sich die Regierung die jederzeitige Conversion wie bei allen ihren Renten-Emissione» Vorbehalten. Der Subscriptionspreis von 95 Percent repräsentirt eine thatsächliche Verzinsung des Curscapitals von 4-21 Percent. Bei der Subscription ist, wie gewöhnlich, eine Caution von fünf Percent in Barem oder in Effecten zu erlegen. Die zugetheilten Obligationen sind in der Zeit vom 6. Juli bis 31. August abzunehmen. Von der Anleihe werden Stücke zu 100, 200, 10,000 rnd 20,000 Kr. ausgegeben. Zeichenstellen sind zunächst das Postsparcassen-Amt in Wien und deffen sämmliche Sammelstellen, das finb alle Postanstalten, Steuerämter und die Land es kaffen. Jüdische Hrpheum-Hefellschaft. Noch selten hat in Wien feine Orpheum-Gesellschaft so viel Aufsehen erregt wie die seit einiger Z, t in Edelhofers Pracht-Saal-Localitäten II., Rothensterngaffe 9 sich!producirende jüdische Orpheum-Gesellschaft. Das Verdienst dieser Acquisition gebührt dem im H. Bezirke bekannten Hutsabrikanten, Herrn M. Sobl, im Vereine mit dem Besitzer des erwähnten Etablissements, Herrn Edelhoser. dem auch Restauration und Hotel du Nord, II., Kaiser Josef- > Straße gehören. Der Saal ist trotz der heißen Jahreszeit täglich bis aufs letzte Plätzchen gefüllt. Die Herren und Damen der Gesellschaft leisten durchwegs Vorzügliches und verschaffen jedem Besucher einen genußreichen Abend. Besonders hervorheben müssen wir die Damen: Frau Sara Kanner, welche mit dem Liede „Sobomor lisrovltäglich großen Erfolg hat. Frau Rosa Klug, die durch den Vortrag jüdischer Duette wolverdienten Applaus findet, und ebenso Frau Sali Weinberg,; welche eine überaus sympathische Stimme besitzt und in dem zur Aufführung gelangenden Stücke „Sulamith" die Hauptrolle spielt. Eine ausgezeichnete Figur in Maske und Spiel bietet auch Herr Kanner als Neger. DaS Orchester steht unter der vortrefflichen Leitung des Capellmeisters I. Lostycki und die Regie führt Herr I. Reißmann. Der Besuch dieser Vorstellungen wird dein, jüdischen Publikum noch dadurch angenehmer gemacht, dasim Saale Edelhofer rituelles Speisen verabreicht werderz.

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