Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 14 (12.4.1901)
- Date
- 1901-04-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14. Die Wahrheit. Seite 9. Wien. Sonntag, den 24. März fand in den Ronacher-Sälen das Kränzchen des Josesstädter Frauen-Vereines statt. Trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit nahm dasselbe einen glänzenden Verlaus und sah man es, dass die Präsidentin. Frau Amalia Beck, in jeder Beziehung es versteht, den Verein in seiner eleganten und vornehmen Weise immer aufrecht zu erhalten. Das Fest war so sehr animirt, dass die jungen Paare in fröhlicher Weise bis in den Morgen hinein sich dem Tanze Hingaben. Die Capelle „Drescher" besorgte die Musik, und Herr Tanzmeister Singer hat mit der Ausführung seines Cotillons allgemeinen Beifall errungen. Durch dieses schöne Fest ist dem Zwecke des Frauen- Wohlthätigkeits-Vereine abermals ein ziemliches Reinerträgnis zugeführt worden. Wien. Der litterarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" hat einen schweren, unersetzlichen Verlust erlitten. Mittwoch, den 27. März, wurde die verdienstvolle Vice-Präsidentin, Fräulein Rosa K o l l m a n, im jugendlichen Alter von 23 Jahren plötzlich durch einen Herzschlag dahingerafft. Die Verstorbene hat sich durch ihren hervor- Geist und ihre hinreißende Rednergabe in den weitesten Kreisen großer Sympathie erfreut. Von neuen Zukunftsplänen für ihr Volk erfüllt, kehrte sie Dienstag aus Olmütz zurück, wo sie bei dem Zionistentage durch ihren aus tiefster Seele entflammten, begeisterten Aufruf an die jüdischen Frauen und Mädchen alle Anwesenden im Sturm eroberte. Glückstrahlend kehrte sie heim, mit dem freudigen Bewusstsein, eine Lanze für ihr Volk gebrochen zu haben und mit frischem Muthe unermüdlich vorwärts zu kämpfen und Großes zu leisten. Wie ein Donnerschlag aus heiterem Himmel ereilte sie das unerbittliche Schicksal und vernichtete diese seltene, edle Mädchenblüthe mit jähem Schlage. Noch stehen wir unter dem entsetzlichen Eindrücke der Trauerkunde von ihrein Hinscheiden und vermögen nicht mit Worten zu schildern, wie viel Güte und Liebenswürdigkeit zu Jedermann, wie viel begeisterte Liebe zu ihrem bedrückte Volke mit ihr zu Grabe getragen wurde. Wo es galt, einen wohlthätigen Zweck zu fördern, da war Frl. Rosa Kollman gewiss in erster Reihe bereit mit zu Helsen. Sie war es auch, die als eine der Ersten zur Gründung der Toymbee-Hall beitrug. Bei der Bestattung der Verewigten gab die große Betheiligung das beste Zeugnis, welcher Beliebtheit sie sich erfreute. Mit ergreifenden Morien sandte Fräulein Natalie Pollak, Präsidentin des Vereines „Moria", die letzten Abschiedsgrüße der treuen Gefährtin, die ihr stets mit Rath und That an die Hand ging. Ferner widmeten der theuern Verblichenen tiefempfundene Nachrufe: Herr Docent Dr. Kornfeld, Herr Pork Steiner,Herr Dr. Diamant, Herr Walther Nagelstock und Fräulein Amelie Gelbtuch, Präsidentin der „Hadassa." Der Geist dieses echt jüdisch fühlenden Mädchens möge sich sortpflauzen' bis in die spätesten Generationen und ihr ein dauerndes Andenken sichern. Friede ihrer Asche! B. H. Wien. Fräulein Rosa Fischer, Tochter des Directors Albert S. Fischer, hat sich mit Herrn Julius Urbach, Inhaber eines Knaben- Pensionats, verlobt. Wien. Wie im vorigen Jahre so hält auch heuer Herr Rabbiner Dr. Daniel Fink in Bethause am Volkert II, Fugbachgasse 7, in der Sefirazeit zwischen dem Mincha- und Mariwgebetejüdisch-wissenschaftliche Vorträge und wird zum Besuche derselben hiermit höslichst eingeladen. Wien. Im litterarischen Geselligkeits-Vereine jüdischer Mädchen »Moria" findet Sonntag, den 14. April, um 3 Uhr Nachmittags, im Vereinslocale, IX., Berggasse 20, ein Vortrag statt. Frl. Camilla Wagner wird über das Thema „Was ist Zionismus?" sprechen. Nachher ergreift oanä. zur. Herr Bela Nt. Felsenburg das Wort, um über den „Olmützer Zionistentag und die Mädchenvereine" zu referiren. Gäste, Damen sind herzlichst willkommen. Jalfchitz. Fräulein Bertha Pollak, Tochter unseres allbeliebten Vorstehers, Herrn Leopold Pollak, hat sich mit Herrn Moritz W e l d l e r in Wien verlobt. Höerholkaörunn. Herr Cantor Jellinek, bisher Mähr.