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Die Wahrheit · 1901-06-14 · Heft 23 (14.6.1901) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 23 (14.6.1901)
Date
1901-06-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 23 Die Wahrheit. Seite 9. personales in der Wohnung des Jubilars, woselbst viele werthvolle und sinnige Geschenke und herzliche Glückwunschschreiben und Telegramme eingelangt waren. Um y2 12 Uhr Vormittags erschien eine Deputation des österr. ungar. Cantoren-Vereines, bestehend aus dem Präsidenten Obercantor Singer, Bicepräses Obercantor Bauer und den Vorstandsmitgliedern PH. Bassel und A. Rotier, und Obercantor Singer richtete folgende Ansprache an den Jubilar: „Sehr geehrter Herr College! Wenngleich eine Silberhochzeit nicht zu den officiellen Festen gehört und wenn, wie wir in Erfahrung brachten, es auch abseits Ihrer Anschauung lag, dieselbe öffentlich zu begehen, so nehmen wir, der Vorstand des österr.-ungarischen Cantorenvereines, dennoch gerne die Gelegenheit wahr, um am heutigen Tage bei Ihnen zu erscheinen und Ihnen und Ihrer werthen Familie innige und tiefgefühlt: Segenswünsche entgegenzubringen. Diese Segenswünsche resultiren eine Dankesschuld, welche das j jüdische Cantorenthum, Ihnen, sehr geehrter Herr College, nach zweifacher > Richtung abzutragen verpflichtet ist. Zuvörderst den Dank des Oesterr.- j Ung. Cantorenvereines, dessen Agenden Sie seit vielen Jahren ebenso j hingebungsvoll als aufopfernd und ausgezeichnet besorgen und dessen j Interessen Sie bei jeder Gelegenheit mit Rath und That zu fördern! bereit sind; hauptsächlich jedoch den Dank aller besser denkenden Cantoren i für die wahrhaft ideale Ausgestaltung Ihrer Persönlichkeit als Cantor! und Mann, im Amte, wie im Leben, welche Persönlichkeit aufstrebenden! jüdischen Cantoren geradezu als Musterbild hingestellt werden muss.! In der jetzigen ernsten Cantorenzeit, wo die leeren Blätter so! mächtig rauschen, wo sogenannte Cantoren nicht durch Kenntnisse und! ehrliche Arbeit sich Anerkennung zu verschaffen^ suchen, sondern durch! Unbildung und Vordringlichkeit das Urtheil trüben und dem jüdischen j Cantorenthume unheilbare Wunden schlagen, in dieser ernsten Zeit, sage ich, ist es eine wahrhafte Herzensfreude, auch einem Blatte zu begegnen, dessen Lebenszeilen eine Fülle idealer Anschauungen, tüchtiger Arbeit und ehrlichen Strebens aufzuweisen haben; dieses so gezeichnete Blatt, sehr -geehrter Herr College Blatt, ist ihr Lebensblatt. Wir hoffen und wünschen, dass dasselbe, so wie es heute verklärt durch den Silberglanz Ihres Lebens vor uns liegt, wenn der heutige Festtag nach einer Reihe! von Jahren wiederkehrt, im hellen Goldglanze erstrahlen wird zu Ihrem ' Segen, zum Glücke Ihrer werthen Familie und zur Ehre des Cantoren-! thums. Als Zeichen unserer Wertschätzung und zum Andenken an den; heutigen Tag erlauben wir uns ein kleines Angebinde zu überreichen! und bitten Sie, dasselbe von uns entgegennehmen zu wollen; und obgleich dieser Pokal noch nicht mit Wein gefüllt ist, erlaube ich mir dennoch, denselben zu erheben und die geehrten Anwesenden zu ersuchen, mit mir in den Ruf einzustimmen: Herr College I. Cantor Blatt und seine werthe Familie, sie leben hoch! hoch! hoch! (Allgemeine Hochrufe.) Tiefgerührt dankte Cantor Blatt für die ihm erwiesene Eh rung seitens seiner Collegen, die ihm als die schönste Auszeichnung zu seinem j Familienfeste erscheine, und versicherte, seine Kräfte auch fernerhin dem! Wohle und der Förderung der collegialen Vereinigung zu widmen^.Den! ganzen