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Die Wahrheit · 1901-04-12 · Heft 14 (12.4.1901) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 14 (12.4.1901)
Date
1901-04-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit. Nr. 14. ihrer Damen wurden unsere Vortragsabende zum Sammelpunkte. Es sprachen Abg.^ Dr. Julius Ofner über „Kinderraub in Galizien"; Dr. M. L. Stern über „Häckel's Welträthsel"; Adolf Gelber über „Dreihundert Jahre Shylok- Schimpf"; Abg. Dr. Julius Ofner über „Die Reichsrathsrvahlen"; Dr. Israel T a g l i ch t über „Die ältesten jüdischen Volksschulen"; Heinrich G l ü ck s m a n n über den „Antisemitenhammer"; Abg. Dr. Ferdinand Krona weiter über „Confesston und Staatsbürgerrecht"; Dr. Armand K a m i n k a über ^Philo und das hellenistische Judenthum" und Baurath Wilhelm Stiaßny über „Das jüdische Museum für historische Denkrnäler". Redner berührt die Stellungnahme des Vereines zu den Eultuswahlen und den Reichsrathswahlen und gibt sodann weiters ein Bild der umfassenden Organisationsthätig- E e i t, welche - mittelst der vom Leiter des Rechtsschutzbureaus veranstalteten W a n d e r v e r s a m m l u n g e n entwickelt wurde. Solche Wanderversammlungen fanden in 51 Cultusgemeiuden Böhmens und Mährens, in 7 Cultusgemeinden Niederösterreichs, ferner je eine in Linz und Graz und 11 in Wien im II., IX. und X. Bezirke statt. Das ist erst der Beginn unserer intensiven Arbeit zur Organisation der gesammteli Judenschaft. Die Resultate dieser Agitationsaction finden in folgenden Ziffern ihren Ausdruck: Bei der XIV. Generalversammlung hatten wir einen Stand von 1279 Mitgliedern, 120 mussten gestrichen werden, es verblieben sonach 1159 Mitglieder. Am 31. December 1900 erreichte der Stand die Zahl von 1727 und am 31. März 1901 die Zahl von 3477 Mitgliedern, wovon sich 1761 in Wien und 1681 in der Provinz befinden. (Lebhafter Beifall.) Wir besitzen u. A. in Pilsen 136, in Graz 91, in Budweis Ul, in Teplitz 69, in Floridsdorf 67, in Jglau 62, in Baden .58, in Bruck 82, in Leipa und Reichenberg je 41, in Linz, Pardubitz und Leitmeritz je 40 und weiters in 126 Provinzstädteu Mitglieder und ständige Vertrauensmänner. (Beifall.) Durch die letzteren gelangt jede Rechtsverletzung sofort zu unserer Kenntnis. Mit der Erweiterung des Vereines musste für ein Bindeglied zwischen uns und unseren Mitgliedern gesorgt werden. Unsere Monatsschrift erfüllt diese Aufgabe und wir streben mit aller Sorgfalt ihre Ausgestaltung an. Dem Redacteur, Herrn Fleischer, stehen als Redactionscomite zur Seite die Herren Pros. D. E h r m a n n, Siegmund Mayer und Dr. Bloch. Der von unseren Ehrenmitgliede Docenten Dr. Grünfeld in dankenswerther Weise redigierte Kalender erreichte eine Auflage von 5000. Neben den vielen rückhaltlosen Anerkennungen, welche diese Schöpfung der „Union" findet, muss die beklagenswerthe Erscheinung erwähnt werden, dass 1138 Exemplare weder bezahlt, noch zurückgeschickt wurden. (Bewegung). Von nuferem Anerbieten, das Heimatsrecht unseren Glaubensgenossen unentgeltlich durchzuführen, haben 203 Bewerber g ebrauch gemacht, eine Zahl, die hinter den gehegten Erwartungen noch weit zurückbleibt. Redner erwähnt ferner der Bemühungen zur Schaffung eines jüdischen Vereinshaufes, gedenkt der traurigen und freudigen Anlässe in Vereinsleben und der Veränderungen im Vorstände. Der letztere bedauert den Rücktritt des Viceprästdenten, Herrn Landesgerichtsrathes Dr. Jacob K o h n, und des Schriftführers, Herr Dr. Elias, Die Bemühungen, die beiden Herren zur Beibehaltung ihrer Mandate zu bestimmen, blieben erfolglos. Der Verein ist beiden Herren für ihre unermüdliche, erfolgreiche, langjährige Thätigkeit zu besonderem Danke verpflichtet, und der Vorstand stellt die Bitte, dieser dankbaren Anerkennung durch die Generalversammlung Ausdruck zu geben. (Geschieht durch Erheben von den Sitzen). Weiters zollt der Präsident den Beiräthen, der freisinnigen Presse, der „Oesterr. Wochenschrift", der „Neuzeit" und der „Wahrheit" herzlichen Dank und hebt rühmend das seltene Pflichtbewusstsein des Bureaus hervor. Der Präsident schließt seinen Bericht mit folgenden Worten: „Hat das