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Die Wahrheit · 1901-06-14 · Heft 23 (14.6.1901) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 23 (14.6.1901)
Date
1901-06-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Dte Wahrheit. Nr. 23. Nur gute jüdische Volks- und Mittelschulen können dem Judenthume und der bürgerlichen Gesellschaft zum Nutzen gereichen. Wir Jüdin brauchen dabei gar nicht zu befürchten, dass unsere Kinder durch diesen Mehraufwand an geistiger Arbeit geschwächt würden. Die vielhundertjährige Erziehungsgeschichte unseres Volkes lehrt uns geradezu, dass die jüdischen Kinder geschärfter an Geist, leistungsfähiger aus der Talmudschule hervorgingen, als die Studien- und Altersgenossen aller arischen Lehranstalten. Unsere weltbewunderten Talente haben gerade in jenen Dunkelkammern, in denen talmudisch-philosophisches Wissen getrieben wurde, ihre Jugendzeit verbracht, und obschon sie sich nicht an dem Fette des Borstenviehes noch an Lessen Schenkeln satt gegessen haben, ein hohes Alter erreicht. Unsere heilige Lehre, welche fast wie unbeabsichtigt das jüdische Leben hygienisch gestaltet, sichert ihrenBefolgern ein langes, gesundes Dasein, und die Worte noratn by DM3 'v'1 DD'ö’ 131' fyöb ,,Auf dass Deine Tage, wie die Tage Deiner Kinder sich mehren auf der Erde" sind kein leerer Wahn. Das echtjüdische Israel hat diese Verheißung seit Jahrtausenden bestätigt. Aus den vorangegangenen Ausführungen wird man gewiss entnehmen, dass wir unsere Forderung itach jüdischen Schulen keineswegs aus Christenhass, noch weniger aber aus Zelotismus ausstellen, sondern geschichtliche Erkenntnis gepaart mit den Ergebnissen der modernen Erziehungsmethoden haben uns hiezu geleitet. Die Schule, die ich meine, muß unseren jüdischen Volkselementen mehr geistigen Schwung verschaffen. Dem Arier wird das Fortkommen seitens des Staates und der Gesellschaft viel leichter gemacht, als dem Inden, und darum muß der letztere mit doppelter Bewaffnung in den Kampf ums Dasein ziehen. In der rechten Hand das Schwert des jüdischen Geistes, in der linken das Schwert der profanen Wissenschaften, das er aber auch nicht linkisch führen darf. Nur eine solche Jüdische Generation kann und wird siegen über Raum und Zeit, und nur in jüdischen Schulen können unserem Volke wiederum jene Größen herangebildet werden, die in der Assimilationsära ganz verschwunden sind. Wer die Schule besitzt, den» gehört die ^Zukunft des Volkes. Dr. Rüben Vierer. Augar.-israel. Handwerks- und Äckerbau-Vereiu. (Schluss.) Im vergangenen Jahre haben wir an angehende Meister, beziehungsweise zur Selbständigmachnng ehemaliger Vereinszöglinge aus unseren Stiflungv-Fonden zusammen 6240 Kr. Ü0 Heller an Unterstützungen bewilligt. Hievon wurden aus der Stiftung weil. Markus und Babette Pollak 2 Goldarbeiter, 2 Elektrotechniker, 1 Drechsler, 1 Tapezierer, 1 Schmied, 1 Bandagenmacher, 1 Schlosser und 1 Graveur, aus der weil. Emilie Singer-Stiftung 1 Ledergalanteriearbeiter mit Unterstützungs-Betragen von 300—1000 Kr. betheilt. Hiemit in Verbindung können wir jedoch nicht umhin, der Besorgnis Ausdruck zu verleihen, welche die ungünstige Gestaltung derKleinindustrie'bezüglich des erwünschten Prosperirens unserer neuetablirten Handwerksmeister zu erwecken geeignet ist und zu ernstlichen Erwägungen darüber Anlass gibt: ob es -gegenüber den veränderten Verhältnissen nicht geboten erscheine, Eventuell mit Anwendung der Priucipieu der Association und Cooperation, neue Wege und Mittel aussiudig zu machen, um für die erfolgreiche Verwendung der durch der Verein gewährten Ctablirnngs-Uiiterstütznngen erhöhte Garantien zu schaffen. II. Ackeröau-Zögkinge. Mit der Zunahme seiner materiellen Leistungsfähigkeit war auch unser Verein bestrebt, seinen auf die Heranbildung von Ackerbauern bezüglichen Aufgaben in erhöhtem Maaße zu Entsprechen. Immerhin ist es zu bedauern, dass die Beschränktheit der zu Gebote stehenden finanziellen Mittel eine größere Kraft- Entfaltung in dieser Richtung nicht gestatten und dass die gegenüber diesen Bestrebungen herrschende