Tag über währte der Zuzug der Gratulanten und am Abend! vereinigte sich der engere Familien- und Freundeskreis zu einem! heiteren Festmahle. > Mien. Montag, den 10. Juni ist nach längerem Leiden der allgemein bekannte und hochgeschätzte Besitzer des ..Hotel Europe", Herr Marcus Winternitz, im 56. Lebensjahre gestorben.. Sein früher Hingang wird von den Seinen, von zahlreichen Freunden und Bekannten, sowie von vielen Armen und Nothleidenden, denen er mit mildthätigem Sinne und freigebiger Hand hilfreich beigestanden ist, tief betrauert. Bei dem Leichenbegängniße, welches Mittwoch, den 12. d. M., um 10 Uhr Vormittags, stattfand, waren die Cultusvorsteher Dr. Marcus Spitzer und kaiserl. Rath Wilhelm Pollak, Bethausvorsteher Stiaßuy, Rabbiner Papo, die Obercantoren Singer und Bauer, Cantor Löwit, Secretär Fuchs, Architekt Kestl, Hotelier Seiler, die Restaurateure Guth, Khuner, Tonello und zahlreiche Freunde anwesend. Die Trauerfunctionen versahen Rabbiner Dr. Schmiedl und Obercantor Guttmann. Möge die lieft etrübte Gattin, die mit dem Verblichenen in 33jähriger, glücklicher Ehe Freud und Leid theilte, in der allgemeinen Theilnahme einen schwachen Trost -finden für den herben Schmerz, den Gottes Rathschluss ihr und ihrer Familie beschieden hat. rra'x'j'n Wien. Der Verein „Tefillath haneoriin^ (Jngendandacht) Ivird für die hohen Feiertage des heurigen Jahres einen feierlichen Gottesdienst in dein großen und geräumigen Vereinsjaale des „Jüdischen Volksvereines", II., Leopoldsgasse 46, abhalten. Der Zweck dieses Vereines besteht darin, der Schuljugend armer Eltern und verwaisten Kindern au den hohen Feiertagen Gelegenheit zu geben, unter besonderer Aufsicht einem rmetttgeltlichen Gottesdienst beizuwohneu. Weitere Bestimmungen werden zur Zeit in den meisten jüdischen Zeitungen als auch durch Anschlagzettel an den Tempeln bekannt gemacht werden. Der Obmann dieses gewiss unterstützungswürdigen Vereines ist Herr Joachim Gollerstepper. ' Hteiwitz. Am 29. v. M. starb in Dresden Herr Adolf Schlesinger, Großkaufmann von hier. Einen herben Verlust hat unsere Gemeinde durch den Heimgang dieses vornehmen, edlen Mannes erlitten. Einer der vornehmsten und hochgeachtetsten Bürger unserer Stadt, bekleidete er durch -Jahre das Amt eines Stadtverordneten. Dem Vorstände der hiesigen Gemeinde gehörte er 28 Jahre hindurch als ein außerordentlich verdienstvolles Mitglied an. Viele Arme und Bedrückte denen er ein Helfer und Berather war, stehen trauernd an seinem Grabe. Die feierliche Beisetzung des Entschlafenen legte Zeugnis von dem Rufe und der Beliebtheit desselben ab. Nachdem die irdische Hülle von Dresden hierher überführt worden war, bahrte man dieselbe in der Villa des Verstorbenen auf, von wo aus am Sonntag den 2. d. M. die Beisetzung erfolgte. Eine unübersehbare Menschenmenge hatte sich eingefunden, um den Entschlafenen die letzte Ehre zu erweisen, darunter der Magistrat und das Stadtverordneteneollegium, der Vorstand und das Repräsenta rteucollegium rc, — Nachdem um 11 Uhr die beiden ersten Function'ice, Herr Rabbiner Dr. Münz und Herr Obercantor Dawidsohn, erschienen waren, leitete letzterer die Trauerfeier im Hause mit dem erschütternden Klagegesang Adonoj moh odom unter Assistenz des Min recgaarre.ts des hiesigen Synagogenchores ein. Hierauf hielt Herr Dr. M ü u; in gewohnter, formvollendeter Weise eine Ansprache, in der er die Vorzüge des Entschlafenen pries. Nach dem weihevollen Vortrag des des deutschen Liedes „das Leben welkt w.e Gras" durch Herrn 2bercantor Dawidsohn setzte sich der