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Die Wahrheit · 1901-04-12 · Heft 14 (12.4.1901) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 14 (12.4.1901)
Date
1901-04-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 14. Die Wahrheit. Seite 7. nitzer, Redaction der „Wahrheit", Rabbiner Dr. Bach, Sofie und David R. v. Gutmann, Prof. Horowitz, die kais. Räthe Ruzizka und Schefftel, Architekt Adam, Familie Heit. Schriftlich gratulirten: „Oesterr.-Jsrael. Union", Tempelverein für den IV. und V. Bezirkes, die Hofräthe Dr. Adler und Hahn, die Regierungsräthe Prof. Dr. Oser, Morawetz und Stein, die kais. Räthe Alois, Friedrich und Wilhelm Pollak, Bogl, Gestettner, Weil, Wilhelm, Lichteustadt, Herr Emanuel Baumgarten, sämmtliche Rabbiner und Cantoren der Cultusgemeinde und viele Auswärtige, Prof. Dr. H. Müller, Prof. Büchler, Prof. Rich. Singer, Reichsraths-Abgeordneter Dr. Vogler, Gemeinde rath Zifferer, Frauenberger, sämmtliche Vorsteher der israel. Cultusgemeinde, die Commercialräthe Reustadtl und Stiaßny, B. A. Waldstein, und eine große Anzahl von Fachcollegen. Äus -er Wiener EnUusgemeinde. Es muss immerhin anerkannt werden, dass die Berichte über bie vertraulichen und öffentlichen Plenarsitzungen des Cultusvorstandes für die Leser jüdischer Blätter anregender geworden sind, und fast jede Sitzung hat irgend eine Frage auf der Tagesordnung, die auch die wejtere Oeffentlichkeit interessirt. Nach den Debatten über die sogenannte Verwaltungsreform, welche in den verschiedensten Kreisen der Cultusgemeinde nicht ohne Beachtung geblieben sind, brachte die letzte, am 31. März stattgehabte vertrauliche Vorstandssitzung wieder eine Anregung, die wol nicht neu, aber trotzdem bedeutsam und beachtenswerth ist. Vicepräsident Dr. Stern und Genossen stellten nämlich den Antrag, einen monumentalen Tempel und eventuell im Zusammenhänge damit ein neues Administrationsgebäude im ersten Bezirke zu erbauen. Man hat sich schon in früheren Zähren im Cultusvorstande mit dieser Idee beschäftigt, immer aber scheiterte die Ausführung derselben au dem Mangel des nötigen Capitals. Ob der gegenwärtige Zeitpunkt für ein derartiges Projekt günstiger ist? Wir zweifeln daran. Wenn man sieht, wie trotz der bedeutend erhöhten Steuereingänge bei allen Institutionell die möglichste Einschränkung obwaltet und wie selbst die Gehalte der Beamten der Cultusgemeinde mit der größten Sparsamkeit bemessen werden, was gerade in letzter Zeit so manche Beamte recht schmerzlich empfunden haben dürften, dann können wir nicht annehmen, dass der Vorstand sich jetzt zu einem Baue bewegen lassen wird, der ohne dauernde, empfindliche Belastung des ohnehin schon hochgestellten Budgets nicht möglich ist. Es bleibt uns nur die Hoffnung, dass endlich auch bessere Zeiten kommen werden, die dem Anträge des Vicepräsideuten Dr. Stenr, der gewiss einem oft stark empfundenen Bedürfnisse der Gemeindemitglieder entspricht,;nm Siege verhelfen werden. Dem Antragsteller gebührt iinmerhin das Verdienst, den neuen Cnltusvorstand, der in der letzten Zeit allen Zweigen der Verwaltung sein Augenmei? zng.-wendet hat, daran erinnert zu .haben, dass es auch eine der wesentlichsten Aufgaben der Cultusgemeinde sei, dem Cultus in: engeren Sinne des Wortes zu dienen. Im Nachfolgenden der Beucht der Sitzung: An Spenden sind ekugelanfen: Don Herrn Wilhelm Knffner zur Errichtung ei; er Betlstistuug na Sieche:'.hause auf den Namen Wilhelm und Camilla KufHer anlässlich der Vermählung seiner Tochter Kr. 12,000.—; von Frau Amalia Haber anlässlich des Todestages ihres seligen Gatten, Herrn Hermann Haber zur Vertheilung an arme schtverkranke Glaubensgenossen Kr. 1000.—; von Herrn Moritz Edlen von Knffner anlässlich des Zahrzeittsages des seligen Herrn Ignaz Edlen von Knffner für jüdische Arme des XVI. und XVII. Bezirkes Kr. 280.—; von Herrn Dr. Alfred Stern für Arnw Kr. 110.—; vom „Neuen Wiener Tagblatt" für die Brigittenauer Schulküche Kr. 2.