Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 19 (17.5.1901)
- Date
- 1901-05-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19. Die Wahrheit. Seite 9. ordnung statt: 1. Koschersteisch-Angelegenheit (Ref. Herr Dr. Berger). 2. Antrag der II. Sektion: Grundsätze für die Verleihung von Subventionen an Bethausvereine (Ref. Herr Dr. Steiner). 3. Wahl des Eomitos zur Behandlung des vom I. Vice-Prasidenten, Herrn Dr. Alfred Stern, gestellten Antrages betreffend den Bau eines neuen Tempels. 4. Antrag der II. Sektion auf Einsetzung einer historischen Commission (Ref. Herr Dr. Steiner). 5. Antrag der II. Section betreffend die Dr. Schmiedl- und Dr. Adolf Jellinek-Stipendien (Res. Herr Vice-Präsident Dr. Gustav Kohn). Wien. 12. Mai. (Bar-Mizwahfeier im Hause Rothschild.) Der jüngste Sohn des Baron Albert v. Rothschild, Baron Oscar, feierte vergangenen Samstag sein Bar-Mizwahfest. Die Feier nahm im Tempel, Seitenstettengasse, ihren Anfang, wo sich der Präsident ver Cultusgemeinde kais. Rath Klinger, (die Cultusvorsteher Baurath Stiaßny, Dr. Steiner, Dr. Spitzer, Emil Horner, die Bethaus-Vorsteher Stiaßny, Moor und Langer und ein zahlreiches distinguirtes Publikum -einfanden. Der Bar-Mizwah, der in Begleitung seines Vaters. Baron Albert Rothschild, und seiner sämmtlichen Geschwister erschien, wurde als Maftir zu Thora gerufen, wo Obercantor Singer einen von ihm verfassten Mischeberach vortrng und Ober-Rabbiner Dr. Güdemann die feierliche Einsegnung vornahm. Hierauf las der Confirmand mit feinster Accentuirung die Haphthora vor. Nach dem Gottesdienste fand in dem Palais Rothschild ein Diner statt, zu dem nebst den beiden ersten Functionären, Ober-Rabbiner Dr. Güdemann und Obercantor Singer, der Präsident der Cultusgemeinde, kais. Rath Klinger, Baurath Stiaßny, Regierungsrath Dr. Frankl, die Procuristen Horner und Stierdey, Dr. Blum und Dr. Hammerschlag, sowie der langjährige verdienstvolle Religionslehrer des Hauses Prof. Kanitz zugezogen waren. Der Confirmand hielt eine Ansprache, in welcher er seinem Vater, den Tempelfunctionären, dem Rrligionslehrer, sowie allen Gästen innigen Dank aussprach, worauf Ober-Rabbiner Dr. Güdemann eine ungemein wirkungsvolle durch Humor und Ernst gewürzte Tischrede hielt, in welcher er auf die exemplatorisch gewordene religiöse Tradition des Hauses Rothschild hinwies. Weiters sprachen Baron Albert Rothschild und Präsident Klinger. Nach dem Tischgebet, das der Bar-Mizwah selbst vortrug, und dem Horachamon-Vortrag des Obercantor Singer nahm die Feier, die einen wirklich erhebenden Eindruck machte, ihr Ende. Wien. Der Bethaus Verein „Machasike Hadass" im 1. Bezirk, Judengaffe 12, hielt Sonntag den 12. d. M. seine constituirende Generalversammlung ab, der außer zahlreichen Mitgliedern und Gästen Cultusvorsteher Berger und Obercantor Bauer beiwohnten. Nach Eröffnung der Generalversaumlung durch den langjährigen Obmann des Bethauses, Herrn Schreier, erstattete Herr Bernhard Hosbauer das ^Referat über die bereits genehmigten Statuten und forderte die Anwesenden zu zahlreichem Beitritte auf. Dr. Berger gab der Hoffnung Ausdruck, dass in absehbarer Zeit die geplante Vereinigung der „Schönlatern-Schul" mit dem Vereine „Machasike Hadass" stattfinden werde. In den Vorstand wurden nachstehende