Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 13 (29.3.1901)
- Date
- 1901-03-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Aie Wayrbeil Redartion u. Administration Hnaktzängige Keilschrift für Mische Wien, n/1, Novaragaffe 27. fl. I. östrrr. Postsparcaffa Ganzjährig . . fl. 12.— Halbjährig . . . fl. 6— Sheck.Eonto Nr. 846.251. Hnlere-sen. Für Lultusbeamte: > usirat,: Ganzjährig ... fl. 10.— 20 Heller Per Nonpareille-Zeile. Erscheint jeden Freitag. Für Ausland: Abonnements- und JnsertionS» Ganzjährig .... 12 Mark betrüge find in Wien zahlbar. Mall« : .Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" 6 Rubel ober 16 Frc». Ar. 13. Vien, 89. Mär? Ml. Inhalt r Scharfe Verurteilung des Antisemitismus. — Eine Sonnenthal-Vorlesung. — Die Schule, die ich meine. — Das jüdische Museum in Wien. — Das Stiefkind. — Die Zionisten gegen die Jewish Colonisation Association. — Gemeinde- und Vereinsbote. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Heimweh. — Reflexionen. Wir ersuchen unsere geehrten Abonnenten um Einsendung der Abonnementsgebühr für bas mit 1. April beginnende II. Quartal. Gleichzeitig richten wir an alle unsere Freunde die Bitte, uns Adressen von Glaubensgenossen mitzutheilen, welche noch nicht Abonnenten unseres Blattes find, und ihren Kreisen für die Förderung unserer Bestrebungen, die den Interessen des Judenthumes dienen, einzutreten. Die Administration. Scharfe Vermtheilung des Antisemitismus. Die in Dresden erscheinende „Deutsche Wacht" brachte, so wird von dort geschrieben, in einer ihrer letzten Nummern die auch in anderen antisemitischen Zeitungen veröffentlichte Warnung an „deutsche Eltern", ihre Kinder ganz besonders in der Osterzeit zu hüten und vor jeglichem Verkehr mit verdächtigen Juden in Acht zu nehmen. Der jüdische Theil der Dresdener Bürgerschaft war über diese freche Ruchlosigkeit empört und hielt mit dem Ausdruck seiner sittlichen Entrüstung nicht zurück. Große Genugthuung empfindet man nun darüber, von maßgebender Seite öffentlich bezeugt zu sehen? dass der beste Theil der christlichen Bewohnerschaft Dresdens diese Entrüstung theilt. Kein Geringerer als Oberes n s i st o ria l r a t h Dr. Dibelius, Superintendent, Pastor prim, an der Kreuzkirche, richtete am letzten Bußtage in der etwa 5000 Personen fassenden, überfüllten Hauptkirche Dresdens an die christliche Bußgemeinde ungefähr folgende Worte: „Eine der Hauptsünden ist der Hass, der sich auch als politischer Hass geltend macht. Ich denke auch besonders an den Hass, der viel schlimmer ist und in letzter Zeit stärker hervortritt. In diesen Tagen hat ein hiesiges Blatt einen Artikel gebracht, durch den sich die jüdische Gemeinde tief gekrankt fühlt, und der auch v i e l e C h r i st e n verletzt hat. Ausgehend von Könitz und anderen bedauernswerten Verbrechen, werden die Christen vor Umgang mit Andersgläubigen gewarnt. Die jüdische Gemeinde fragt, ob dies christlich sei und sich mit der christlichen Liebe vertrage. Und sie fragt mit Recht. Ick aber antworte: Nein, das ist nicht christlich, sondern antichristlich. Heute am Bußtage sei es in feierlicher Stunde ausgesprochen: Wer in dieser Weise Hass verbreitet und nicht die Liebe predigt, die Christus gepredigt hat, kann nicht zu ihm hingezogen werden." Eine Sonnenthal-Aorlesung. Als xiöes äs reoistanos veranstaltete die „Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischem Denkmälern des Judenthums" eine Vorlesung Adolf Sonnenthals. Es braucht wohl nicht erst gesagt zu werden, dass der Feftsaal des Ingenieur- und Architekten-Vereines, in welchem die Vorlesung stattfand, die Menge der Besucher kaum zu fassen vermochte und dass das Publikum nicht nur aus der Crsme der Wiener jüdischen Gesellschaft bestand, sondern dass auch weitere Kreise sich in großer Zahl einfanden, um den berühmten und beliebten Künstler am Vortragstisch zu bewundern. ES braucht auch nicht erst besonders hervorgehoben zu werden, dass Sonnenthals Kunst des Vortrages reichen und nachhaltigen Beifall fand. Aber dieser Beifall galt ausschließlich dem Künstler, dem das Publikum es lohnen wollte, dass er feine Kunst irr den Dienst einer jüdischen Sache stellte, und seiner fein charakterisirenden Vortragsweise. Indem wir auch unsererseits sowohl die Liebenswürdigkeit und Opferwilligkeit des Künstlers, als auch das Bestreben des Curatoriums der Gesellschaft, alljährlich den Mitgliedern den Genuß einer Sonnenthal-Vorlesung zu bieten, gerne anerkennen, können wir doch nicht umhin, deu schärfsten und nachdrücklichsten Einwand zu erheben gegen deu von Herrn von Sonnenthal für seine Vorlesung in der „Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern d e S I u d e n t h u m s" — so lautet ja der etwas langathmige Titel der Gesellschaft — gewählten Gegenstand. Und da können wirdenn bei aller Werthschätzung für den Künstler und bei aller- Anerkennung für die Bestrebungen der Gesellschaft, oder vietmehrim wolverstandenen Interesse ihrer Bestrebungen, die wir jederzeit zu fördern bereit sind, unseren rückhaltlosen Tadel nicht verhehlen. Indem wir dies thun, erfüllen wir nicht nur unsere pnblicistische Pflicht, sondern'bringen wir auch, wie wir ans Aeußerungeu vieler der denkenden Besucher und Besucherinnen wissen» nur die allgemeine Empfindung zum Ausdruck, dass durch die für den Vortrag gewählte Dichtung das Publikum in seine» Erwartungen in jedem Betracht sich enttäuscht fühlte und dass in dieser Hinsicht diese Veranstaltung der Gesellschaft durchaus verfehlt war. Herr v. Sonnenthal las nämlich das Festspiel der Gräfin T h n n - S a l m „Des Kaisers Traum", ein Festspiel, ^das, wie der Vortragende einleitend bemerkte, bestimm^