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Die Wahrheit · 1901-05-10 · Heft 18 (10.5.1901) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 18 (10.5.1901)
Date
1901-05-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 18 Es wäre daher die uns vorliegende Arbeit des Herrn Heinrich E ise u stä d t er *) mit Freuden zu begrüben, da sie für die Schule das unübersetzte Gebetbuch voraussetzt und dem häuslichen Fleiß eine Stütze bieten will. Aber diese Stütze ist leider sehr gebrechlich ausgefallen! Denn, wenn wir auch bei einer solchen Uebersetzuug auf ein elegantes Deutsch von vorneherein verzichten müssen, aber Geschmacklosigkeiten, Ungenauig- Eeiten und gar falsche Uebersetzuug gehören nicht hinein! — Oder ist es nicht geschmacklos) wenn dw D'tP mit „G r ünde Friede über uns" übersetzt wird? Was soll man sich unter „die Entwurzelte des Hauses" — mpj? — denken? njp - übersetzt der Verfasser „Empfindung", nabt? „friedlich i" Dabei §at er schalem mit schalom verwechselt! —Noch schwerer fallen die Fehler ins Gewicht, welche Uukeuntnis des Hebräischen verrathen, des biblischen wie des rabbinischen. Ein jüdischer Lehrer sollte wissen, dass gar manches biblische Wort im Rabbinischen eine andere Bedeutung angenommen hat und dass, wenn man ein solches Wort im Gebete nach dem biblischen Sprachgebrauch wiedergibt, sehr leicht ein Unsinn herauskommt. So heißt i) im Rabbinischen durchaus nicht „Fremder", sondern „Gekehrter", „Proselyt", und wenn wir Gottes Barmherzigkeit für die „frommen Fremden" (S. .28) erflehen, so ist es einfach eilt Unsinn! — Dasselbe gilt von nSa. Was es in der Bibel bedeutet, weiß man nicht genau, nur das weiß man, dass es den Schluss eines poetischen Gedankens bildet. Was es aber im Rabbinischen bedeutet, das sagen uns die Rabbinen selbst (Ernbin .54a), nämlich gleich mw ,a^1p ewig, f ü r i m m e r. Wenn mau also übersetzt: „Alle Lebenden danken Dir, Selah," oder „und hast uns Deinem großen Namen Selah in Wahrheit nahe gebracht" — so ist es Unsinn aus Unwissenheit entsprungeu! Der Beginn des wunderschönen Adon olam ist nichts Anderes als eine poetische Umschreibung des bekannten: „Gott w a r König, i st König und wird König sein," d. h. Gottes Königthum ist unabhängig von der Existenz seiner Schöpfung. Wer aber übersetzt: „Zu der Zeit, als durch seinen Willen alles gemacht wurde, (s ch o ii) damals wurde sein Name „König" genannt" — der zeigt, dass er den Sinn dieser Stelle nicht verstanden hat. Ebenso falsch und geschmacklos ist lehamschil lo lehachhiro wiedergegeben: „ihm zu vergleichen, ihm gleichz u stellen," wo es einfach heißt, sein 12N zu sein, dass er ihm etwa zur Rechten sitze, mit Anspielung auf ein bekanntes Dogma! Dass im Hebräischen neben dem verbum fin. das abstracte Substantiv an Stelle des gewöhnlichen Infinitiv stehen kann, wie z. B. nTft "NN'1, npyx pyjn, scheint der Verfasser nicht zu wissen und übersetzt daher nbon yby Kim „Er wird Mitleid mit Dir haben, Mitleid" — sehr geschmackvoll 1 Nun etwas für die gedankenlosen Orthodoxen. 5en den ersten Jahrhurden nach der Zerstörung des zweiten Tempels erfreuten sich die Juden Palästinas und Babhlouiens je eines Oberhauptes, dort Patriarch, hier „Resch Galutha" genannt. Ferner kamen in den Monaten Adar und Elul die Gelehrten zusammen, um deu Lehrstofi zu wiederholen und öffentliche Vorträge abzuhalten. Diese Vorträge hießen „Calla" und die Leiter derselben „Resche Calla". Das erste »na mp’ ist nun ein Gebet für das Wohl des Resch Galutha und der Resche Calla, die aber seit 1400 Jahren nicht mehr existircn. Was ist nun sinnloser, als dieses Gebet noch jetzt zu sprechen? Gewiss, es gibt etwas noch Sinnloseres, nämlich dieses Gebet für die Volksschüler zu übersetzen und noch dazu salsch zu übersetzen! Resche Calla heißen bei unserem Verfasser „Vorsteher der Vereine" und Resch Galutha „Vorsteher der Ausgewanderten!" Weiter geht es gewiss nicht! Summa: Die Idee war gut, aber ein Kundiger muss sie aussühreu. Rabbiner Dr. Kahan, Znaim. *) „Deutsche