Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 16 (26.4.1901)
- Date
- 1901-04-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16. Dte Wahrheit. Seite 7. für die Zukunft gesichert werden soll. Im abgelaufenen Jahre wurden gegen 300 Kronen an diverse Unterstützungen an kranke und hilfsbedürftige Frauen verausgabt, was bei beu bescheidenen Mitteln des Vereines eine recht anerkennenswerthe Leistung ist, Arünn. (Mähr. j ü d. W ais enhi lfsverein.) Sonntag, den 14. d., fand die diesjährige Generalversammlung dieses Vereines unter Vorsitz des Herrn kais. Rathes D. Mandl statt. Der Rechenschaftsbericht des Vorstandes für das abgelaufene Jahr beklagt die geringe Theiluahme, welche dieser so ^überaus segensreich wirkende Verein unter den hiesigen und auswärtigen Glaubensgenossen finde, ohne welche derselbe nicht im Stande sei, trotz des namhaften Fondserträgnistes allen an ihn herantretenden Anforderungen zu entsprechen. Insbesondere durch die immer zunehmende Nöthignng, die Dauer der Verleihung der Erziehungsbeiträge den Waisen weit über das 14. Lebensjahr hinaus zu verlängern, ist der Vorstand in vielen Fällen gezwungen, die Aufnahme neuer Waisen in die Vereinsobsorge auf einen späteren Zeitpunkt hinanszuschieben, was von diesen, resp. ihren Ernährern hart empfunden wird. Der Vorstand wiederholt daher seinen alljährlich erneuerten Appell an die Mitglieder der hiesigen, wie aller mährischen Gemeinden, sowie dereu Vorstände, dem Vereine mit ergiebigen Jahresbeiträgen beizutreten und der armen verlassenen Waisen auch durch milde Spenden in Freud und Leid eingedenk zu sein. Die Jahresbeiträge betrugen blos K. 2141.20, die Spenden nur K. 461 gegen K. 1394 im Vorjahre — Beiträge, die gegenüber den entsprechenden Zuflüssen anderer hiesiger wohlthätigeu Vereine, deren Thätigkeit sich lediglich auf Brünn erstreckt, während dieser Verein vorwiegend seine wohlthätige Wirksamkeit aufs Land ausdehnt, verschwindend gering sind. Für die Waisenpflege wurden K. 22.935 60 verausgabt, und es standen im letzten Halbjahre in der Vereinspflege 149 Kinder, und zwar BO in Brünn und 119 ans dem Lande, die in der Regel einen Erziehnngsbeitrag von 80 Kronen (bei zwei oder mehreren Geschtvistern 60 K.) halbjährlich beziehen. Die Aufsicht über Pflege mnd Erziehung der Waisen, die, soweit thuulich, bei ihren Müttern, beziehungsweise nächsten Angehörigen, untergebracht sind, führt in Brünn neben den Pflegepersoneu der Vorstand, in auswärtigen Gemeinden werden'hierzu Waisenväter durch die Cultnsvorstände designirt. Ohne Schnlfrequenzbestätigung wird kein Erziehungsbe.trag ansbezahlt, und besuchen sämmtliche Waisen die Volks-, Bürger-, Mittel- oder Fachschulen, einige sind als Lehrlinge bei Handwerkern untergebracht. Die über den Bericht eröffnete Debatte, an der sich die Herren I. Jellinek, Emil Sorer, S. Königswarter, S. Perlhefter und L. Löw-Beer betheiligten, beschäftigte sich mit den Mitteln zur Heranziehung neuer Mitglieder, wofür insbesondere eine größere Pnblicität der Kundgebungen des Vereines, die Errichtung eines Waisenhauses und anderes angeführt wird. Der Thätigkeitsbericht, sowie der vom Cassier L. Löw-Beer vorgetragene Rechnungsabschluss werden sodann genehmigt, die ansscheidenden Vorstandsmitglieder, Jul. Ritter v. Gomperz und Alois Witrofsky, in den Vorstand für drei Jahre wiedergewählt, ebenso die Revisoren Gustav Tandler und Ignaz Schulz. Hierauf wird die Versammlung vom Vorsitzenden geschlossen. Krag. Der „Nächstenliebeverein" zur Unterstützung verschämter Israel. Hansarmer hielt am 22. d. M. seine Generalversammlung ab. Der Präses, Herr Dr. L. Bendiener, gedachte der verstorbenen Mitglieder Leopold Kühe und Hermann Grab in ehrender Weise. Herr Alfred Bondy trug den Cassabericht vor, laut welchem im letzten Jahre über 25.000 Kronen an Unterstützungen verausgabt wurden. An Spenden sind über ,26.000 K. eingelaufen und in Werthen 7520 K. Außer den bisherigen Vorstandsmitgliedern, die wiedergewählt wurden, traten noch die Herren Michael Benies und Dr. Jul. Duschenes ne« in das Comio ein. Attdaxest. (Jüdische Krankenpflege.) Die Pester israelitische Cultusgemeinde hat beschlossen, an Stelle der bischerigen aichtjüdischen