-Weißkircheu, wurde hier als Cantor und Religionslehrer gewählt und hat bereits am 1. April seine Stelle angetreten. Könitz, den I. April. Wohl keine liberale Zeitung der ganzen Welt hat einen so schweren Stand, wie die seit dem 1. Januar in Könitz erscheinende „Ostdeutsche Tageszeitung". Die Aufgabe, die sich die „Ostdeutsche Tageszeitung" in erster Linie gestellt hat, ist die Bekämpfung der Lügen des Antisemitismus und die Aufklärung des von der „Staatsbürgerzeitung" und dem antisemitischen „Konitzer Tageblatt" verhetzten Volkes. — Der Kampf ist schwer, und darum müsste es Pflicht eines jeden liberalen Mannes sein, die „Ostdeutsche Tageszeitung" dadurch zu unterstützen, dass er selbst Abonnent wird und in seinem Bekanntenkreise für Verbreitung sorgt. Jede Postanstalt nimmt Bestellungen entgegen. Postliste 5744 a. Mzza. Gelegentlich des Aufenthaltes des Präsidenten der französischen Republik in Nizza stellte der Rabbiner von Nizza das israelitische Consistorium vor und betonte in seiner Ansprache den heißen Patriotismns der Israeliten. Präsident Loubet erwiderte, die Demokratie kenne zwischen guten Franzosen, welcher Religion sie immer angehören mögen, keinen Unterschied. WÜHHarrfen. (H o ch z eit mit Temp e l-C o n c e rt.) Das während der kirchlichen Einsegnung des Frl. Helene Wallach, Tochter des Herrn Henri Wallach, mit Herrn Alfred Stern, kürzlich in der Synagoge unter der Leitung der Herren Salomon Rueff Vater und des ersten Vorsängers Ad. Kahn abgehaltene Tempel-Concert verlieh der Hochzeitsfeier, welcher eine große Anzahl Zeugen beiwohnten, eine ganz besondere Weihe. Die Eröffnungsnummer „Boruch Habo“ von S. David für Chor, Orgel, Harfe und Saiteninstrumente war in ihrer trefflichen Aufführung durch den ständigen Tempelchor, Herren Organist F. Schaack, Ed. Ruesst Sohn. Frau Koch aus Basel und eine Abtheilung der 112er Capelle ganz dazu angethan, eine andächtige Stimmungen erwecken. Die angereihie Hochzeitsstrophe „Strophe nuptiale" auch von S. David für die vorgenannten Ausübenden mit einem von Herrn Ober-Cantor Ad. Kahn höchst ausdrucksvoll, schön und edel gesungenen Solo ist eine sehr zu Herzen gehende Komposition. Es folgte die erbauliche Ansprache des Herrn Rabbiners Blum. Während der darangereihten Sammlung für die Armen, welche von mehreren der Ehrendamen vorgenommen wurde, trug Frau Koch in sehr würdiger Weise ein schönes Harsensolo vor. Sodann sang abermals Herr Ad. Kahn einen fröhlich feierlichen Hochzeitsgesang unter Begleitung des Chors, der Orgel, der Harfe und des Orchesters. Nun folgte der feierlichste Moment: die Einsegnung des Brautpaares (Kidouscbin und Vorlesen aus der Kessuba) mit der Verabfolgung des Weines unter Gesang des ersten Vorsängers, der auch den goldenen Wein-Pokal zu halten hatte. Gounods wundervolles Duo für Cello und Harfe „Zleditation religieuse“ wurde sodann von Herrn Ed. Rueff und Frau Koch in erhebender Weife zu Gehör gebracht. An das Duo schloffen sich die sogenannten sieben alten hebräischen Melodieen (nach portugiesischem Ritus«, in denen Herrn Kahns klangvoller, prächtiger Tenor, begleitet von Orgel und Chor, abermals eine mächtige Wirkung erzielte. Unter den jubelvollen Klängen des Hocbzeirsmarsches von Mendelssohn für Orgel und Orchester verließen die 'Neuvermählten, gefolgt von einer langen Reihe von Ehrendamen in ebenso reichen als geschmackvollen Toiletten und ihrer Begleiter, den Tempel, um sich zum Hochzeitsmahl im Hotel Central zu begeben. Mögen all' die Glückwünsche, welche den Neuvermählten an dein bedeutungsvollsten Tag des menschlichen Lebens von allen Seiten dargebracht wurden, ihre schönste Erfüllung finden'. Ztew-Iork. In dem Befinden des bekannten Cantors und Chordirigenten, Herrn Rev. Osias Hochglück, ist eine Verschlimmerung eingelreten. Rev. O. Hochglück hatte sich, während er im Monat Dezember I 1900 an einem Freitag Abend im Tempel Ansche Chesed in der!12.? Str. als Cantor sungirte, eine starke Erkältung und Heiserkeit zugezogen.! Noch vor einigen Wochen, als der Patient sich bedeutend besser fühlte, j glaubte sein Arzt, dass auch die Heiserkeit bald verschwinden würde, aber trotzdem, dass ein Kehlkops-Specialisi ihn behandelt, will die Heiserkeit nicht weichen. Auch das körperliche Befinden des Patienten hat sich durch die Aufregung und Angst, dass er seine schöne Stimme verlieren wird, bedeutend verschlimmert. Der Specialist meint, dass er in ein warmes Klima gehen muss. Soeben erschienen: Sechs Compositionen Musaf Ki duschah Soli für Cantor mit Orgelbegleitung von Alfred Szefi, Chordirigent der Pester isr. Religionsgemeinde. Preis K. 4.—. Zu beziehen durch den Verfasser: Budapest, VI., Eötvösgasse 33.