imposante Leichenznz in Bewegung. — Am Grabe angekommen, hielt Herr Dr. Münz nach dein Gesang oec Unrnr-tomim-Gebetes di^ Grabrede unter Z tgrundelegung des Ter-.es : „Süß ist der Schlaf des Arbeiters". Noch einmal erinnerte er an all die Vorzüge des edlen Mannes und nahm in bewegten Worten Abschied von dem theuren Entschlafenen. Unter den Klängen des Sulzer'schea sj'üwUii, den der gefammte Synagogenchor nun anstimmte, wurde der Sarg in die Gruft gesenkt. Leicht sei ihm die Erde. — Herr Obercantor Dawidsohn, der in ehrenvoller Weise und ohne dass er sich beworben, von der Berliner Gemeinde zu einem Gastvortrag in der neuen Synagoge eingeladen war, hat denselben unter außerordentlichem Beifall am Freitag, den 31. Mai und Samstag den 1. Juni abgehalten und steht wie wir erfahren, seine Wahl bevor. Ungern würde die hiesige Gemeinde den jungen Künstler, der sich trotz seiner kurzen hiesigen Amtsthätigkeit einer außerordentlichen Beliebtheit zu erfreuen hat, von hier scheiden sehen. Cr. Alarienöad. Der bekannte hiesige Hotelier, Herr Emil B a r u ch, eröffuete in den jüngsten Tagen sein neuerbautes, mit allem modernen Comfort prachtvoll ausgestattetes Hotel New-Pork. Den jüdischen Cnrgästen in Marienbad dürfte dieses neue Etablissement besonoers erwünscht fein, und wir erlauben uns darum unsere Leser auf dasselbe besonders aufmerksam zu machen. Audapest. Vorletzten Freitag Abend und Samüaz während des Hanptgottesdienstes fungirte zur Probe Obercantor J'rael Licht ans Przemisl im großen Tempel in der Tabakgasse, und ha: dermaßen gefallen, dass er sofort mit Scim neneinhelligkeit zun Cantor der Beste r isr. Religionsgemeinoe gewählt wurde. Licht hat eine höchst klangvolle Baritonstimme und verfügt über eine herrliche Coloratnr. Er ist ein sehr angenehmer Sänger, der durch seinen bestrickenden Gesang seine Zuhörer zu fesseln versteht. Ruhig und würdevoll steht er vor dem Vorbeterpalt und keimt keine störenden Gestikulationen. Dabei ist sein Vortrag deutlich und sehr angene m Rechnen wir hiezu -ein sympathisches Aenßeces, sein bescheidenes Auftreten, seine musikalische Begabung, sein hebräisches Wissen und seine Versirtheit in der jüdischen Liturgie, so können wir die erfolgte Wahl nur gutheißen. Piakovar. Freitag, den 7. Juni inspicirte Se. Ereellenz, der Cultuschef Pavic ans Agram, die hiesigen Schulen uns Gotteshäuser. Um 9 Uhr Vormittags erschien Se. Exceilen; in Begleitung der hiesigen Notabilitäten in unserem Gotteshause, wo er vom gesamnten Eultusvorstande empfangen und vom Präsidenten, Herrn Adolf Kohn, mit einer schwungvollen Ansprache begrüßt wurde. Obercantor Weißmann sang mit dem trefflich geschulten Damenchor unter Orgelbegleitunz das „Hallelujah" und die Volkshymne. Excellenz Pavic war von unserem schönen und herrlichen Gotteshause entzückt und sprach beim Verlassen desselben über die vortreffliche gesangliche Leistung ses-Obercantvrs und des Chores seine besondere Anerkennung aus. Se. Ercellenz erwies im Laufe des Ta;es unserem Präsidenten auch die Ehre seines Besuches. Schwerhörigkeit. Eine reiche Dame, welche durch Dr. Nicholson's Künstliche Ohrtrommeln von Schwerhörigkeit und Ohrensausen geheilt worden ist, hat seinem Institut ein Geschenk von 25.000 Marks Übermacht, damit solche taube und schwerhörige Personen, welche nicht die Mittel besitzen, sich die Ohrtrommeln zu verschaffen, dieselben umsonst erhalten können. Briefe wolle man adreffiren: Nr. 8962. Das I nß stitut Nicho lv „Longeott," Gnnnersbury, London, W.

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