Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 22 (7.6.1901)
- Date
- 1901-06-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 22. Die Wahrheit. Seite 5. Aus der Wiener Cultnsgemeinde. (V o r st a n d s s i tz u n g vom 2. Juni 1901 unter dem Vorsitze des P r äs id en t e u k a i s. Rathes Klinger.) An Spenden werden bekanntgegeben.' Bon Herrn Max Ritter von Gutmann, für die Armenanstalt K 400'—, Legat des Herrn Emil Biedermann, für Arme ohne Unterschied der! Eonfession K 400'—, von Herrn Ignatz Spitzer, anlässlich! des Ablebens seiner Gattin für die Chewra-Kadischa K 30'—,! von Herrn Ignatz Spitzer, für Arme K 70'—, durch Herrn | M. I. Jakobson, von Herrn Dr. Alfred Sänger und Frau, anstatt eines Kranzes für den Waifenverein K 25'—, von! Herrn Julius Sänger und Frau, für die Chewra-Kadischa K! 25-—. von Herrn Julius Löwenthal und Frau, für die Chewra-Kadischa K 25'—, von Frau Johanna Lippmann de Manie und Töchtern, für den Verein „Kinderhort" K 25'—, von Frau Katharina Moos, für den Gemeindetempel in Fünfhaus eine Sefer-Thora. Den Spendern wird der Dank votirt.! Vor Uebergang zur Tagesordnung gibt der Präsident! bekannt, dass sich das Comits, betreffend die Frage der Erbauung eines neuen Tempels, durch Wahl des Herrn Reichsrathsabgeordneten Rudolf Auspitz zum Obmann consiituirt habe. [ Namens des Comilvs für das Organisations-Statut des! Siechenyauses berichtet der Referent Herr Dr. Grünfeld, dass j das Comitö in mehreren Berathnngen unter Zuziehung der j ärztlichen Sachverständigen sich zunächst mit jenen Theilen des j Statutes beschäftigt habe, welche der Behörde vorzulegen sind, und zwar: mit der Dienstinstruction für Aerzte und Wartepersonale in der Versorgungsanstalt und mit der Hausordnung der Siechenabtheilung der Versorgungsanstalt.! An der Debatte über dielen Gegenstand betheiligten sich die Herren: Dr. Breuer, Oberfinanzrath Dr. Rappaport, Reichsrathsgeordneler Rudolf Anspitz, Theodor R v. Tanssig, Vicepräfident Dr. Stern und Dr. Steiner. Sohin wird die Dienstinstruction für die Aerzte der Versorgungsanstalt unter Ausschaltung des § 5 der Vorlage, welcher sich nur ans das interne Verhältnis der Aerzte zum Vorstande bezieht, en "bloe angenommen, desgleichen die Di nstordnung für das Wartepersonale. Dagegen wird die Beschlussfassung über die vom Comite bereits durchberathene Hausordnung für die Siechenabtheilung der nächsten Plenarsitzung Vorbehalten. Ueber weitereil Antrag des Referenten Dr. Grünfeld wird die sojortige Concursausschreibung für zwei Hilfsärzte für die Versorgungsanstalt der israel. Cultnsgemeinde beschlossen. Herr Dr. Breuer referirt über die Bildung einer ständigen Commission für Ausnahme in die Versorgungsanstalt. Diesem Comite sollen angehüren: 3 Mitglieder des Vorstandes, die jeweiligen Obmänner der III. Section, des Verforgungshaus- und Spitalscomitös, und als ärztliche Beiräthe der Primarius des israel. Spitales und der Versorgungsanftalts-Arzt. Referent beantragt die Genehmigung der Zusammensetzung des Comitss, sowie angesichts |ber Dringlichkeit die sofortige Vornahme der Wahl von 3 iil das Comite zu entsendenden Vorstandsmitgliedern. Nach einstimmiger Annahme dieser Anträge werden die Vorstandsmitglieder Dr. Breuer, Dr. Grünfeld und Edler v. Mises in die Ausnahms-Commission gewählt. Der Präsident bringt in Erinnerung, dass die Feier der Schlusssteinlegung, welche laut Pleltarbefchlnfs einen internen Charakter tragen soll, Sonntag, den 9. Juni, 11 Uhr Vormittags, statlfinden wird, lind knüpft hieran die Einladung an die Vorstandsmitglieder, an dieser Feier möglichst zahlreich theilzunehmen. Der Vorsitzende ordnet sodann die Fortsetzung der in der Sitzung am 21. Mai abgebrochenen Berathung über den Antrag der II. Section, betreffend die Bildung einer historischen Commission, an. Referent Dr. Steiner resumirt die in der