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Die Wahrheit · 1901-05-31 · Heft 21 (31.5.1901) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 21 (31.5.1901)
Date
1901-05-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 21. Die Wahrheit. Seite 7. Kreise des Judenthums interessanten Jahresbericht im Nachfolgenden wiederzugeben: »Eines der düsterstell Bilder unserer socialen Uebel ist unzweifelhaft das Elend der Kinderwelt; dasjenige Elend, von welchem das Kind der Armut von der Minute seiner Geburt an, bedrückt wird. Wohl hat die ungarische Gesellschaft und in letzterer Zeit auch die Gesetzgebung Vieles zur Linderung dieses Uebels gethan. Eine ganze Reihe der modernen Wohlthängkeits- Jnstitute: Creche-Anstalten, Kinderspitäler, Kindergärten, Waisenhäuser, Fcrien-Colonien, Vereine zur Beköstigung und Bekleidung von Schulkindern, wirken an einander gereiht, um unmündigen Kindern Rettung und Linderung zu gewähren. Wenn aber das Kind der Armut, unter Beihilfe all dieser Institute heranwächst und der Schule entwachsen in den Kampf um das Brod, in den Kampf um die Existenz hinausgedrängt wird, sieht es sich mit einemmale aus dem Verbände der helfenden socialen Institutionen losgelöst, und das Kind, welches vom lttlmündigen Alter durch so viel liebevolle Fürsorge großgezogen wird, ist llun herangewachsen, schutzlos der Gefahr des materiellen und moralischen Verderbens ansgesetzt. Solch' schutzlosen Kindern mit helfender Hand eine Stütze zu bieten, sie auf den richtigen Weg zu leiten, und sie durch Erziehung zur ehrlichen Arbeit, zum redlichen Broderwerbe zu befähigen, denselben keine momentanen vorübergehenden Beneficien, sondern eine für ihren ganzen Lebenslauf wirksame Hilfeleistung zu gewähren: eine solche richtige Art des Kinderschutzes übt diese vor mehr als einem halben Jahrhundert begründete Institution des ungarischen Judenthums, der ungarische israelitische Handwerks- und Ackerbau-Verein. Mit dieser humatlitären Thätigkeit verbindet dieser Verein das culturelle und civilisatorische Bestreben: durch Erziehung von tüchtigen Arbeitern im Kreise des ungarischen Judenthumes Handwerk und Ackerbau zu verbreiten; durch religiöse, patriotische und fachmäßige Ausbildung seiner Schutzbefohlenen auf die Hebung des sittlichen und intellektuellen Niveaus der ungarischen Arbeiterschaft hinzuwirken und durch die Begründung zahlreicher produktiver Existenzen zur Vermehrung der nationalen Kräfte beizutragen. Bezüglich der Wirksamkeit unseres Vereins waren im verflossenen Jahre dieselben leitenden Prineipien richtunggebend, welche dessen Begründer vor mehr als einem halben Jahrhundert in weiser Voraussicht festgesetzt haben; betreffs der Mittel und Wege waren wir bestrebt, den erhöhten Anforderungen der Neuzeit und der veränderten Verhältniße zu entsprechen. In unserem Wirken wurden wir insbesondere durch die feste Ueberzeuguug geleitet und angeeifert, dass die Aufgaben, für die unser Verein seit nahezu 6 Jahrzehnten thätig ist. im Laufe der Zeiten nichts von ihrer Zeitgemäßheit eingebüßt haben, und dass vielmehr die moralischen und materiellen Existenzinteressen itnserer Glaubensgenossen dazu drängen, die Verwirklichung dieser Ausgaben in größerem Maß stabe und mit erhöhten Mitteln anzustreben. , Wir gewahren mit Freuden, dass die unseren Verein bewegenden Ideen sich immermehr Bahn brechen und dass demgemäß die culturellen und Humanitären Bestrebungen unseres Vereines in immer weiteren Kreisen gewürdigt und unterstützt werden." Nach dankerlder Erwähnung der Stifter, Spender und Gönner des Vereines und jener Damen und Herren, die an der Leitung und Förderung des Vereines hervorragend theilnahmen, so unter Anderen des Herrn Ludwig Adle r, der Frau Jakob Fürst de Maroth, sowie der Herren Jonas Händler und D. H. Spitzer, heißt es dann weiter: »Noch zwei erfreuliche Momente wünschen wir zu erwähnen, welche bezüglich der Erstarkung und des Aufschwungs unseres Vereines berechtigte Hoffnung bieten. Das eine besteht darin: dass nunmehr auch unsere Glaubensgenossen ans der Provinz, die durch ihre uns zugeschickten Kinder die Wohlthätigkeit unseres Vereins zumeist in Anspruch nehmen, ohne zu dessen Lasten beigetragen zu haben, nunmehr in größerer Zahl unserem Vereine als Mitgliedes beitreten, um mit uns vereint das gemeinsame