—; von Herrn Samuel Hummel, Zimmer-Thermometer für das Altersverforguugshaus; von Frau Dorothea Bräun und Fran Sidouie Wolf, geb. Braun, zum Andenken an den seligen Herrn Hermann Braun durch Herrn Bethaus- | Vorsteher Julius Wolf ein Sefer-Thora sammt vollständiger l Ausstattung. ' Zu Beginn der Sitzung begrüßt der Vorsitzende, erster Vicepräsident Dr. Stern, Herrn Cultusvorsteher Fleischer anlässlich seines 60. Geburtstages in herzlichen Worten, jDer Präsident theilt mit, das^das Vertretercollegium und ebenso das Curatorium der Baron Rothschild'schen Künstlerstiftung, dessen Mitglied Herr- Fleischer ist, ebenso der Bethhausvorstand bei demselben erschienen und dass er, Dr. Stern, namens der erstgenannten beiden Corporationen dem Jubilar die herzlichsten Wünsche zum Ausdruck gebracht habe. Er sei überzeugt, dass das Plenum des Vorstandes sich diesen Wünschen anschließe. (Allgemeine, lebhafte Zustimmung.) Cultusvorsteher Eltbogen erbittet sich das Wort und erklärt, dass er sich mit Bezug auf die in der letzten Plenarsitzung von dem Präsidenten vorgebrachten allgemeinen Bemerkungen zu nachstehender Erklärung veranlasst sehe: Er habe auf diese Bemerkungen deshalb nicht sofort reagirt, weil es ihm ferne lag, sie auf seine Person zu beziehen. Um aber Missverständnißen vorzubeugen, erkläre er ausdrücklich, dass er die in einem jüdischen Blatte gegen ein Vorstandsmitglied erschieneneu Artikel weder veranlasst, noch inspirirt habe. Er bittet, die Versicherung eutgegenzunehmen, dass er im Cultusvorstande getreu seiner bei der Constituirung abgegebenen Erklärung nur im Vereine mit allen anderen Vorstehern unter Verwerthung seiner Erfahrungen auf dem Gebiete des jüdischen Gemeindeweseus und nicht anders wirken wolle. Vice-Präsident Dr. Stern und Genossen stellen anlässlich des 75jährigen Bestandes des Tempels in der Seitenstettengasse folgenden Antrag betreffs Errichtung eines Tempels in der Inneren Stadt. Am 2. Nissan d. I., das ist am 22. März, sind es 75 Jahre, seitdem der Stadttempel eröffnet wurde. In einer abschüssigen Seitengasse des abseits liegenoeil Kienmarktes wurde das jüdische Gotteshaus gebaut, welches sich aus Rücksichten auf die Staatsreligion bescheiden hinter den nüchternen Mauern eines Zinshauses verbergen musste. Ans der damals in Wien befindlichen ,,Judenschaft", in einer Anzahl von kaum 2000 Tolerirten und Schutzjuden, hat sich im Laufe dieser 75 Jahre eine Cultusgemeinde von 150.000 Inden entwickelt. Dem Opfersinn ihrer Mitglieder danken wir, dass allenthalben in dem Gebiete dieser Gemeinde Wohlthätigkeits- und gemeinnützige Institutionen errichtet wurden, leider ist aber gerade hinsichtlich jener Institution, welche die wesentlichste Aufgabe der Cultusgemeinde bildet, nämlich die Einrichtung des Gottesdienstes, der Errichtung von Stätten, die der Gottesverehrung gewidmet sind, die Gemeinde sehr rückständig geblieben, indem während dieser 75 Jahre von ihr nur ein Bethaus, der Tempel im zweiten Bezirke, gebaut- und selbst dieser bezüglich seinerinneren Gestaltung erst in den letzten Jahren vollendet wurde. Durch die Opserwilligkeit einzelner Gemeindegeriossen gebildete Privatvereine konnten den sich fühlbar machenden Bedürfnissen nur nothdürflig abhelfen. Es mangelt in unserer Stadt in dem von Zehntausenden Juden bewohnten ersten Bezirke an einem Gotteshause, welches durch seine Größe, durch Ausführung und Lage erkennen ließe, dass es das Gotteshaus der Gesammlgemeinde vorstellt. I Wollen Sie, geehrte Herren, sich vor Augen halten, dass j wir eine „C ultu s"gemeinde zuzeiten haben, dass der Cultus,! der Gottesdienst unsere erste, und rveuu die Mittel zu weiteren Zwecken nicht ausreichen, unsere einzige Aufgabe ist, für j wir zu sorgen haben; übersehen wir nicht, da's es ein M ir * bt i ist, wenn dem überwiegenden Theile der zahlreichen -las | für den Gemeindehanshalt wichtigen Juden icha'r o. r *r": | Stadt geradezu die Möglichkeit fehlt, an den wchen ,T- ' -n dem Gottesdienste beizuwohneu, und dass w 7er G>c'nu'o der Culttlsgemeinde, indem wir über diese Tbatinche gir'-.wnnchig hinweggehen, dein religiösen Jndiffereniismns ui die Hände arbeiten und nnfere Pflicht verletzen. Es wird demnach beantragt: 1. Es sei die Errichtung eines monn'.nentalen Tempels in der Inneren Stadt als nächste und dringendste Unrerilehmung der Cultusgemeinde ztl beschließen. 2. Für diesen Tempel ist

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