Gleichgültigkeit itnd Skepsis uns nur ein sehr langsames Vorwärtsschreiten gestatten. Und doch wäre angesichts der kümmerlichen Lage der ärmeren Volkselemente unserer Glaubensgenossen, angesichts der Verminderung ihrer von Alters gewöhnten Erwerbsquellen und der dadurch verursachten Verschlechterung der Erwerhsverhältnisse, wie auch mit Hinblick auf die Gestaltung der allgemeinen Lage, ein rasches Vorgehen und eine in größeren Verhältnissen angelegte Aktion dringend geboten. Von Jahr zu Jahr verkünden wir es und können es nicht genug wiederholen, dass — wofür auch der unsterbliche Philanthrop Baron Hirsch in anderen Ländern ein so hochragendes Beispiel gab — dem Elende der die Wohlthätigkeit ihrer bemittelten Glaubensgenossen unaufhörlich bestürmenden ärmeren Volksmaffen des Judenthums nicht durch das herkömmliche, demoralisirende Almosenspenden, sondern durch eine gründliche Aenderung der auf zweifelhaften und ungewissen Grundlagen ruhenden Existenzverhältnisse, durch ein Ueberlenken der Kräfte zuförderst der jüngeren Generation in neue Bahnen, insbesondere zum Ackerbaubetriebe, geholfen werden muss. Wir hoffen, dass unser schwaches Wort, durch die dem Gedanken innewohnende Kraft sich schließlich Gehör erringen wird, auf da's unsere wohlthätigen Glaubensgenossen mit uns fühlend und mit uns vereint, sich zur That aufraffen und eine solche Schöpfung zu Stande bringen werden, welche dem Zwecke der Ausbildung von jüdischen Ackerbauern dienend, nicht nur konfessionelle, sondern auch nationale Interessen zu fördern berufen fein wird. Die entsprechendste Form einer solchen Schöpfung, die auch auf die Unterstützung der hohen Regierung zählen könnte, wäre die durch das verdienstvolle Ansschussmitglied Herrn Moriz L ö w y angeregte und in unserem vorjährigen Generalversammlungsberichte bereits erwähnte Oekonomieanlage zur Erziehung von Ackerbauzöglingen, für welche der Antragsteller als ersten grundlegenden Betrag 10.000 Kronen für den Fall angeboten hatte, wenn eine gleiche Beitragsleistung von 20 gründenden Mitgliedern gewonnen werden köirnte. In Ermanglung einer solchen Anlage befolgen wir jeweilig den Vorgang, dass wir die für den Ackerbau bestimmten Zöglinge behufs ihrer Ausbildung in staatlichen Ackerbauschulen unterbringen. Bei diesem Modus jedoch, wobei die Ausbildung eines Zöglings, während der Dauer eines zweijährigen Lehrkurses (jäh.lich 300 Kronen Verpftegskosten, 200 Kronen Bekleidungs- und sonstige Kosten) insgesammt 800 Kronen erfordert, kann unser Verein, seinen finanziellen Mitteln Rechnung tragend, die Zahl feiner Ackerbauzöglinge nur in geringem Maaße vermehren. Unsere hierauf gerichteten Bestrebungen werden überdies durch den Umstand erschwert, dass die überwiegend aus städitschen Elementen sich meldenden Zöglinge vor ihrer Aufnahme in den Ackerbauschulen, einer gewissen physischen und moralischen Vorbereitung, sozusagen einer Trainirnng bedürfen, und in Ermangelung einer zu solchen Zwecken geeigneten Oekonomieanlage müssen wir diese Zöglinge zur vorläufigen Praxis in Privat-Wirthschaften unterdringen, wobei wir jedoch die bedauerliche Erfahrung machten, dass unseren diesbezüglichen Ansuchen und Aufforderungen nicht die erwünschte Berücksichtigung zu Theil wird. Umso größeren Dank schulden wir für die in dieser Beziehung erfahrene gütige Zuvorkommenheit den Großgrundbesitzern Anton Groß, Sigmund G r o ß, Wilhelm Karsai, Sigmund und Adolf K o h n e r und Paul Sündor, die unseren Zöglingen auf ihren Besitzungen Aufnahme gewährten und hiedurch in der Förderung unserer Bestrebungen ein edles Beispiel boten. Im abgelaufenen Jahre 'hatten wir 4.2 Ackerbauer- Zöglinge; von denen 6 in Ackerbauschulen, 6 behufs praktischer Vorbereitung in Wirthschaften und Gärtnereien untergebracht waren. Mit Befriedigung constatiren wir, dass unsere in den Ackerbauschnlen untergebrachten Zöglinge, trotz ihrer ungenügenden Praxis, tüchtig Stand hielten und sowohl durch ihre Aufführung, wie auch durch ihre ausgezeichneten Fortschritte dem Vereine

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