Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 20 (24.5.1901)
- Date
- 1901-05-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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- hazzan 2× ep/1004827
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Hesterr.- Ungar. Aantoren-Keitung. Ar. 20. Meitage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 21. Iahrg. H. Weintraub und seine „Tempelgesänge". Von Ed. Birnbaum, Königsberg. (Fortsetzung.) Hier in D u b n o ward Hirsch Weintraub, wie bereits erwähnt, geboren. Aus Rach und Geheiß eines chassidischen Rabbi wird ihm noch der Name „Alter" beigelegt, weilseine Brüder, mit Ausnahme eines um zwei Jahre alteren Bruders M o sche-Simcha, in jugendlichem Alter starben. In Wirklichkeit war unser Weintraub in Russland unter dem Namen „Altunu" mehr bekannt, als unter dein Namen Weintraub. Da dem Vater in Dubno der Gehalt unregelmäßig ausgezahlt wird, sieht er sich veranlasst, Frau und Kinder nach Jarmilinie; zu schicken und wieder aus Kunstreisen zu gehen. Nach dem Wochensest sehen wir ihn zunächst in L e m b e r g, wo er auf Billels vorbeiet und auch angestellt wird, verlässt aber nach dem Laubhüttenfeste den durch die Assentirung des Rabbinersohnes O r u st e i il unruhig und wenig gesangssreundlich gestimmten Posten, um sich zunächst nach Warschau zu wenden, und überschreitet dann die preußische Grenze. Salomon Kaschtan war damals ungefähr 33 Jahre alt. Er sang, wie sein Sohn erzählt, das zweigestrichene L mit voller Bruststimme und halte eilie vorzügliche Koloratur. Mit besonderem Effekt pflegte er an den hohen Festtagen das tnui DVK heraus zu schmettern, was nachher allgemeine Nachahmung bei den D':tn fand. Er macht in K e m p e n Station, lvo er 100 Thaler für eine Gastrolle erhält, ebenso in Breslau, wo ein anwesender Professor die Aeußerung macht, schon für die paar Worte JTiTD T32 '2 bis Ende des tPiTj? habe er die 100 Thaler verdierit, so schön und bewältigend sei sein Vortrag gewesen. Er kommt dann NOO »"fnn nach Liss a, wo er auch vom berühmten „CH a wes" (dem Vers, des Werkes Chawwas Daas, R. Jaakow v. Lissa) sehr freundlich ausgenommen wurde. Hier singt er nach der Gewohnheit des dortigen berühmten Chasan Johrberger 128'LNl bis m>‘m. Nach HDS geht er nach Pose n, wo zur Zeit noch R. Akicha Eger lebte, bereist dann die ganze Provinz, bis er schließlich wieder nach Kempen kommt, wo er auch fest angestellt wird, aber nur ein Jahr verbleibt, um sich wieder nach Rußland zu wenden. Er kommt zunächst nach P l ock, wo damals R. Schalom Baruch Chasan war. Auch dieser Mann unternimmt es, mit Salamon Kaschtan einen Sängerkrieg zu eröffnen, unterliegt aber schmählich, als Kaschtan am vierten Sabbalh nach Pessach sein ^DJD und gar sein wjn hören lässt und Alles zu Thränen rührt. Von Plock wendet er sich nach Ber ditfchew, wo sein Bruder Nachum-Löb angesehener Chasan ist und hauptsächlich durch seine Compositionen glänzt, so dass Salomon nur seine eigene^ oder die Compositionen seines Bruders singt. Hier ist es auch, wo er eine Wette von 12 Dukaten gewinnt, da es ihm gelingt, einen etwas hartgesottenen Lieferanten zu Thränen zu rühren, was ihm endlich mit seinem wiäIJ Np vollkommen glückt. Er wird dann zum zweiten Male von der Gemeinde Dubno augestellt und erhält von nun au sein Gehalt pünktlich ausbezahlt.*) Nun erst war es ihm vergönnt, seine Familie nach Dubno zu bringen. Unser Weintraub war damals 6 Jahre alt, erhielt aber schon in diesem zarten Alter den Violln-Unterrichl^von seinem Vater. Aber das Reisefleber trieb ihn im Sommer wieder *) Eine Sage erzählt, dass er dort lebendig begraben wurde, wei l er die schwarzen Pocken hatte, nnd dass ihn die Meschorerim mit dem Gesänge p taipj? (Aboth UI)» der jetzt noch nachgesungen wird, zu Grabe geleiteten. Wie wir weiter sehen ^werden, ist diese gruselige, Mähre nichts weniger als historisch. \ \ in die weite Welt hinaus, so nach Odessa, wo er sieben Sabbathe vorbetete, nach Brody, und schließlich nach Alt- Osen, wo damals der Cantorposten frei war. Er war bereits von dieser Gemeinde gewählt, da ihn aber seine Heimatgemeinde von seinem contractlichen Verhältniße nicht befreien wollte, kam an seine Stelle R. David Brod h.