Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 15 (19.4.1901)
- Date
- 1901-04-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 8. Die Wahrheit. Nr. 15. die Aufnahme in diese Humanitätsanstalt und die Prüfung und Beschlussfassung über die seit längerer Zeit eingelaufenen Gesuche. Auch die Organisirnng der Bezirkscommissionen ist ins Auge zu fassen und spricht der Präsident die Erivartnng aus, dass das zur Schaffung einer Geschäftsordnung für die Bezirkscommissiouen eingesetzte Comite seinen Entwurf dem Vorstande baldigst vorlegen werden gleich dringlich sei die Reform der Armenpflege; dem zu diesem Behuse eingesetzten Com'te sei eine schwierige Aufgabe gestellt, deren Erledigung nunmehr ernstlich in Angriff genommen werden muss. Der Präsident erwähnt weiiers, dass in jüngster Zeit seitens des BuchRevifions-Comites eine Buchrevision vorgenommen wurde, über welche der heute entschuldigte Comite-Obmann, Herr Leop. v. Lieben, berichten wird und gibt endlich ein Bild über die Finanzlage der Gemeinde mit Abschluss des ersten Jahres-Quartals. Der Obmann der IV. Section, Herr kaiserl. Rath Hirsch, berichtet, dass er bei der von ihm vorgenommenen Cassa-Scontriruug Alles in Ordnung gefunden habe. Ueber Antrag des Herrn Directors Simon wird beschlossen, der Frau Henriette Fischt, der würdigen Tochter des verewigten unvergesslichen Predigers Mannheimer, zur Vollendung ihres 70. Lebensjahres die Glückwünsche des Vorstandes in geeigneter Weise zum Ausdruck zu bringen. Ju Erledigung der Tagesordnung wird eine Reihe von Stiftungen der Berathung und Beschlussfassung zugeführt und zwar: Die Dr. Adolf Sachs'sche Techniker-Stiftung (Referent Herr Baurath Stiaßny). 5 Plätze a K. 600, gelangen entsprechend dem Anträge des zur Verleihung dieser Stiftung bestehenden Comites nach vorheriger Debatte über eine von mehreren Vorstandsmitgliedern beantragte Aenderung zur Besetzung; die Salomoit Goldschmidt'jche Stiftung für Gymnasialschüler, (Referent Herr Vice-Präsioent Dr. Kohn), und zwar 2 Stiftplätze a K. 100 und 3 Stiftplätze a K» 96, entsprechend dem Vorschläge des Präsentanten Herrn Baurathes Ritter v. Goldschmidt und der II. Sect.; die Jsaac Leeb und Lea Weinberg'sche Stiftung (Referent Herr Viccpräfideul Dr. Kohn) u. zw. 1 Stiftplatz im Betrage von K. 600 im Sinne des Beschlusses der 2. «Dection; die Moriz Freiherr v. Königswarter'sche Stiftung für einen Stipendisten im Spitale der israel. Cultusgemeinde, 1 Platz a K. 840 (Referent Herr Dr. Grünfeld), die Osias H. Schorr'sche Stiftung für Seminaristen, die sich an der Wiener israel. theol. Lehranstalt zu Rabbinern, beziehungsweise zu Lehrern ausbilden bezüglich welcher Stiftung die Beschlüsse der Genehmigung der Stiftungsbehörde bedürfen (Referent Herr Dr. Gtünfeld), und zwar 14 Plätze a K. 600 und Stiftungstheilbeträge au 2 Rabbinarscandidaien entsprechend den Anträgen der israel. theol. Lehranstalt und der II. Section. Betreffs eines Gesuches und des Antrages des Rectorates über dasselbe wird die Rückverweisung an die II. Section zur neuerlichen Antragstelluitg beschlossen. Das Ansuchen eines Bethausvereines um Bewilligung eines ständigen Bet Hauses wird in Hinsicht aus § 86 des Statutes mangels Bedürfnisses abgelshnt, wobei jedoch die Bewilligung eines temporären Betlocales für die hohen Feiertage dem ansuchendeu Verein in Aussicht gestellt wird. Ueber das Ansuchen eines Bethausvereines um Bewilligung von Sammlungen wird in Hinblick auf gewonnene Erfahrungen eine ablehnende Aeußerung beschlossen. Dem Vereine „Union", welcher sich die Aufgabe gestellt hat, mittellosen Glaubensgenossen behufs Erwerbung des Heimatsrechtes unentgeltliche Rechtshilfe angedeihen zu lassen, wird zur Förderung dieser humanitären Bestrebungen ein Betrag von 1000 Kronen votirt. Die Ignatz Natzler'sche Graberhaltungsstiftuug wird im Sinne des Antrages der VI. Section unter gewissen Modalitäten genehmigt. Endlich wird eine Reihe von Personalien und Steueraugelegenheiten erledigst Schluss der Sitzung um halb 2 Uhr Nachmittags. Wien. Der Vorstand des Vereines „Kinderheim" zur