Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 15 (19.4.1901)
- Date
- 1901-04-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Hesterr.-ungar. Kantoren-Aeitung. Nr. 15. Beilage zur Zeitschrift „Pie Wahrheit." 21. Iahrg. Heinrich M. Mas. Eines der hervorragendsten Mitglieder der türk -israel. Gemeinde in Wien ist Dienstag, den 16. d. M, nach längerer Krankheit im 60. Lebensjahr verschieden. Herr Heinrich M. Elias, Mitchef des in weitesten Kreisen bekannten Großhandlungshauses A. H. Elias, Verwaltungsrath mehrerer Institute, war durch sein liebenswürdiges Wesen, durch seinen seltenen Charakter und seinen vielbethätigten Wohlthätigkeitssinn eine allgemein geachtete und verehrte Persönlichkeit. Die türk.-israel. Gemeinde verliert an dem Dahingeschiedenen einen warmen Förderer. Die Familie A. H. Elias hält noch strenge an den alten Sitten und Gebräuchen der jüdischen Religion. Der frühere Senior des Hauses, Herr Menachem H. Elias s. A., welcher vor circa 10 Jahren im hohen Alter gestorben ist, machte viele namhafte giostherzige Stiftungen und widmete ein Haus, in welchem die Beamten der Gemeinde unentgeltliche Wohnungen haben. Ferner gründete er ein Beth-Hamidrasch und liest Wohnungen einrichten für fremde, zugereiste oriental. Israeliten. Das Leichenbegängnis des Herrn Heinrich Elias gestaltete sich zu einer allgemeinen Trauerkundgebung, und erschienen im Trouerhause der Präsident der Cultusgemeinde, Commercialrath Heinrich Kliuger, Baurath Wilh. Stiastuy, Dr. Alfred Berger, kais. Rath Vogel, kais. Rath Wilhelm Pollak, Orlsschulrath S. Hei:, die Präsidenten der türk: israel. Gemeinde, Marcus M. Russo und Licco Adutt, der Vorsteher der türk. Chewra Kadischa, Licco Russo, die Obmänner der einzelnen humauitäreit Vereine, fast sämmtliche Mitglieder der türk.-israel. Gemeinde und viele Trauergäste aus allen Kreisen der Wiener Gesellschaft. Obercantor Bauer trug unter Assistenz des gesammten Chores die üblichen Psalmengebete tiefbewegt vor, während Rabbi Papo alle Tugenden des Verblichenen in der Trauerrede schilderte. Möge der älteste Bruder, Herr Abr. M. Elias, die liefbetrübte Witwe und die Kinder des Verblichenen, sowie die ganze Familie Trost und Linderung ihres Schmerzes in der allgemeinen Theilnahme stnden, die ihnen zugewendet wird. Verschiedene Nachrichten. Wien. Im liiterarischeu Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" fand Sonntag, den 14. April, ein Vortrag statt. Frl. Camilla Wagner wählte das Thema „Was ist Zionismus". Es gelang ihr, dieses vielbesprochene Thema in der Weise zu beleuchten, dass sie über viele Punkte, die vielleicht mancher der anwesenden Damen bis setzt unverständlich waren, ausführlich aufklärte. Nachher ergriff Cand. Jur., Herr Bela M. Felsenburg, das Wort und referirte in vortrefflicher Weise über den „Zionistentag in Olmütz und die Mädchenvereine". Eine lebhafte Discussiou schloß sich seinem Referate an. Beide Referenten ernteten reichlichen Beifall seitens der zahlreich versammelten Gäste und Mitglieder. B. H. Wien. Die Tochter des Beamten der israel. Cultusgemeinde, Herrn Josef Steiner, Fräulein Jenny Steiner, hat sich mit dem Beamten im Armenamte der israel. ^Cultusgemeinde, Herrn Rudolf Kraus, verlobt. Wien. Wie uns aus Budapest berichtet wird, hat der reichtalentirte Sohn Ihres Mitarbeiters D. H. Spitzer, der jugendliche Dr. zur. Josef Spitzer am 15. d. M. das Advokaten-Diplom nach glänzend bestandener Prüfung erhalten. Wir können dem neuernannten Landes¬ und Wechselsgerichts-Advokaten betreffs seines" weiteren Fortkommens das Beste prognosticiren und wünschen ihm vom Herz nur Gutes. Elsdorf a/K. Herr Moritz Schwarz, Cantor und Religionslehrer, begeht am 28. April l. I. sein 25jähriges Amtsjubiläum. Herr Schwarz genießt wegen seines biederen Charakters und seiner großen Religiosität in der