*) Der Umstand, dass Salomon sein ganzes Vermögen an einen Lieferanten verlor, und die ausdrückliche Stipulation seines Contractes mit der Gemeinde Dubno, der er nunmehr treu blieb, veranlassten weitere Reiseunternehmungen, an denen unser Weintraub als Sopran in und Geiger theilnehmcn durste. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Montag, den 27. d. M., stndet im Tempel der türkischen Gemeinde d ie Trauung des Frl. Manzi Bauer, Tochter des Ober-Cantor Jacob Bauer, mit Herrn Archikten Heinrich Kestel statt. Wieu. Am 4. Tamus (21. Juni d. I.) vollendet Lector M. Friedmann seinen 70. Geburtstag und sind zu diesem Anlass für den berühmten und allseits beliebten Gelehrten von Freunden, Schülern und Verehrern mannigfache Ovationen geplant. Hr.-Meseritlch. Am 8. d. traf eine Nachricht hier ein, welche wie ein Blitz aus heiterem Himmel die ganze Gemeinde in größte Aufregung und tiefste Trauer versetzte. Einer telegraphischen Mittheilung zufolge, ist nämlich unser ehrw. Herr Rabbiner Dr. M. Weiner in Karlsbad, wo er seit kaum 8 Tagen zum Gebrauche weilte, verschieden. Die erste und angelegentlichste Sorge galt der Uebersührung in unsere Gemeinde, in welcher der Verblichene als Rabbiner und Seelsorger 25 Jahre hindurch verdienstvoll gewirkt hat. Den vereinten Bemühungen des Med. Dr. Weiner, eines Sohnes des Verstorbenen, und der Cultusgemeinde-Vertretung gelang es, die schier unüberwindlichen Hindernisse zu beseitigen und die Uebersührung, einen Act aufrichtiger Pietät der Gemeinde gegenüber ihrem Seelsorger, durchzusetzen. Die am 16. d. stattgehabte Leichenfeier gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung, an der sich sämmtliche Behörden, öffentliche Aemter, Honoratioren, Vereine rc. sowie die Gesammtbevölkerung der Stadt betheiligten. In dem schwarz drapirten Tempel, der von Trauergästen aus Nah und Fern dicht gefüllt war, war der Leichnam vor der Estrade ausgebahrt. Unter den Trauergästen sind besonders hervorzuheben: der^.k. k. Bezirkshauptmann Frei, Herr k. k. Landesgerichtsrath Simecek und der hiesige hochwürdige Dechant Pernica, dessen persönliche Betheiligung an dem Leichenbegängnisse den schönsten Beweis ausgezeichneter liberaler Denkungsart liefert. Die Trauerfeier begann mit der Absingung der üblichen Trauerpsalmen, die von Obercantor Steiner in Begleitung eines verstärkten gemischten Chores in ergreifender Weise vorgetragen wurden. Zur Leichenfeier waren -von der Gemeinde drei Rabbiner berufen worden, und zwar Herr Dr. Pollak aus Trebitsch, Herr Dr. Groß aus Lundenburg und Herr Dr. Freimann aus Holleschau, welche nacheinander die Kanzel bestiegen, um die Tugenden und das verdiestvolle Wirken sowie das tiefe talm.Dische Wiffen des Verblichenen zu schildern und dem tiefen Schmerz der Gemeinde und Familie Ausdruck zu verleihen. Sodann wurde wer Sarg vom Cultusvorstande in den Leichenwagen gehoben, dem die Schuljugend mit der Trauerfahne voranschritt und ein schier endloser Zug folgte. Am offenen Grabe sprachen die vorbenannten Herren Rabbiner ergreifende Worte des Abschiedes und dankten allen Anwesenden, insbesondere den Vertretern der katholischen Religion und den Hütern des Gesetzes für die warme Theilnahme. Der theure Verblichene wird stets in ehrendem Andenken und unserer Gemeinde unvergesslich bleiben, n'asan I. St. **) Auch über diesen berühmten Vorsänger besitze ich eine ausführliche Biographie, über die ich ein andermal zu sprechen gedenke.