Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 23 (14.6.1901)
- Date
- 1901-06-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23. .. Die Wahrheit. Seite 7. zur Ehre gereichten. Von diesen werden nun 4 Zöglinge im laufenden Jahre als absolvirte Ackerbauschüler die Schule verlassen und in Oekonomien unterzubringen sein. Von den zur vorläufigen Praxis bestimmten Zöglingen haben wir 5 in Gärtnereien untergebracht, von denen wir die Besseren in Gärtnereifachfchuleu auszubilden, und mit der Zeit, nach entsprechender Praxis, selbstständig zu machen beabsichtigen. Zur Heranbildung von Ackerbauern haben wir im vergangenen Jahre 2598 Kronen und 9 Heller verausgabt, für das laufende Jahr wurden für diesen Zweck 4200 Kronen präliminirt und es ist unser Wunsch, diesen Ausgabsposten, insoferne es unsere finanziellen Verhältnisse erlauben, und sich zur Ausbildung geeignete Knaben melden werden, von Jahr zu Jahr zu erhöhen. % Gemeinde- und Vereinsbote. Wien. In den allgemeinen Audienzen hat letzten Montag der Kaiser die aus der Präsidentin, Frau Sophie G r ü n f e l d, und den Herren kaiserlicher Rath N. Sch esste l und kaiserlicher Roth Johann L i ch t e n st a d t bestehende Deputation des Ferienheims empfangen. Frau Grünfeld dankte ehrerbietigst dafür, dass der Monarch gestattet habe, dass das aus Anlass des Regierungs-Jubiläums des Kaisers neugegrüudete Ferienheim den Namen »Kaiser Franz Josef-Ferienheim^ führe, und fügte hinzu, dass am 16. d. M. die feierliche Einweihung dieses Hauses, das 325 Kinder während des Sommers beherbergen werde, stättfinden wird. Frau G r ü n f e l d unterbreitete die ehrfurchtsvolle Bitte, Se. Majestät möge dieser Feier beiwohnen. Der Monarch erwiderte, es habe ihn gefreut, den Wunsch des Vereines erfüllen zu können, für dessen patriotisches Wirken er seine volle Anerkennung ausspreche, erkundigte sich daun über die Vereinsverhältnisse und nahm mit Wohlgefallen die Mittheilung der Präsidentin entgegen, dass schon über 3000 Kinder versorgt worden sind, dass die Knaben während des Ferienaufenthaltes militärische Abrichtnng erhalten und dass die kranken Kinder nach Bädern, wie Darkan und Hall, gesendet werden. Der Kaiser wiederholte, dass es eine sehr dankeswerthe Bemühung sei, für die armen Kinder zu sorgen, und erkundigte sich dann auch über die Thätigkeil des Vereines, wobei der Monarch abermals sich sehr lobend über die Vereinsziele aussprach. In gnädigster Weise wurde sodann die Deputation entlassen. Das Programm der Sonntag, den 16. d. M., zu Tischnowitz in Mähren stattsindenden feierlicken Einweihung wurde wie folgt festgesetzt i Abreise 7 Uhr 28 Min. Früh (Cilzng) Staatsbahnhof, (11 Uhr Sonderzug Brünn—Tischnowitz.) Empfang der Festgaste in der Colonie, Begrüßungsansprache der Präsidentin und Gründerin des Vereines, Frau Sophie Grünseld, Festrede, gehalten von Rabbiner Dr. Feuchtwang, Rundgang und Besichtigung der Colonie, gemeinsames Mahl, Rückfahrt mittelst Sonderzuges von Tischnowitz nach Brünn, Ankunft in Wien 10 Uhr Abends (Eilzug) Nordbahnhof. — Montag fand vom Nordbahnhofe ans die Abreise der ersten heurigen Colonienserie statt. Es wurden 100 Kinder nach Tischnowitz und 50 nach Petrau befördert. Wien. Die am 5. Juni, 6 Uhr Abends, unter dem Vorsitze des Präsidenten, kais. Rath Klinger, abgehaltene Plenarsitzung war znm großen Theile der Erledigung dringender Stiftungs-Angelegenheiten gewidmet. Auf Grund der Anträge der Rechtssection (Referent erster Vice-Präsident Dr. Stern) wurden nachfolgende Stiftungen, bezw. Widmungen, in die Gemeinde-Verwaltung neu übernommen: die Ludwig und Regina König-Stiftung mit einem Capitale von Kr. 2000 zur Zinsenvertheilung an einen armen, verwaisten Knaben und ein armes verwaistes Mädchen an den Sterbetagen der Stifter; die Stiftung des Herrn Samuel Kolisch zum Andenketl an seinen Bruder Jgitatz Freiherrn von Ko lisch per Kr. 20.000 zur Verkeilung der Jahreszinsen an Arme, in erster Linie Verwandte; die Carl Pollak'sche Graberhaltungsstiftung per Kr. 1400. Ueber weiteren Antrag der Rechtssection