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Die Wahrheit · 1901-03-29 · Heft 13 (29.3.1901) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 13 (29.3.1901)
Date
1901-03-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 13. Die Wahrheit. Seite 9. in den Angriffen des „Grenzboten" keinerlei Ehrenbeleidigung und ernannten aus Freispruch. Die Preßburger Juden vereinigen sich m den nächsten Tagen, um dem für die Ehre des Judenthums so großartig einstehenden Rabbiner den Ausdruck begeisterter Hochachtung und allseitiger Verehrung darzubringen. London. Der seit einigen Jahren hier wirkende, sehr beliebte Reb. A. P^e r l z w e i g (Schüler des Obereantors I. Bauer in Wien), hat sich auch als Componist versucht, indem er unter dem Titel „Nachnu Edim" zwei hebr. Lieder herausgegeben hat. Der Text ist vom Rabbiner Dr. I. L. Landau. Die Kosten hat der Cassier der zionistischen „Federation", Herr A. Engländer, bestritten. Beide Lieder wurden am 8. März im großen Saal „Bishopsgate Institute" vor einem zahlreichen distinguirten Publikum aufgesührt und erzielten riesigen Beifall. Gesungen wurden sie von der sehr talentirten Sängerin, Frl. Zeitlin, die Begleitung besorgte Frau Francis Cohen, Tochter des Rev. M. Hast, welche als Virtuosin bestens bekannt ist. Die Sängerin musste auf allseitiges Verlangen die Lieder in englischer Sprache wiederholen. Die Lieder sind dem bekannten Philantropen Herrn Mukatta gewidmet. Heimweh. Erzählung von Eduard Kulte. (44. Fortsetzung.) Allein, was die Augen sehen, glaubt das Herz, und bald sollte den Leuten in der „Gasse" durch die Thatsache seiner Persönlichen Gegenwart aller Zweifel an die Möglichkeit eines Io außerordentlichen Falles benommen werden. Es war am Abend des Purimfestes. Jakob Löb und Finkel, das dreijährige Wolwele und die Großmutter Jittesch saßen bei Tische nach froh genossenem Mahle. Masken kamen und gingen, die einen mehr, die anderen mindere Aufmerksamkeit erregend, die einen langer, die anderen kurzer verweilend, je nachdem ihr Witz geeignet war, ein lustig angeknüpftes Gespräch in launiger Weise fortzuführen und weiterzuspinnen oder nicht. Unter andern', erschien eine MaWngruppe, bestehend aus drei Personen: aus Vater, Mutter und Kind. Die Tracht, in der sie erschienen, unterschied sich in ausfälliger Weise von der aller anderen Masken und war geeignet genug, schon aus diesem äußern Grunde die Aufmerksamkeit aus die Träger derselben zu lenken. Denn während die meisten der anwesenden, ab und zu kommenden und gehenden Masken sich ihre Verkleidung mit -eri einfachsten Mitteln herzustellen gewusst hatten, wie beispielsweise mit einem umgewendeten Pelz mit dem Futter nach der Außenseite, oder mit einem aus Flachs gemachten langem Barte, zu welchem sich ein Weiberanzug als Kontrast gesellte, und Ähnlichen dergleichen leicht herbeizuschaffenden ^Behelfen, glänzten die drei Masken, welche die Gruppe von Vater, Mutter und Kind bildeten, durch die Pracht der bunten, fremdländischen Anzüge, durch die langen herabwallenden Gewänder in Hellen Farben, durch die strahlenden Gürtel um den Leib, durch die in weiß und roth verzierten Turbane aus ihren Häuptern allen Anwesenden in die Allgen. Man bot ihnen Wein und Backwerk, sie nahmen bescheiden, ohne mit widerlich klingender verstellter Stimme zimperlich abzulehnen. Man besah die Masken von allen Seiteil, ging um sie herum, betrachtete sie von rechts und links, nahm ihnen die Hände, um irgend ein Merkmal zu -erspähen und zu erkennen, wer sie seien. Die Masken ließen ruhig alles dieses mit sich geschehen, nur wenn jemand dreist ^enug war, in seiner Neugierde seine Visitationen bis auf die Parve auszudehnen, dann erfuhr er eine entschiedene Abwehr, die ihm von jedem weitern derartigen Versuche eines gewaltsamen Eindringens in das Maskenrecht und die Maskenfreiheit abzuhalten, künftig genug war. Finkel, die Frau des Hauses, sprach: Nun liebe Masken! Ihr seht, dass unser Errathen vergebens ist, also demaskirt Euch! Man muss eine Sache nicht so leicht aufgeben, wenn sie auch schwierig zu