Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 20 (24.5.1901)
- Date
- 1901-05-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20. Die Wahrheit. Leite 0. lehren, wir wollen miteinander eines Weges, eines Sinnes ins Gotteshaus gehen, um dort für Gott und Religion Fühlen und Empfinden, für das ideale Leben Begreifen und Begeistern zu lernen. Haben wir es einmal dahin gebracht, dass das Gotteshaus die Stätte ist, wo bachurim ubsulaus, sekenim unorim jeballelu es schein Adonai, Jüngling und Jungfrau, Jung und Alt lobpreisen den Namen des Ewigen, dann wird auch die Zeit heranbrechen, von der es heisst: vajorem keren leamau, Er erhöht seines Volkes Glück und verleiht ihm Ruhe und Herrlichkeit, Friede und Segen. Gemeinde- und Vereinsbote. Wie». Das Lesebuch der jüdischen Geschichte für die Oberstufe der österr. Mittelschulen, bearbeitet von Dr. M. Brann, 2. Theil ist mit Erlass des hoh. k. k. Ministeriums sür Cultus und Unterricht zum Gebrauche zugelassen worden. Wien. („Israelitische Allianz zu Wien.") Donnerstag, den 16. d. M., fand im Sitzungssaale der Cultusgemeinde die diesjährige Generalversammlung der „Israelitischen Allianz zu Wien" statt. Dem Rechenschaftsbericht ist zu entnehmen, dass der Vorstand im Jahre 1900 seine Hauptthätigkeit den in großen Massen nach Wien gelangten rumänischen Emigranten zuwendete und zu diesem Behufs eine Sammlung einleitete, die den Betrag von rund 224.000 Kronen geliefert hat. Diesem Betrag stehen aber Besörderungs- und Aufenthaltskosten der Auswanderer von 244.000 Kronen gegenüber, welche Summe bis Ende April bereits auf mehr als 280.000 Kronen angewachsen ist. Dieser Bericht, sowie die Anträge der Herren Dr. Biemerover (Jassy) und Dr. Funk (Preßburg) wurden genehmigt, desgleichen der Cassabericht. Nur beim letzten Punkte der Tagesordnung, den Wahlen in den Vorstand, entstand lebhafter Tumult, da die Minorität eine Candidatenliste in Vorschlag brachte, welche heftig bekämpft wurde und auch nicht durchdrang. Der Vorsitzende, Vice-Präses Dr. Stern, machte die Mittheilung, dass infolge der Unruhe das Scrutinium durch die Zeitungen bekanntgegeben werden wird, r nd schloss die Versammlung. Die zum Austritt bestimmt gewesenen Herren Em. Baumgarten, Emil Horner, Bernhard Pollak, Dr. Arthur Kuranda und Julius Reitlinger wurden mit großer Majorität zur Function wieder berufen. Wien. «Verein zur Unterstützung i s r a e l. Handwerkerund Kleingewerbetreibender.) In der am 18. d. stattgefundenen XII. ordentlichen Generalversammlung, welche von zahlreichen Vereinsmitgliedern und den Deputationen einer großen Anzahl von in der Wiener Cultusgemeinde bestehenden Humanitätsanstalten besucht war, gab der Vorsitzende, Herr Baurath Stiaßny, bekannt, dass in dem abgelaufenen Vereinsjahre vom Cultusvorsteher, Herrn Salo Cohn, ein Betrag von 5000 Kronen und von Herrn Samuel Kolisch s. A. ein Betrag von 600 Kronen zum Stammvermögen des Vereines gespendet worden sind, ferner theilte er mit, dass ihm von einem, vorerst ungenannt bleiben wollenden Wohlthäter der Betrag von 20.000 Kronen zum Zwecke der Gründung und Erhaltung einer jüdischen Pstegerinnenschule übergeben worden ist. Diese Mittheilungen wurden »nt großem Beifalle ausgenommen und den edlen Spendern der Dank durch Erheben von den Sitzen votirt. Hierauf brachte der Schriftführer, Herr Dr. Bela Tausfig, den Geschäftsbericht zur Verlesung, aus welchem wir entnehmen, dass der Verein bisher 480 Darlehen mildem Gesammtbetrage von 74.000 Krönen bewilligt habe. Nunmehr hielt Herr kais. Rath Lichtenstadt seinen mit großem Beifalle aufgenommenen Vortrag: „Ueber Arbeitsvermittlung". Endlich wurden Ergänzungswahlen vorgenommen, und zwar wurden in den Vorstand die ausscheidenden Mitglieder: Architekt Max Fleischer, Emil Jelinek, kais. Rath Salomon Kohnberger, Dr. Arthur Kuranda und Karl Tagleicht einstimmig wiedergewählt. Gleichzeitig wurde dem Vorstande das Recht eingeräumt, noch eine Stelle durch Cooptation zu besetzen. Zu Sensoren wurden die Herren S. Steiner und Alfred Waizner wieder-, und Herr Bezirksrath Mensch neu gewählt. Wie«. Die Constituirung des Vorstandes des Bethaus-Vereines „Machafike Hadaß" I., Judengaffe 12 fand Donnerstag, den 16. Rai in folgender Weise statt: Josef Schreier, Obmann; I. H. Reumann, Obmann-Stellvertreter; Berthold Pollak, Schriftführer; B. Hofbauer Ed. Trnka, Adolf Rosenthal, A. Neumann, Bethausverwalter. Wien. Der Kranken - Unterstützungsverein „Menschenliebe", Wien, IX., hat sich bereits constituirt und seine Thätigkeit begonnen. Präsident des Vereines ist Herr M. Pilpel, Vice-Präses Herr M. Jakobi, Schriftführer Herr Josef Deutsch. Schriftführer-Stellvertreter Herr! Ignatz Deutsch, Cassier Herr Jakob Bartischan, Cafsier-Stellvertreter! Herr Ignatz Kraus. 