Gründung von Heimstätten für verkrüppelte Kinder jüdischer Consession veröffentlicht folgenden Aufruf: Am 8. Mai d. I. findet unwiderruflich die Ziehung der uns vom hohen k. k. Finanzministerium bewilligten Lotterie statt. Von dem Ergebnisse dieser Lotterie wird es abhängen, ob wir schon im Herbst d. I,. in der Lage sein werden, unser Heim in Laa den unglücklichen Kindern zu eröffnen. An alle unsere Mitbürger jüdischen Glaubens richten wir im Namen der Unglücklichen die innige Bitte, uns durch Ankauf der Lose zu unterstützen und die von uns zngesandten Lose annehmen und honoriren zu wollen. Wir heben es wiederholt hervor, dass wir, bei nur einiger Opfer Willigkeit unserer Glaubensgenossen, in kürzester Frist in die angenehme Lage versetzt sein werden, unser schönes Heim dem schönen Zwecke zuzuführen. Wien. (Kaiser Franz Josefs-Ferienheim.) Dieser rührige Verein, an dessen Spitze seit seiner Gründung die nimmermüde Präsidentin, Frau Sophie Grünfeld, steht, versendet soeben den Bericht über das neunte Vereiusjahr. Demselben ist zu entnehmen, dass dieser Verein, der sich allerorts der lebhaftesten Sympathie erfreut, in seinem humanen Wirken gedeihlich fortschreitet. Eine exceptionelle ist dem Vereine „Ferienheim" im abgelaufeneu Jahre zu Theil worden, indem Se. Mnjestät der Kaiser allergnädigst zu bewilligen geruhte, dass die von diesem Vereine in Tischnowitz (Mähren) gegründete Feriencolonie „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" benannt werde. Die feierliche Einweihung dieses der öffentlichen Wohlfahrt gewidmeten Heimes wird im Monate Juni d. I. festlich begangen werden. Weiters ersehen wir aus dem Berichte, dass die Zahl der im abgelaufenen Jahre in die Feriencolonien entsendeten Kinder größer war, als im Vorjahre uitb dass ein besonderes Augenmerk den scrophulosen Kindern durch Entsendung in Jodbäder zugewendet wurde. Die Kinder verblieben dort 4—6 Wochen und. mit wahrer Genugthuüng konnten die ausgezeichneten Erfolge des Landaufenthaltes und der Heilbäder coilstatirt werden. An den interessanten Detail-Bericht über die im Jahre 1900 nach Tischnowitz. Petrau, Jodbad, Darkau, Bad Hall, Baden bei Wien rc. entsendeten Colonien schließen die statistischen Tabellen an, denen u. A. zu entnehmen ist, dass die in die Colonien entsendeten 522 Kinder um 699 5 Kg. an Gewicht Zunahmen. Die Berichte der Mädchen-Comitös Section Wien und Section Brünn lassen die erfolgreichen Bemühungen der jungen Damen um diesen eminent human wirkenden Verein erkennen. Nebst dem vollständigen Verzeichnisse der Stifter, Gründer, Spender und Mitglieder, enthält der Bericht den Gebahrnngsausweis und eine statistische Darstellung der neunjährigen Vereinsthätigkeit. Bedauerlich ist es-, dass der Zuwachs an Mitgliedern im abgelaufenen Vereinsjahre in keinem Verhältnisse steht zu den früheren Jahren. Dieser Umstand ist bei der großen Bedeutung, welcher dem edlen Wirken des Vereines zukommt, unerklärlich. Mögen die bemittelten Kreise die edlen Bemühungen des „Ferienheim", armen, kranken Kindern unserer Glaubensgenossen Genesung und schwächlichen Kindern Kräftigung zu bringen, durch lebhaftere Betheiligung fördern! Wien» (Bomsoli Ewjaunim.) Unter den vielen Wohlthätigkeitsvereiuen, die ihr Entstehen und Gedeihen ausschließlich der Opserwilligkeit und Munificenz der hiesigen Jndenschaft verdanken, verdient es wohl der Verein „Tornech. üwjaimiin“ zur Unterstützung armer jüdischer Zugereister, II., Herminengasse 6, mit Fug und Recht publicistisch erörtet und gefordert zu werden. Dieser den edelsten menschlichen Motiven-entsprungene Verein, der sich ursprünglich darauf beschränkte, armen hier auf der Durchreise befindlichen Glaubensgenossen durch Gewährung von Geldunterstützungen und Freitischen an Sabbath- und Festtagen über n omentane Verlegenheiten hinwegzuhelfen, hat in letzterer Zeit den gegenwärtigen Verhältnissen Rechnung tragend den Rahmen seiner Thätigkeit erweitert und auch die Unterstützung hiesiger verschämter und würdiger Armer in seine Sphäre gezogen. Als ob sie die Devise des Vereines, die da lautet :