Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 15 (19.4.1901)
- Date
- 1901-04-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 15. Die Wahrheit. Seite 7. nothwendig die Strafe nach sich ziehen; dasselbe dulden, wäre eine feige Schwachheit, es hieße sich zum Mitschuldigen desselben machen, welches man unbestraft lässt. Der Burger konnte seine Seeleugröße bekunden, indem er die Beleidigung rächte, oder sie verachtete; je nach den Umständen und der gesellschaftlichen Stellung des Beleidigers, wählte er das Eine oder das Andere. — Wir wählten das Erstere. tf Jetzt kennt man ganz genau unseren Standpunkt. Verurtheile ihn, wer es vermag! . . D. H. Spitzer. Äuü der CuUnsgemkinde Gr.-Lmchja. Am 31. Mär; wurde die ordentliche Jabres-Generalversammlung mit folgendem Programme abgehalten : Rechenschaftsbericht; Enthüllung des Porträts des Gemeindepräses, Herrn Wilhelm Gutmann de Gelse, als Anerkennung seines zehnjährigen verdienstreichen Präsidiums; Statutenänderung; Wahl ber elf Ausschussmitglieder, Revifionscommission und fünf Disirictsrepräsentanlen; etwaige Anträge. Der Präses-Stellvertreter, Herr Heinrich Grün Hut, eröffnet die Versammlung mit dem Ausdrucke des Bedauerns, dass der Präses krankheitshalber genöthigt ist, der heutigen Generalversammlung fern zu bleiben, wodurch auch die Enthüllung seines Porträts entfällt. Antnüpfend an diese Mittheilnng wird über Antrag des Oberrabbiners dem Präses telegraphisch allgemeine Theilnahme ausgedrückt, mit dem Wunsche, ihn bald wieder vollkommen hergestellt in unserer Mitte begrüßen zu köiinen. Dem hierauf zu Verlesung gelangenden, in klarer Darstellung alle Zweige der Gemeindeverwaltung umfassenden Rechenschastsherichle entnehmen wir folgende Daten: T e m p e l s e c t i o n. Obmann Herr Alexander Sommer. Ein herrlicher Gottesdienst, geistreiche Kanzelvorträge erheben stets die Beterschaar und erbauen die Gemüther in frommer Andacht. Außerordentliche Gottesdienste wurden zwei, Predigten achtnnddreißig abgehalten. Die Ausgaben des Eultus betragen 12,147 K. 31 H. — Wieder tanchte die Frage der Tempel- Vergrößerung^ aus mit dem Ansuchen, der Vorstand wolle in nächster Zeit einen diesbezüglichen Vorschlag einbringen. Auch für ein warmes Belhaus für die Wintertage soll gesorgt werden. S ch u l s e c t i o u. Obmann Herr Dr. Jak. Rothschild. Die Opferwilligkeit der Gemeinde zeigt sich da in höchstem Maße. Unter den schwierigsten Verhältnissen wird die vierclassige Knabennnb Mädchen-, vierclassige Bürger- und dreiclassige, gesetzlich anerkannte Handelsschule erhalten. Der den Einnahmen gegenüber sich ergebende Ausfall beträgt 18,222 K. 16 H. Von der Gesammtanzahl der Schüler 525, waren 206 unentgeltlich, 161 mit ermäßigter Taxe und 158 mit voller Zahlung. — Außerdem erhielten 330 jüdische Schüler aus den verschiedenen städtischen Schulen den Religionsunterricht. Der Talmud Thora-Verein unter Präsidium des Herrn Moritz Halphen har nach langjähriger Stagnation auf Verwendung des Herrn Oberrabbiners wieder einen hebräischen Unterricht, geleitet in drei Abtheilungen von zwei angestelltenLehrern, separat eingeführt, ’ woran 250 Schüler aus den Volks-, Bürger-, Handels- und Gymnasialclasfen theilnahmen. W o h l t h ä t i g k e i t s s e c t i o n. Obmann Herr Sam. Vidor. „Der Wohlthätigkeit können keine Schranken gesetzt werden", war die Antwort, als tu den letzter! Monaten des Jahres referirt wurde, dass das Präliminare weit überschritten sei. So wurde dieses Conto mit einer Mehrausgabe von 1473 K. 79 H. abgeschlossen. Vertheilt ivnroe an Arme, einschließlich der Unterstützung rumänischer Flüchtlinge, von 600 K., die der Herr Präses mit 200 K. ans eigenem Säckel vermehrte, der nicht unansehnliche Betrag von 20,917 Kr. 71 H. S t i f t u n g s s e c t i o n. Obmann Herr Dr. Sam. Rothschild. Mit scrupulöser Gewissenhajligkeit, um den Anordnungen der