Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 14 (12.4.1901)
- Date
- 1901-04-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Hejlerr.- Ungar. Kantoren-Deitung. Nr. 14. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 21. Iahrg. Oesterr.ungar. Cautorrn-Vereiu. In der Donnerstag, den 28. Marz, stattgehabten Vorstandssitzung erstattete Vereinscassier I. Cantor M. Blatt den an anderer Stelle veröffentlichten Rechnungs-Ausweis über das abgelamene Vereinsjahr, welcher nach Prüfung durch die Controllore vom Vorstände mit Ausdruck des Dankes für die Mühewaltung des Vereinscafsiers genehmigt wurde. Der Gemeinde Tobitschau und dem daselbst amrirenden Vereinsmitgliede, Herrn Cantor I. Weiß, wurde für die alljährlich zugewendete Spende der Dank des Vorstandes votirl und zugleich beantragt, nach längerer Zeit wieder einmal einen Versuch mit Aussendung der Sammelbögen zu machen. Ueber eine in der „Oesterr.-ungar. Cantoren-Zeitung" gegebene Anregung wird beschlossen, im heurigen Sommer im Anschluss an eine Generalversammlung des österr.-ungar. Cantorenvereiues einen allgemeinen „Cantorentag* einzuberufen und sämmtliche Cantoren dev österr.-ungar. Monarchie zu demselben einzuladen. Die Einladung wird durch die ^Oesterr.-ungar. Cantoren-Zeitung* erfolgen. Von der Aussendung besonderer Circuläre wurde abgesehen, da die bisherigen materiellen Opfer, die der Verein behufs Anbahnung einer umfassenden Organisation berclls brachte, sich als nutzlos erwiesen haben. Zugleich wurde mit Bedauern und Missbilligung auf den anlässlich der Ausschreibung des Karlsbader Concurses neuerdings zu Tage getretenen Mangel an Solidarität und Collegialität unter den Cantoren hiugewiesen, indem trotz dringlicher Aufforderung in der „Oesterr.-ungar. Cantoren-Zeitnng" einer Einladung zum Probevortrage in Karlsbad nicht Folge zu leisten, die dorthin berufenen Cantoren dennoch die Einladung acceptirten. Mit Rücksicht auf den im Jahre 1903 stattfiudenden 100. Geburtstag Meister Sulzer's wird beschlossen, zu jener Zeit eine großangelegte Sulzer-Centennar-Feier zu veranstalten, und wurde, um die nötigen Schritte einzuleiten, ein dreigliedriges Cornite, bestehend aus dem Präsidenten, Josef Singer, aus dem Viccpräsidenten Jacob Bauer und Vereinscassier Moritz Blatt, eingesetzt. Lin Wort über Zedokoh. Von Samuel Schwarzbaum. Kein Gebot erfreut durch seine Erfüllung so das Menschenherz, wie das Gebot der Mildthätigkeit, wenn man es wirklich mir dem Herzen ausübt. Fragt man sich aber, ob jede Mildthätigkeit, oder richtiger jede Gabe, die man jemandem reicht als Zedokoh im eigentlichen Sinne anzusehen sei und von Gott als solche angenommen werde, so wird diese Frage nicht selten verneint, ja sogar manche Zedokoh verworfen, und mit vollem Rechte als Sünde gestempelt werden müssen. Private und.öffentliche Wohlthätigkeit geben fast täglich genügend Beispiele für gm und schlechtangebrachte Zedokoh. Wenn einem Kranken, der sich aus eigenen Mitteln nicht zu retten vermag, Hilfe geboten wird, wenn eine Gemeinde für den Unterricht armer Kinder sorgt und dieselben mit Lehrbüchern und anderen nothwendigen Dingen versieht, wenn einem Armen, der trotz Fleiß und Arbeitslust sich nicht ernähren kann, heimlich eine Unterstützung zugeschickt wird, so können die Spender an dem Bewusstsein sich erfreuen, dass sie ein wahrhaft gottgefälliges Werk ausgeübt haben. Nicht immer ist dies aber bei der heute geübten öffentlichen -Wohlthätigkeit der Fall. Man unterstützt oft solche, die ohne Unterstützung leben könnten aber nur aus dem Grunde ihr gutes Gewerbe vernachlässigen, weil sie wissen, dass die Gemeinde das Fehlende ersetzen wird. Solche Zedokoh zu üben, ist eine Sünde, weil vielen