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Die Wahrheit · 1901-04-12 · Heft 14 (12.4.1901) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 14 (12.4.1901)
Date
1901-04-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 14. bist Du, verehrter Präsident! Es hieße den Rahmen einer Begrüßungsansprache weit überschreiten, wollte ich alle jene Verdienste aufzählen, die Du Dir erworben; die sodann später zur Verlesung gelangende Adresse, welche vom Vorstande gewidmet ist, soll einen schwachen Ausdruck hiefür bieten. Hier will ich nur der außerordentlichen Verdienste gedenken, welche Du Dir um unseren Tempelverein erworben, um dieses Dein liebstes Kind! Und in Vertretung dieses Vereines sowohl des Vorstandes als auch der Mitglieder erscheine ich vor Dir, um Dich aus Anlass Deines 60. Geburtsfeftes zu beglückwünschen. Wenn ich aber die Wünsche aufzählen sollte, welche wir für Dich hegen, so müsste ich ein Wunschbuch förmlich abschreiben. Ich will daher nur ein altes jüdisches Wort in Anwendung bringen und sagen: Ad meo schonim! Ad meo schonim in körperlicher und geistiger Frische und Rüstigkeit, ad meo schonim in Vereine mit Deiner Dich zärtlich liebenden Gattin und Deinen Dich herzlichst verehrenden Freunden, ad meo schonim als ein wackerer Kämpfer für alles Gute, Edle, Schöne und Erhabene, ad meo schonim als warmer Streiter für unseren heiligen Glauben! Dies ist der Wunsch, welchen wir Dir aus innigst bewegter Seele darbringen. Und noch eines! Es ist eine alte Gepflogenheit, dass man bei derartigen Anlässen nicht mit leeren Händen kommt. Auch wir bringen Dir ein Geschenk! Aber bei Deinem uns bekannten Lifficilen Charakter und bei Deiner notorischen Uneigennützigkeit haben wir Dir nicht ad xersonarn ein Geschenk gemacht, sondern unter Zuziehung der Mitglieder dieses Tempelvereines, bereu OpferwMgkeit Du ja oft rühmend hervorgehoben, eine Sammlung veranstaltet, welche den Betrag von 2000 Kronen ergeben hat und diesen Betrag stellen wir Dir zur Verfügung, behufs Creirung einer Stiftung, welche für immerwährende Zeiten den Ehrennamen Max Fleischer tragen wird und deren Ltveck zu bestimmen, Dir üb.rlassen werden soll. Ich bin überzeugt, dass dieses Geschenk Deinen Intentionen am besten entspricht. Und zum Schluss noch eine Bitte: So wie wir Dir mit inniger Liebe anhängen, so wie Dir unser aller . Herzen entgegenschlagen, so wie wir mit jeder Faser unseres Herzens an Dir hängen, so .erhalte uns Deine uns hoch ehrende Freundschaft, so bewahre uns Deine uns beglückende Liebe, sei uns bis an die äußerste Grenze menschlichen Lebens «in treuer Berather, ein begeisterter und begeisternder Führer! Hierauf brachte der Secretär des Tempelvereines die nachfolgende Adresse zur Verlesung: Hochverehrter Herr Präsident! Wie Kinder zu ihrem Vater kommen, so erscheint der Vorstand des Mariahilfer Tempelvereines vor Ihnen, um Ihnen zu sagen, wie glücklich wir uns schätzen, Sie an dem heutigen Tage in Herzlichkeit begrüßet: zu können, au dem Tage, der einen bedeutungsvollen Abschnitt Ihres dem Schönen und Edlen geweihten Lebens bildet. Wohl ziemte es, au diesem Gedenktage zurück zu blicken und sestzuhalten, was Sie geschaffen und erreicht, wie Sie gewirkt und gestrebt; allein, wer vermag in Worte zu kleiden, was Max Fleischer durch Geist und Herz zur That hat werden, durch seine gottbegnadete Knust in ewiger Schönheit hat erstehen lassen! Gilt vorn bildenden Künstler im Allgemeinen das Wort des Dichters: „Es wird die Spur von Deinen Edentagen nicht in Aeouen untergehen," wie vielmehr von einem Meister, der seine Kunst in den Dienst des Höchsten und Erhabensten — der Religion — gestellt; und wenn nach vielen, vielen Jahrzehnten tie Gläubigen jene Stätten aussuchen j werden, wo sie nach oen Sorgen des Tages geistige Erbauung \ und den Frieden des .Herzens finden können, tvenn sie sich in Andacht und Gonessnrcyt zum Allvater erheben, dann werdet: ste wohl auch des Mannes gedenken, der ihnen diese Gottesstatten geschaffen und so herrlich gestaltet hat, nicht um irdischen Ruhmes willen, sondern als treuer' Sohn seines' ehrwürdigen Glaubens, durchglüht von wahrhafter Begeisterung jür seine heilige Mission, der er sich stets