wird beschlossen, bei der Stiftungsbehörde eine Abänderung des Stiftsbriefes der Ignaz Ritter von Liebenberg'schen Graberhaltnngsstiftung unter Aufrechterhaltung des Stiftungszweckes zu erwirken; des Ferneren wird einer Modifikation der zu errichtenden Sigmund und Regine Kauders'scheu Ausstattung-Stiftung nach dem Wunsche des Stifters zugestimmt. Nach dem Anträge der II. Sektion werden die Modalii täten der Activirung der von Herrn Davio Ritter v. Gutmann i gegründeten Dr. Avals Jellinek-Widmnng und der vom Bor-! stände ereilten Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl-Widmung beschlossen.! Die Referate über die Verleihung der nachfolgenden Snf-! tungen werden genehmigt: die Elise Herrsche Heiratsausstattungsj Stiftung im Betrage von Kr. 840 an eine arme jüdische Braut; j die Emanuel Bnnzl'sche Stiftung für Blinde im Betrage von! Kr. 152 an fünf Petenten; die Jda und Nathan Figdor'sche j Stiftung per Kr. 16 au eine arme Wöchnerin; die Bernhard Friedmaun'sche Stiftung für israelitische Arme im Betrage von je Kr. 20 an vier Arme; die Charlotte Kuffner'sche Stiftung per Kr. 710 an sechs arme Verwandte; die Josef und Cäcilie Adler'sche Stiftung per Kr. 240 an sechs Petentinnen; die Ignatz nnd Rosalia Wölfische Krankenftiftnng per Kr. 200 an drei arme Kranke; die Clara Krasnopolsky - Stiftung per Kr. 110 an sieben Arme; die Elise G. A. Gerson'sche Heiratsausstattungs - Stiftung per Kr. 800 an ein armes jüdisches Brautpaar; die Alfons und Theodor von Glaser'fche Stiftung per jährlich Kr. 82 an einen armen jüdischen Gymnasiasten für die Dauer seiner Gymnasialftndien; die Otto Cohn'sche Stiftung im Betrage von je Kr. 140 an drei arme jüdische Realschüler; die Rosa Adler, geb. Aljchech- Stiftung per Kr. 16 an eine Arme; die Ignaz Blumseld'jche Künstlerstiftung Per circa Kr. 2000 an den von der Jury bestehend ans den Herren Ignaz Brüll. Julius Epstein und Karl Goldmark primo loco vo: geschlagenen Violinvirtuosen Heinrich Weiters bildeten Eingaben des Brigittenauer und Simmeringer Bethansvereines Gegenstand einer längeren Berathung. An Spenden sind eingelanfen: Von Frau Emma Wolf aitlässlich der Genesung ihres Vaters für Arme des XI. Bezirkes Kr. 1000 zur Vertheilnng in 5 Jahresraten, ans den Sammelbüchsen im Stadltempel für arme Glaubensgenossen in Palästina Kr. 85.85. Lemöerg. (Die Wahl der fünfzehn Cultusräthe.) Die'Wahl in den Cultusrath ist vorüber. Der Cultusvorstand hat die zu wählenden Candidaten der Gemeinde dictirt, und so erscheinen die Alten wieder aus dem alten Platze. Leider konnte ein ähnlicher Vorgang nicht auch bei den aus der Reihe der Lebenden Geschiedenen stattfinden, und die vacanten Stellen mussten mit neuen Männern besetzt werden. Wie kaum je demonstrirte' der gegenwärtige Wahlvorgang die ganze Trostlosigkeit der Situation der Lemberger Gemeinde. Da nur die Tempelsteuer das Recht aus actives und passives Wahlrecht einräumt und die Geschäftslosigkeir einen großen Theil abhielt, die Cultusbeiträge zu leisten, da ferner keine Vereinsorganisationen vorhanden sind, um sich Gehör und Achtung zu verschaffen, so überließ man die Wahlcampagne den routinircen Machern. Ebensowenig konnte der Zionismus sich mit der Wahl zu schassen machen, da die Zionisten der conservativen Richtung nicht das Zeug haben, um activ auszutrete», die akademischen Zionisten aber gar keine Vereinigung besitzen. Unsere Schomerianer bleiben also im Vorstande, bis sie von einer anderen Richtung abgelöst werden, hingegen hat das Stürmen und Drängen der Ueberbleibsel jener assimitilorisch:n Bande, die nur ein „polnisches" Zudenthum, ein Nochjudenthum progagirten und die das große Verdienst für sich in Anspruch nehmen dürfen, die 12,000.000 der Hirsch-Stiftung nicht zur Verbesserung der Lage des Kausmanns- und Handwerksstandes, sondern der Polonisirung ausgeliesert zu haben, nichts genützt. Danken wir der Vorsehung, dass es so gekommen ist. Gott behüte uns vor unseren Freunden, „den Polen mosaischer Confession", gegen die christlichen Antisemiten wollen wir uns selbst schützen.