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Die Wahrheit · 1901-06-14 · Heft 23 (14.6.1901) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 23 (14.6.1901)
Date
1901-06-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Hesterr.-ungnr. Kclntoren-Ieitung. Nr. 23. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 21. Iahrg. Gebete >md Gesänge Mw Eingänge -es Sabbath.*) Von Obercantor I. Bach mann, Budapest. Erst vor Kurzem hat David Nowakoivsky eine Sammlung Chnagogengesänge herausgegeben, und soeben ist wieder ein Werk von ihm, enthaltend Gebete und Gesänge zum Sabbatheingaug, erschienen. Der Componist, der seit mehr als einem Vierteljahrhuudert au dem „Brodyei" Temhel in Odessa als Ncgenschori wirkt, erfreut sich in den synagogalen Kreisen Rußlands großer Popularität und zwar sorvohl als trefflicher Dirigent, dessen Chor durch Schulung uild seine Nuancirnng als mustergiltig gilt, sowie auch als kenntnisreicher Musiker und begabter Componist. Während meiner zehnjährigen cantoralen Wirksamkeit in Odessa hatte ich reichlich Gelegenheit, das Wirken Nowakowsky's an Ort und Stelle beobachten zu können, und es gereicht mir deshalb zu ganz besonderem Vergnügen, seinem neuen Werke einen kritischen Geleitbries aus den Weg geben zu können. In der in Rede stehenden Sammlung ist jedes Gebetstück mindesiens zweimal, mcistentheils aber dreimal vertoilt. Auch für den Becho dödi liegen drei Vertonungen vor. Zeder von ihnen hat seine Vorzüge und charakteristischen Besonderheiten, der einheitlichste und am sorgsälligsten durchgearbeitete scheint mir jedoch der erste zu sein. Er wird mit einer einfachen, innigen, „entgegenkommenden" Weise eröffnet, mit der der Vorbeter in den kleinen Synagogen Rußlands seit undenklichen Zetten das „Beclio dodi likras kalloh“ zu recitiren pflegt. Nvwnkowsky hat die recitativische Formel, in der ein naiv-gläubiger, sromm-heiterer Zug voiwaltet, periodisch gegliedert und harmonisirt — einfach und sinngemäß. Mau mu>s sich in diese unscheinbare Weise hineinfühlen, um sich ein überflüssiges Mal klar zu machen, wie viel Stimmung in solch' einer Eingebung der Volksseele liegt. Anzuerkennen ist der die Wirkung fördernde Umstand, dass der Becho dodi - Refrain stets in anderer Harmonisation, die jedoch den lieblich-heiteren und zugleich sehnsüchtigen Grundcharakter nicht aufhebt, wiederkehrt. Sowohl im Mikdasch nielech, der pianissimo, weihevoll, mit heiligen Schauern einsetzt, als auch im Hisnaari wird die Aufforderung, von den Trümmern aufzustehen und den Staub abzuschüttelu, durch eine in „aussteigender" Folge sich bewegende Melodienfigur veranschaulicht. Im Hisnaari tritt diese ansstrebende Figur zuerst im Sopran, mehrmals in der gleichen Weise wiederholt, auf, dann nimmt der Alt ein Motivtheilchen dieser Phrase auf, während auch die übrigen Stimmen beweglicher einsetzen. Das Bö sewöschi stimmen zuerst Knaben vierstimmig, in getragener, choralaitiger Weise an, woraus sie mit veränderter Harmonie vom Männerchor und hierauf vom gemischten Chor vorgetragen wird. Charakteristisch ist, dass dieselbe Melodie, entsprechend variirt, körte in dem hier anschließenden Becho dodi-Resrain verwendet wird, als ob sich aus der Aufforderung, nicht zu verzagen, aus dem gegebenen Versprechen heraus eine zuversichtlichere, kräftige Begrüßung der Braut emporringen würde. Feierlich, getragen, '„friedlich" ertönt das vom Cantor mir Begleitung von Männerstimmen angeftimmte Boi wescliolöm und das Boi challob. Nachdem der Chor zum letzten Male mit dem Becho dodi eingesetzt, werden die Worte penei schabbos nekabeloh mit besonderem Nachdruck, beinahe frohlockend wiederholt, womit die Composition ihren Abschluss findet. Der zweite Becho dödi ist schlichter und einfacher, ich möchte sagen gewohnheitsmäßiger in der Faktur. Er enthält eine wohlklingende, dankbare Cantorsolo-Stelle Mikdasch melech. Auch hier trägt das Hisnaari den Charakter der Aufforderung, der erwachenden Zuversicht. Tenor und Bass stimmen unisono das Hisnaari me