in selbstloser Weise gewidmet. Nicht unsere Aufgabe ist es, die Verdienste zu kennzeichnen, die Sie sich seit vielen Jahren zur Leitung unseres großen Gemeinwesens mitberufen erworben haben, nicht auch Ihrer hervorragenden Mitwirkung bei vielen gemeinnützigen und wohlthätigen Institutionen zu gedenken, denen Sie Ihre Arbeitsfreudigkeit, Ihre Erfahrung und Ihr goldenes Herz zur Verfügung gestellt haben; uns ist es Freude und hohe Befriedigung, heute voll inniger Dankbarkeit aussprechen zu können, dass Sie all' die herrlichen Gaben des Geistes und des Herzens, die Ihnen die Natur verliehen, Ihre hohe Kunst und Ihre Schaffenskraft, Ihr ganzes Denken und Fühlen stets in allerster Linie unserem Vereine, unseren Golteshause gewidmet haben. Wir sind stolz darauf, Sie unserem weisen Führer, unser geistiges Oberhaupt nennen zu dürfen; wir wissen, dass wir nur Ihrer Umsicht und Thatkraft, Ihrem feinen Tactgefühle, Ihrer verständnisvollen Leitung, Ihrer unermüdlichen, aufopferungsvollen Thätigkeit es zu danken haben, dass unser Gemeinwesen sich so herrlich entfaltet hat, dass unser Verein, wie dies von eompetenter Stelle stets anerkannt wurde, den ersten Platz unter allen Tempelvereinen der Residenz einnimmt. Und so wie sie uns stets ein leuchtendes Vorbild edelster Pflichterfüllung und uneigennützigster Fürsorge für die Wohlfahrt unseres Vereines gewesen, so geloben wir Ihnen nu ihren: Ehrentage, dass wir alle unsere besten Kräfte einsetzen wollen für das Gedeihen unserer Corporation, dass wir treu zusammenhal:en wollen, um mit Gottes Hilfe unter Ihrer Führung die Geschicke desjj Vereines zu verwalten. Voll inniger Dankbarkeit und aufrichtiger Verehrung blicken wir zu Ihnen empor und unsere heißesten Wünsche senden wir zum Allmächtigen: Möge Er uns unser theueres Haupt noch ungezählte Jahre in vollstem Wohlbefinden erhalten, möge Er Ihnen einen glücklichen, heiteren Lebensabend bejcheeren an der Seite Ihrer ausgezeichneten Frau Gemahlin, dieses Musters von Gattenlreue, Selbstlosigkeit und zärtlichster Hingebung, möge Er Sie stets in seinen gnädigen Schutz nehmen und Sie von allem Uebel bewahren. Amen! Tiesgerührt dankte Architekt Fleischer für die auszeichnenden Beweise der Auerkennung und Liebe und erklärte, dass es ihm immer eine besondere Herzensfreude gewesen sei, unterstützt von trefflichen Märmern für den Tempelverein zu wirken, und er wolle auch fernerhin seine bescheidenen Kräfte demselben widmen. Unter Ueberreichung von Adressen gratulirten noch namens des Fianen-Vereines der westlichen Bezirke die Präsidentin Frau Cäcilie Eisenburger, und namens des Humanitätsvereines „Naclilath Jeschurun" dessen Präsident Dr. Carl Löwy. In treffender Weise erwiderte der Jubilar ans die Ansprachen der Gratulanten. Besonders herzlich und innig gestaltete sich die Ueberreichung der Prachtadressen des „Jüsiichen Museums" und des Vereines zur Unterstützung israel. Hanvwerker und Kleingewerbetreibender, die durch eine Abordnung, bestehend auä den Herren Baurath Wilhelm Sliaßny, Oberbanrath Tanssig, Professor Brühl und Dr. Bela Tanssig erfolgte. Ans die Ansprache des Baurathes Sliaßny, der Reminiscenzen an den gemeinsamen Meister, Dombannieister Schmidt, und die langvergangene Studienzeit erweckte, dankte FleisAer in tiefer Bewegung gleichfalls vergangener Tage gedenkend, und versicherte dass ihn die Anerkennung, welche ihm hentown zwei so hervorragenden Berussgenossen und langjährigen Freunden zu Theil werde, wahrhaft glücklich mache. Schon Samstag vor den Feiertagen wllrden durch die Vicepräsidenlen der Cultnsgemeinde, Dr. Stern und Landesschulrath Dr. Gust. Kohn, namens des Cllltns- und Bethans- Vorstaudes und des Curalorimns der Rotschilo'schen Künstler- Stiftung, sowie durch I. Sekretär kaiserl. Rath Dr. Lieben namens der Administrativ-Beamten der Cnltnsgemeinde, Adressen überreicht, wobei der Jubilar mit Ansprachen begrüßt wurde. Am Geburtstage, und zwar am Freitag, den 29. März, liefen zahlreiche Glückwünsche ein. Telegramme sandten u. A.: „Politischer Volksverein'', die Cultusgemeinden Krems, Budweis, Proßnitz, Triesch, Tempelverein Stumpergasse, Verein der Proß-

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