Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 17 (3.5.1901)
- Date
- 1901-05-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17. Dte Wahrheit. Seite 7. üblichem Eifer und Fleiße die Mädchen bestrebt sind, sich die zu ihrem Fortkommen dienlichen Kenntniße anzueignen. Auch französischer Sprachunterricht, sowie Unterricht im Maschinschreiben und in Stenografie wird jenen Zöglingen, die dies zu ihrem Berufe benöthigen, unentgeltlich geboten, und sprechen wir hiemlt dem Fräulein Jenny Landau, der Firma Remington Sholes Co., Chigago, sowie dem Fräulein Rosa Marcus, Präsidenten des Dameu-Steuografievereiues, für deren unentgeltliche Unterweisung in den gedachten Fächern herzlichsten Dank aus. Unsere Hort-Oeconominnen Frau Cäcilie Frank! und Frau Dr. Helene Stein, sowie die Hort-Revidentinuen Frau Bertha Käs und Frau Regine May, haben mit geradezu unermüdlichem Fleiße für unsere Mädchen Kleider, Wäsche, Schuhe rc. bei edlen Wohlthäter gesammelt, und es uns hiedurch ermöglicht, alle unsere Schützlinge, . sowohl zur Sommersals auch zur Winterszeit mit der uothwendigen Bekleidung zu versehen. Möge der gütige Gott den edlen Spendern das Gute, das sie unseren Kindern erwiesen, tausendfach vergelten! Die verhältnismäßig geringen Mittel, die uns zu Gebote stehen, erforderten die unermüdliche Opferwilligkeit unserer verehrten Mitglieder und Gönner und ihrer treuen Anhänglichkeit ist zum Wesentlichsten der Erfolg unserer Bemühungen zuzuschreiben. Wir glauben uns der zuversichtlichen Hoffnung hingeben zu dürfen, dass die Erkenntnis von der wahrhaft ersprießlichen Thätigkeit unseres Vereines in immer weitere Kreise dringen und uns opferwillige und thatkräftige Freunde zuführen wird; ist ja doch die gewerbliche Ausbildung armer, verwaister Mädchen, wie sie von uns planmäßig dnrchgeführt wird, eines jener wenigen Mittel, welche es ermöglichen, Roth und Elend nicht nur von Einzelnen, sondern oft von ganzen Familien und nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft zu bannen. In hervorragendster Weise hat das Curatorium der ^Baronin Hirsch-Kaiser-Jubiläums-Stiftung" wie im Vorjahre, so auch heuer, durch bedeutende, regelmäßige Subventionen zur Erhaltung und Ausgestaltung des .Hortes" beigetragen und gestatten wir uns hiemit, der genannten Stiftung unseren tiefgefühlten Dank auszusprecheu mit der Bitte, ihr gütiges Wohlwollen auch fernerhin unseren Bestrebungen entgegenzubringen. Nicht minder herzlichen Dank sagen wir dem löblichen Vorstände der Wiener israelitischen Cultusgemeinde für deren Jahres-Subveution per K 200.—, sowie für die aus der Stiftung des Herrn A. Jellinek unserem Vereine für dauernde Zeiten zugewendete alljährliche Spende von K 10.—. Aus der großen Zahl der uns zugeflossenen Geldspenden seien mit besonderem Danke hervorgehodeu: die Spende der I. österreichischen Sparcasse per K 60.—, der Frau Marie Baräuy per K 400.—, der Frau Sofie Deutsch per K 200.—, des Herrn David Fanto Per K 100.—, des Herrn Theodor Ritter von Goldschmidt per K 50.—, des Herrn Professor Richard Singer per K 50.—, das Legat per K 400.— nach dem leider all zu früh dahingeschiedenen Herrn Dr. Ludwig Ritter von Guttmaun, sowie das uns nach unserer hochseligen Wohlthäterin Frau Baronin Elara Hirsch de Gereuth zugefallene Legat, bestehend in 5 Stück Wasseranleihe ä K 100.— zusammen K 500.