Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 14 (12.4.1901)
- Date
- 1901-04-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Veite 8. Die Wahrheit. Nr. 14. der Fassungsraum des Leopoldstädter-Tempels in Aussicht zu nehmen. 3. Es ist in's Auge zu fassen, dass, wenn thunlich, in Verbindung mit diesem Tempel ein der Cultusgemeinde würdiges, die nothwendigcn Berathungs- und Kanzleiräume enthaltendes Administratiousgebäude errichtet werde. 4. Das Baucomite wird beauftragt, binnen vier Wochen zu berichten, welche Bauplätze in der Inneren Stadt für obige Zwecke zur Verfügung stehen, und welche Summe die Anschaffung derselben beanspruchen würde. Es wurde der Wunsch ausgesprochen, den Gegenstand auf die Tagesordnung einer der nächsten Plenarsitzungen zn stellen, und hieraus eine Anzahl von Personalien erledigt. öilililche Funde. (Schluss.) Die egyptische Galerie des British Museum ist vor Kurzem in den Besitz der Mumie eines Mannes gelangt, der wohl das älteste menschliche Wesen sein mag, das bis heute entdeckt worden ist. Das Grab, in dem man die Mumie fand, wurde von einem herumirrenden Araber entdeckt; er machte von seinem Funde den englischen Behörden Mittheilung,-die sich beeilten, denselben in Sicherheit zu bringen. Die Mumie hat durchaus keine Aehnlichkeit mit derjenigen Ramses' II., des Vaters des Pharao des Exodus. Sie war nicht in Bänder gehüllt und ruhte nicht in reichbemaltem Sarge, sondern war einfach in eine Schichte Erdharz gebeitet. Sie stammt außer allem Zweifel aus einerMpoche vor König Meues, der um das .Jahr 5004 v. Ehr. gelebt hat. Es war die Zeit der Eroberer, welche die allerersten egyptischen Dynastien begründeten und über welche nur die allerspärlichsten Nachrichten erhalten geblieben sind. Die Mumie liegt auf der linken Seile, die Hände bedecken den unteren Theil des Gesichts, die Knie sind in die Höhe gezogen. Neben ihr fand-man fünf scharfe Waffen aus Feuerstein und Begräbnisvasen. Diese Gegenstände stammen augenscheinlich aus Zeiten, die der Erfindung der Schrift vorhergegailgen sind, denn sie tragen — entgegen der späteren allgemeinen Gepflogenheit — keinerlei Inschrift. Ueberdies weist die Art des Feuersteins darauf hin, dass der munificirte Mensch ein Sohn der neolithischem Periode, das heißt der neueren Steinzeit, war. Reste von kastauienhellen Haaren, die man im Grabe gefunden, erinnern an dem Stamm der Trehenu, von dem im gewissen Papyre die Rede ist, und der röthliches Haar und blaue Augen hatte. Mit großen Schwierigkeiten haben die Alterthumsforscher in Palästina zu kämpfen. Wir werden in der Folge mehr davon zu sagen haben, jetzt sei nur der neuesten, vor kaum vier Monaten gemachten, höchst interessanten Entdeckung gedacht. Die Herren Flinders Petric und Dr. Bliß haben nach vierjährigen unermüdlichen Anstrengungen Lächisch ausgegraben, die verloren geglaubte Stadt des Königs Salomon. Das ist schon an und für sich interessant; noch bemerkenswerther aber wird der Fund durch den Umstand, dass die genannten Forscher an jener Stelle die Ruinen nicht einer, sondern nicht weniger als elf über einander gebauter Städte bloßgelegt haben, deren älteste wohl bis zum zweiten Jahrtausend v. Ehr. zurückgreift, während die modernste vierhundert Jahre vor unserer Zeitrechnung bestanden haben dürfte. Natürlich zeigen diese Städteruinen, die man vorsichtig eine von der anderen wegräumeu musste, sehr verschiedene Culturgrade, und aus dem Schutte sind die mannigfaltigsten Kunstgegenstäude und andere Objecte geholt worden, welche ein Licht auf die Entwicklungsstufe der jeweiligen Bewohner werfen. Die älteste Stadt war von den Amoritern aus Luftziegeln und Lehm erbaut worden. Die Stadt ging zu Grunde, die Bauten zerfielen, die Bevölkerung verließ die verödete Stätte. Ein Jahrhundert später fand eine neue Ansiedlung statt, und das ging so Jahrhundert für Jahrhundert fort. Im fünften Saculum v. 