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Die Wahrheit · 1901-06-07 · Heft 22 (7.6.1901) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 22 (7.6.1901)
Date
1901-06-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 22. ^igen uud 39 Berliner Herren besteht, wurde der geschäftsführende Ausschuss in folgender Weise gebildet: General-Consul Eugen Landau-Berlin, Vorsitzender, Rabbiner Dr. Horovitz- Franksurt a. M., Stadtrath Magnus-Königsberg i. Pr., Dr. Paul Nathan-Berlin, James Simon-Berlin, Vorsitzende, Dr. Isidor Ginsberg-Berlin, Cafsirer, Dr. Hirsch ^Hildesheimer- Berlin, Schriftführer, Justizrath Cassel.Berlin, Schriftführer, Rabbiner Dr. Maybaum-Berlin, Prof. Dr. Badt-Breslau, Senator Leop. Fischer-Linden bei Hannover, Rechtsanwalt Mann- Stettin, Geh. Regierungsralh Mayer-Karlsruhe i. B., Dr. H. C. Plaut-Hamburg, Rabbiner Dr. Werner-München, Rabbiner Dr. Winter-Dresden, Albert Simon-Köln. Nach Constituirnng des Bureaus wurde der folgende Aufruf einstimmig angenommen, der in alle Gemeinden Deutschlands verselldet werden soll. „Glaubensgenossen! Seit dem Jahre 1860 besteht die Alliance israelite universelle; seit dem Jahre 1871 haben sich oie englischen Juden zur Anglo Jewisli Association zusammengcschloffen; seit 1873 gibt es in Oesterreich die „Israelitische Allianz." In allen größeren europäischen Staaten mit einer erheblichen jüdischen Bevölkerung haben unsere Glaubensgenossen, sofern ihnen dies durch die Gesetze des Landes möglich war, Vereinigungen gebildet, um an der sittlichen und intellectuellen Vervollkommung und der socialen Hebung Jener zu arbeiten, die mit ihnen durch die Bande der Religion verknüpft sind, und die ein widriges Geschick in geistiger Armuth und in leiblichem Elend zurückgehalten hat. Alle diese Vereinigungen wirken harmonisch nebeneinander an der Aufgabe edlen Menschenthums, die sie sich gestellt haben; gegenseitig sich aneifernd, bald sich gemeinsam bethätigend, bald sich ergänzend, indem jeder einzelne Verband jene nationale Cultur, die ihn umgibt und der seine Mitglieder sich angeschlossen haben, lichtspendend in die Noth der dahinsrechenden Judenheit Osteuropas und der orientalischen Länder hinauszutragen sucht. Bei diesem segensvollen Zusammenarbeiten fehlten bisher die Juden Deutschlands als selbstständig organisirte V:reinigung. Diese Lücke ist jetzt ausgefüllt worden. Vielfach werden wir mit den Schwester- Organisationen jenseits unserer Grenze in engster Gemeinschaft zusammenarbeiten, aber selbstständig wollen wir als deutsche Juden deutsche Sprache und deutsche Cultur jenen unserer Glaubensgenossen bringen, denen der Anschluss an unser geistiges Leben für ihr wirthschastliches Fortkommen und für ihre intellectuelle Entwicklung das Gebotene ist. Diese Erwägungen waren es, die die Unterzeichneten veranlasst haben, den Hilssverein der deutschen Juden in das Leben zu rufen. Wir senden Ihnen, hochgeehrter Herr, ein Exemplar unserer Stat> und bitten Sie, unserer Vereinigung beizutreten und unter unseren I iaubensgenossen für den Hilssverein wirken." Bis zum Herbst hofft das Comile mit den Vorarbeiten fertig zu werden und für den „Hilfsverein der deutschen Juden" auch die materielle Basis geschaffen zu haben, um dann die Praktische Arbeit zum Wo hle bedrängter Glubensgenossen beginnen zu können. Das walte Gon! Moses Ehrlich. Die Pester israelitische Religionsgemeinde hat einen schweren Verlust zu betrauern: eines ihrer würdigsten Mitglieder, Herr Moses Ehrlich, Präsident der Pester Chewra Kadischa, ist nach kurzer Krankheit, am 28. Mai, im 73. Lebensjahre gestorben. Moses Ehrlich war vordem eine der sympathischesten Persönlichkeiten des Szolnoker Komitats und lange Zeit auch Mitglied des Komitats-Ansscbusses. Vor etwa vier Jahren trat er, von ungetheiltem Vertrauen umgeben, ob feiner Biederkeit und feiner Menschenfreundlichkeit hochgeachtet, als Präsideut an die Spitze der Pester Chewra Kadischa, dieses größten und meist in Anspruch genommenen Wohlthätigkeitsvx ieins der Hauptstadt, dem er, voll Aufopferung, fast