Herren gewählt: Josef Schreier, I. H. Neumann, Adolf Nosenthal, Ed. Trnka, Herrn. Spitzer, Moritz Goldstein, A. Neumann, Berthold Pollak, B. Hosbauer. Wien. Der Verband jüdischer Handelsangestellter und Arbeiter Oesterreichs wird seinen diesjährigen Parteitag am 26. und 27. Mai in Prag abhalten. Als wesentlichste Punkte der Berathungen liegen vor: der Ausbau des Conditionslosenfondes, die Etablirung von Stellenvermittlungs-Aemtern in sämmtlichen Städten der Monarchie, die Pflege einer sorgfältigen und allseitig ausgebildeten Statistik, die Durchführung einer Frauen-Organisation. Wi^n. Sonntag, den 12. Mai, 7 Uhr Abends, fand im „Wiener Kaufmännischen Verein" die Schlussproduction der Schüler aus der Musik- und Gesangschule Morini statt. Der große Festsaal war von einem sehr zahlreichen, distinguirten Auditorium überfüllt. Die Leistungen der Schüler unter Leitung ihres Directors Oscar Morini boten ein Bilv von dem gediegene» und gewissenhaften Unterrichte desselben, da jede Vortragsnummer von dem anwesenden Publikum mit brausendem Beifall ausgenommen wurde. .Die Direction beehrt sich einem P. T. Publikum mitzutheilen, dass der Sommercurs am 5. Mai begonnen hat, zu welchem täglich Einschreibungen (II., Taborstraße 52) stattfinden und dass an Schüler unserer Glaubensgenoffen eine 25percentige Ermäßigung sowie halbe Freiplätze verliehen werden. Nränn. (C a n t o r e n t a g.) Am 28. April l. I. fand im Sitzungssaals der israelitischen 'Cultusgemeinde Brünn die Generalversammlung des „Mährischen^Cantorenvereines" bei sehr zahlreicher Betheiligung der Mitglieder statt. Nach herzlicher Begrüßung der Versammlung durch den Obmann, Herrn Obercantor Josef Heller, erstattet derselbe einen ausführlichen Bericht über die Thätigkeit des Vereines seit dem Zeitpunkte 'der Gründung desselben, woraus hervorgeht, dass die Vereinsleitung bemüht war, helfend einzugreifen, wo das Jntereffe. der Collegen es erheischte, und dass es derselben auch gelungen sei, durch rechtzeittge taktvolle Vermittlung mehrere in ihrer Existenz bedrohte Collegen in ihrer Stellung zu erhalten. Er erwähnt ferner der im Laufe des Jahres verstorbenen Vereinsmitglieder, Adolf Kornitzer in Brünn und Josef Herz in Prerau deren Andenken die Versammlung durch Erheben von den Sitzen ehrt. Weiters erwähnt der Bericht die von der k. k. mährischen Statchalterei bewilligte Statutenänderung, gemäß welcher nunmehr Cantoren auch ferner Mitglieder dieses Vereines bleiben können, wenngleich) sie aus Mähren in ein anderes Kronland übersiedeln. Zum Schluffe spricht der Vereinspräses den aufrichtigen Wunsch aus, es möge dieser Verein, der einem allseitig tief gefühlten Bedürfnisse seine Entstehung verdankt, fernerhin wachsen, blühen und gedeihen. Nach Erstattung des Rechenschaftsberichtes durch den Caffier, Obercantor D. Kohn-Lundenburg, und nach vorgenommener Revision durch die gewählten Revisoren, Löwensohn-Eibenschütz und Schmitz-Gaya, wurde der Ver insleitung das Absolotorium ertheilt und gleichzeitig auch derselben der Dank für das bisherige verdienstvolle uneigennützige Wirken und das allseitige Vertrauen vottrt. Die nach dreijähriger Functionsdauer schriftlich vorgenommenen Neuwahl, der Vereinsleitung ergab nachstehendes, mit Stinnneneinhelligkeit erzieltes