'Ehr. waren bereits neun Städte übereinander gehäuft. Wohl die bedeutendste derselben war Lächisch, welche Senaherib im Jahre 701 einnahm und die dann von Nabnchodonoser nach langem Widerstande zurückerobert wurde. Die erste Erwähnung Lachischs in der Bibel geschieht in der Zeit des Königs Jerobeam, wahrscheinlich ist es, dass sie erst unter Salomo» in Stein erbaut wurde. Ihre Ruinen führen uns die primitive jüdische Architektur vor Augen. Ganz eigenthümlich sind die Basreliefpfeiler ohne Capitäl; die Stelle dieser deutet eine widderhornartige Spirale an. Es ist dasselbe Ornament, das wir im Tempel Salomonis finden. Die Wandverzierung zeigt große Scheiben mit einer Art Knopf in der Mitte;. die Scheiben sind durch senkrechte Stangen von einander getrennt. Sie ähneln Schilden und sind möglicherweise Kriegstrophäen, von siegreichen Soldaten aufgehängt. Die wunderschöne Lage dürfte die Amoriter und ihre Nachfolger für die Wahl gerade dieses Ortes zur Niederlassung bestimmt haben. Die Amoriter selbst waren keine Barbaren. Sie verstanden es, die Metalle zu bearbeiten, unter anderen das Kupfer. Sie hatten Streitäxte, mit Tierköpfen geschmückte Lanzen, Bronzeamulette, die man mittelst Ringes an die Wand befestigte, Kochgeschirre, Basen, Krüge u. s. w. In der zweiten Stadl entdeckte Dr. Vliß einen primitiven Hochofen, welcher darauf schließen lässt, dass das 1828 patentirte Verfahren Nellfon's, welches im Schmelzverfahren eine wahre Revolution hervorrief, tausend Jahre vor nuferer Aera den fernen Vorfahren des Volkes Israels schon bekannt war. In der dritten Stadt fand man eine Keilschristtafel./aus deren Inhalt hervorging, dass es in Lächisch Bibliotheken gab. In der fünften Stadt fand man eine Kelter, ein Beweis dafür, dass den Bewohnern der Genuss des Weines bekannt 'war. Noch sind nicht alle jene Ruinen durchforscht, und es wird wohl noch eine Weile dauern, bis die Resultate dieser Forschungen zur Veröffentlichung gelangen werden; sicher aber ist schon jetzt, dass wir aus ihnen wichtige Aufschlüsse über jene längstvergangenen dunklen Zeiten gewinnen werden. verschiedene Nachrichten. Wien. Die Generalversammlung des „Verein zu r Hebung der Gewerbe" findet am Samstag, den 27. April a. o., Abends halb 8 Uhr, in Khnner's Saallocalitäten, I., Adlergaffe 6, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Jahresbericht des Präsidenten. 2. Caffabericht. Z. Bericht der Revisoren.. 4. Wahl des Präsidenten. 5. Wahl der 12 Vorsteher. 6. Wahl des Schiedsgerichtes. 7. Wahl der Revisoren. 8. Aenderung der Statuten' 9. Stellungnahme des Vereines zur Errichtung einer Staatsgewerbeschule im zweiten Bezirke. 10. Anträge, welche laut § 16 der Statuten 8 Tage vorher schriftlich der Vereinsleitung bekanntgezeben werden muffen. Damen und Gäste willkommen. Wien. Sonntag, den 26. März, fand im Tempel der türkischen Gemeinde die Trauung der Fräulein Riva A d u t t, Tochter des allgemein beliebten und hochverdienten Vorstehers der türkischen Gemeinde, Herrn Licco L. Adutt, mit Herrn Jul. Fränkl statt. Der Trauung wohnte ein zahlreiches distingiurtes Publikum bei. Man bemerkte eine Vertretung der türkischen Botschaft, Polizei-Bezirksleiter Kende, die Cultusvorsteher Dr. Berger und Ritter v. Taussig, Bethausvorsteher Wasservogel, Frau Baronin Königswarter, den Gesammtvorstand der Gemeinde unter Führung des Präsidenten Marcus M. Russo u. v. A. Die cantorale Function versah Obercantor Bauer, die Trauungsrede hielt Rabbiner Papo. Der Chor unter Leitung des Dirigenten Löwit bot bei Mitwirkung von Orgel und Harfe eine treffliche Leistung. Wien. Das von der Gattin des Bethausvorstehers Julius Wolf, Frau Sidonie Wolf, zum Andenken an ihren seligen Vater, Herrn Herrmann Braun, der Wiener israel Cultusgemeinde gespendete Sefer-Thora wurde im Tempel in der Seitenstettengaffe am letzte^ Pessachtage als Maftir-Seser, wofür es bestimmt ist, zum ersten Male in Gebrauch genommen. Durch Schönheit der Schrift und reiche Ausstattung repräsentirt sich dieses Sefer als seltenes Kunstwerk Die Goldstickerei des Mäntelchens und die Ornamentik der Kle-kodesch sind nach Zeichnungen des Architekten Max Fleischer im secessionistischen Style künstlerisch ausgefüyrt. Der Präsident der Cultusgemeinde, Herr Commercialrath Hein, rich Klinger, ließ dem Spender und deffen Gattin einen Mischebecach machen, und als Herr Julius Wolf als Maftir zur Thora gerufen wurde und die Vorlesung des Maftir aus dem neuen Sefer beendet war, trug Obercantor Singer einen anlässlich des Chinnuch eig-ns verfassten Mischeberach vor, worauf Herr Wolf namhafte Beträge für wohlthätige Zwecke widmete.