Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 19 (17.5.1901)
- Date
- 1901-05-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063062-3063081--01351-3067933- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
V Hesterr- Ungar. Kantoren-Ieitung. Nr. 19. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 21. Iahrg. H. Weintraub und seine „Tempelgesänge". Von Ed. Birnbaum, Königsberg. (Fortsetzung.) Mil der Biographie Weintraubs beginnend, muss zunächst Folgendes vorangeschickt werden. Laut Inschrift seines Grabdenkmals (Neuer Friedhof, Reihe 17. Nr. 24) ist Hirsch Weintraub am 2. Marz 1811 (6. Adar 571) geboren und am 23. December 1881 (2. Tebeth 642, Freitag Abend) gestorben. Diese Gebnrlsangabe scheint aber nicht ganz sicher zu sein, indem sie seinen eigenen früheren Angaben widerspricht. Denn erstens 'berichtet Weintraub in der Biographie seines Vaters (Hau agid 1875, S. 148, Z. 29 v. u.) ausdrücklich: 3 >pn rav *n» “"Ti *» ora »sana w&u '33», wonach er am 1. Adar 1813 in Dubno geboren wäre, außerdem liegt vor mir ein von Weintraub eigenhändig geschriebenes, von dem damaligen Rabbiner von Königsberg I. H. Meklenburg unterfertigtes und mit dem Amtssiegel desselben versehenes Zeugnis vom 3. Februar 1859, wonach er im Jahre 1812 geboren wäre. Der Tag der Geburt wird daselbst nicht bezeichnet. Wie dem auch sei, werden wir lins’ wohl am besten an den Wortlaut der Erztafel seines Grabdertkmals zu halten baden, jisen ich bereits 1883 (im Brom b erg er „Jüd. Cantor" desselben Jahres S. 21) miigetheilt habe. Dagegen bietet die angeführte Biographie seines Vaters ein geschlossenes Material über die erste Jugendzeit Weintraubs, das von einer Musikhandschrist (Nr. 75 meiner Musikhandschristen) vortrefflich ergänzt wird. Diese Handschrift stellt nämlich ein Fragment, eines alten Notenheftes in Folio mit Compositionen dar, welche in Dubno, Nicolajew, Lemberg, Wien (p. 40), Posen, also auf seinen Kunstreisen entstanden sind, darunter Compositionen seines Vaters, Salomon Kaschtan, und eines gewissen Stiglitz, über den ich bisher nichts Näheres erfahren konnte. Von den eigenen Aufzeichnungen Weintraubs in der angeführten Biographie seines Vaters mögen hier einige wiedergegeben fein. Danach war fein Vater Salomon ungefähr 1781 in Alr-Kostantin geboren; sein Vater hieß S i m s o n. Als die Mutter gestorben war, wurden Salomon und sein jüngerer Bruder, Nachum-Löb, zu dem damals berühmten „lahmen Chasan" von Mohilew gegeben, der nach damaliger Sitte sich, viel auf Kunstreisen befand. Schon die schöne Sopran-Stimme Salomons machte Aufsehen, so dass unter Ändert! der Fürst Narischkin, der den Knab.n einmal zu hören bekam, ihn zu feiner musikalischen Ausbildung nach Petersburg schicken wollte. Dem widerfetzte sich aber der fromme, von seiner Verantwortung für den Knaben durchdrungene Manu. Er hatte während der Zeit den Knaben sehr lieb gewonnen und nannte ihn, da er rothes Haar hatte, Kaschtau (Nolhkopf). Fünf Jahre fang er bei dem „lahmen Chasan," bis er -— nach damaliger Sitte in sehr jugendlichem Alter — die Schwestertochter seines Vaters, namens Schisra, Tochter des frommen Vorbeters R. Mordechai aus Jarmiliniez (Bezirk Kaminiez-Podolsk) heiratete. Ein Jahr nach seiner Verheiratung nimmt er seilten jüngeren Bruder, Nachum-Löb, zu sich, lehrt ihn Musik, so dass er neben „Bass-, Tenor- und Fistel-Singer" sein Assistent (Mefchorer) wird, mit delien er nun aus eigene Faust auf Kunstreisen geht. Er hat das Glück, in Samoschtsch als Chasau angestellt zu werden, wo zur Zeit der berühmte „Dubnoer Maggid" in Stellung war, weil in Dubno just die „Chassidim" die Oberhand gewonnen hatten. Nachdem der Bruder Nachum-Löb, der den Namen Kaschtan annahm, mutirt hatte, zog dieser mit seinen eigenen Meschorerim umher und wurde schließlich — er sang und componirie auch sehr schön — ein berühmter Chasan. Von Samoschtsch, wo Salomon den