Resultat: Herr Obercantor Heller, Brünn, Obmann; Herr Obercantor Stößler, Neu-Raußnitz, Stellvertreter; Herr Obercantor Kohn, Lundenburg, Caffier; Herr j Obercantor Steiner, Groß-Mesecitsch, Schriftführer; Herr Obercantor Schulz, Bisenz, Controlor; Herr Obercantor Löwensohn, Eibenschitz; Herr Cantor G o l d m a n n, Brünn. Abends fand im Restaurant Mehler eine gesellige Zusammenkunft ^statt an welcher sich auch weitere Kreise betheiligten. Bei dieser Gelegenheit hielt Herr Professor Dr. Grünseld eine höchst beifällig aufgenommene Ansprache, worin er die Bedeutung des Cantorenstandes für das religiöse Lebe., hervorhob und diesen Stand als wahren Pfleger und Erhalter des Judenthums bezeichnte. St. Hroppau. Am 3 Mai starb hier der k. k. Finanz-Controllor, Herr Jacob Oberländer, im 43. Lebensjahre. Der frühe Heimgang dieses ausgezeichneten, hoch intelligenten Mannes hat hier allgemeine Theilnahme hervorgerufen. Der jüdische ^Tempelchor, dessen Mitbegründer und treues, eisriqes Mitglied der Verstorbene war, sowie der „Jüdifchlitterarische Verein" verlieren in ihm eines seiner treuesten und tüchtigsten Mitglieder. Welch' großer Beliebtheit Conirollor Oberländer sich in allen Kreisen zn erfreuen hatte, bewies die außerordentlich zahlreiche Betheiligung beim Leichenbegängnisse. Unter Anderen waren erschienen die höchsten Beamten der hiesigen k. k. Finanzbehörden, der Cultusvorstand, der Gesammtvorstand des hiesigen „Jüdisch-litterarischen Vereines", die Vertreter des Tempelchores und anderer Vereine, denen der Verstorbene angehörte. "Der schwergeprüften Gattin möge die aufrichtige, herzliche Theilnahme für den so früh Dahingeschiedenene in kleiner Trost in ihrem tiefem Schmerze sein. Wir aber wollen diesem braven, biederen Manne und treuen, gottergebenen Juden stets ein ehrendes Andenken bewahren. u. ^reßöurg. Die hiesige orthodoxe Cultusgemeinde hat den bisherigen Chasen ' aus Munkücs, Herrn Josef Rosenblatt, welcher vor mehreren Jahren sowohl in Wien, als auch in vielen großen Gemeinden als jugendliches Chasendl großen Aufsehen erregt hat, einstimmig zum Obercantor gewählt. Gfakathurn. Unser Obercantor, Herr Jacob Weiß, ist einstimmig zum Obercantor in Karlsbad gewählt worden. „Attas-, Actiengefellschaft für ^eöens- und Mititärdienstverficherung. Aus dem in der Generalversammlung vorgetragenen Jahresberichte über die erste Geschäftsperiode für die Zeit l. Juni 1399 bis 30. December 1900 entnehmen wir, dass bei der Gesellschaft!0.142 Anträge mit einer Versicherungssumme von K. 28,216.000 eingereicht und 9647 Polizzen mit einer Versicherungssumme von K. 25,837.000 ausgestellt wurden. Am Jahresschlüsse waren 5625 Polizzen über eine Versicherungssumme von K. 15,955.000 in Kraft, wofür die Garantiefonde (Prümienreserve und Ueberträge) K. 590.980 betragen. An Prämien wurden K. 732.344-51 vereinnahmt. Das Zinsenerträgnis der Capitalsanlagen belief sich auf K- 55.584-25. Die Organisationskosten wurden gänzlich aus der laufenden Rechnung gedeckt und für die mit Gewinn» antheil Versicherten K. 5255 15 in Reserve gestellt. Es wurde beschlossen, von dem sich ergebenden Reingewinne im Betrage von K. 45.344 5l> eine Dividende von 4 Percent des Actiencapitals zu vertheilen und den Rest per K. 5344.50 aus neue Rechnung vorzutragen.