erreichen scheint — sagte da eine der drei Masken, und zwar die weibliche. Sprichst Du, liebe Maske, mit dieser Meinung eine -eigene Erfahrung aus? Ich könnte leicht mit eigener Erfahrung prahlen, wenn diese Meinung nicht alter war als ich selber bin. — So scheint es, dass Du Dir auf Deine Jugend mehr als -auf Deine Erfahrung zu gute thust. Wenn ich blos jünger sein will, als jene Meinung, könnt ich noch immer so alt sein wie Methusalem, oder wenigstens wie Deine Urgroßmutter. Doch möcht ich lieber deine Schwester sein, als Deine -Urenkelin! Wie. wenn ich Dich jetzt gleich beim Wort nähme? So sollst Du finden, dass Du Dich in mir nicht getäuscht hast. Ich thäts, wenn unser Spiel ein gleiches wär! Du könntest aber leicht zu kurz kommen, denn ich sehe, was ich kaufe. Du aber siehst es nicht. Du irrst, liebe Maske! Du hast keinen Bortheil voraus vor mir. Was Du an mir mehr siehst, als ich an Dir, das sind höchstens meine Gesichtszüge; im übrigen sehe nno erkenne ich Dich, wie Du mich. Warum hast Du dann verlangt, dass wir uns demaskiren sollen? Brauch ich Dir denn zu sagen, was eine M nute im Leben eines Menschen bedeuten nnd bewirken tarnt? So verlangst Du es jetzt nicht mehr? Wenn ichs thu, so thu ich es darum, weil jetzt die Maske nicht mehr nöthig ist. Du glaubst also, mich zu kennen? Mutter! — rief jetzt Finkel hell auf — und On kennst sie nicht? Du bist doch eine ganze Nacht mit ihr gefahren? Hast Du sie denn nicht schon damals, ohne dass Dn es gewollt, in Dein Herz eingeschlossen? Was? — rief Jittesch erstannt. Da hast Du ihn — sagte Finkel — da steht er vor Dir da, Dein Sohn, Dein längst beweinter Sohn, mit Weib und Kind! Leugnets, wenn ich nicht R'cht Hab! Die Masken fielen. Mntter und Sohn, Schwester und Schwester lagen einander in den Armen, die Kinder drängten sich dazwischen, geführt von Jakob Löb, und die Gruppe löste sich nun auf, um sich in anderer Weise sogleich wieder zu gestalten, denn der Umarmungen zwischen den guten Menschen, die hier versammelt waren, gab es kein Ende. Etwa vier Wochen nach diesem fröhlichen Purimfeste saß dieselbe Gesellschaft beim „Sedermahle"; es war der Passahabend. L>ie feierten bei ungesäuerten Broden das Fest des Auszuges der Israeliten aus dem Lande der Sclaaerei. Auf dem Tisch stand die Mit den in Servietten eingehüllteit „Mazzoth" und anderen vorgeschriebenen Suchen, als da sind: bittere Kräuter, gebratenes Lammfieich, gesottenes Ei u. dg., wohlbeladene silberne „Sederschüssel" —das schönste Symbol jüdischen Lebens und Empfindens, woran sich noch im spätesten Alter eines jeden Israeliten die weihevollsten Erinnerungen aus der Kindheit knüpfen, wie die Erinnerungen des Ehrisien an den Christbaum am Weihnachtsabend. Jossef, zum Glauben seiner Väter, in seine alte theure Heimat, zu Mutter und Schwester zurückgekehrt, sollte das Glück genießen, nach langer Entbehrung dieses poetische Fest im Kreise der SeinigSu wieder begehen zu dürfen. Marie, seine Gattin, sollte von dem Kreise nicht ausgeschlossen bleiben, der sie als liebende Tochter und Schwester' freudig ausgenommen hatte. Obenan am Tische saß Jakob Löb, der würdige Hausvater, das weiße Sterbegewand um den Leib gehüllt, ihm gegenüber an der anderen Schmalseite des Tisches Jossef. Die beiden Breitseiten des Tisches wurden von den drei Frauen und den beiden Kindern eingenommen. Die beiden Männer füllten die silbernen Becher mit Wein. Ein Becher wurde gefüllt und für den Popheten Eliah hingestellt. Nannerl sah allen de t Vorrichtungen mit kindlicher Neugierde zu, und wie ne an jenem Tage vor dem Christabend nach dem Christkindleiu gefragt hatte, so fragte sie jetzt auch nach dem Propheten Eliah, ob er denn wirklich kommen und den Wein, der da für ihn hingestellt worden, ganz allein austrinken werde. Der Vater gab lächelnd zur Antwort: Ja! sei jetzt still, der Prophet Eliah wird schon kommen. (Schluss folgt). IE' Au Aokge der Uessach-Ieiertage erscheint die nächste Nummer unseres Mattes Ireilag, de» 12. Aprik. Pie Hteöactia».

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