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Die Wahrheit · 1901-03-29 · Heft 13 (29.3.1901) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 13 (29.3.1901)
Date
1901-03-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 8. Die Wahrheit. dir. 13. Spitzer, die dem Verein im Laufe der Jahre eine bedeutende Mitgliederzahl zuführten, für ihre sonstigen und speeiell in dieser Richtung erworbenen Verdienste, als Zeichen ehrender Anerkennung und zur Anspornung ähnlicher Leistungen in der Reihe der Gründer auf der Gedenktafel des Lehrlingsheimes zu verewigen, was unter begeisterten Eljenrufeu vom Ausschüße einstimmig angenommen und beschlossen wurde. Bei dieser Gelegenheit constatiren wir die Thatsache, dass der Verein alljährlich von den durch D. H. Spitzer acquirirten Mitglieder einige Tausend Kronen an Mitgliedergebühren einnimmt, und dass durch ihm dem Vereine viele Tausend Kronen au Stiftungsgeldern, Spenden und Kranzablösungen zugcführt werden. Spitzer gehört dem Ausschüße dieses Vereines bereits seit einem Vierteljahr hundert an, und im Hinblicke auf dessen grandiose Leistungen, können wir nur wünschend sprechen: Gehet hin, und thuet desgleichen. W. A. ZZcrlin. Auch in diesem Jahre veranstaltet der Deutsch-Israelitische Gemeindcbund einen Eurius zur musikalischen Fortbildung jüdischer Canicren. Derselbe reicht vom 15. April bis zum 4. Juli d. I. und steht jedem stimmbegabten, staatlich geprüften israelitischen Lehrer^kostenlos offen, sofern er sich zum regelmäßigen Besuch des ganzen Cursus und zur privaten Benutzung eines Clavirrs verpflichtet. Zu Aufnahme- Prüfungen sind die Leiter der Uebungen, die Herren Cantor A. Friedmann und Musikdircctor William Wolf, am 12., 13. und 14. April und auch schon vorher bereit. Weitere Auskunft ertheilt das Bureau des D. I. G. B., Berlin 'W., Sigismundstraße 5. London, 9. März. Das Loarck of Guardians hat, wie wir dem soeben ausgegebenen 42. BerwaHmgsbericht entnehmen, während des abgelausenen Jahres 137.881 Lstr. (2,657.620 Mark) vereinnahmt, dagegen 140.980 Lstr. (2,818.< 00 Mark) verausgabt, also einen Fehlbetrag von 3049 Lstr. (60.980) zu verzeichnen. Diese Steigerung der Ausgaben hat ihren Grund in der Zunahme der Einwanderung der rumänischen Juden, wodurch die Zahl der Unterstützungs-Bedürftigen auf 5439 anwuchs. Außerdem wurden 375 geeignete Personen mit Hilfe der J. C. A. außerhalb Europas untergebracht, 1129 hier sesshaft gemacht, der Rest, 1399 Familien mit 1900 Seelen, nach Rumänien zurückgeschickt. — Auch die Anglo Jewisb Association hat sich in ihrer letzten Monats-Sttzung vorwiegend mit der Lage unserer rumänischen Glaubensgenossen, welche der zweite Vorsitzende, Herr H. G. Lousada, als geradezu trostlos und für absehbare Zeit keinerlei Besserung verheißend kennzeichnete. Dennoch sei es ein Verbrechen, die Bejammerswerthen zur Auswanderung zu veranlassen. Ohne Kenntnis eines Handwerks oder auch nur der Sprache des Landes, in das sie fiüchten, müssen sie gesteigertem Jammer cnt- ^egengehen, wie die grässliche Roth der nach Anatolien Ausgewanderten beweise. Die Zustände im Eastend London's hätten sich sehr bedrohlich gestaltet, und falls der Massenzuzug nach New-Iork fortdauere, sei ein Verbot der jüdischen Einwanderung überhaupt zu befürchten. In Kanada bestehe zweifellos eine Nachfrage nach landwirthschaftlichen Arbeitern, aber nur nach solchen, nicht nach Hausirern und Kleinhändlern. Zudem seien nur wenige rumänische Juden im Stande, dem heißen Sommer und dem grimmigen Winter Kanada's zu trotzen. So traurig cs sei, der größte Theil unserer unglücklichen Brüder müsse in Rumänien ausharren und dort ausgiebig unterstützt werben. Dieselben mögen Vertrauen zu der J. C. A. haben, welche, entschlossen, ihnen zu helfen, langsam, aber sicher vorgehe. Ueber die Pläne der J. C. A. in Bezug auf diese ihre Hilfsaction halte Redner (der selbst Mitglied ,des Verwaltungsrathes ist) vorzeitige Mittheilung für inopportun, nur so viel wolle er bekannt geben, dass monatlich 200 kräftigen, arbeitswilligen jungen Leuten zur Auswanderung verholfen werden soll. Verschiedene Nachrichten. Men. Freitag, den . 