Wärterinnen im Spitals- und Armenpflegedienste der Gemeinde geschulte Pflegerinnen mosaischen Bekentnisses anzustellen und selbe nach dem Muster der Berliner jüdischen Schwestern auszubilden, zu orgauisiren und zu versorgen. Die Ausbildung dauert 3—6 Monate, je nachdem die Bewerberin blos für die Pflege Erwachsener oder auch für jene der Kinder ausgebildet wird. Nach ihrer Ausbildung wird die Schülerin, sobald ihre Fortschritte entsprechen, als Pflegerin provisorisch für das erste Jahr (inclusive Lehrzeit) angestellt. Die Institution wird, wie verlautet, dem Disciplinar-Ausschnsse des Damencomitos des Spitales unter dem Vorsitze der Frau HofrathSgattin Armin Renman und einer der Berliner jüdischen Schwestern entnommenen Oberin unterstehen, um deren Exmütirung sich die Ge neinde demnächst an die Leitung des Berliner Verbandes wenden wird. Es ist in erster Linie blos auf die Ausbildung ungarischer Jüdinnen abgesehen, doch glaubt mau, in Anbetracht dessen, dass an den östenrlichen Spitälern Budapests zumeist Ausländerinnen und Oesterreicherinnen, das heißt, Nonnen des Grazer Ordeushauses von St. Vincenz angestellr find, auch Ausländerinnen anfnehmen zu dürfen. Die theoretische Ausbildung wird, wie verlautet, unter Oberleitung des Herrn Professor Stiller, von den Herren Ehesärzten Groß (Interne), Mohr (Angen) und Alepy (Chirurgie) bewirkt werden. Die praktische Ausbildung geschieht auf den einzelnen Abtheiluitgen. Bei der Besetzung der Stationen wird auch der Wirthschastsdienst — wie in den öffentlichen Spitälern — von den Schwestern versehen werden. Aerki«. (E i ir S ch ä ch t v e r b o t.) Der Vorstand des Potsdamer Thierschntzvereines hat in einer Petition an den Magistrat und das Stadtverordnelen-Eollegium ein völliges Verbot des Schächtens verlangt. In der Stadlverordneten- Sitzitng vom 15. d. M. wurde von den Wortführern der Petition ihre Annahme begründet. Schon der erste Redner, Herr Artelt, behauptete unter Berufung auf das Urtheil des Oberverwaltnngsgerichts, dass es den Communen freiftehe, in ihren Schlachthosen das Schächten zu verbieten, was angeblich schon früher von der Regierung in Schleswig-Holstein ailerkannt worden sei. Ans der gleichen Tonart sprachen die Stadtverordneten Fröhlich, Krümmer und Bernhard, welche namentlich das Schächtverbot in Sachsen ausspielten, ein Redner sogar mit der — natürlich durchaus -unwahren — Behauptung, dass „die sächsischen Jnoen sich dabei beruhigt haben und das nichtgeschachtete Fleisch sich behaglich munden lassen!" Mit herzerfrischender Deutlichkeit kennzeichnete Herr Rechtsanwalt Dr. Friedländer (das einzige jüdische Mitglied des Collegiums) das Gebähten der Petenren. das nichts weiter als eine antisemitische Mache sei, der man ein thierschntzlerischeS Mäntelchen nmgehängt habe. Sein Hinweis, dass ein Verbot des Schächtens einer Gewifsensknechtung gleich kommen würde, seine Berufung auf die Gutachten der berufensten Fachbeurtheiler, vor allem auf das der wissenschaftlichen Depntarion für daS Medizinalwefeu blieb natürlich bei der antisemitischen Mehrheit ohne Eindruck, und so ist es schon als ein relativer Erfolg zu bezeichnen, dass die Petition nicht sofort angenommen, sondern einer Kommission von nenn Mitgliedern, unter denen sich auch Herr Dr. Friedländer befindet, zur Vorberathnng überwiesen wurde. Die Vertreter üeS Magistrats ließen über ihre Sellung keinen Zweifel. Herr Oberbürgermeister Jähne erklärte, dass er für ein Schächtverbot niemals zu haben sei; Herr Stadtrath Zwicker berief sich auf die tu einem Spezialfalle ergangene Verfügung des Ministers des Innern, welche den Communen das Recht bestreitet, das Schächten zu verbieten, gab aber zu, dass falls der zur Stunde noch nicht vorliegende Wortlaut der Oberverwaltuugsgerichts-Entscheidung den Zeitungs-Berichten entspreche, „eine gewisse Wandlung zuzulassen sein würde." Zue Beachtung. Hauslehrer (Korrepetitoren, Jnstructoren), Hofmeister (Erzieher). Borleser, Schreiber (Stenographen), Zeichner, Musiker, durchweg« israelitische Studirende an Wiener Hochschulen, empfiehlt bereitwillig und unentgeltlich auf schriftliche Anfragen hin 0r. Friedriche z. Kraus S, W ien, I., W ei h bürg gas se 10, I. Stock.