—. Nach Aufzählung weiterer Spender und Förderer des Vereines und Erwähnung der im abgelaufenen Jahre vorgekommenen Veränderungen im Vereinsvorstande schließt der Bericht mit folgenden Worten: Wir glauben mit Beruhigung sagen zu können, dass wir -ehrlich bemüht waren, zum Wohle unseres Vereines und in den Intentionen unserer verehrten Freunde gewirkt zu haben und dass unsere Arbeit auch von bestem Erfolge gekrönt war; denn was wir uns zum Ziele gesetzt, haben wir zum großen Theile erreicht; Noth und Elend haben wir so weit unsere Mittel reichten, ja oft über dieselben hinaus, gelindert, das Alter wurde gestützt und aufgerichtet, der Jugend der Weg zn erfolgreicher, selbstständiger Thätigkeit und sorgenfreier Zukunft gebahnt. Groß sind die Aufgaben, die wir uns gestellt, groß darum auch die Anforderungen, die wir an die bewährte treue und Opferwilligkeit unserer verehrten Mitglieder und Gönner stellen, nicht minder groß aber und unerschütterlich bleibt unser Vertrauen in deren fernere, unentwegte Mithilf an unserem großen Werke der Nächstenliebe; dürfen wir uns ja doch nicht verhehlen, dass noch gar Vieles zn leisten übrig bleibt, um das Werk, das wir begonnen, zur vollen Reife zu bringen. Mögen daher unsere geschätzten Freunde, durchdrungen von dem erhabenen Gefühle wahrer Menschenliebe, auch in Hinkunft jederzeit unserer Wohlfahrtseinrichtuug gedenken, mögen sie insbesonders in ihren Bekannten- und Freundeskreisen eindringlichst dahin wirken, unserer guten Sache neue Gönner zuzusühren, die vereint mir ihnen dazu beitragen, unsere Ausgabe erfolgreich zu vollenden, getreu dem Mahnrufe unseres deutschen Dichterfürsten: .Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!" Die Vereinsleitllllg besteht aus folgenden Damen und Herren: Frau Dr. Berta Kohn, Präsidentin; Frau Marie Baräuy, Präsidentin-Srello er treterin; Frau Cäcilie Frankl, Cassierin; Frau Dr. Helene Stein, Cassier-Stellvertreterin; Frau Dr. Lina Weiß, Schriftführerin; Frau Dr. Irene Engel, Schristführer-Stellvertreteritt; Frau Dr. Louise Bienenstock, Frau Alice Bruckner, Frau Dr. Helene Kauitz, Frau Bertha Käs, Frau Charlotte K sch, Frau Anna Löwy, Frau Regine May, Frau Dora Müller, Frau Katharina Ripper, Frau Helene Rotter, Frau Bertha Schönbrunn, Frau Dr. Zerline Schünwald, Frau Vilma Stein, Frau Dr. Elise Winternitz. Herr Moritz Fried, Herr Josef May, Revisoren; Herr Alfred Kisch, Herr Prof. Richard Singer, Herr kaiserl. Rath Dr. S. Kohlt. Herr Dr. Leopold Weiß, Herr Dr. Josef Winternitz, Beiräthe. _ Zur Selomrer Llutlüge. Wie in jder vorigen Nummer Ihres geschätzten Blattes bereits gemeldet wurde, editteu die hiesigen Antisemiten einen schmählichen Durchfall, der sie sogar zwingt, sich recht bescheiden aufs Bitten zu verlegen. So erschien auch der Pfarrer aus T. bei Belovar bei unserem Bezirksrabbiner, Herrn S. D. Tauber, tlud bat um die Zurückziehung der gegen ihn erstatteten gerichtlichen Anzeige, wobei er seilte Entschuldigung mit einer unglaublich großen Dosis Naivität würzte. Er betheuerte nämlich, niemals ein Antisemit gewesen zu sein, und bereute gar aufrichtig, dies alberne Geschwätz weiter verbreitet zu haben, da er wohl wisse, dass selbst das Christenthum de» Ritualmordes beschuldigt wurde. Ein B?lt müsse auf die niedrigste Culturstuse gesunken sein, um solch wioe rsiunigem Aberglauben huldigen zu können. Nachdem der Herr Pfarrer sich bereit erklärt hatte, auch in seiner Gemein )e. uiu zw ar öffentlich von der Kanzel herab,' dies Märchen zu bekämpfen, wurde ihm die gewünschte Berücksichtigung zugesichert. Gleich zeitig wurde ihm auch zum Abschiede ein sehr treffender, weiser Spruch eines französischen Schriftgelehrten eingeprägt, der lautete: .Au das Ritualmärchen glaub ich nicht, aber Gott sei Dank, dass mein Schuster es glaubt!" „Israelitische Allianz zu “Wien.“ Der Verein bezweckt: 1. Die Volkserziehung bei den Israeliten durch Errichtung oder Unterstützung von Schulen und durch andere geeignete Mittel zu fördern; 2. Israeliten, wo sie ihres Glauben» wegen zu leiden haben, eine wirksame Stütze zu bieten. Durch Leistung eines Jahresbeitrages von mindestens drei Gulden ö. W. wird man ordentliches, durch einmalige Zahlung vo® hundert fl. 5. W. lebenslängliche! Mitglied des Vereines. Anmeldungen zu Beitritt werden erbeten unter der Adreane: „Israelitisel*e Allianz zu Wien“ I., Weihburggasse 10. L Stosk.