29. d. feiert einer der beliebtesten Männer, in der Wiener Cultusgemeinde, Herr Cultusvorfieher Architekt Max Fleischer, seinen 60. Geburtstag. Ein hervorragender Künstler, und pabei johne jede Ueberhebung, schlicht und einfach in seinem ganzen .Wesen, hat sich Fleischer in seiner beruflichen und vielseitigen gemeinnützigen Thatigkeit unzählige Verehrer und Freunde erworben, welches den Ehrentag dieses.selte nen Mannes gewiss mit inniger Herzensfreude Iegehen werden. Architekt Fleischer ist ein Schüler des TombaumeisterS 'Friedrich 'Schmidt und hat sich im Atelier des Meisters, wie auch als Leiter einer Bauabtheilung an dem Baue des neuen Rathhauses beiheiligt. Das goldene Verdienstkreuz mit der Krone und das Bürgerrecht der Stadt Wien waren die sichtbaren Zeichen der Anerkennung seiner Verdienste. Sein Lehrer und Meister ehrte ihn noch ganz besonders dadurch, dass er seine Büste am Schlussstein des Rathhauseinganges anbringen ließ. Nachdem er sich selbstständig gemacht hatte, wendete Herr Fleischer seine Hauptthätigkeit Synagogenbauten und Entwürfen von Gruftdenkmälern zu. Die Synagogen im 7. und 9. Bezirk, sowie jene zu Budweis, Krems, Pilgram und anderen Orten sind seine Werke, die Grabdenkmäler von Wilhelm v. Gutmann, Profeffor Sulzer und Dr. Adolf Jellinek auf dem Wiener Centralfriedhof wurden nach seinen Entwürfen ausgesührt. Wien. Sonntag, den 31. d. M. findet im türkischen Tempel die Trauung des Frl. Riva Adutt, Tochter des Vicepräses der türk. Gemeinde, Herrn Licco L. Adutt, mit Herrn Julius Fränkl statt. Wien. Obercantor Bauerund Frau feiern Sabbath-Chol« Hamoed Pessach das Barmizwahfest ihres jüngsten Sohnes Gustav im türkischen Tempel. H^isek. Unserer langjähriger und allbeliebter Cantor, Herr Moriz. R o s e n f e l d, begeht am, 2. April d. I. das seltene Fest der 50jährigen Amtswirksamkeit als gottesdienstlicher Functionär. Freunde und Verehrer in- und außerhalb der Gemeinde, sowie die zahlreichen Collegenkreise werden gewiss diese Gelegenheit ergreifen, um den seltenen Jubeltag eines Mannes zu verschönern, der so lange Zeit und so mustergiltig im heiligen Dienste wirkt. Arag. Die Tafelrunde jüdischer Studenten „^raternitas" veranstaltete hier am 16. März ein Tanzkränzchen, welches einen sehr animirten Verlaus nahm. Das Neinerträgnis im. Betrage von 100 K. galt der Errichtung einer jüdischen Toynbee-Halle, die der jüd. Volksverein ins Leben rufen wird. Srag. Im Verein „Afike Jehuda" hielt am 21. d. M. Herr Rab« biner Tr. Nathan Grün den sehr beifällig aufgenommenen zweiten Vortrag über „Was uns die Grabsteine aus dem alten jüdischen Friedhof erzählen" und zog nebst der Biographie der hervorragenden Todten auch Cultur- und Sittenbilder aus dem alten Prag in den Kreis seiner Besprechungen. Mit besonderer Vorliebe verweilte der Vortragende bei der sagenumsponnenden Gestalt des hohen Rabbi Löw und besprach auch die Golemsagcn aller Länder und Zeiten. Nach dem sehr beifällig aufgenommencn Vorträge dankte der Vereinspräses, Herr Dr. Za lud, dem Vortragenden für feine fesselnden Ausführungen. Dann wurde die Jahresversammlung des Vereines abgehalten, nach welcher zahlreiche Mitglieder und Gäste noch lange in anregender Geselligkeit beisammen blieben, wobei "gehaltvolle und geißreiche Tischreden gehalten wurden. Z-reßtrirg. (Ovation für den Rabbiner der i s r a e l. R e l i g i o n s g e m e i n d e.) Wie uns aus Preßburg mitgetheilt wird, soll .Herrn Tr. Funk, der sich sowohl in seiner Gemeinde als auch in der orthodoxen Gemeinde daselbst während seiner dreijährigen ^Wirksamkeit einer allgemeinen Beliebtheit erfreut, von beiden Gemeinden ebne sehr innige x Ovation dargebracht werden. Das Preßburger antisemitische Organ „Grenzbote", welches sich anlässlich der Tißa-Eßlaer-Procesfes durch seine blutdürstigen Hctzartikel darin gefiel, durch die fortwährende Blutritualhetze die damalige Plünderung bei den jüdischen Bewohnern Preßburgs Herborzurufen, hatte auch anlässlich des Polnaer Proccsfes mit allen Mitteln in alltäglichen Leitartikeln das Blutrituale der Juden betont. Rabbiner Dr. Funk, der sich in Preßburg die heilige Aufgabe gestellt, das so tief gesunkene moralische gesellschaftliche Prestige des dortigen Judenthums zu heben, nahm die Gelegenheit, von der Kanzel gegen die ehrabschneidende Blutlüge Stellung zu nehmen, ohne den Namen des „Grenzbote" zu nennen. Der „Grenzbote" hatte nun zur allgemeinen Entrüstung der Preßburger Judenheit eine Hetze gegen Dr. Funk inscenirt. Schließlich konnte die Gemeinde Dr. Funks es sich nicht gefallen lassen, die Ehre ihres so sehr beliebten Seelsorgers besudelrr zu lasten, und beranlasste Dr. Funk, gegen den „Grenzboten" die Preßklage einzuleiten. Am 18. Februar hat die Schlussverhandlung stattgesunden, bei welcher alle jüdischen Geschworenen ausgeschieden wurden. Bei dieser-Gelegenheit hielt Rabbiner Dr. Funk als Privatkläger eine derartig großangelegte Schlussrede, so dass die „Preßburger Zeitung" dieselbe dem Wortlaute nach abdruckte, mit der Bemerkung, dass der Schwurgerichtssaal in Preßburg durch diese Rede zu einem denkwürdigen geworden sei. Noch im Saale wurde Dr. Funk sowohl von jüdischer als auch von christlicher Seite beglückwünscht. Tie Geschworenen erblickten

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