seine 3 anze Zeit, alle feine Kräfte widmete, und den er nach jeder Richtung auf der Höhe seiner Aufgabe zu erhalten wusste. Auch die Pester Lloyd-Gesellschaft verliert in dem Dahingeschiedenen ein hochgeachtetes Mitglied, das viele Jahre lang dem Ausschüsse dieser Gesellschaft angehörte. Der Tod trat fast unvermittelt an den trefflichen Manu heran. Noch vor etwa acht Tagen hatte er der Generalversammlung des seiner Leitung anvertrauten Vereines präsidirt, und schon Tags darauf lag er zu Tode krank danieder; eilt Schlagfluss hatte seinem thätigen, der ehrlichen Pflichlerfüllung und dem Wohlthun gewidmeten Leben ein jähes Ende bereitet. Sein Andenken wird von Allen, die ihn gekannt, von Allen, denen er Freund und Helfer gewesen, in Ehren gehalten werden. Zum Zeichen der Trauer um das Ableben Ehrlich's haben die Pester Lloyd-Gesellschaft, die Pester ifr. Religionsgemeinde uud die Pester Chewra Kadischa Trauerfahnen ansstecken Jaffen. Die Chewra Kadischa gab auch folgende Traueranzeige ans: „Die Vorstehung und der Ausschuss der Pester Chewra Kadischa zeigen mit aufrichtiger Trauer an, dass ihr hochverdienter Präsident, Herr Moses Ehrlich, im 73. Jahre seines segensreichen Lebens, am 28. d. M., 11 Uhr NachtS gestorben ist. In dem Verewigten verlor unsere Chewra Kadischa einen hingebungsvollen, begeisterten Führer, unser Wohlthäügkeitswesen eine hochherzige. Stütze, unsere CoufeffioueUeu Bestrebungen einen allezeit opferwilligen Förderer. Bewahren wir pietätvoll das Andenken unseres mit unerschöpflicher HerzeuSgüte begnadeten Glaubensgenossen und des wackeren Patrioten. Die irdischen Reite des Dahingeschiedenen werden am 31. o. M., Vormiltags 9 Uhr, von dem Trauerhause (V., Dorotheagaffe 3) ans nach dem israelitischen Friedhofe nächst der Kerepeserstraße zur ewigen Ruhe geleitet werden." Ueber den Lebensgaug Ehrlich's liegen folgende Daten vor: Moses Ehrlich war Gutsbesitzer im Jäß-Kun-Szolnoker Komilat, an dessen öffentlich m Leven er regen Antheil nahm. Er war Virilist und Mitglied des Komitats-Ausschusses und entwickelte sowohl auf administrativem Gebiete, wie auch auf dem Gebiete humanitärer Bestrebungen eine rege Thäligkeit. Im Jahre 1868 nahm er als Deleginer der Israeliten des Jüß-Kun-Szolnoker Komitats am Jsraeliten-Kongresse theil. Ehrlich war durch Jahrzehnte Ausschussmitglied der Chewra Kadischa und wurde vor vier Jahren, nach dem Ableben des Präsidenten Karl Reuß aus die Präsidenlenftelle berufen. Er war auch Mitglied der Pester Lloyd-Gesellschaft und zahlreicher humanitärer und kultureller Vereine und Jnltilutionen, welche er in munifizentester Weise förderte uuv unterstützte. Zu dem Grasen Julius Szapüry und zahlreichen hochstehenden Persönlichkeiten, welche den patriarchalisch jchlichieu Mann jchätzen, stand er in freundschaftlichen Beziehungen. Freitag, den 31. Mai, wurde Moses Ehrlich unter großer! Betheiligung zu Grabe getragen. Gegen 9 Uhr hauen sich im! Trauerhause zahlreiche Notabilitäten, die Borstehungen der Bndapester und anderer Cultusgemeinden, der Chewra Kadischa, sowie Vertreter von Vereinen und kulturellen Institutionen eingesunden. Obercantor Lazarus leitete die Trauerceremonie mit einem durch den Tempelchor vorgetrageuen Trauerchor ein und Rabbiner Dr. Samuel Kohn hielt eine ergreifende Leichenrede, in welcher er den edlen Charakter des Verstorbenen, insbesondere dessen Menschenliebe und Wohlthätigkeitssinn mit warmen Worten würdigte. Hierauf wurde der Sarg auf den sechsspännnigen Leichenwagen gehoben. Nun setzte sich der schier endlose Zug nach dem Frieoliose in Bewegung. Am Grabe hielten Rabbiner Dr. Kayierling und Stadtrepräsentant Paul Tencer Trauerreden. llngar.-israel. Handwerks- und Äckerliau-vereiu. ^Fortsetzung.) I. Kandwerks-Zögttnge. Das Beispiel der seit nahezu 6 Jahrzehnten aus unserem Vereine hervorgegangenen Tausenden tüchtiger Handwerker ist im Kreise unserer Glaubensgenossen nicht wirkungslos geblieben. Von Jahr zu Jahr melden sich bei unserem Vereine, aus allen

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