Ueber setzung zum hebräischen Gebetbuch". Für den Schulgebrauch bearbeitet von Heinrich Eisen st ädter. Frankfurt a. M. Verlag von I. Kauffmann. Gemeinde- Md Ncreinsbote. Wien. Sonntag, den 12. Mai, halb 11 Uhr Vormittags, findet eine öffentliche Plenarsitzung.des Vorftanves der Wtener Cultusgemeinde mit nachfolgender Tagesordnung statt: , a) Rechnungsabschluss pro 1900; b) Präsidialbericht: 1. Constituirung der Schätzungscommiffion; 2. Siechenhaus-Ängelegenheit; c) Vorschriften, betreffend Errichtung von Vereins- und Privatbethäusern, ^Referent Herr Dr. Steiner)? d) Antrag des I. Vice-Präsidenten, Dr. A. Stern, betreffend den Bau eines neuen Tempels; e) Antrag der II. Section auf Einsetzung Liner historischen Comiffion, (Referent Herr Dr. Steuer); f) Antrag der II. Section, betreffend die Dr. Adolf Schmiedl- und Dr. Adolf Jellinek-Stiftungen; g) Koscher-Fleisch-Angelegenheit, (Res. Herr Dr. Berger). Wim. Sonntag, den 12. Mai, 3 Uhr Nachmittags, findet im Bethause, I., Judengasse 12, die erste constitnirende Generalversammlung des Bethaus-Bereines „Machasika Hadas" statt. Tagesordnung: 1. Constituirung des Vereines, 2. Wahl des Vorstandes, 3. Anträge. Wien. Donnerstag, den 16. d. halb 11 Uhr Vormittags, findet im «L-itzungssaale der iirael. Cultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, 2. Stock, die 28. ordentliche Generalversammlung der „Israelitischen Allianz" statt. Wien. (Verein zur Hebung der G e w e r b e.) Dieser aus seiner regen wirthschaftlichen Thätigkeit bekannte Verein hielt Samstag, den 27. v. M., in Khuner's Saallocalitäten seine XI. ordentliche Generalversammlung ab. Trotz der hohen Temparatur, die Versammlungen gewiss nicht günstig ist, war kein Plätzchen leer, und die Anwesenden brachten ein warmes Interesse dem ausführlichen Jahresberichte des Präsidenten entgegen, das wiederholt durch allgemeinen Beifall zum Ausdruck gelangte. Er erwähnte die Stellungnahme des Vereines in allen vorgekommenen wirthschaftlichen Fragen, die unsere Stadt im verflossenen Jahre tangirten, der Expertise des Vereines anlässlich der Stagnation im Baugewerbe, des empfehlenden Verzeichnisses an 3000 Arbeitgeber, ferner, dass im abgelausenen Jahre an 20,000 Kronen unverzinsliche Darlehen von dem Vereine vermittelt wurden, die an israelitische Handwerker nach erfolgter gründlicher Recherchirung zu 600—800 Kronen verabfolgt wurden, um die Existenzen derselben zu sichern. Sehr beifällig wurde entgegengenommen, dass nun auch in Prag und in anderen Städten nach dem Muster dieses Vereines ähnliche Vereine geschaffen wurden. In Abwesenheit des Cassiers, Herrn S. Steiner, verlas der Schriftführer, Herr Alsr. Kisch, den Cassabericht, den Herr Voglhnt als Revisor der Genehmigung empfahl. Die Herren Leop. Guttmann, Siegfried Beer und Adolf Beck hoben unter allgemeinem Beifall die außerordentlich rege Thätigkeit des bisherigen Präsidenten, Herrn S. Brod, hervor und empfahlen die Wiederwahl desselben per Acclamation. Herr Brod dankte für die ihn anszeichnenden Worte,- nahm die Wiederwahl aus zwei Jahre jedoch nur unter der Bedingung an, dass ihm gestattet werden müsse, auch andere Stände, insbesondere den Kausmannsstand dem Vereine beizuziehen, um aus diesem erweiterten Kreise den künftigen Führer des Vereines zu finden, denn auf länger als 10—12 Jahre könne er dieses schwierige, zeitraubende Amt, so ehrend es auch sei, nicht übernehmen, da ein täglicher Parteienverkehr von zwei und mehr Stunden mit demselben verbunden ist. Fast einstimmig, jedoch mit Stimmzetteln, wurden in den Vorstand gewählt die Herren: Hermann Beck, Leopold Guttmann, Alfred Kisch, S. Steiner, Jgn. Kantor, S. Friedmann, Max Wackler, Architekt Schön, Ferd. Pick, Joses. Rosenthal, Sigm. Mayer und S. Blankenberg. An der Debatte belheiligten sich die Herren: Architekt Schön, Ing. Löwenbeiu, Baumeister Schwadran rc. Unter den Anwesenden bemerkte man: in Vertretung des Cultusar jiiimmriim.'iiMiiiWinii

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