ofor kumi an, ein glücklich erfundenes Thema, kurz, prägnant, immer hoher aussteigend, es fordert förmlich^ auch in Bezug auf die Bedeutsamkeit des Textinhaltes, zu einem fuggirten Satz heraus. Der Componist hat sich jedoch damit begnügt, eö von eben diesen Tenöreu und Bässen auf veränderten Tonstusen wiederholen zu lassen. Einsach. aber innig, wenn auch etwas conventionell, ist die O-rnoll-Stelle „Bö sewöschi“ gehalten; ich würde rathen, den Tenorpart hier nicht vom Chortenor, sondern vom Cantor, (natürkich, falls letzterer Tenor ist) singen zu lassen. Während aber die ganze Composition sich hauptsächlich in leichteren Formen bew gt. ist das Jomin usmol tifrözi ein in der Ausführung, namentlich in rhythmischer Beziehung schwieriger Fughettosatz mit einem charakteristischen und geschickt verarbeiteten Thema. Der dritte Bscho dödi ist der kürzeste. Er besteht aus kurzen, der jeweiligen Stimmung angebrachten Sätzchen, die aber hervorstechender Einzelheiten durchaus nicht entbehren — man beachte beispielsweise das energischkräftige 8ekomör wesochor, die zarte Harmonisation des Becho dödi nach dem Hisnaari-Avsatz u. A. m. (Schluss folgt). Verschiedene Nachrichten. *) Gebete und Gesänge zum Eingänge des Sabbath für Cantorsolo, mit und und ohne Orgelbegleitung, von D. Nowakowsky. Preis Rubel 8.-. Vrag, 13. Juni. (Audlenz beim Kaiser). Bei den allgemeinen Audienzen, die heute Vormittag auf dem Hradschin stattfanden, wurde auch die Repräsentanz der Prager israel. Cultusgemeinde, bestehend aus dem Präsidenten Dr. Rosenbacher, dem Vicepräsidenten Dr. Bendiener und dem Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, von Sr. Majestät dem Kaiser empfangen. Vor dem Empfange wurde auf Anfrage des Herrn Dr. Rosenbacher von dem Hoscommissär erklärt, dass der Oberrabbiner mit den beiden Vertretern unbedeckten Hauptes einzutreten haben, aber dann >osort ohne Anfrage das Haupt bedecken. Der Oberrabbiner, der im Ornat erschien, sprach den hebräischen Seaensspruch und fügte in deutscher Sprache hinzu: „Des Himmels reichster Segen ströme auf das geweihte Haupt Seiner Majestät! Amen." Der Kaiser verneigte sich huldvollst und dankte^ worauf er sich an Dr. Rosenbacher mit der Frage wendete: Sie sind der Vorsteher der Gemeinde? — Dr. Rosenbacher: Zu Befehl, Majestät, seit 12 Jahren. Ich chatte schon vor zehn Jahren vor Eurer Majestät die Huldigung unserer Gemeinde zu überbringen. — Kaiser: Ja, ich weiß. Es ist sehr verdienstvoll, dass Sie das Amt so lange führen. Die Gemeinde hat sich sehr vergrößert? -- Dr. Rosenbacher: Nach der letzten Volkszählung zählte Prag 19,000. oie Vororte 8000 Juden, sämmtliche treue Unterthanen Eurer Majestät. — Der Kaiser erwiderte huldvollst r Das weis; ich, ich weiß dass ich mich auf sie verlassen kann. Wien. (C a n t o r e n t a g.) In der Dienstag, den 11. d. M., stattgehabten Vorstanvssitzung des „Oesterr.-unzar. Cautoren-Bereines" wurde der definitive Beschluss gefasst, noch im heurigen Sommer einen Cantorentag in Wien abzuhalten. Der genaue Termin und die Detailsdes Programines werden erst in der nächsten Dienstag stattfindenden Sitzung sengestellt,. und werden wir in nächster Nummer über beide Sitzungen ausführlich berichten. Wien. Samstag, den 8. d. M. begieng der I. Cantor der Wiener Cultusgemeinde, Herr Moritz Blatt, das Fest der silbernen Hochzeit mit seiner Gattin Therese, geb. Goldmann, aus welchem Anlasse dem Jubelpaare mannigfache Kundgebungen der Sympathie und Anerkennung zu. Theil wurden. Beim Vormittags-Gottesdienste wurde I. Cantor Blatt hoch zur Thora gerufen, woselbst ihm Obercantor Guttmann einen schwungvollen „Mischeberach“ machte. Der Jubilar wurde vom Vorstande mit. dem.Vortrag des Mussafgebetes beehrt und bot eine ebenso erhebende und würdevolle, als auch gesanglich hochstehende Function. Nach dem Gottesdienste gratulirten persönlich Vertreter des Cultus- und Bethaus' Vorstandes, zahlreiche Gemeindemitglieder, eine Deputation des Chor--

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