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Die Wahrheit · 1901-04-12 · Heft 14 (12.4.1901) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 14 (12.4.1901)
Date
1901-04-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 14. Die Wahrheit. Seite 11. Zweige der Gemeindeverwaltung bietet das Buch in ergiebigstem Maße Anleitungen und Beispiele. Alle auf das Gemeindewesen, auf Rabbinat. Schule, Matrikelamt, Wohlthätigkeits-Vereine bezughabenden Regierungs- Verordnungen, Gesetze, Ministerial-Erlässe, die Congress-Statuten, die Statuten für status quo und orthodoxen Gemeinden, die Landeskanzlei- Beschlüsse beider Richtungen sind wörtlich wieder gegeben. Die einfache und doppelte Buchführung, Budget, Rechnungs-Ausweise, Status u. s. w. sind in der leichtfasslichsten Form anschaulicht gemacht. Ja, zur leichtern Orientirung ist die Cassa-Gebahrung zweier Monate in allen ihren Einzelnheiten, in Strazza-, Cafsa-, Journal-, Hilfs- und Hauptbuche verbucht und bis zum Abschlüsse der Contis durchgeführt, so dass dieses Buch für den Anfänger wie für den Fachmann eine wahre Fundgrube zur Lösung aller auf diesem Gebiete auftauchenden Fragen und schwierigen Facta bildet. Von dem alle Gemeinde-Angelegenheiten reichlich umfassenden Inhalte erlauben wir uns besonders hervorzuheben: Die Creirung und Autonomie der Cultusgemeinde, Matrikelführung, Schulwesen, Volks-, Bürger- und Mittelschulen Religionsunterricht, Vorstands Wahlen, Cultussteuer, Gabella, Stiftungen, Tempelagenden, Jahresberichte, Pensionsstatut, Normativ für Beamte und Diener, Archivordnung, Postalisches u. s. w. So wird dieses Buch, auf welches der Verfasser ungemein großen Fleiß angewendet hat, um die einschlägigen Materialien zu sammeln und sie systematisch zu gruppiren, nicht allein dem Fachmanne, sondern auch dem einzuweihenden Vorstandsmitglieds, dem Rabbiner, dem Lehrer und jedem, der für Cultusangelegenheiten warmes Interesse hegt, e n erwünschter Rathgeber in allen fraglichen Fällen werden. Trotz des reichhaltigen Inhaltes dieses vierzig Druckbogen fassenden Buches hat der Herausgeber, Herr Ludwig B a r t a, von welchem es auch zu beziehen ist, den Abonnementspreis auf 6 Kronen, gebunden 6 Kronen 60 Heller, festgesetzt' und bietet bei Abnahme von 10 Exemplaren ein Freiexemplar. S. Goldmann. — Der rührige Verlagsbuchhändler M. W. Kaufmann in Leipzig versendet seinen fünften C a t a l o g „Musikalische Litteratur," der für die Herren Collegen von besonderem Interesse sein dürfte. Alles, was mit jüdischer Musik in Synagoge und Haus zusammenhängt, ist darin enthalten. Namentlich ist die bevorstehende Ausgabe des „Schir Zion" von Sulzer besonders hervorzuheben. Der Nihilist. Ein Zeitroman aus dem russisch-jüdischen Leben. Von Moritz Scherbe!. (Nachdruck verboten.) (44. Fortsetzung.) 11. Eingetretene Besserung. Der racheschnaubende Solkind Aronson hatte in Minsk die Anwesenheit des Nihilisten Wandelowicz in der Jechiel'schen Gastwirthschaft zur Anzeige gebracht. In Folge dessen kamen auch, wie wir wissen, Polizeibeamte dorthin, ohne indesden Gesuchten vorzufinden. Dar wusste aber Solkind nicht, in ihm waltete die frohe Genugthuung befriedigter Rache, er konnte sich sagen, dass Alexander für seinen Hochmuth nicht härter gestraft werden konnte, als dass er jetzt in den Bergwerken Sibiriens über das, was er gethan, nachzudenken haben werde. Das genügte indess dem in seinem Lieblingsplan gestörten Manne noch nicht; auch Wandelowicz sollte seinen Wortbruch büßen. Er, Aronson, wollte es aller Welt bekannt machen, dass Wandelowicz einst davor stand,^ der Wechselfälschung angeklagt zu werden, und dass er diesem Schicksal durch Selbstmord aus dem Wege zu gehen im Begriffe gewesen sei. Mit diesen kaum löblichen Vorsätzen kam Solkind in Gomel an, wo seiner indeß ein Empfang wartete, der ihn gar bald auf andere Gedanken brachte. Ans dem Flur seines Hauses traf er Rachel mit niederschlagenem Gesichte und tief verweinten Augen an, uud auf seine Frage, was es denn gebe, sprach das Mädchen in dem üblichen Jargon: „Wehe, wehe über uns — was ist uns geschehen — eine finstere Zeit ist über uns gekommen!" „Nun — was ist denn paffirt?" fragte Aronson entsetzt — „Gehe nur hinein. Du wirst es ja sehen — wehe» wehe ist geschehen!