berühmten Bassisten Jtzig-Löb zu sich nahm und ihn auch fleißig unterrichtete, ging er nach Tiktin in Stellung. Daselbst wetteifert mit ihm bei Gelegenheit der bekannte, sich eines besonders großen Rufes erfreuende Wolkowirer Chasan Arje-Löb, muss aber schließlich zugeben, dass Salomon Kaschtan der größte Chasan seiner Zeit war. In Tiktin blieb Salomon drei Jahre und kam von da nach Brisk, und als der von Brisk nach Dubno versetzte College verstorben war, wurde er an dessen Stelle berufen. In Dubno nahm Salomon seinen Vetter Mordechai-Perez Weintraub (Sohn des R. Jssor, seines Onkels) an, den er auch, nachdem er ihn in Musik unterrichtet hatte, als Bassisten beschäftigte, in welcher Stellung er bis zum Tode Salomons verblieb.*) iFortsetzung folgt). Litteratur. — In der Bib liothek der G e s a m m t t i 11 e r a t u r Verlag von Otto Hendel, Halle a. d. Saale, sind die Schriften des Flavins Jofephus in correcter, eleganter llebersetzung von Dr. Heinrich CI e m e n tz erschienen, und zwar: „I ü d i s ch e Alte r t h n in e r" in 2 Bänden, 6 Mk.; „I ü d i s ch e r K r i e g" 3 Mk. und kleinere Schriften (Selbstbiographie, „Gegen Agi on" und „lieber die Makkabäer") 1.25 Mk. Für diese Arbeit eines fleißigen dentschen Gelehrten, die für uns von unschätzbarem Werthe ist, können wir nicht genug dankbar sein. Beschämend ist die Thatsache, dass diese Werke eines hervorragenden jüdischen Schriftstellers, :? welche geschrieben waren, das Judenthum zu! verherrlichen, durch achtzehnhundert Jahre von den Juden gar nicht beachtet und nur durch Christen, zum Theil in ihrem Sinne verfälscht, ans die Nachwelt gekommen sind! Nun sind aber diese Meisterwerke der jüdischen Geschichtschreibung und der Vertheidigung des Judenthums uns j in gewinnender Form nahe gebracht und wir können sie ^in ungetrübter Freude genießen. Und wenn diese Schriften im Stande waren, den! Heiden Achtung und Liebe gegen das Judenthum »inzuflößen, so mögen 1 sie jetzt dazu beitragen, den Juden Achtung und Liebe gegen ihr eigenes Volk und ihre eigene Religion beizubringen! Rabbiner D r. Kahan, Znaim. Verschiedene Vachrichten. j Wien. Dienstag, den 21. Mai, 6 Uhr Abends, findet eine öfsentj liche Plenar-Sitzung des Vorstandes der israel. Cultusgemeinde im! Sitzungssaale (I, Seitenstettengasse 4, 2. Stock) mit folgender Tagesz *) Mordechai Perez war dann noch einige Zeit bei Wein- ' traub in Königsberg als Bassist thätig und wurde dann in der ange-! sehenen Gemeinde Beuthen (Oberschlesien) als Chasan angestellt. Cr j liegt in Gleiwitz begraben, wohin er in hohem Alter zu seiner i Tochter zog. Wie Weintraub berichtet, verstand Mordechai Perez auch i gut zu componiren, auch schrieb er ein gutes Hebräisch. Nr. 76 meiner Musik-Handschriften enthält ein Fragment seiner Hand (zufällig auch mit Seite 76) beginnend), auf welchem drei durchcomponirte t? (zwei für nTSD, einer für ansan p2) mit lateinischer Textschrift lesen sind. Diese Handschrift bekam ich von dem Vater des Obercantor Kirsch ne r in München s. Z. geschenkt, als ich (1874) nach Beuthen in Stellung kam. Außerdem liegen derselben Handschrift einige musikalische Notizen aus seinen ü"'? nrnrna bei, die ich dem ehemaligen Beuthener Canwr David Berger verdanke. Die betreffenden Foliobände müssen noch im |r6t? der Gemeinde oder im Besitze des genannten Herrn vorfindlich sein. Einen ni'22? by von Mordechai Perez habe ich im ersten Jahre meiner Amtsführung in Beuthen nach dem Vortrage eines sehr angesehenen Gemeindemitgliedes Namens R. Sokele Dresdner^ Schwiegervaters des nachmaligen Gemeindevorsitzenden Dr. R a w a ck, denen ich über das Grab hinaus zu ewigem Danke verpflichtet bin, niedergeschrieben. Diese bisher unbekannt gebliebene Melodie ist eine wahre Perle altsynagogaler Musik. — Der Baffist Jtzig L ö b, der dann selbstständig seine Kunstreisen unternahm, ließ sich am Abend seines Lebens in Brody nieder.; «Sv«.*®*