Sitzung vom 21. Mai d. I. gestellteit Anträge. Herr Director Simon tritt nochmals für die Vorschläge der II. Section ein. Herr Salo Cohn spricht aus finanziellen. Gründen gegen den Antrag, desgleichen Dr. Katzau, welcher ausführt, dass diese Angelegenheit nicht Sache einer, wenn auch noch so großen Gemeinde, sondern vielleicht des Gemeindebundes sei. Cultusvorsteher Gewitsch berichtigt, dass er nicht gegen die Sache an und für sich fei, sondern nur gegen die Geldbewilligung aus Gemeindemitteln. Schließlich werden im Sinne der Anträge der II. Section mit Majorität folgende Beschlüsse gefasst: 1. Es ist eine historische Commission zu begründen, welche die Durchführung der österreichischen Archive bezweckt, um mr eine Geschichte der österreichischen Judenschaft das erforderliche Materiale zu sammeln und zu bearbeiten. 2. Um^ dies vorzubereiteu, ist eine Borcommifsion zu bestellen, mit der Aufgabe, ein Actionsprogramm für die zu begründende historische Commission zu entwerfen und dem Cultusvorstande zu unterbreiten. 3. Der II. Section wird zur Deckung der Auslagen der Vorcommission ein Betrag von K. 3000 zur Verfügung gestellt. 4. Als Mitglieder der vorbereitenden Commission werden nominirt (außer Vorstandsmitgliedern) die Herren: Oberrabbiner Dr. Güdemann, Rabbiner Dr. Adolf Schmied!, Rector Schwarz, Prof. A. Büchler, Pros. Alfred PrLibram, Dr. I. S. Bloch, Dr. S. Frankfurter, Dr. Arthur Goldmann, Dr. Michael Holzmann, Dr. Heinrich Müller. Nach Erledigungvon Angelegenheiten des Baucomites (Ref. Herr Oberbaurath Tausfig) und einiger Personalien wird die Fortsetzung der Berathung und Beschlussfassung über die zahlreichen, noch auf der Tagesordnung befindlichen Gegenstände, insbesondere Stiftungsangelegenheiten, vom Präsidenten für Mittwoch, den 5. Juni, halb 6 Uhr Abends, anberaumt. Hilssoereiu der deutschen Juden. In hervorragender Weife haben die Juden und die jüdischen Gemeinwesen und Bereinigungen an der im Vorjahre zu Gunsten der rumänischen Glaubensbrüder eingeleiteten Hilisactiou theilgenommen, aber gerade die Erfahrungen, die bei : diesem Rettnngswerk gemacht wurden, haben es zur Evidenz; gebracht, dass eine zielbewusste und erfolgreiche Action nur von! einer einheitlichen Organisation eingeleitet und durchgeführt werden kann, und führten zur Gründung urid Constituirung des! ,Hilfsverein der deutschen Juden,* die in den letzten Tagen! des vorigen Monates in Berlin stattfand, j In der Versammlung, welcher General-Consul Engen : Land a u - Berlin präfidirte, waren die hervorragendsten jüdischen! Gemeinden und Corporationen Deutschlands vertreten, und die projectirte Gründung, für welche besonders Herr Dr. Paul l Nathan-Berlin unermüdlich thätig war, fand enthusiastische! Zustimmung. Allgemein wurde aber betont, dass es sich keiues-! wegs darum 'handle, den großen in anderen Ländern bereits ■ bestehenden jüdischen Organisationen in den Weg zu treten, ' sondern die hervorragende Thätigkeit der Pariser und Wiener „Allianz*, sowie der „Jewish Association" in London auf deutschem Boden wirksam zu fördern. Der vorgelegte Statuten-Entwurf wurde einhellig genehmigt. Von allgemeinem Interesse sind besonders die Paragraphe 1 und 2, die den Zweck des Vereines folgendermaßen bezeichnen: 1. Der Hilsverein der deutschen Juden, welcher in das Vereinsregister des königlichett Amtsgerichts I Berlin eingetragen werden soll, setzt sich, unter Ausschluss jeder gewinnbringenden Thätigkeit für die Mitglieder, das humanitäre Ziel, die sittliche, geistige und wirthschaftliche Entwickelung der Glaubensgenossen zu fördern. Die Dauer des Vereins wird auf unbestimmte Zeit festgesetzt. 8 2. Der Hilfsverein will seine Thätigkeit insbesondere den Glaubensgenossen im östlichen Europa und in Asien zuwenden. Der Sitz des Hilfsvereins ist in Berlin." Nach Wahl des Central-Comitss, das aus 60 auswar-