abgelaufene Jahr uns einige Erfolge gebracht, so sind sie doch klein, gegenüber jenen, die wir noch erreichen müssen, wenn wir unseren großen Aufgaben gerecht werden wollen, die schließlich und endlich die gesammt e Judenschaftauf den Plan fordern, für ihre guten Rechte einzustehen. Wir rufen alle Glaubensgenossen auf zur Mitarbeit an der Festigung unserer sta atsb ürg e rli chen Rechte, zur Mitarbeit an der Abwehr bei Verletzung grundlegender Menschenrechte. Möge dieser Ruf nicht verhallen! In Erinnerung an die Schmach, an die erlittenen Unbilden, die unsere Vorfahren ertragen mussten, seien wir einig! In der Einigkeit liegt die Macht, in der Macht der endliche Sieg, den wir für die gesammte Menschheit und nicht für uns allein erstreben." (Lebhafter, anhaltender Beifall.) Revisor K a n i tz erstattet hierauf den den Cassabericht, wonach im Jahre 1900 die Einnahmen K. 26.123 54, die Ausgaben K. 22.17652 betrugen, so dass mit 31. December 1900 ein Cassasaldo von K. 4.246 98 verblieb. Auf Antrag des Vereinsmitgliedes, Herrn Ehrlich, spricht die Generalversammlung ihren besonderen Dank für die Thatkraft und Umsicht des Vorstandes und seines Präsidenten durch Erheben von den Sitzen aus und nimmt den Rechenschaftsbericht genehmigend zur Kenntnis. Nunmehr verliest Herr Secretär Siegfried Fleischer den Bericht des R echts sch n tzb ur e a u s. Wir heben aus demselben folgende markante Stellen hervor: „In der Zeit von 15. April 1900 bis 24. März 1901 hatte das Bureau 1436 Geschäftsstücke zu erledigen. Die Pressaction, d. h. die Zurückweisung verleumderischer Angriffe in der antisemitischen Presse im Wege des Berichtigungs- Verfahrens oder der gerichtlichen Klage, deren Rückgang wir schon im Vorjahre constatiren konnte«!, hat eine «veitere Abnahme erfahren, ein Betveis, dass unsere consequente Abwehr auf diesem Gebiete einerseits die antisemitische Presse zu größerer Reserve gezwungen, anderseits aber auch die behördlichen Organe zu entschiedener Handhabung der diesbezüglichen gesetzlichen Bestimmungen veranlasst hat. Dagegen ist die Zahl der mündlichen und schriftlichen Beschwerden, die wir gegen Uebergriffe oder Unterlassungen auf dem Gebiete der Verwaltung und Rechtspflege, bei den Centralbehörden erheben mußten, von 12 in Vorjahre auf 32 im Berichtsjahre gestiegen. Der Hass unserer Gegner hat auch im abgelaufenen Jahre an die wechselnden Phasen des Hilsner-Prozesfes angeknüpft, uin die Leidenschaften gegen uns anszuftacheln. Bon czechisch-radicaler Seite ist in der letzten Zeit «viederholt der Versuch gemacht worden, neue „Ritualmorde" zu fabricieren. In Al t-Ben ed e.k, Misslitz und Olmütz wurden Juden beschuldigt, christlichen Dienftinädchen Blut abgezapft zu haben, und in Mähris ch- O st r a u hat man eine jüdische Witwe, zu der eine christliche Vagantin ein gestohlenes Kind zur Pflege gegeben hatte, verdächtigt, dass üe dieses Kind jüdischen Schächtern ausliefern wollte. In all' diesen Fällen hat, zum Theile durch unsere Mitthilfe, die gerichtliche Untersuchung die völlige Unwahrheit der erbotenen Beschuldigungen ergeben und die Verleumder wurde» der verdienten Strafe zugeführt. Gegen den von den Krakauer Felicianerinuen professionell betriebenen K i n d e r r a u b haben wir sehr energisch Stellung genommen und wichtige principielle Erfolge erreicht. Die Acten bezüglich der Araten wurden vom Ministerium an das Krakauer Landesgericht zur Wiederaufnahme der strafgerichtlichen Untersuchung zurückgeleitet. Zehn weitere Fälle von Kinderraub haben wir zur öffentlichen Kenntnis gebracht, und unserem energischen Einschreiten ist es »zu danken, dass fünf dieser Mädchen ihren Eltern zurückgegeben wurden; an die Justizbehörden wurde ein strenger Erlass hinausgegeben, alle Urheber und Mitschuldigen solcher Entführungen strafgerichtlich zu verfolgen. In der Affaire Rochme Weiß hat der bestellte Anwalt, Herr Dr. R. Landau in Krakau, vom Bezirksgerichte Wieliczka ein Urtheil erwirkt uub durch alle Instanzen siegreich durchgefochten, welches im Widerspruch mit 15 vorhergegangenen Entscheidungen dem Begehren des getauften Mäd-

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