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Die Wahrheit · 1901-03-15 · Heft 11 (15.3.1901) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 11 (15.3.1901)
Date
1901-03-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 8. Die Wahrheit. Nr. 11. der Brigittenau. Diese, einem Doppelzwecke, der Humanität und dem Vergnügen, dienende Veranstaltung ist .nur lobens- und nachahmenswerth! Wie verträgt sich nun dieses Lob mit dem in diesen Blättern so strenge gerügten „Ballfest* zu Gunsten des Pensionsfondes der Angestellten der Pester isr. Religionsgemeinde, dessen Präsident Samuel Deutsch ist? So werden gewiss die Leser dieser Blätter fragen. Und wir antworten mit dem Brusttöne der Ueberzeugung: Ganz gut! Denn, dass der Pensionssond sich in einem erbärmlichen. Zustande befinden soll, der dringend einer Aufbesserung bedarf, ist doch fast aus sch ließlich dem Präsidenten desselben zur Last zu legen. Und dann: Wen kümmert denn der Pensionsfond überhaupt? Es ist ja die heiligste Pflicht einer jeden honetten Gemeinde, für ihre Angestellten zu sorgen und dieselben auch anständig zu versorgen. Dass man für die Gemeindeangestellten das Mitleid der Gemeindemitglieder anruft, ist schon deshalb nicht zu billigen, weil die ehrenwerlhen Personen, die ihr bestes Können in den heiligen Dienst der ^Gemeinde stellen, es durchaus nicht verdienen, dass man mit ihnen Rachmonuß haben soll. Sie thun der Gemeinde gegenüber gewissenhaft ihre Pflicht und haben das vollste Recht zu fordern, nicht aber ans Gnade angewiesen zu sein. So viel zur Klarstellung unseres Standpunktes. D. H. Spitzer. Hjudapest. (Gegen die Proselytenmacherei.) In den. Kreisen der hauptstädtischen Judenschaft haben die Berichte über die statt gefundene Gerichtsverhandlung in der Strafsache gegen die Familie Wohlschein peinliche Sensation erregt, weil man erfuhr, dass der von seinen Angehörigen mishandelte Bela Wohlschein, der von der Polizei vor einem Jahre in einem Nounenasyl untergebracht wurde, dort getauft und als Mitglied der römisch-katholischen Confession immatrikulirt wurde. Da der Knabe heute erst neun Jahne zählt, ist seine Taufe nach unseren Gesetzen ungiltig. Um jedoch zu verhindern, dass das Kind, das seine Familienangehörigen'heute bereits verächtlich „Inden" nennt, seiner Religion ganz entfremdet werde, hat der Abgeordneter Mo riz Mezei in dieser Angelegenheit mit dem Minister- Präsidenten Rücksprache genommen. Herr v. Szell ließ sich eingehend über die Cache informiren und erklärte, er werde sich von der Polizei, die den Knaben im Nonnena'yl untergebracht hat, Bericht erstatten lassen und dann die erforderlichen Verfügungen tr efien. Co wird denn las widerrechtlich getaufte Kind voraussichtlich bald der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde übergeben und im isracl. Waisenhaus untergebracht werden. Sze«itz (Ungarn). Am 25. v. M. fand die Wahl des Vorstandes der hiesigen isracl. Culiusgcmeinde statt. Zum - Cnltusvorst eher Nurde Herr M. Eck örmann wieder gewählt, zum Vicepräfes Herr Heim. Deutsch, als Bcirälhe die Herren : M. Lazar, M. Epitzir und M. Ccllestnger, als Cassier Herr Simon Mandl, als Ttinpelvor sicher die Herren Bernhard Grünseld, I. Kohn und Adolf Hirschmann, als Schulpräses Herr Joses Ncichsield. Mit Bedauern sehen wir den bisherigen Vicepräfes, Herr Dr. Sigm. Grünseld, ans dem Vorstand ausscheiden. Herr Tr. Grünseld, der hier sehr beliebte und in Kreisen hochgeaätete Gemeinde- und Stadtarzt, der ein warmfühlendes jüdisches Herz besitzt, widmete seine ganze Kraft den Gemeindea ngelegenheitkn, und seine Demission verursacht eine empstndlich e Lücke. Wir hoffen jedoch, dass Herr'Dr. Grünseld recht bald wieder seine frühere Ehrenstelle anznnehmen bereit sein wird. Mit Befriedigung dürfen wir überhaupt ans das jüdische Leben und auf das unermüdliche Schaffen in unserer Gemeinde zurückschaucn. Besonders seit dem Amtsantritte Sr. Ehrw. des Herrn Bezirksrabbiners Dr. . Marmorstein sind so viele neue Jnstilniionen zrnn Wohle unserer Gemeinde errichtet 'worden, dass wir unünm geistlichen Oberhaupt hiesür nicht genug (danke n könr en. C.o haben-wir ein. den Modernen Ansprüchen genügendes, dabei dcrr rituellen 'Gesetzen entsprechendes