ganzen Gegend große Achtung und Verehrung. Etsdorf- Walkersdorf gehört zur Cultusgemeinde Krems. Drünn. (Ehrung.) Herrn Obercantor Josef H e l l e r in Brünn wurde eine besondere Auszeichnung zutheil, indem ihm vom mährischen Landesrabbiner, Herrn Dr. B. Placzek, die Mörenu verliehen wurde. Der feierliche Act nahm folgenden Verlauf: Am nc© Sb* siinu beim Hauptgottesdienst wurde Herr Obercantor Heller als 'wStr zur Thora aufgerufen, und wurde von Herrn Cantor Goldmann das Lloronu- Diplom und ein besonderer yntt> ■>» vorgelesen, nachher vom Tempelchor das ttp “rriK gesungen. Dieses seltene Ereignis, welches nicht nur Herrn Obercantor Heller, sondern auch den Cantorenstand auszeichnet, verdient besonders vermerkt zu werden. Herr Obercantor Heller erhielt zahlreiche Gratulationen, und herrscht darüber im Publikum allgemeine Befriedigung. . . . . u. Urünn. Der Chordirigent der Brunner israel. Cultusgemeinde und Gesangsmeister, Herr Leopold Schmidt, feiert mit seiner Gattin am 21. April d. M. das Fest der silbernen Hochzeit. Kaschan. Am 10. d. verschied hier der berühmte Chasan und einstige Obercantor, Herr Joses Cohn, genannt Jossel Kokosch, nach kurzem Leiden im 77. Jahre seines Lebens und wurde am 12. d. Vormittags unter großer Theilnahme, zur ewigen Ruhe bestattet. An der Bahre sprach Herr Oberrabbiner Dr. Klein das Menucho-nechauno-Gebet und Herr Obercantor Moritz Feuerstein trug das El-Mole-Rachamim in feierlicher Weise vor. IZukarest. In der rumänischen Antiseinitenliga scheint der „mammonistische Geist" geradezu verheerende Verwüstungen angerichtet zu haben. Das Organ des Jafsyer Antisemiten „Ecoul Moldowei" berichtet, dass der Bureauchef im rumänischen Unterrichtsmimisterium N. S. Dumitrescu in gleichzeitiger Eigenschaft als Präsident, Kassierer und Sekretär des geheimen Bukarester Antisemitenvereins 150.000 Francs einkassirt habe, von denen er für sich 1000 Francs monatlich als Redakteur der „Apararea Nationale", 800 Francs als Gehalt für seinen Bruder als Administrator der Druckerei und noch verschiedene andere Gehälter für eine Anzahl seiner Verwandten ausgesetzt habe. Das antisemitische Blatt berichtet ferner, dass aus den Monatsbeiträgen der Mitglieder, sowie aus dem Jahresabonnement der „Apararea National«" im Laufe von drei Jahren etwa 250.000 .Francs einkassiert worden seien, und schließt mit den Worten, dass die Bukarester Liga eine Geschäftsclique darstelle, welche den Antisemitismus ausbcute, um sich fette Monatsgehälter zu verschaffen, ohne irgend etwas zu leisten. Smyrna. (Das Ritualmordmärchen in Smyrna.) Am 26. März verbreitet sich in Smyrna das Gerücht, dass ein sechzehnjähriger Grieche, der im Handelshause Lenophonas und Comp, angestellt und bereits seit mehreren Tagen abgängig war, von den Juden zu rituellen Zwecken gemordet worden sei. Tags darauf begannen überall Massenansammlungen, und von mehreren Seiten wurden an armen Juden verübte Thätlichkeiten gemeldet. Dank dem energischen Eingreifen des General- Gouverneurs Kiamil Pascha und des Polizei-Präsidenten, wurde ein Ueberfall des Judenviertels seitens der griechischen Elemente verhindert. Das griechische und das Judenviertel wurden militärisch besetzt, starke Militär-Patrouillen unter Anführung von Polizeikommissären durchstreiften alle Straßen der Stadt, und alle Geschäfte mussten schon nachmittags geschlossen werden. Am 28. stieg die Aufregung, und die Griechen erstürmten die griechische St. Photinoekirche, erkletterten den Glockenthurm und begannen Sturm zu läuten. In Folge desien strömte von allen Seiten bewaffnetes Volk zusammen, und das türkische Militär, welches die ganze Zeit hindurch eine musterhafte Haltung eingenommen hatte, schritt mit aufgepflanztem Bajonnet energisch ein, bei welcher Gelegenhei 15 Griechen verwundet wurden, von denen einer gestorben ist. Die