gesunden, kräftigen Und arbeitsfähigen Menschen die beste Gelegenheit zum Faulenzen geboten wird. Was mich veranlasst, gerade im gegenwärtigen Momente auf diese Dinge hinzuweisen, ist folgendes: Alljährlich werden in den meisten Gemeinden von vielen besser bemittelten Mitgliedern anlässlich der Pessachfeiertage Gaben gespendet, die an Ortsarme vertheilt werden sollen. Die Vertheilung derselben obliegt natürlich dem Cullusvvrstande, der nach bestem Wissen und Gewissen vorzugehen hätte. Leider unterlaufen dabei;bie größten Fehler. Während der wirklich Dürftige nicht einmal mit einigen Kilo Mazzot bedacht wird, erhalten die Ortsfaulenzer reichliche Gaben, außer Mazzot noch Fleisch, Wein, Eier, Kartoffel, Schmalz und auch noch einen oder wenigstens einen halben Liter Sliwowitz. Darf das eine gottgefällige Zedokoh genannt werden? In großen Gemeinden kann solchen Fehlern schwer vorgebeugt werden; in kleinen Gemeinden jedoch, wo der Vorstand jedes Gemeindemitglied genau kennt, dürften solche Misgriffe sehr leicht verhütet werden, um nicht ein göttliches Wort zu misbrauchen und einen wirklich' Nothleideuden zu verkürzen. _ Mteratur. Schiras Zehudoh. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die synagogale Gesangslitteratur in den letzten Jahren von verschiedenen Seiten werthvolle Bereicherung erfahren hat, und es ist ein erfreuliches Zeichen der Zeit, dass immer von Neuem wieder Männer in die Arena der Oeffentlichkeit treten, bei denen die natürliche Entwicklung der jüdischen Musik nicht spurlos vorübergegangen ist. Man braucht jdarum nicht gleich etwa einen Emanuel Kirschner als Maßstab anzulegen, auch Herr Obercantor Leopold Rosenzweig in Abony hat mit seinen jüngst herausgegebenen Gesängen „S ch i r a s I e h u d o h" gezeigt, dass auch er zu den Berufenen gehört, von denen noch manch' Gutes zu erwarten ist. Das Werk ist bereits von vier Autoritäten des österreichisch-ungarischen Cantorates gutgeheißen worden, und wenn mir als deutschen Cantor der ehrenvolle Auftrag zutheil geworden ist, mich über die Rosenzweig'schen Compositronen zu äußern, so kann ich nur sagen, dass sie auf mich einen guten Eindruck gemacht haben. Herr Rosenzweig ist ohne Zweifel einer von denjenigen Cantoren, der die Formen der Musik nicht allein kennt, sondern der sie auch;u handhaben weiß. Die Melodik ist durchwegs originell und die vierstimmigen Sätze sind auch in harmonischer Beziehung mit anerkennenswerter Sorgfalt behandelt worden, Nr. 30 verräth sogar eine gewisse Fertigkeit im fugiertenZ Stile. Die drei Recitative Nr. 9, 10 und 21 stellen hauptsächlich der cautoralen Leistungsfähigkeit ihres Autors ein günstiges Zeugnis aus, denn wer so zu schreiben versteht, der versteht auch vorzutragen. Im Angesichte solcher Eigenschaften kann ich das in seinem ganzen Umfange modern gehaltene Werk den Herren Collegen nur auf das Wärmste empfehlen. HermannZivi. Elberfeld. „Hitközsegi ügykezeles“: „Sie Verwaltung der Cultus gemeinde" von Ludwig Barta, Secretär der israel. Cultusgemeinde in Gr.-Kanizsa. — Eine neue Erscheinung auf dem Gebiete des Gemeindewesens, die einen längst fühlbaren Mangel ersetzen 'soll, begrüßen wir in diesem reichhaltigen Buche um so willkommener, als uns die Tüchtigkeit des Verfassers und dessen zwanzigjährige Praxis in einer Gemeinde ersten Ranges, wo seit Jahren eine moderne, den Anforderungen der Zeit entsprechende Verwaltung eingeführt ist, dafür bürgt,, dass hier redactionell wie administrativ eine vollkommene und allen Gemeinden zweckdienliche Arbeit geliefert wird. Alle Phasen des Gemeindelebens sind hier in einem fließenden Amtsstyl besprochen und mit einer Präcision darge.stellt, die nichts zu wünschen übrig läßt. Für alle