verschiedenen Stifter genau uachzukommen, besorgt diese Section in ihren allmonatlichen Sitzungen die für Seelenheil, Wohlthätigkeit und andere gemeinnützige Zwecke bestimmten Zinsen der eingelegten Stistungscapitalien, die in diesem Jahre durch eine 4000 Kroueu-Stiftnng für die Eltern des Präses- Stellvertreter, Herrn Heinrich Grünhut vermehrt wurden. Der Gesammtbetrag aller Stiftungen beträgt 387.665 K. Die aus diesen Zinsen eingelegten Fände betragen heute 126 620 K. j15H. Die jährlichen Zinsen betrugen 12.476 K. 6 H. F i n a n z s e c t i o ri. Obmann der Präses-Stellvertreter. Schon die Berichte über die vorhergehenden Sectionen zeigen, dass d'ese Section, in welcher alle Fäden der Verwaltung zusammenlaufen, eine außerordentliche Thätigkeit erfordert, die auch stets unverdrossen in musterhafter Ordnung geleistet wurde. Der | Gesammtverkehr der Cassa beträgt 185.146 K. 75 H. Vom Cassaüberschusse 3815 K. 81 H. wurden sofort 2000 K. dem Beamten-Pensionsfoude zngeiveudet. Der Bericht wurde von den zahlreich versammelten Mitgliedern unter Beifalls- und Elfen-Rufen zur Kenntnis genommen, worauf über Anregung des Präses-Stellvertreters i dem Secrelär, Herrn Ludwig Barta, für die meisterhafte Abi fassnng desselben, jo wie für die nicht zu muerschätzende Thärizkeil der übrigen Kanzletbeamten, Anerkennung und gebührendes Lob protokollarisch ausgesprochen wurde. Die zeitgemäß verbesserten Statuten wurden in der vorgelegten Fassung einstimmig angenommen. Die hierauf folgende Wahl wurde im Sinne der Slmnten vollzogen. Reugewühlt wurden: In den Ausschuß: Herr Siegfried Bettlheim und Herr Eduard Reichenfeld. In die Revistous-! Commission Herr Sigmund Rothschild. Schließlich wurde der eingelangle Antrag des Herrn L. Zerkovitz, den Gottesdienst betreffend, der Tempetfecuon zilge- ' wiesen und aus Antrag des Herrn S. Lendvai, dem Vorstände! für dessen trenbefliffene, mustergiltige Verwaltung einstimmig der Dank ausgesprochen. G. j Gemeinde- und Dereinsbote.! Wien. (A u s der S i tz un g d e s Vorstandes Iber Wiener israelitischen C u l t n s g e me i n d e vom 14. April 1901, unter dem Vorsitze des Präsidenten, Herr u C o m m e r c i a l r a t h K l i n g e r.) I Alls dem Einlaufe wird zur Kenntnis gebracht: Eine Zuschrift des Magillrates, betreffend die Ablehnung; des Ansuchens des Cultnsvorslandes um Errichtung von Gräbern vor den Gehölzen der Gruppen 5 d und 6 gegenüber der Ceremonienhalle der israelitischen Abtheilnng des Centralfriedhofes.! (Wird der Friedhof Section abgetreten.) An Spenden lind eingelanfen: Von Frau Ranetle Mautner l für den Erhaltungssond des israelitischen Altersverforgnngshanses I K. 1000. — , von Herrn S. Heit, als Aequivalent für eine | Beihausspendeiür verschiedene Wohlthätigkeits-AnstaltenK. 400.—, | von Herren Dr. Mori; und Siegfried Landau und Frau Adele | Peter anlässlich des Ablebens ihrer Mutter, für Arme K. 400.—, | von Herrn Leopold Kern, für Mazzokh für Arme K. 200.—> i 'Anonymus durch Herrn kaiferl. Rath Dr. Lieben anlässlich! des Ablebens eines Beamten, für Arme K. 200.—, Anonymus für Arme K. 30.—, Ch. auläfslich der christlichen Oslerfeierl tage für jüdische Arme K. 20.—, Anonymus, für beliebige 1 wohlthälige Zrvecke K. 20.—, von Frau Stella Schneider, für arme Kinder K. 4.—. Vor Uedergang zur Tagesordnung bemerkt der Vorsitzende, dass er zu seinem Bedauern genöthigt war, seinen Urlaub inchlge Unwohlseins etwas länger als ursprünglich von ihm beabächugt gewesen, anszndehnen. Im Präüdialbericht verweist der Vorsitzende ans die Be- I siimmung des I 97 des Statutes, betreffend den Rechnnngs-! abschlnss. Außer der Erledigung des Rechnnngsbeschlusses werde der Vorstand in nächster Zeit durch einige dringlichere Angelegenheiten in Anspruch genommen sein. Die bevorstehende Eröffnung des Siecheuhaufes erfordere eine Beschleunigung der Berathungen des Statutes betreffend