* Der Geängstigte stürztenach dem Wohnzimmer. Er kam nicht dazu, '».dasselbe selbst zu öffnen, denn die Thür that sich auf und in dem Rahmen derselbe erschien seine Gattin, heftig schluchzend und händeringend. „Bist Du endlich da?" ries sie ihrem Manne zu. „Komm nur her und siehe, was hier inzwischen geschehen ist", und sie führte den Angekommenen nach dem Schlafeabinet. wo Iwan, ihr einziger Sohn, blass, fahl mit geschloffenen Augen auf der Lagerstätte sich befand. DEin Verband, den er um den Kopf trug, verrieth, dass er eine Verwundung erlitten habe. Das leise Heben und Senken der Brust ließ erkennen, dass die Kräfte des Daliegenden bereits in starker Abnahme sich befanden. Auf's Höchste erschrocken, trat Solkind an das Lager seines Sohnes heran und rief ihn beim Namen. Allein nur ein leises Zucken der Augenlieder zeigte an, dass der Kranke den Zuruf vernommen; doch der Körper blieb starr und unbeweglich. Aronson wandte sich seiner Gattin mit fragendem Blicke zu. und diese, ihn wohl verstehend, zog ihn nach dem Nebenzimmer. Hier er» öffnete sie ihm, dass Iwan heute in der Nacht am Kopfe schwer verwundet heimgebracht wurde, dass es in einem Restaurant zwischen ihm und Officieren zu einer blutigen Schlägerei gekommen, wo er der Unterliegende geblieben war. Frau Aronsen theilte ferner ihren Manne mit, dass der Arzt die Wunde des Kranken der großen Schwäche derselben wegen nur flüchtig untersucht habe, er werde heute noch wiederkommen und habe 'vorerst nur kalte Umschläge und große Schonung und Ruhe empfohlen. Solkind nahm diese traurige Mittheilung mit stillem Schweigen entgegen. Als seine Frau geendigt, sprach er: „Ich wusste, dass es einmal so kommen werde. Der Verkehr und Umgang mit diesen leichtsinnigen, dem Trünke so sehr ergebenen Menschen konnte zu nichts anderem führen." (Fortsetzung folgt). Notizen. Erster Mädchen-Ausstattungs-Aerer» a. K. (Mädchen- und Knaben-Versicherungs-Anstalt.) Das 38. Verwaltungsjahr dieser Anstalt, dessen Bericht in der am 31. März, unter Vorsitz des Präsidenten Armin Schwarz und unter zahlreicher Berheiligung seitens der Mitglieder abgehaltenen Generalversammlung vorgelegt wurde, war wieder ein in jeder Beziehung günstiges und erfolgreiches. Wir entnehmen dem Berichte nachfolgende bemerkenswerthe Daten: Im Jahre 1900 wurden neueingeschrieben 14.969 Antheile, zumeist jüngerer Altersclaffen, was bei den allgemein schlechten Erwerbsverhältniffen, wie sie im verflossenen Jahre vorherrschten, ein ganz respeclables Resultat genannt werden kann. An Ausstattungsprämien und Rückzahlungen wurden 509.264 K. 90 H. verausgabt. Die Prämienreserve, mit Zuweisung von 1.271.917K. 16 H. aus dem Ergebnisse des Jahres 1990, beträgt 5 780.652 K. Den übrigen Fonds wurde der Beitrag von zusammen 115.517 K. 81 H. zugeführt, so dass dieselben die Höhe von 826.410 K. 29 H. erreicht haben. Dem Beamtenpensionsfonds der Anstalt wurden 4000 K. votirt, und beträgt derselbe 64.685 K. 29 H. Die Einnahmen betrugen 2.125.992 K. 40 H. Die Schlussziffer der Bilanz ergibt eine Gesammtsumme von 6.717.255 K. 21 H. und findet dieselbe in nachfolgenden Posten ihre Bedeckung. An Anstaltgebäuden — nach Abschreibung von 15.046 K. 88 H. — 1.489.622 K. 16 H., 4>/zpercentige erstclaffigen Staats- und anderen puppilarischen Werthpapieren 2.164.002 K., Sparcassa-Einlagen 2.171.392 K., auf Bestattungskosten 87.220 K., auf Krankengelder 50.364 K. 26 H., auf Aerztehonorare 48.171 K. 90 H., auf Grabstein- und Leichenmiethwagen-Beiträge 8917 K. 60 H. und aus außerordentliche Unterstützungen 11.854 K. 52 H. verausgabt. Der Reservefonds betrug 674.611 K. 23 H. Die Generalversammlung nahm den Jahresbericht und die Bilanz zur erfreulichen Kenntnis, ertheilte Functionären das Absolutorium und votirte der Direction und dem verdienstvollen Präsidenten Herrn I. Schlesinger für deren unermüdliche- und ersprießliches Wirken wärmsten Dank. Anlässlich der Barmizwa-Feier unseres jüngsten Sohnes Gustav sind uns von Nah und Fern viele herzliche Glückwünsche und Sympathiekundgebungen zugekommen, wofür wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank abstatten. Wien, am 12. April 1901. Obereantor J. Bauer und Brau.

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