1. Contro llor Herr Max Bellak, 2. Controllor Herr j Max Popper, Krankencontrollore die Herren: Zeisel sen. und Adolf Bock.! Ausschußmitglieder die Herren: I. L. Löffler, Emanuel Goldscheider, i Wilhelm Lederer, Sigmund Wahle, Ingenieur Bauer und Ignatz Groß.! Als Vereinsarzt fungirt Herr Tr. Emanuel Deutsch, IX., Porzellan-! gaffe 54 Ordination täglich von 1—3 Uhr. Beitrittserklärungen werden ' entgegengenommen beim Präsidenten, M. Pilpel, IX, Hahngaffe 20 und z im Verei. slocal, Cafe Kraus. IX., Rothe Löwengaffe 10. Beitrittsl gebühr 2 Kr., Monatsbeitrag 1 Kr. i Srag Der „Jüdische Frauenverein" veranstaltete am 18. d. M.! unter Mittwirkung des neugegründeten „jüdischen Gesang- und Mnsik-! Vereines" einen Vereinsabend, der glänzend ausstel. Rach einer Be- | grüßungsansprache der Präsidentin. Frau Söffe Robitschek, sprach \ Frau Redisch einen lief empfundenen Prolog, welchem Vorträge des! Gesangvereines folgten. Ferner wirkten noch mit: Herr Opernsänger i Taussig (Lieder), Frl. Irma Philipp lClavier- und Gesangsvorträge), ' Herr Hugo Helm ^Reciration), Herr M. U. C. Fleischmann (Violine); und Herr Ingenieur Ernst Buchbinder (Clavierbegleitung.) Den Pro-! ductionen folgte ein gemüthliches Tanzkränzchen. Budapest. Der verewigte Präsident der Pester Ehewra-Kadischa, der noch im besten Gedenken stehende Herr Carl Reusz, pflegte allen Ernstes zu sagen, dass im großen Tempel in der Tabakgasse kein Gottesdienst abgehalten wird. Dies fei blos eine Komödie und obendrein noch eine schlechte! W:nn wir dieser Ansicht auch nicht ganz beipslichten, so müssen wir Loch wahrheitsgemäß zugestehen, dass dieselbe theilweise berechtigt ist, was wir durch das Nachstehende zur Genüge beweisen werden. Unser Cultuschef hat bei „verichlossenen" Thüren 63 Cantoren „verhört" und auf Anrathen des Choimeisters einen derselben zum Probevortrag zugelaffen. Dies geschah ganz im Geheimen, die Tempelbetfitzinhaber, ja noch mehr, die Mitglieder der Repräsentanz wurden davon nicht verständigt. Nichts destoweniger war das Gotteshaus zum Erdrücken voll. Wir sahen da wohl Ploni und Almoni die schwere Menge, aber keine 10 pCt. der hiezu Berufenen. Ueber die gehörte Leistung 'gab es unter den Gemeindemitgliedern ^verschiedene Ansichten, aber der Cultuschef nahm auf dieselben überhaupt keine Rücksicht und befürwortete über Empfehlung des Chormeisters in der Cultussection die Acceptarion des Probecandidaten. Da trat aber der geradezu unerhörte Fall ein, die Section leistete dieses eine Mal ihrem Chef nicht Heerfolge, und verweigerte den Gehorsam. Oro forma gab nun die große Gemeinde eine winzige 'Annonce im „Kleinen Ani zeiger" und schrieb auch einen Concurs in diesem Blatte aus, natür-! lich mit dem tiefbeschämenden Passus, dass nur dem Acceptirten die! Reisespesen vergütet werden. Es ist aber ein offenes Geheimnis,! dass der Probecandidat schon so viel als acceptrrt, oder sagen wir es j rund heraus, schon acceptirt ist. Und nun fragen wir, indem wir dabei! die Person und die Qualiffcation des Gewählten ganz aus dem Spiele! lassen: ist das nicht eine Komödie, und zwar eine solche von der schlech» j testen Sortej? Carl Reusz, wie Recht hattest Du!! ... So viel für! heute, nächstens^mehr. D. H. S pitz.er. j Wagy-Kanizia Am 11. d. fand die erste Prüfung der oberen! Abtheilung der zu Anfang dieses Schuljahres neu creirtcn Talmudj Thora-Schule unter der Leitung des Herrn Armin Domany, ProfefforS! der hisrortigen Handels'chule, statt. Tie aus dem hiesigen Gymnasium! und der Handelsschule sich recrutirenden Hörer dieser Abtheilung haben i aus dem Propheten Jeremias 1—10, nach vorangehender kurzer Einleij tung über das Leben und Wirken der Propheten, den hebräischen Text! mit vorzüglichem Verständnisse des Inhaltes und entsprechender gramma-! tikatischer Analyse, treu und richtig übersetzt. Der anwesende Talmud-! Thora-Vorstand, so wie die übrigen geladenen Hebräischkenner äußerten! über den geleisteten Unterricht ihre vollkommene Zufriedenheit und sprachen dem Profeffor, Herrn Armin Domany, Anerkennung und gebührendes Lob aus. Zum Schluffe richtete der Oberrabbiner Dr. Reumann einige beherzigende Worte an die Schüler, sie ermahnend, in dem Geiste der prophetischen AnSführungeu zu leben und den gegebenen moralisch« sittlichen Anleitungen nachzustreben. G-