Bad und eine gluorga nisirte Schule. . . Mochte /.es unserem ehrwürdigen Rabbiner, w Ucher durch Klugheit, -Einsicht, .rpghre'Religiosität und hohe all gemeine Bildung sich äuszeichrret, lloch recht lange vergönnt sein, zum Wohleder Hiesigen Gememdezn wirken! Armzlim, 8. März. Die hiesige israel. Religionsschule wurde durch Herrn Rabbiner Dr. Freund, aus Görlitz inr Austrage des deutsch-israelitischen GemeindebundeS einer Revision unterzogen. In Gegenwart des Vorstandes und der Schulcommisfion der Synagogengemeinde sprach sich der Herr Revisor sehr lobenswerth über Methode, Darbietung des religiösen Stoffes- und Disciplin an der Schule aus. Insbesondere hob er hervor,, dass der Leiter der Schule, Herr Cantor Tintner, nicht nur im. religiösen Geiste unterrichte, sondern beflissen sei, seine Schüler zu braven Menschen und treuen Staatsbürgern heranzubilden- Erzählung von Eduard Kulte. (43. Fortsetzung.) Aber da Hab ich mir es vorgestellt, was Ihr von mie habt haben gewollt, und es hat sich in mir das Herz im Leib herumgedreht, ich Hab den Gedanken nicht ertragen können, dass ich sie, die ich einmal in mein Herz eingeschlossen Hab, verlassen und vergessen soll! Ach, was ist das für eine Zelt für mich gewesen. Nun muss ich Dir sagen, dass ich seit jerwr Zeit nur selten eine ruhige Stund gehabt Hab.. Wie ich die Nachricht von dem Tod des Vaters, der Friede soll mit ihm sein, erfahren Hab, was'ich mir da für Vorwürfe gemacht Hab und wie mich das Gewissen gepeinigt hat, davon kannst Du Dir keine Vorstellung machen, und ich kann Dir das nicht beschreiben. Ich Hab ihn unter die Erd gebracht — Hab ich mir vorgeworfen — ich bin es, der an seinem Tod schuld ist, der Dir Deinen Mann und meiner Schwester den Vater geraubt hat. Ach, was Hab ich ausgestanden, wenn ich mir vorgestellt Hab, wie Ihr daheim auf der Erde sitzet, und weint und trauert um den Hingeschiedenen, und klagt mich an vor Gott, dass iH es bin, über den er sich in seinem Kummer das Herz abgegeffen! Im Paradies soll er ruhen, und er ruht gewiss dort zur Belohuung der Leiden, die er hier auf Erden ausgestanden und die ich ihm verursacht Hab. Wie weh hat es mir gethan, dvss ich nicht einmal um ihn Hab trauern können, wie es sich gebührt, dass, ich mich nicht Hab können niedersetzen auf die Erd^ so wie Ihr, dass ich mir nicht Hab eine Kerieh geschnitten, wie hat es mir mein Herz zerrissen, dass ich, sein Sohn ihm nicht Hab können Kädisch nachsagen! Ich weiß noch heut nicht, wie ich das überlebt Hab. SDer Mensch kann mehr ertragen, als man meint, und Gott schickt ihm, wenn er auch noch so tief gefallen,, seine Tröstungen. So hat er mir auch bald darauf mein Kind geschenkt, mein Chamrele- Leider Hab ich ihr damals, wie sie ist geboren worpen, nicht können diesen Namen geben, und was mir hält ein Trost sein sollen, ist für mich nur eine Quelle neuer Traurigkeit geworden. Wie Hab ich mich damals gefreut darüber, dass Ihr nicht zur rechten Zeit eingetroffen feib, beim es war mir ja doch unmöglich gewesen von ihr zu lassen, selbst wenn sie mich vor Deinen Augen verstoßen hält. Aber ich Hab diese- Freude abgebüßt, Mutterleben; sie hat nicht lang gedauert diese Freude, und ich Hab seit der Zeit, wie ich Dir schon geschrieben Hab, nur selten eine ruhige Stund gehabt. Aber ich will nun suchen, alle die Traurigkeit, die ich Dir verursacht Hab, zu vergelten, und ich Hofs', Gott wird mir dazu seinen Beistand geben. DM verirrter nnd rückkehi enden Sohn Josef. Hatte die Nachricht aus Amsterdam aus .dem Dorfe draußen die Gemüther in Aufregung versetzt und Zorn, Hass,. Nachegefühl, Mitleid und Bedauern hervorgerufen, .so war dies-, alles noch nichts, verglichen mit der Verwirrung, welche sie in der „Gosse" hervorrief. Dass, ein Sohn ans der „Gaffe"'voiv seinem Glauben abgefallen, das war wohl, ein harter Schlag, aber es ist so etwas in der Welt, schon vor Joses vorgekommen;. dass aber ein Mensch, der sich losgelöst von den Seinigen, zu dem Glauben seiner Väter wieder zurückkehrt, dass seine Frau, die Ehristln, nichts dagegen gethan, das war etwas so Unerhörtes, dass man im Zweisellwar, ob man es glauben dürfe-, (Fortsetzung folgt.) - . .

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