Ziel zu fördern; die zweite bemerkenswerthe Erscheinung besteht darin: dass den Fußtapfen der Vorfahren folgend, die einst au der Wiege unseres Vereines gestanden und denselben in seinen Kinderjahren gehegt haben, deren sympathische Gestalten sich aber von Jahr zu Jahr immer mehr vermindern und unserem Gesichtskreise entschwinden, nunmehr auch die jüngere , Generation in immer wachsender Zahl sich einste.lt, um mit frischen Kräften das Werk auszuführen, welches unsere Vorfahren, zur Vorbereitung einer besseren Zukunft, für das Wohl kommender . Geschlechter in Angriff nahmen. In dem abgelaufenen Jahre 1900 war der Stand unserer Zöglinge folgender: Mit Ende des Jahres 1899 verblieben: 336 Handwerks-Zöglinge, 22 Gewerbe-Schule-Stipendisten und 6 Ackerbau-Zöglinge. Im Jahre 1900 wurden ausgenommen: 142 Handwerkszöglinge, 12 Gewerbe-Schule-Stipendisten und 8 Ackerbau-Zöglinge. Im Jahre 1900 wurden freigesprochen: | 90 Handwerks-Zöglinge, 6 Gewerbe Schule-Stipendisten. Im Jahre 1900 wurden entlass eu: 45 Handwerks-Zöglinge, 6 Gewerbe-Schule-Stipendisten. Zu Ende 1900 '.verblieben: 343 Handwerks-Zöglinge, 22 Gewerbe-Schule-Stipendisten und 14 Ackerbau-Zöglinge." ___(Schluss folgt.) Gemeinde- und Veremsbote. Wien. Samstag, den 1. Juni l. I., präcise 10 Uhr Vormittag, findet im Bethause des Bethausvereines „Am Volkert" anlässlich dessen 25jährigen Bestandes eine Jubelfeier statt. Der Vorstand des Vereines hat auch aus diesem Anlasse eine Festschrift erscheinen lassen, die in knappen Zügen die Geschichte des Vereines und die Verdienste jener Männer! wiedergibt, die an seiner Gründung und Förderung hervorragenden Antheil nahmen. Gegenwärtig gehören dem Vorstande folgende Herren an: Elkan Bauer, Julius Beck, Herman Braun, Ludwig Cantor, Herman Ehrenseld, Gustav Frankl, Ignatz Freundlich, Joses Friedländer, Benj. Hofman, Salomon Hoffman, Moritz Jellinek, Wilhelm Kohn, Max Kraus, Jacob Mittler, Heinrich Rosenblatt, Adolf Schramek, Leopold Spitzer. Als langjähriger Obmann wirkt in überaus verdienstvoller Weise Herr Adolf Schramek, als Rabbiner ist Herr Dr. D.Fink, als Cantor Herr Seifert angestellt, und beide Functionäre erfreuen sich außerordentlicher Beliebtheit. Wien. Herr Moriz Blatt, I. Cantor der Wiener israel. Cultusgemeinde, feiert am 8. Juni l. I. mit seiner Gattin Therese, geb. Goldmann, das Fest der silbernen Hochzeit. Bei der außerordentlichen Beliebtheit, deren sich Cantor Blatt sowohl in der Gemeinde, als auch unter Freunden und C oll egen erfreut, werden sich gewiss weitere Kreise an dem Familienfeste betheiligen. Cantor Blatt ist seit dem Ableben Cantor Fischers Caffier des „Oesterr.-ungar. Cantoren-Bereines" und > wirkten diesem Ehrenamte in überaus mühevoller und ersprießlicher Weise.; Er verdient es auch, dass insbesondere die Cantoren und Mitglieder! des Vereines ihm an'einem Jubeltage ihre Sympathien in entsprechender Form zum Ausdruck bringen. ^urgkalk. Bei der am 9. Mai d. I. in der isr. Cultusgemeinde Amstetten vorgenommenen Neuwahl ergab sich folgendes Resultat: In der Gruppe A. Amstetten wurden gewählt zu Ausschüffen: Herr Sigmund Mahler, Caffier, Kemmelbach; Herr Sigmund Mautner, Vorstand-Stellvertreter, Klein-Pöchlarn; Herr Sigmund Mahler, Ulmerfeld; Herr Eduard Rind, Artstetten. In der Gruppe L. Bezirk Scheibbs'! Herr Emanuel Schulz; Herr Med. Tr. B. Kohn, Herr Salomon Hoff-! mann, Purgftall; Herr Adolf Porges, Scheibbs; Herr Benjamin Wallis.! Gaming. Ersatzmann: Herr Ignaz Adler, Kirnberg. Außerdem wurden! noch einige Herren aus beiden Gruppen in den erweiterten Ausschuss j als Vertrauensmänner gewählt. Bei der um 8 Tage später siattgehabten j Cultusvorstandwahl wurde Herr Em. Schulz, Purgstall, per Acclamation! zum CultuSvorsteher wiedergewählt. M. Mandl, Secrelär.! Budapest. Am zweiten Tag des verflossenen Wochenfestes bat der junge Cantor Josef Berger auf Wunsch des Vorstandes des hiesigen isr. Knabenwaisenhauses in d e ffen neuem Pracht-Tempel vorgebetet. Cantor Berger, der bereits in Ofe n und Altofen fungirt hat, zeigte eine schöne Baritonstimme und ei n hervorragendes Gesangstalent und da er auch durch correctes „Leinen" allgemeinen Beifall fand, scheint seine Ernennung zum Obercantor dieses Gotteshauses eine vollendete That»! sache zu sein.

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